[Rezension] Wish U Were Dead | Todd Strasser

Todd Strasser Morton Rhue Wish U Were Dead Todd Strasser
alias Morton Rhue:
Wish U Were Dead

Über das Buch:
„Bis jetzt habe ich nichts davon geschrieben, dass ich bestimmten Leuten den Tod wünsche, aber allmählich hab ich die Schnauze voll. Ich hab keine Lust mehr, nett zu sein. Ich hab keine Lust mehr, irgendjemandem etwas vorzumachen. Diese Leute machen mir das Leben zur Hölle und ich wünschte, sie wären tot.
Lucy steht ganz oben auf meiner Liste. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für ein Scheißgefühl ist, wenn sie mich anstarrt, als wäre ich irgendeine ekelhafte Kanalratte. Ich hasse dich, Lucy. Ich hasse dich wirklich aus tiefstem Herzen. Du bist die Nummer eins auf meiner Liste. Ich wünschte, du wärst tot.“

Carlsen
kartoniert mit Klappenbroschur, 272 Seiten
9,95€ [DE], 10,30€ [A]
ISBN 978-3-551-35906-3
Leseprobe

Meine Meinung:
Lucy Cunningham ist hübsch, klug und beliebt – und alles andere als freundlich zu jenen, die nicht „cool“ sind. Dass sie nicht immer was für ihr Verhalten – aufgrund einer Krankheit – kann, wissen diese nicht und an-G-kozzt ist letztlich nur eine, die ausspricht, was viele denken: Sie hasst Lucy und wünscht ihr den Tod.
Als Lucy dann tatsächlich verschwindet, ist die Verwirrung groß. Was ist passiert? Ist sie abgehauen oder Opfer eines Verbrechens geworden? Eine Woche darauf verschwindet Adam, Lucys Freund und alle Zweifel scheinen beseitigt zu sein.
Madison – eine Freundin der beiden – ist anders als die meisten dieser Clique und sie denkt nach, forscht und versucht herauszufinden, was geschehen ist. Dabei stellen sich ihr immer wieder neue Rätsel. Wer hat Lucy und Adam entführt und warum? Wer verfolgt sie? Und welches Geheimnis verbirgt Tyler, ein Neuer, in den sie sich verliebt hat?
Während ihrer Nachforschungen ahnt sie nicht, wie sehr sie sich in Gefahr bringt; erst, als es zu spät ist.
„Wish U Were Dead“ ist ein Buch zum Nachdenken, sowohl während als auch nach dem Lesen; auch über Themen, die nur ansatzweise darin vertreten sind. So wäre da zum Beispiel das Mobbing, das immer wieder Thema in unserer Gesellschaft ist und nach wie vor finden es einige Leute lustig, andere zu schikanieren. Oder man ist einfach zu ignorant dafür, was man den Opfern damit eigentlich antut, selbst wenn es halb im Scherz gemeint war.
Aber auch das Örtchen Soundview könnte man als etwas sehen, dass für das Denken vieler Menschen steht. Soundview wird als Ort beschrieben, an dem die schlimmsten Verbrechen Diebstähle und Einbrüche sind. Eintführungen … das sind Dinge, die passieren irgendwo, aber nicht in Soundview. Letztlich ist es die Art vieler junger Menschen, so zu denken. Schlimme Dinge – Verbrechen, Krankheiten, Unfälle – die passieren irgendwo, irgendjemandem. Nur nie hier, nicht bei einem selbst. Und wenn es dann doch geschieht, sind alle hilflos.
Das sind zwei Beispiele für das Danach. Während des Lesens beschäftigt man sich vielmehr mit den Fragen, die auch Madison zu beantworten versucht. Geschickt wurden Hinweise und Tipps mit in den Text eingewoben, so dass man selbst grübeln und zu einem Schluss kommen kann. Nie ist alles sofort klar und selbst wenn man meint, die Lösung zu haben, ist man sich doch nie sicher – es kann immer noch anders kommen, dieser Gedanke bleibt immer im Hinterkopf, bis zum Schluss.
Der Leser ist also gezwungen, immer auf der Hut zu bleiben und gerade das macht auch die wahnsinnige Spannung aus, die fesselt und begeistert.
Gleichzeitig schreckt die Grausamkeit auch ab. Wer hier glaubt, am Ende wäre alles gut, hat falsch gedacht. Strasser beschönigt nichts, lässt den Dingen ihren Lauf und letztlich enden sie so, wie man es insgeheim befürchtet hat. Das hat nichts damit zu tun, dass die Handlung vorhersehbar ist, sondern vielmehr damit, dass sie realistisch sind. Entführte Menschen tauchen nicht einfach wieder gesund und munter auf, so läuft das Leben nicht. Auch die anderen Schilderungen vom Schulalltag und weiteren Leben der Protagonisten wirkt authentisch und enttäuscht in keiner Weise.
Was jedoch das Interessanteste ist, ist der Aufbau. Neben der Haupthandlung, in der Madison aus ihrer Sicht schildert, was geschieht, gibt es immer wieder kurze Sequenzen, in denen andere Charaktere an die Reihe kommen und weitere Informationen den Leser erreichen. Wesentlich spannender sind jedoch zum einen die eingetreuten Mails, besonders aber die Blogeinträge von an-G-kozzt mit den jeweiligen Kommentaren. Schon da findet sich eine seltsame Person, die sehr verdächtig wirkt, ohne dass klar wird, wer es nun ist. Am meisten überzeugen aber die Passagen aus Sicht der Täter. Es sind sozusagen Selbstgespräche, in denen man kurz und knapp – teilweise nur vage – erfährt, was die Entführten machen und sagen, wie es ihnen geht. Trotz der Kürze und der Schwammigkeit sind diese Stellen die unheimlichsten, die wahnsinnig unter die Haut gehen. Auch so hat man ein Bild vor Augen und eine Situation, die man absolut niemandem wünscht.
Leider lässt das Buch am Ende etwas nach. Die letzten 30 Seiten, die die Auflösung bringen, wirken sehr abrupt und auch wenn eine Überraschung wartet, wirken sie seltsam lasch und unpassend. Der Schluss will sich einfach nicht ins Bild fügen, ist ein Puzzleteil, das überhaupt nicht zu diesem Motiv gehört, an dem man bisher gearbeitet hat. Es ist schlichtweg nicht zufriedenstellend, wenn auch keineswegs schlecht.

