[Rezension] Das Tal Season 1.1: Das Spiel | Krystyna Kuhn

Krystyna Kuhn Das Tal 1 Das Spiel
Krystyna Kuhn:
Das Tal Season 1.1: Das Spiel

Über das Buch:
Eine hippe Einweihungsparty im Bootshaus: So feiern die Freshmen ihre Ankunft im Grace-College. Doch dann beobachtet der stille Robert das Unfassbare: Ein Mädchen läuft in tiefer Nacht in den See. Sie wird von einem merkwürdigen Strudel erfasst und ertrinkt. Robert versucht zu helfen – doch er hat keine Chance. Am nächsten Morgen glaubt ihm niemand seine Geschichte, obwohl tatsächlich ein Mädchen spurlos verschwunden ist. Aber Angela kann nicht in den See gelaufen sein. Denn Angela sitzt seit ihrer Geburt im Rollstuhl.

Arena
Klappenbroschur, 304 Seiten
9,95€ [DE]
ISBN 978-3-401-06472-7
Leseprobe

Meine Meinung:
Julia und Robert sind Geschwister und beide umgibt ein Geheimnis, das beider Leben zu zerstören scheint. Sie sind neu am Grace College, eine Woche nach Studienbeginn kommen sie endlich an. Hier hofft Julia, ihre Vergangenheit ruhen lassen und endlich neu anfangen zu können. Doch so leicht lässt sich das Geschehene nicht abschütteln, wie sie gleich bemerken muss. Robert wird von Alpträumen geplagt und dann ist da auch noch Chris. Chris, der mit den wundersamen Augen und den Bemerkungen, die Julia zutiefst beunruhigen.
Trotzdem geht das Leben am College weiter, und natürlich gibt es eine geheime Begrüßungsfeier für die Freshmen – doch als Robert plötzlich in den gefahrvollen See springt und erst David und letztlich auch Chris und Julia sie retten können, ändert sich alles schlagartig. Ein Mädchen soll ins Wasser gesprungen und ertrunken sein. Tatsächlich wird am nächsten Tag ein Mädchen als vermisst gemeldet. Doch Angela Finder ist an den Rollstuhl gefesselt und kann damit unmöglich das Mädchen sein, dass Robert sah. Es beginnt eine Suche nach Angela – und nach der Wahrheit.
Dabei lässt sich nicht vermeiden, dass auch Stück für Stück Julias und Robert Vergangenheit aufgerollt wird. Zumal ihr Schicksal mit dem Tal selbst verwoben zu sein scheint.

