[Rezension] Und im Zweifel für dich selbst | Elisabeth Rank

Vor einer Weile wurde ich für eine Testleserunde bei Lovelybooks angenommen. Nun endlich bin ich fertig mit dem Lesen und will natürlich nicht darüber schweigen, wie mir dieses Buch gefallen hat!

Und im Zweifel für dich selbst
Elisabeth Rank:
Und im Zweifel für dich selbst

Über das Buch:
Wenn man zwanzig ist und nie auf die Idee kommen würde, jeden Tag so zu leben, als wäre es der letzte – wie geht man dann mit dem Tod des Geliebten um?

Als Lenes Freund Tim bei einem Autounfall stirbt, bricht die Existenz von Lene und Tonia in Stücke. Berlin, Prüfungen, Partys – nichts in ihrem Leben ist bislang besonders schwerwiegend gewesen. »Nutze den Tag« war nur ein hübscher Spruch in Schönschrift. Als sie plötzlich mit einem schrecklichen Verlust klarkommen müssen, setzen sie sich ins Auto und fahren los, erst mal nur weg, kreuz und quer durchs sommerlich heiße Mecklenburg, Hauptsache nicht zurück, denn zu Hause wird alles anders sein. Doch am Meer geht es nicht mehr weiter, und Tonia, die Erzählerin, begreift: So sehr man glaubt, die Welt bleibt stehen, es geht immer weiter. Für die anderen, die noch da sind. Für die neue Liebe. Und im Zweifel für sich selbst.

»Am Rand der Landstraße hielten wir an, um zu rauchen. Nebeneinander lehnten wir am Auto, es mußte schön ausgesehen haben für die, die in den Autos saßen und an uns vorbeifuhren. Zwei Beine in einem Rock und zwei Beine in einer engen Hose, wehende Haare und Zigaretten zwischen den Fingern. Wie Cowboys standen wir, und vielleicht dachten sie, wir fänden das gut, wir würden das genießen.«

Elisabeth Ranks literarisches Debüt ist ein Generationenporträt und der Roman eines Lebensgefühls: die Geschichte der ersten echten Krise im Erwachsenenleben, erzählt als Roadstory.

deutsche Erstausgabe
Klappenbroschur, 200 Seiten
12,90€ [DE] | 13,30€ [AT]
ISBN 978-3-518-46143-3
Suhrkamp Nova
Leseprobe

Meine Meinung:
Was mir schon zu Anfang an geradezu ins Auge sprang, war dieses wunderschöne Cover. Es ist sehr schlicht, wie man sehen kann, und dennoch fasziniert und begeistert es mich. Wie schön einfache Dinge sein können.
Doch nicht nur optisch weiß dieses Buch zu überzeugen.
Der Schreibstil der Autoren ist sehr angenehm. Es erscheint dem Leser fast, als würde Tonia neben einem stehen und erzählen, so leicht tänzeln die Worte vorbei, erzeugen Bilder im Kopf, die zum Leben erwachen, bleiben – und treffen. Die Autorin weiß sehr gut, Dinge darzustellen, die mit normalen Worten gar nicht zu erfassen wären.
Und so fährt man mit ihnen mit, mit Lene und Tonia, und besonders letztere versteht man mit jeder Seite besser. Natürlich ist durch den Ich-Erzähler unweigerlich ein besser Einblick in ihren Charakter geboten, so viel ist klar. Und ich gebe offen zu, dass ich nicht jede von Lenes Handlungen vollkommen nachvollziehen konnte. Doch Tonia ist ein Charakter, der in sich schlüssig ist – ein Mensch wie du und ich; und das merkt man. Man kann sich einfach wunderbar mit ihr identifizieren, versteht sie, als wäre man sie.
Letztlich kann ich nur sagen, was dieses Buch für mich ist; denn einen roten Faden, eine klare Handlung wird man hier nicht finden.
Für mich ist es eine Geschichte über einen Verlust und eine Flucht, die das Nachdenken erzwingt, Entscheidungen erfordert und das Realisieren unumgänglich macht. Nicht nur um Tim kreisen die Gedanken, oft auch um das eigene, bisherige Erinnerungen. Besonders Tonias Freund Friedrich und Vince beherrschen ihre Gedanken und dennoch ist sie für Lene da, so gut es eben geht.
Man kommt selbst ins Stocken, denkt nach, überlegt. Man gibt sich Erinnerungen hin, die womöglich rein gar nichts mit der Geschichte zu tun haben. Doch auch sie kommen plötzlich, ebenso wie sie auch im Buch plötzlich kommen; den Leser gar verwirren. Und auch das ist schön, es ist real.
Am Ende trauert man selbst um Tim, wünscht ihn zurück, auch wenn man ihn gar nicht kannte. Man weint für Lene, für Tims Eltern, für seinen Bruder, für Tonia … und auch ein bisschen für sich selbst.
Und selbst am Ende, als man merkt – sie schafft es! Selbst da bleibt dieser Kloß im Hals, denn selbst dafür muss einiges getan werden. Und wieder weint man, weil es nicht so einfach geht; dann wäre das Leben fast perfekt.

„Und im Zweifel für dich selbst“ ist ein bittersüßes Buch; ein kurzes Vergnügen, das lange nachhallt und dem ich gerne fünf von fünf Sternen zuspreche.

Über die Autorin:
Elisabeth Rank wurde 1984 in Berlin geboren, wo sie Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie Europäische Ethnologie studierte, inzwischen lebt und arbeitet sie in Hamburg.

Ihren Blog findet ihr hier.

shiku

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4 thoughts on “[Rezension] Und im Zweifel für dich selbst | Elisabeth Rank

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