Deswegen gibt’s letztlich nur vier Sterne, das Ende hätte einfach besser sein müssen. Trotzdem ist „Wish U Were Dead“ insgesamt ein sehr überzeugendes und absolut lesenswertes Buch, das sos schnell nicht wieder aus den Gedanken verschwinden wird.

Carlsen Todd Strasser Blood on my hands Info nebenbei:
Todd Strasser ist ja der eigentliche Name von Morton Rhue, der vielen dank „Boot Camp“ oder „Die Welle“ ein Begriff sein dürfte. Scheinbar veröffentlich er nun unter seinem richtigen Namen Thriller bzw. wird das nicht der letzte sein, der bei Carlsen erschienen ist.
„Blood on my Hands“ heißt das Buch, das am 21.12.2010 als Taschenbuch erscheinen wird.

Die schöne Katherine, Anführerin eines geheimen Highschool-Zirkels, wird ermordet aufgefunden. Neben der Toten steht ihre Mitschülerin Callie – ein blutiges Messer in der Hand. Doch bevor jemand sie packen kann, flüchtet Callie. Ein nervenaufreibendes Versteckspiel beginnt: Fünf lange Tage versucht Callie ihre Unschuld zu beweisen und die von ihr verdächtigte Dakota zu überführen. Fünf lange Tage, in denen sich ein unheimliches Netz aus Intrigen offenbart.

Klingt erst einmal nicht ganz so interessant wie „Wish U Were Dead“, aber ich hab das Gefühl, bei Todd Strasser kann man wenig falsch machen.

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6 thoughts on “[Rezension] Wish U Were Dead | Todd Strasser

  1. Pingback: [Challenge] Young Adult Books « Muh, das Telefonbuch

  2. Irgendwie schade, dass er scheinbar auf der Schüler-Schiene bleibt. Wenn ich mich recht erinnere, ist/war er Lehrer, oder? Trotzdem wäre es sicherlich mal interessant, wenn er sich nicht zu sehr auf einen Bereich versteift.

    Übermorgen les ich mir die Rezi nochmal genauer durch ;) Hab sie jetzt nur überflogen – klang aber alles interessant, auch wenn ich mich nicht so direkt für die Schüler-Romane (also … Romane, in denen es um Schüler geht) interessiere.

    • Hm, nein. Soweit ich weiß – und der Autorentext xD – war er Journalist. Und generell ist er ja eher bei den Jugendlichen geblieben? Ich kenn jetzt nur drei Bücher inhaltlich von ihm; und dass Jugendliche oft Schüler in irgendeiner Art sind, ist ja klar. xD
      Hauptsächlich geht es zwar zum einen – na klar – um die Gedanken und Gefühle der betroffenen Personen/Schüler, aber deswegen würd ich das alles nicht als „eine Schiene“ festmachen, das ist dann doch etwas eng gesehen. (:
      Ich mein … Boot Camp, Die Welle … das alles ist auch von ihm und hat aber trotzdem ein zweites, größeres Thema, das nicht nur Jugendliche was angeht, oder?

      Nur die Thriller scheinen tatsächlich in dem Bereich Schule angesiedelt zu werden (kennt man ja von R.L. Stine, aber den hab ich auch geliebt -lach-), insofern man da bei zwei Büchern schon Schlüsse ziehen kann. (:

  3. Hach, ich les so was ja eigentlich echt gern, aber in letzter Zeit bin ich nicht in Stimmung dafür. Wenn’s mich wieder überkommt, greif ich aber sicher zu Morton Rhue/ Todd Strasser.

  4. Pingback: [Rezension] Blood on my Hands | Todd Strasser « .

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