[Rezension] Die Prophezeiung der Schwestern | Michelle Zink

Michelle Zink Die Prophezeiung der Schwestern Michelle Zink
Die Prophezeiung der Schwestern

Inhalt:
Alice senkte ihre Stimme zu einem Flüstern. „Warum kämpfst du gegen den Willen der Prophezeiung an, Lia? Das Ende ist vorherbestimmt, also was macht es schon aus?“
Was macht es schon aus? Die Worte hallen auf den grauen, öden Feldern wider.
„Nein.“ Ich kann das Wort selbst kaum vernehmen, so leise spreche ich es aus. Alice beugt sich näher, so nah, dass ich ihren warmen Atem auf meinem Gesicht spüren kann. „Es gibt schlimmeres als den Tod, Lia. Ich dachte, das wüsstest du.“

Eine jahrhundertalte Prophezeiung.
Zwei Schwestern, die in einen Strudel unerklärlicher Ereignisse gerissen werden. Nur gemeinsam können sie ihre Aufgabe erfüllen. Doch die eine will dem Locken des Dämons nachkommen und wird zur tödlichen Gegenspielerin der anderen …

cbj
Hardcover mit Schutzumschlag, 408 Seiten
17,95€
ISBN 978-3-570-13721-5
Leseprobe
Teil 2

Meine Meinung:
Alice und Lia sind Zwillinge, doch dass sie noch besonderer sind, ist Lia bis zum Tod ihres Vaters unbekannt. Kurz nach seinem Tod taucht ein geheimnisvolles Zeichen auf ihrem Handgelenk auf, das mit jedem Tag deutlicher wird. Trotz ihrer anfänglichen Hoffnung, dass es bald verschwindet, bleibt das Mal und erst mit Hilfe von James, dem Mann, den sie liebt, bekommt sie unverhofft eine Ahnung davon, was es bedeuten könnte. Zusammen mit dem Medium Sonia und ihrer Klassenkameradin Luisa findet sie mehr und mehr über die Prophezeiung der Schwestern heraus. Zwillinge, Schwestern, die dazu bestimmt sind, Tor und Wächter zu sein. Aufgabe des Wächters ist es, das Tor dabei zu helfen, den Mächten des Dunkels zu wiederstehen und zu verhindern, dass das „Untier“ Samael in die Welt der Menschen gelangt und alles Leben vernichtet. Für Lia ist klar: Alice ist das Tor und damit eine unberechenbare Gefahr. Schleunigst müssen die drei, unterstützt von Lias Tante Virginia, ihrem Bruder Henry und dem Kutscher Edmund, herausfinden, wie sie Alice stoppen können – und dabei gilt es, einige Familiengeheimnisse aufzudecken. Was hatte der mysteriöse Tod des Vaters zu bedeuten? Wie konnte ihre Mutter vor Jahren von einer Klippe stürzen?
Antworten darauf gibt es, nicht sofort, sondern gut verteilt, so dass es nie langweilig wird. Doch längst nicht alles wird geklärt, insgesamt ist „Die Prophezeiung der Schwestern“ die Einleitung der Trilogie und sorgt für ordentlich Lust auf den nächsten Teil. Die Handlung ist kreativ und spannend, Fantasy mit Anklängen an die germanische Mythologie macht das Ganze zu einem Leseerlebnis, das verspricht, noch besser zu werden.
Dank der Ich-Erzähler-Perspektive bekommt der Leser genügend Einblick in Lias Gedankenwelt, damit sie zu einem plastischen Charakter wird und auch die anderen sind selten flach. Wiederum gibt es Personen, die schlichtweg zu kurz kommen, allen voran Alice, was schade ist. Als Gegenpol zu Lia ist sie doch mit die wichtigste Person des Romans, doch wirklich viel erfährt man über sie nicht, passagenweise kommt sie überhaupt nicht vor, obwohl sie im Hintergrund genauso fleißig ist wie Lia selbst. Trotzdem können auch die weniger betrachteten Charaktere überzeugen und nicht selten schließt man sie ins Herz, was einem spätestens gegen Ende hin zum Verhängnis wird. Es ist ein offenes Ende und gewiss nicht Friede, Freude, Eierkuchen, soviel sei verraten. Die teils düstere Atmosphäre wird wirklich sehr schön rübergebracht und das Buch dadurch aufgewertet.
Leider hat auch „Die Prophezeiung der Schwestern“ ihre Makel, die vor allem auch die Sprache betreffen. Insgesamt ist diese schön und gut gewählt, doch leider will sich das Präsens so gar nicht anpassen und ist fast immer ein Störfaktor. Meist klingt es holprig, vielleicht liegt es auch daran, dass das Buch überraschenderweise auch eine Art historischer Roman ist und 1890 in New York spielt. Hinzu kommt eine teilweise unschöne Übersetzung, in der durchaus auch Zeitpunkte mit dem Wörtchen „wo“ weiter definiert werden.
Andere Sachen sind eher Kleinigkeiten. So weiß Lia zum Beispiel plötzlich Details , obwohl sie vorher meinte, dass sie zwar etwas wüsste, aber nie Genaueres kannte. Sie ahnte etwas, hinterher heißt es, sie habe schon geahnt, dass genau dieses und jenes passieren würde. Das wirkt unglaubwürdig, ebenso wie die Tatsache, dass eine Hellseherin etwas über eine seltene Prophezeiung, von der eher wenige noch wissen, recht gut Bescheid weiß, mit dem Begriff „Samhain“ aber absolut nichts anfangen kann, aber zufällig ein Buch kennt, in dem es erklärt wird. Sicherlich muss das damals nicht jeder wissen und bei Lia passt es. Aber dass selbst ein Medium wie Sonia, das mit Toten kommuniziert, nicht mal weiß, dass Samhain ein Fest, ein Tag ist, wirkt blödsinnig.
Diese kleineren Sachen wiegen zusammen doch etwas schwer, weswegen „Die Prohezeiung der Schwestern“ letzten Endes „nur“ lesenwert ist. Die Makel stören definitiv, trotzdem bietet Michelle Zink mit diesem Auftakt gute Unterhaltung für einige Stunden – hoffentlich auf beim nächsten Mal! Wer außerdem noch Schmuckstücke für das Regal liebt, ist mit diesem Buch bestens bedient. Für die Gestaltung gibt’s nur ein Wort: bezaubernd!