Was bei diesem Buch zuerst auffällt, ist das Cover. Von Weitem wirkt es bereits interessant und von Nahem ist es auch eine Art schrecklich, auf andere wunderschön. Die Farben scheinen sich zu beißen, man mag eigentlich gar nicht lange hingucken, andererseits ist die Gestaltung richtig klasse, so dass man als ästhetikbegeisterter Leser kaum mehr die Augen davon lassen kann.
Ähnlich widersprüchlich ist auch der Stil der Autorin. Da gibt es Passagen, in denen sie wunderbar flüssig schreibt und eine unheimlich dichte Atmosphäre erzeugt. Schon zu Beginn fühlt man regelrecht die Beklemmung der Geschwister, das Herz zieht sich zusammen und im Grunde will der Leser gar nicht weitergehen in seiner Lektüre – Furcht kommt auf.
Auch zwischendurch kehren solche Stellen immer wieder, auch wenn angemerkt sein sollte, dass teilweise auf Standards zurückgegriffen wird. So spielt zum einen das Wetter eine große Rolle und im dramatischen Moment zieht – natürlich – ein mörderischer Sturm auf. Aber diese Begebenheiten sind gut in Szene gesetzt, sie wirken.
An anderer Stelle wirkt der Text furchtbar abgehackt und ist sehr schwer zu lesen. Ein Satz knallt nach dem anderen, ohne jedoch eine größere Wirkung zu erzielen und somit strengt er den Leser nur unnötig an, nimmt dem Buch leider etwas an seiner Schönheit.
Ebenso zu bemängeln ist teilweise die Sprache der Jugendlichen. Ich kenne mich mit Unis in den USA nicht aus, weswegen ich zum Alter gar nichts sagen werde, aber manchmal wirkte die Sprache der Protagonisten sehr aufgesetzt, nicht wirklich jugendlich. Eher erzwungen. Das kam beileibe nicht ständig vor, aber ab und an war auch dieses der Grund für einen gestörten Lesefluss.
Als „Fan“ der Künstlerin sei noch ein weiterer („fataler“) Fehler angemerkt: Die wunderbare Emilie Autumn wurde kurzzeitig zu Emilia Autumn.
Aber sei’s drum. Inhaltlich hat das Buch einiges zu bieten. Zwar ist der Einstieg sehr lang, es dauert seine Zeit, ehe die Handlun in Fahrt kommt. Doch ist anzunehmen, dass dies daran liegt, dass „Das Spiel“ nur der erste Band ist – es bleibt also zu hoffen, dass mit dem nächsten Band die richtige Handlung sofort beginnt.
Dennoch ist das Buch keineswegs vorhersehbar. Auch die Informationen über Robert und Julia werden ungleichmäßig, aber doch genügend gegeben, so dass man nicht vollkommen im Dunkeln tappt und trotzdem Stoff zum Grübeln hat. Es ist hier wirklich notwendig, sich ein kleines Verzeichnis anzulegen und die Fakten zu notieren – womöglich auch andere seltsam erscheinende Dinge. So gibt es einige Kapitel, die einen Buchstaben zugeordnet bekommen haben. Was es damit wohl auf sich hat? Womöglich gar nicht, das wird sich zeigen.
Trotzdem hatte ich bei neuen Informationen selten den „Schock-Effekt“. Kam etwas Neues heraus, war es mehr wie ein „Aha.“ Nur bei einigen, sehr unheimlichen und gut inszenierten, Details schafft es die Autorin, den Leser einen Schauer über den Rücken zu jagen. Spannend ist das Buch dennoch – das kann ihm wirklich nicht abgesprochen werden.

Letztlich bleibt zu sagen, dass „Das Spiel“ sprachlich okay, teilweise atmosphärisch grandios und inhaltlich überzeugend ist. Es liest sich nicht so leicht weg wie manch anderes Buch, seine Freude hat man aber nichtsdestotrotz. Deswegen sind meiner Meinung nach dem Buch vier von fünf Sternen zuzusprechen. Das Buch mag seine Macken und unschönen Stellen haben, lesenswert ist es allemal.

Info nebenbei:
Bis jetzt sind drei weitere Bände geplant, die alle mit zur 1. Season zählen. Durch den Titel ist zu vermuten, dass es noch weitere große Kapitel aus dem Tal geben wird, aber das wird sicherlich noch genauer bekannt gegeben. Für jetzt gibt es bei „Das Tal Season 1“: „Die Katastrophe“ (August 2010), „Der Sturm“ (November 2010), „Die Prophezeiung“ (Februar 2011).

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15 thoughts on “[Rezension] Das Tal Season 1.1: Das Spiel | Krystyna Kuhn

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  2. Interessante Rezension. Du sprichst ein paar Punkte an, die ich noch bei niemandem gelesen habe und die mir selbst so auch nicht aufgefallen sind.
    Die Sprache fand ich z.B. durchweg flüssig und auch die Jugendsprache sehr glaubwürdig. Das mit Emilie Autumn ist natürlich fatal, aber mir gar nicht aufgefallen, weil ich die Künstlerin nur vom Namen (und von Bildern) kenne. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, fand ich die ständigen Liedstellen auch eher missglückt. Das ist so ein erzwungenes Hilfsmittel, um etwas cooler rüberzukommen.

