[Rezension] Babel: Hexenwut | Cay Winter

Cay Winter Babel HexenwutCay Winter
Babel:
Hexenwut

Inhalt lt. Verlag:
Den Dämonen der Vergangenheit kann man nicht entfliehen …

Als Hexe verfügt Babel über große Macht. Doch sie weiß genau, wie verführerisch die dunkle Seite der Magie sein kann – einst erforschte sie mit ihrem Ex-Geliebten, einem Halbdämon, die Untiefen ihrer Kräfte. Als eine rätselhafte Mordserie ihre Heimatstadt erschüttert, wird Babel von den Alben engagiert, um den Täter zu finden. Dass sie sich dabei Hals über Kopf in den Alben Tom verliebt, stand allerdings nicht auf dem Plan …

LYX
kartoniert mit Klappe, 400 Seiten
9,95€
ISBN 978-3-8025-8295-0
Leseprobe

Meine Meinung:
Schon früh war Babels Mutter klar, dass ihre Tochter eine ganz besondere Hexe sein wird. Sie zaubert intuitiv, also ohne Runen und Sprüche. Wie von selbst wechselt sie zu den Ebenen der Toten und Dämonen und gerade das macht ihrer Mutter Angst. Macht ist verführerisch und kann viel zu schnell in die falsche Richtung locken. Das erfährt auch Babel bald: Sie ist siebzehn, als eine Dämonenbeschwörung schief geht und ihr endlich dämmert, dass ihr Freund Sam vielleicht kein so guter Umgang ist. Denn immerhin ist er ein Dämonenkind, etwas, das man um jeden Preis meiden sollte …
Die gegenwärtige Babel ist dreißig, lebt weit entfernt von ihrer Familie und hat mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Jeden Montag geht sie zur Therapie, denn längst ist sie süchtig nach der Süße der Dämonenebene. Arbeit fand sie bei Karl, mit dem sie zusammen auftragsweise Leute verhext und den Auftraggebern damit Erleichterung verschafft.
Doch eines Tages tauchen Plags auf, unter anderem auch der attraktive Tom, die ihre Hilfe fordern. Immer mehr ihrer Art werden auf mysteriöse Art und Weise ermordet, das Ende ist nicht in Sicht. Schließlich macht sich Babel widerwillig auf die Suche nach dem Mörder. Dabei trifft sie nicht nur auf alte Bekannte, sondern begegnet auch neuen Gefahren, die sie nur nach und nach das eigentliche Ausmaß dieser Verbrechen erkennen lassen. Schon bald ist sich Babel nicht mehr sicher, ob sie dem überhaupt gewachsen ist …

