[Rezension] Nach dem Sommer | Maggie Stiefvater

Nach dem Sommer Maggie Stiefvater Maggie Stiefvater
Nach dem Sommer

Inhalt:
Jeden Winter wartet Grace darauf, dass die Wölfe in die Wälder von Mercy Falls zurückkehren – und mit ihnen der Wolf mit den goldenen Augen. Ihr Wolf. Ganz in der Nähe und dennoch unerreichbar für sie lebt Sam ein zerrissenes Leben: In der Geborgenheit seines Woldsrudels trotzt er Eis, Kälte und Schnee, bis die Wärme des Sommers ihn von seiner Wolfsgestalt befreit. In den wenigen kostbaren Monaten als Mensch beobachtet er Grace von fern, ohne sie jemals anzusprechen – bevor die Kälte ihn wieder in seine andere Gestalt zwingt. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Sam weiß, dass es sein letzter Sommer als Mensch sein wird. Es ist September, als Grace den Jungen mit dem bernsteinfarbenem Blick erkennt und sich verliebt. Doch jeder Tag, der vergeht, bringt den Winter näher – und mit ihm den endgültigen Abschied.

Script 5
Hardcover mit Schutzumschlag, 424 Seiten
18,90€ [DE], 19,50€ [AT]
ISBN 978-3-8390-0108-0
Leseprobe, Band 2, Band 3

Meine Meinung:
Grace ist elf, als sie von Wölfen angefallen wird; doch statt zu sterben, überlebt sie. Einer der Wölfe – ihr Retter – blieb ihm besonders im Gedächtnis, allem voran seine goldenen Augen. Von nun an beobachtet sie ihn, die anderen Wölfe. Immer im Winter steht ihr Wolf am Waldesrand und sie betrachten einander. Es dauert sechs Jahre, ehe sie ihn zum ersten Male berühren kann – und sein Geheimnis erfährt.
Sam ist ein Werwolf; im Sommer gelangt er zu seiner menschlichen Gestalt zurück, geht jedoch nie auf Grace zu und im Winter kehrt er als Wolf zurück.
Es ist September, als er sich in diesem Jahr endlich verwandelt, erst durch einen Schuss verursacht. Grace findet und hilft ihm; und erkennt ihn sofort. Was dann beginnt, ist nicht nur eine wunderbar süße Liebesgeschichte, sondern auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Temperaturen fallen, und es wird Sams letzter Sommer sein. Doch auch andere Fragen lassen die beiden nicht los – was plant Shelby, eine Wölfin, die auf Macht aus ist und Sam um jeden Preis für sich will? Was geschieht mit dem neuen, unkontrollierten Werwolf? Und – warum ist Grace selbst keiner? Immerhin wurde auch sie einst gebissen.
Nachdem ich sehr oft sehr Gutes von dem Buch hörte, ging ich mit entsprechend hohen Erwartungen ran, die nicht ganz erfüllt wurden, mich aber auch nicht enttäuscht zurückließen.
„Nach dem Sommer“ ist definitiv ein Buch, dass man in einem Rutsch durchlesen kann. Das liegt zum einen natürlich an der schönen Sprache, andererseits natürlich auch an der Handlung. Leider plätschert die anfangs – oder eigentlich den Großteil des Buches über – vor sich hin. Es ist keineswegs langweilig, aber „nur“ angenehm. Die richtige (An-)Spannung kam erst am Ende, was auch einiges wieder wett macht – das Herzrasen dort reicht gewiss auch für die Seiten davor! Trotzdem wäre es wünschenwert gewesen, wenn die Autorin sich das nicht bis zum Schluss aufgehoben hätte. Man vermisst schlichtweg etwas für den Mittelteil. Dennoch funktioniert die Geschichte, die Handlungen und Reaktionen wirken zu keiner Zeit fehl am Platz oder unlogisch; man kann alles ohne Probleme nachvollziehen.
Wirklich klasse ist auch die Werwolf-Idee: Hier spielt der Mond keine Rolle mehr, wichtig ist die Temperatur. Sobald es kalt wird, verwandelt sich der Betroffene in einen (abgesehen von den Augen vielleicht) normalen Wolf, bei wärmeren Temperaturen wird er wieder ein Mensch. Je länger er ein Werwolf ist, desto mehr Wärme wird für die Rückverwandlung benötigt, bis derjenige (oder diejenige) einfach ein Wolf bleibt und um die 15 Jahre länger als ein normales Tier lebt – die menschliche Existenz geht verloren.
Mir ist der Mythos so noch nie begegnet und ich finde, es war eine wirklich sehr schöne Idee. Mal etwas Neues im alten Mythos, genau das, was es braucht.
Hinzu kommt die – wie bereist erwähnt – herrliche Liebesgeschichte. Zwar wirkt Sam teilweise tatsächlich wie ein „Klischee auf zwei Beinen“, aber da es ja auch immer wieder mit einem Augenzwinkern hervorgehoben und leicht veralbert wird, sei ihm verziehen. Und gemeinsam sind Grace und Sam einfach … ja, süß. Ein Pärchen zum Kichern, dass man strahlend anstarren kann, ohne neidisch zu werden. Ein Pärchen, bei dem man sich nur freut, dass sie einander haben.
Neben den beiden gibt es auch weitere, interessante Personen, die bis jetzt noch eher flach wirken, weil ihnen einfach sehr wenig Platz gegeben wurde. Am spannendsten dürfte es sich wohl noch mit Olivia und Isabel gestalten, sollten sie weiter vertieft werden – eine gute Grundlage ist dafür da.
Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die Textgestaltung. Zum einen ist Sam eine Art Songwriter – immer wieder lässt er sich Texte und auch Melodien einfallen, ob nun für Grace oder Süßigkeiten spielt keine Rolle. Diese sind recht geschickt in den Text eingebunden.
Zum anderen sind einige Passagen dabei, die fast die Gedichte wirken, aber einfach nur den Lesefluss ein wenig verlangsamen, den Moment herausheben.
Abgesehen vom Tempo, das etwas zu wünschen übrig lässt und wenigen kleineren Unstimmigkeiten im Text, gibt es also absolut nichts zu bemängeln, auch wenn gerade der erste Punkt nicht zulässt, dass es gar keinen Punktabzug gibt.