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Nochmals vielen Dank für das Rezensionsexemplar an
cbj

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Michelle Zink Die Prophezeiung der Schwestern Liebe und Verrat Kleine Info nebenbei:
Wie bereits erwähnt, ist „Die Prophezeiung der Schwestern“ nur der erste Band einer Trilogie. Der zweite Band ist bereits auf Deutsch und auf Englisch erschienen, Band 3 soll 2011 auf Englisch veröffentlicht werden. Band 2 wurde diesen August natürlich wieder von cbj publiziert und mit „Die Prophezeiung der Schwestern: Liebe und Verrat“ betitelt. Optisch wirkt es erst mal nicht ganz so hübsch, aber real sieht’s sicherlich noch mal etwas anders aus.

Für die Spoilerfreudigen – der Inhalt:
Schlimme Nachrichten ereilen Lia, als sie nach einem Weg sucht, um die unheilvolle Prophezeiung zu beenden: Ihre Schwester und Todfeindin Alice schreckt vor nichts zurück, um das Tor für Samael zu öffnen, und hat sich sogar Lias Freund James gefügig gemacht. Nun bleibt Lia nur noch eine Chance, um das Blatt zu wenden: Sie muss die gefahrvolle Reise nach Altus, zum Sitz der Schwesternschaft, auf sich nehmen. Zu spät erkennt sie, dass sich in ihrer Gruppe ein Verräter befindet. Fast hätte dieser Lia ins Verderben gestürzt – da rettet sie in letzter Sekunde Dimitri, ein Gesandter der Schwesternschaft. Um Lia vor dem Zugriff Samaels zu schützen, gibt er die Neutralität auf, zu der ihn seine Position ehern verpflichtet …

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