„Babel: Hexenwut“ ist der eher durchwachsene Auftakt einer neuen Reihe aus deutscher Feder. Was allerdings sofort positiv ins Auge springt, ist die logisch erscheinende Verknüpfung zwischen unserer Welt und der magischen. So gibt es in der normalen Welt auch ein magisches Netz, das jedoch nur magisch Aktive sehen können. Darüber hinaus gibt es zwei Ebenen: die der Dämonen und die der Toten. Dämonen sind körperlos und suchen beständig nach Wirten. Da es jedoch der Magie bedarf, damit der Dämon die Ebenen wechseln kann, streifen sie uns Menschen immer nur. Dies zeigt sich in einem Erschaudern, einer Gänsehaut oder auch dem Drang, etwas Unschuldigem wehzutun. In der normalen Welt gibt es noch andere Wesen: Neben den Hexen gibt es die Plags, fleischgewordene Naturgeister, die selbst keine Magie anwenden können, diese aber sehr wohl spüren. Ob es noch mehr gibt, wird nicht erwähnt, ist aber durchaus anzunehmen. Somit wird eine keineswegs neue, aber trotzdem interessante Welt vorgestellt, der die Protagonistin einen düsteren Touch verleiht.
Babel ist reifer als die üblichen Heldinnen, hat aber genauso ihre Fehler. Einst trieb sie ihr Freund Sam dazu, düstere Rituale durchzuführen, für die viele Tiere ihr Leben lassen mussten und wovon die tiefen Narben auf ihren Händen noch heute erzählen. Zwar hat Babel längst Abstand von diesen Blutritualen und Ausflügen in die Dämonenebene genommen, doch einfach ist das noch immer nicht. Nach wie vor schwankt sie trotz ihrer toughen Art hin und her – sie will, aber gleichzeitig auch nicht. Genauso will sie Sam, andererseits auch nicht. Sie weiß, dass Tom viel besser für sie ist – das ändert aber nichts an Sams Anziehungskraft. Dieses Hin und Her ist auf eine Art reizvoll, da die starke Person Risse bekommt und die Verlockung der Geschichte etwas Dumpfes und Schweres verpasst. Gleichzeitig nervt es ab einem gewissen Punkt. Jeder mit Verstand muss sich zwangsläufig fragen, was sie noch an Sam findet. Dieser kommt zwar kaum vor, trotzdem ist das Bild, das von ihm gezeichnet wird, alles andere als verlockend und spätestens gegen Ende kann man nur den Kopf über Babels Verhalten schütteln. Das ist ärgerlich und stört die Geschichte enorm. Babels Gefühle sind nicht immer nachvollziehbar und verständlich, doch genau das sollte eine Geschichte schaffen, auch wenn es kompliziert wird.
Mit dem Lust- und Liebesaspekt einher geht natürlich auch der Sex, doch dieser wird überraschenderweise nicht breit getreten. Die zweite Szene erscheint allerdings unnötig, ansonsten sind sie okay, verbesserungswürdig, aber kein allzu großes Übel. Es verdeutlicht letzten Endes nur die Anziehungskraft diverser Männer, wenngleich der Text auch mit weniger ausgekommen wäre – trotzdem freut sich der Leser darauf, zumal die Autorin es beim ersten Mal recht geschickt eingefädelt hat. Das Warten darauf wird beinahe unerträglich, bis es endlich soweit ist.
Neben der Protagonistin gibt es selbstverständlich noch andere Charaktere, die allerdings nicht die Tiefe erreichen, die wünschenswert ist. Trotzdem können einige von ihnen ins Herz geschlossen werden: So zum Beispiel die ehemals alkoholabhängige Türsteherin Tamy, Babels recht seltsamer Chef Karl und Xotl, ein Papagei, in dem ein Dämon haust. Bleibt zu hoffen, dass zumindest einige Charaktere im weiteren Verlauf der Reihe mehr Platz zugebsprochen bekommen.
Parallel zur emotionalen Richtung wird auch ein Mordfall abgehandelt, der jedoch nur schleppend in Gang kommt. Jemand tötet Plags und zwar gezielt. Die Spannung bleibt bis zum Ende groß, denn anfangs weiß der Leser genauso viel wie Babel: nichts. Dementsprechend planlos und unbeholfen sind die ersten Recherchen, ehe die ersten Verdächtigen ausgeschlossen werden können und weitere Hinweise auftauchen. Genauso taucht aber auch Wissen auf, dass nicht zugeordnet werden kann – das Rätseln geht weiter, was wie miteinander verknüpft ist, ob es mit dem Fall zu tun hat oder nicht. Zusätzlich dazu hat auch Babel ihre Geheimnisse, die nicht ergündet werden können, wenn Babel als Bezugscharakter nichts darüber erzählt. Eines der größten wird erst ganz am Ende gelüftet, gibt dem Ende dadurch einen bitteren Beigeschmack, der äußerst gut wirkt.
Dagegen wirkt die Auflösung des Mordfalls recht lasch, zumal der Schluss von einem Verdächtigen auf den richtigen Mörder sehr plötzlich und ohne wirkliche Anhaltspunkte vollzogen wird. Das enttäuscht, doch glücklicherweise ist Babels Abenteuer danach noch nicht zu Ende – erneut kommt Spannung auf, das Showdown wartet bereits sehnsüchtig auf den Leser.

Zusammengefasst heißt das, dass „Babel: Hexenwut“ eine durchaus spannende Geschichte ist, die mit Babels eigenem Sarkasmus präsentiert wird. Nicht alles, was dieses Buch zu bieten hat glänzt, besonders die teils nervtötende Art der Protagonistin, sich nicht wirklich entscheiden zu können, schwächt das beindruckende Bild ab und stört das Lesevergnügen. Auch der Mordfall an sich endet in der Aufklärung lasch, genauso wie der Anfang der Geschichte etwas schlaucht; trotzdem bietet das Buch genügend Spannnung, um zum Weiterlesen zu animieren. Gerade am Ende bleiben einige Fragen offen, die in einem weiteren Band beantwortet werden sollten – immerhin bieten sie genügend Stoff für weitere Konflikte und auch die Welt der Magie muss weiter erforscht werden. Für Liebhaber eines bitteren Endes hält „Hexenwut“ außerdem einen wirklich feinen Schluss bereit.
Deswegen: Die Geschichte lahmt an einigen Stellen etwas, ist insgesamt jedoch durchaus lesenswert!

.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an
Egmont LYX

Weitere Infos:
„Babel: Hexenwut“ ist entgegen dem Autorennamen ein deutsches Werk, das genauso in Deutschland spielt. Direkt angesprochen wird es nie, zeigt sich aber oft in Anspielungen vor allem auf Dresden. (Dresdner mögen bei Erwähnung der Waldschlößchenbrücke wohl genervt aufstöhnen.)
„Cay Winter“ ist ein Pseudonym, die Autorin stammt ursprünglich aus Leipzig, wenn ich die Hinweise im Autorentext richtig gedeutet habe.
Weitere Infos finden sich auf ihrer Homepage.

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7 thoughts on “[Rezension] Babel: Hexenwut | Cay Winter

  1. Das Buch wäre DEFINITIV nichts für mich – das mit ihrem Freund würde mich definitiv zu sehr aufregen, also danke für die „Warnung“! :D

  2. Pingback: [LYX] Neuerscheinungen April ’11 – September ’11 « Muh, das Telefonbuch

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