Aber weil „Nach dem Sommer“ auch einfach zu schön für nur ein „Lesenswert“ ist, gibt’s ein dickes Herzchen oben drauf. Es ist einfach eine wunderschöne Liebesgeschichte, stellenweise wunderbar witzig und vor allem unterhaltsam. Vielleicht klappt es mit dem Tempo beim nächsten Mal besser, aber für dieses Mal soll es genügen. Man kann „Nach dem Sommer“ lesen und danach zufrieden sein – und das ist ja auch Sinn der Sache.

Vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar an
Script 5

.
Nach dem Sommer ruht das Licht in deinen Augen
Die zwei weiteren Bände erscheinen dann ebenfalls mit wunderbaren Covern bei Script 5. „Ruht das Licht“ erscheint allerdings erst 2011, wenn mich nicht alles täuscht.

Maggie Stiefvater Ruht das Lich Maggie Stiefvater In deinen Augen

Die Autorin
Maggie Stiefvater, geboren im November 1981 in Virginia. Nach dem College versuchte sie u.a. als Kellnerin, Zeichenlehrerin beruflich Fuß zu fassen. Doch sehr bald schon meldeten sich ihre kreativen Talente und verlangten, ausgelebt zu werden. Seit 2007 hat sich Stiefvater aufs Schreiben konzentriert und zählt inzwischen zu den erfolgreichstens Autorinnen der Romantasy. Ihr aktueller Roman, Nach dem Sommer, steht seit seinem Erscheinen ununterbrochen unter den besten Zehn der New York Times Bestseller (Jugendbuch).

Die Filmrechte für „Nach dem Sommer“ wurden bereits verkauft, wie man hier lesen kann.

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10 thoughts on “[Rezension] Nach dem Sommer | Maggie Stiefvater

  1. Pingback: [Challenge] Young Adult Books « Muh, das Telefonbuch

  2. Du meinst im ersten Absatz wohl „Grace“ und nicht Maggie ;)
    Ich glaub ich fand das gar nicht schlimm, dass das Buch so „dahinplätschert“. Für mich müssen Bücher nicht durchweg spannend und/oder nervenaufreibend sein. Manchmal reicht „schön“ einfach aus

    • Irgendeiner Maggie ist das bestimmt auch schon mal passiert -lach-
      Danke für den Hinweis! (:

      Direkt nervenaufreibend muss es für mich auch nicht immer sein, aber ich hab einen ordentlichen Spannungsbogen (meistens) lieber. Es geht zwar auch ohne, aber anders gefällt’s mir persönlich besser – zumindest bei Bücher wie eben z.B. Nach dem Sommer.
      Aber ja, manchmal reicht auch einfach „schön“ aus. (:

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