[Rezension] Das kratzbürstige Frauenzimmer | Deeanne Gist

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Das kratzbürstige Frauenzimmer

Klappentext:
Texas, 1898: Essie Spreckelmeyer ist vermutlich die letzte Frau, von der man erwartet, dass sie am Arm eines Mannes durch die Straßen Corsicanas schlendert. Die 34-Jährige ist vielmehr bekannt dafür, dass sie auf ihrem Fahrrad in Hosenrock und ausladenden Hüten durch die Stadt eilt.

Und der wohl letzte Mann, der ihr einen zweiten Blick gönnen würde, ist Tony Morgan. Dieser hat im Moment alle Hände voll zu tun, seinen guten Namen wiederherzustellen und ein verlorenes Vermögen zurückzugewinnnen – und nicht sein Herz an die kratzbürstige Essie zu verlieren, die jede Gelegenheit nutzt, um ihm das Leben schwerzumachen …

Gerth Medien
gebunden, 448 Seiten
17,95€ [DE]
ISBN 978-3-865-91458-3
Leseprobe

Meine Meinung:
Esther Spreckelmeyer ist gewiss nicht so, wie eine Frau damals zu sein hatte. Sie fährt Fahrrad, trägt Hosenröcke, spielt Fußball und kehrt andere Frauen das Schießen. Ganz zu schweigen davon, dass sie Inhaberin eines Fahrradclubs und Miteigentümerin von „Sullivan Oil“, einem der größten Ölkonzerne Texas‘ ist. Außerdem hat sie mit ihren 34 nach wie vor keinen Ehemann und im Grunde soll das auch so bleiben, längst hat sie sich damit abgefunden.
Doch dann kommt Tony Bryant in die Stadt, der eigentlich Tony Morgan heißt, was offiziell keiner weiß. Denn „Morgan Oil“ war der Konzern seines Vaters und ein Konkurrent von „Sullivan Oil“. Als dieser verstarb, vermachte er seiner zweiten Frau und seiner Tochter gerade so viel, dass sie Leben können – Tony erbt rein gar nichts, wohingegen sein Sohn aus erster Ehe alles bekommt. Tony soll sich sein Leben selbst aufbauen und so zieht er nach Corsicana. Um auch nur irgendeine Chance zu haben, nimmt er den Mädchennamen seiner Mutter an.
Er bekommt eine Stelle bei „Sullivan Oil“ und hat wahrlich seine Probleme damit, ausgerechnet eine Frau als seinen Boss anzuerkennen. Doch je mehr er Esther kennenlernt, desto mehr weicht die Missgunst, bis er ehrliches Interesse an ihr hat.
Essie dagegen hat ihre ganz eigenen Gründe, Tony vorerst nicht zu nahe kommen zu lassen. In der Vergangenheit wurde sie genug verletzt; und nach dem, was sie getan hat, wie könnte sie da auch noch ein Mann lieben?
Aber Tony ist ein hartnäckiger Bursche, ehe er nachgibt, muss schon einiges passieren.
Im Großen und Ganzen ist „Das kratzbürstige Frauenzimmer“ eine sehr herzliche Gute-Laune-Geschichte. Wer sich hinsetzen, mitfiebern und vor allem sehr oft lachen will, ist hiermit sehr gut bedient!
Der hier angebrachte Humor ist schlichtweg herrlich. Manchmal sind es nur kleine, kurze ironische Passagen, die einen Lachschwall auslösen, der nicht so schnell enden wird. Zwar hat das Buch in den ersten zwei Dritteln kaum einen Höhepunkt und erst im letzten Drittel gibt es einige kleinere Spannungsmomente, und dennoch liest sich das Buch sehr schnell und vor allem leicht – aus der hand legen will man es irgendwie trotzdem nicht, dafür hat man einfach zu viel Spaß.
Schuld daran haben wohl die Charaktere. Zwar war Essie nicht ganz so, wie ich sie erwartet hatte, aber das gelieferte Bild passt. Leider stört es etwas, dass sie ein wenig an eine Mary Sue erinnert – was sie macht, das beherrscht sie natürlich wie kein anderer. Mit der Zeit schwächt sich das etwas ab, aber musste auch vorher nicht wirklich sein. Ansonsten ist sie genauso liebenswert wie die vielen anderen. Diese gehören zwar immer nur zu den Guten und die Bösen sind tatsächlich nur die bösen Bösen, was ein wenig flach wirkt, aber es sei verziehen. Spätestens dank Mrs. Lockhart hat man sie alle längst vergessen. Für mich ist die ältere Dame, die eine lustige Kupplerin ist und Hunderte von Liebesromanen im Bücherregal stehen hat, bei dem höchstens die Bibel das einzige Buch ist, das vom Genre abweicht. Ihre Art und Weise, immer wieder Parallelen aus ihren Liebesromanen zu ziehen und dadurch auch Probleme in der Realität lösen zu wollen, ist so herzzerreißend komisch, dass sie zum heimlichen Star der Geschichte wird. Nach dem Lesen will man einfach eine Mrs. Lockhart haben.

Das Buch hat seine Hänger und könnte kreativer sein, doch letztlich bleibt ein sehr unterhaltsames Buch mit einer wirklich schönen Liebesgeschichte, die man sich selbst eigentlich nur wünschen kann. Und vergessen wir Mrs. Lockhart nicht. Allein für diesen Charakter verdient die Autorin einen Preis!

Achtung, Achtung!
Wer gleich vorhat, mehr von Essie zu lesen, sollte mit „Die eigenwillige Jungfer“ beginnen. Man versteht das Buch zwar auch ohne Vorkenntnisse mühelos, nur werden die Ereignisse aus dem Vorgängerbuch in „Das kratzbürstige Frauenzimmer“ angesprochen. Wenn man sich hinterher entscheidet, „Teil 1“ noch zu lesen, kann es eben sein, dass man die Handlung im Groben schon längst kennt. (:

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2 thoughts on “[Rezension] Das kratzbürstige Frauenzimmer | Deeanne Gist

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