[Rezension] Pastworld | Ian Beck

Ian Beck Pastworld Ian Beck
Pastworld

Inhalt:
PASTWORLD,
der größte Themenpark,
der je errichtet wurde!
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Im London des Jahres 2048
gibt es eine atemberaubend reale Welt –
die Welt des 19. Jahrhunderts.
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Caleb ist eigentlich nur Tourist in Pastworld. Doch er gerät in einen Hinterhalt und steht plötzlich unter Mordverdacht – ein Verbrechen, worauf im Viktorianischen London die Todesstrafe steht …

Eve ist in Pastworld aufgewachsen und ahnt nichts von der Existenz einer Außenwelt. Doch sie spärt den Atem eines schattenhaften Verfolgers, flieht vor einer unsichtbaren, tödlichen Bedrohung.

Calebs und eves Fluchtwege kreuzen sich und ihre Schicksale werden untrennbar miteinander verbunden – denn als Kreatur der Vergangenheit und der Zukunft ist das Phantom für Caleb und Eve der Schlüssel zum Überleben und zugleich die größte Gefahr, der sie sich stellen müssen!

Loewe
Taschenbuch, 400 Seiten
9,95€
ISBN 978-3-7855-7156-9

Meine Meinung:
London 2048, auch wenn viele Jahrzehnte und Jahrhunderte vergangen sind, lebt das London des 19. Jahrhunderts weiter: in Pastworld, einem ganz speziellen Themenpark. Dort ist alles wie damals – die Mode, die Gebäude, die Bräuche und Sitten, die Gesetze. Es ist ein Ort, den Leute besuchen, die das nötige Kleingeld besitzen und zurückversetzt werden wollen in die Vergangenheit. Oder die, die einfach nur ein morbides Interesse an Verbrechen und Gewalt haben. Einige Menschen leben in Pastworld, arbeiten dort und befinden sich dauerhaft in den damaligen Umständen. Doch längst nicht alle wissen, dass das, was sie sehen, nur künstlich wiederhergestellte Vergangenheit ist. So auch Eve, die mit dem fast blinden Jack zusammen wohnt. Von Jack wird sie behütet, selten kann sie raus und dann auch nur mit ihm. Bis sie eines Tages vor einer Gefahr gewarnt wird und flieht – Unterschlupf sucht sie dabei bei Jago, einem „Zigeuner“, wenn man so will.
Derweil ist Caleb ein normaler Junge der modernen Welt. Er reist mit seinem Vater – einst hohes Tier bei der Buckland Corp., die für Pastworld verantwortlich ist – in das alte London, wo die beiden in einen Hinterhalt geraten. In Folge dessen wird Caleb auf offener Straße von den eigentlichen Tätern des Mordes bezichtig, er muss fliehen.
Das Phantom dagegen zieht weiter durch die Straßen Londons und verübt seine Verbrechen im Stile Jack The Rippers. Es ist die große Gefahr, die sich nie fangen lässt und hinter der man schon so lange her ist. Es ist sofort klar, dass es zwischen ihnen – dem Phantom, Eve und Caleb – irgendetwas gibt; etwas, das die Ereignisse ins Rollen bringt und letztlich genau das ist, was es zu erfahren gilt.
Worum es sich dabei genau handelt, ist bis zum Ende nicht klar. Auch wenn man Vermutungen und Überlegungen anstellen kann, wird die ganze Wahrheit nicht offenbart – dazu muss weitergelesen werden, was man auch gerne tut bei „Pastworld“. Dieser Leitfaden bildet zusammen mit einem gut konstruierten, schachteligen Aufbau ein gutes Gerüst. Interessant ist auch, dass „Pastworld“ eigentlich ein sehr dicker Ermittlungsbericht ist, den Sergeant Catchpole in genehmere Form gebracht hat, um aufzuklären. Dazu bedient er sich verschiedener Quellen, die Perspektive wird immer wieder gewechselt: das Phantom, Caleb, Eve, Sergeant Catchpole samt offiziellen und inoffiziellen Berichten und Ausschnitten aus einer Info-Broschüre zu Pastworld. Die dadurch vielseitigen Sichtweisen bauen ineinander und aufeinander auf und sorgen ordentlich für Spannung.
Zusammen mit der interessante Grundidee, mitten in der Moderne ein altes Leben wieder aufblühen zu lassen, bietet dies die besten Möglichkeiten für „Pastworld“, ein verdammt gutes Buch zu sein. Es ist faszinierend, wie mitten in der Stadt die gleiche Stadt noch mal ist – mit welchem Detail und Eifer gearbeitet wurde, um eine solche Illusion hervorzurufen. Gleichwohl wünscht man sich selbst so etwas – einfach in die Vergangenheit abtauchen, eine andere Welt kennenlernen. Wer will das nicht? Andererseits wirkt das Konzept stellenweise ein wenig wahnsinnig beziehungsweise fast krank. Wie auch immer die politische Lage im England 2048 sein sollte – die Menschen haben immer noch Rechte. In Pastworld allerdings gibt es die Todesstrafe und allen dürfte bekannt sein, dass man diese damals auch für weniger als Mord bekommen konnte. Nicht umsonst wurden die Gesetze von damals überarbeitet. Da scheint es wirklich seltsam, unsinnig, Menschen eben jenem Schicksal zu überlassen. Verbrechen sollte keiner begehen, nein, aber ob das alte Rechtsystem da wirklich effizient ist? Kleine Ganoven kaufen sich frei, „größere“ müssen im schlimmsten Fall sterben, ohne es direkt verdient zu haben. Das ist so eine kleine Unstimmigkeit, die unter Umständen stören kann.
Abgesehen davon liegt das größte Manko bei den Charakteren, die alle eher skizzenhaft wirken, nicht ausgereift oder genauer profiliert. Man bekommen einen Blick auf einige Stichpunkte, aber einen runden Text, ein Gesamtbild, das etwas tiefer geht, bekommt man nicht. Womöglich liegt es daran, dass manches Verhalten wirkt, als käme es aus heiterem Himmel und sei unlogisch. Um ein Beispiel zu nennen: Eve lebte ihr ganzes Leben in Pastworld – zumindest kann sie sich an nichts anderes erinnern. Nie kam sie auf den Gedanken, dass Pastworld nicht echt, eine andere Welt da draußen existiert. Trotzdem reichen wenige Sätze eines Fremden aus, um sie zu überzeugen, dass Pastworld nur ein Themenpark ist. Das ist unpassend, wirkt bestenfalls gekünstelt, um die Handlung schnell voranzutreiben.
Aufgrund dessen fällt es mir ein wenig schwer, volle vier Punkte zu vergeben – es ist gewiss lesenswert, hinkt aber doch in einigen Punkten hinterher. Wiederum sind drei Punkte viel zu wenig, dafür ist die Idee einfach zu gut und vor allem faszinierend.
Deswegen gibt es drei Punkte mit einem dicken Herzen.

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Nochmals vielen Dank für das Rezensionsexemplar an
Loewe

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