    Das finde ich super, dass du das mit den Buchstaben vor den Kapiteln ansprichst. Mir ist das nämlich auch aufgefallen. Insgesamt gibt es 4 solcher Buchstaben und wenn man die richtig anordent, ergeben sie das Wort „Gabe“. Ich hab die Autorin schon dazu befragt, aber sie wollte noch nicht wirklich was dazu preisgeben ;)

    • Ja, wirklich sehr fataler Fehler. -lach-
      Ich war im ersten Moment richtig verwirrt und hab erst einmal gesucht, ob es doch eine Künstlerin mit dem Namen gibt, aber … nein, es war Emilie. Gleich zu Beginn so ein großes Rätsel!
      Ja, das waren auch so Stellen, die mich etwas gestört haben. Früher fand ich Liedzeilen in Prosatexten richtig klasse, aber inzwischen mag ich es gar nicht mehr so sehr. Manchmal passt es, aber meistens … kann man drüber streiten.
      Aber letztlich empfindet es ja jeder anders. Sieht man ja schon an den zwei Punkten, die du angemerkt hast – Textflüssigkeit (huh, seltsames Wort!) und Jugendsprache. Ich kann mit beidem wirklich nicht absolut zufrieden sein.

      Hach, diese Autoren immer! ;)
      Ich hab gar nicht daran gedacht, es umzustellen … sondern hab aufgegeben, nachdem die Buchstaben in der Reihenfolge hintereinander keinen Sinn ergaben. (Ja, ich bin ein unglaubliger Rätsel-Profi! xD) Aber so … hm! Danke für den Denkanstoß! :3

      • Haha, ich glaube mir geht es da genauso. Früher fand ich Songtexte in Geschichten auch total super. Inzwischen finde ich, dass es meistens aufgesetzt wirkt. Und generell kommen englische Bücher damit auch leichter davon, wahrscheinlich weil es sich sprachlich besser eingliedert.

        Kein Problem wegen des Denkanstoßes :) Ich bin auch total gespannt, was das mit den ganzen Nummern auf sich hat, die Robert aufgezählt hat. Ich finde solche Rätsel total cool und hoffe dass es auch für den Leser noch mehr in den Folgebänden zu rätseln geben wird :D

      • Womöglich. (: (Englische Bücher mit Songtexten sind mir noch nicht so oft über den weg gelaufen. Nun gut, so wahnsinnig viele englischsprachige Bücher habe ich auch noch nicht gelesen. -lach-)

        Und vor allem, dass wir die Rätsel auch lösen können! :D
        Bis August ist es ja zum Glück nicht mehr so lange hin, dann geht es bald weiter. Ich freu mich schon richtig auf den nächsten Teil!

      • Ich freu mich auch schon sehr :D v.a. auf das schöne Buch, ich find die Covergestaltung so toll. Sieht gut aus und fühlt sich auch noch gut an ;D

      • Das kann ich nur unterschreiben!
        Ich hoffe nur, dass sich die Farben dieses Mal nicht ganz so beißen, auch wenn das auch wieder etwas hätte. xD

      • Ich befürchte um beißende Farben werden wir nicht drum rum kommen, die folgenden Cover scheinen ja schon festzustehen und die sind in echt bestimmt genauso grell wie sich vermuten lässt ;D

      • Ja. Aber vielleicht verträgt sich das Orange etwas besser mit dem Grau, so war es gemeint. (: Dieses Pink war teilweise ja schon recht fies. xD

      • Das kann natürlich sein! Aber es gibt ja auch NEON Orange xD Ich fand das Cover trotzdem ziemlich cool, auch wenn man nicht lange raufgucken kann ;D
        Wenn sie wirkliche mehrere Seasons rausbringen, fände ich es total cool, wenn sie sich immer an ein Farbscheme halten, also für Season 2 dann Blautöne oder so :D

  3. Ich lass mich einfach überraschen. x)
    (Das Cover fand ich ja trotzdem auch klasse.)

    Stimmt, ist mir gar nicht aufgefallen. oô
    Hm, die Augen sollte ich wohl besser mit dem Hirn verknüpfen. -lach-

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