[Rezension] Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde | Robert Louis Stevenson

Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde Robert Louis StevensonRobert Louis Stevenson
Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde


Insel Taschenbuch
Broschur, 133 Seiten
6,00€
ISBN 978-3-458-34802-3

 

 

Meine Meinung:
Der Anwalt John Utterson ist höchst beunruhigt, als sein alter Freund Dr. Henry Jekyll sein Testament ändert und alles einem gewissen Mr. Hyde vermacht – von dem Utterson weder etwas gesehen noch etwas gehört hatte. Sein Misstrauen steigt umso mehr, als er von einem Freund von einer unangenehmen Begegnung mit jenem Mr. Hyde berichtet bekommt. Später kann er sich selbst von der abstoßenden Art dieses Herrn überzeugen – und fragt sich einmal mehr, was dieser mit Jekyll zu tun hat. Der Arzt zieht sich derweil zurück, dass etwas nicht stimmt, scheint klar zu sein. Utterson vermutet Gesetzloses – und geht der Sache auf den Grund.

Zu viel zu wissen, ist der Knackpunkt bei der Geschichte:
Sie ist definitiv spannender, wenn noch nicht bekannt ist, was das Ganze auf sich hat, was mit Jekyll los ist und was er mit Hyde zu schaffen hat. Denn vom Aufbau her hat die Novelle anfangs etwas von einer Kriminalgeschichte. Die Betonung hier liegt auf „etwas“, immerhin geht Utterson – aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird – einer reinen Vermutung nach, ohne dass von Anfang an ein Verbrechen vorliegt. Eine seltsame Begebenheit trifft die nächste und, vorausgesetzt der Leser ist nicht schon längst im Bilde, hinterlässt genügend Stoff zum Grübeln.
Ist alles jedoch bekannt, geht die Spannung ein wenig verloren. In dem Falle wäre es interessanter gewesen, das Ganze aus Jekylls Sicht zu erleben, was allerdings nur im letzten Kapitel der Fall ist. Es wird auch nur in diesem der eigentliche Konflikt dargestellt, ansonsten beschränkt es sich, wie bereits erwähnt, auf das Rätsel, was denn los sei.
Dennoch ist das Buch zusätzlich zur physischen Kürze sehr kurzweilig und angenehm zu lesen. Stevenson hat einen fließenden Stil, der durch die teils langen Sätze kaum Möglichkeit zur Pause lässt. Dabei kreiert er eine eigenwillige, fast unheimliche Stimmung, die ganz daraus resultiert, was Utterson herausfindet oder eben nicht weiß.
Am Ende bleibt die Mahnung, seinen Begierden nicht allzu leichtfertig nachzugeben und sich in Sicherheit zu wiegen. Was dann geschehen kann, zeigt sich sehr deutlich an Jekyll, der sich all der Gefahren erst viel spät bewusst wurde – viel zu spät.

„Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ist eine interessante Thematik, die in der Novelle keineswegs voll ausgeschöpft wude. Das Buch ist erst ein kleiner Anstoß – und im Grunde gar nicht so faszinierend, wenn die Grundproblematik bereits bekannt ist. Dennoch lohnt sich ein Blick hinein, und sei es nur, um diesen Klassiker wenigstens mal gelesen zu haben.

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Empfehlungen nebenbei:
Die Geschichte von Dr. Jekyll wurde inzwischen wohl schon etliche Male aufgegriffen und neu verarbeitet. Ich habe zuvor auch eher aus sekundären Quellen davon erfahren und nun erst das Buch gelesen. Dabei möchte ich zwei Sachen einfach mal empfehlen:
Solltet ihr euch Anfang/Mitte des nächsten Jahres in Dresden aufhalten, nehmt die Chance war und seht euch das Musical von Frank Wildhorn an. Sicherlich wird es auch in anderen Städten aufgeführt, aber ich bin von der Dresdner Besetzung – vor allem mit Chris Murray als Jekyll/Hyde – mehr als nur begeistert. Zugegebenermaßen wirkt die Handlung hier wesentlich vielschichtiger und spannender. Bilder und Informationen zu Spielzeiten und Preisen gibt es auf der Seite der Staatsoperette.
Die andere Sache wäre eine Verfilmung, die das Ganze in die Gegenwart verfrachtet und die Geschichte gewissermaßen weiterspinnt. Die Serie besteht insgesamt aus sechs Episoden und heißt schlichtweg „Jekyll„. James Nebitt verkörpert hierbei den Familienvater Tom Jackman, den auf einmal sein zweites Ich „Hyde“ heimsucht. Er versucht, seine Familie davor zu schützen, doch plötzlich ist auch eine seltsame Organisation hinter Tom her, während Hyde beständig an Kraft gewinnt. Und BBC hat recht – James Nesbitt ist grandios! Sollte es also mal wieder im TV kommen oder ihr seht die DVD irgendwo – schlagt zu! Einen Trailer und ein bisschen mehr gibt’s hier. (Die Qualität könnte allerdings besser sein.)

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7 thoughts on “[Rezension] Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde | Robert Louis Stevenson

  1. Pingback: Ich bilde mich weiter! « Muh, das Telefonbuch

  2. Hach, schade, dass mir das „Geheimnis“ auch schon bekannt ist. Ich stelle mir das Buch mit diesem Aha-Moment am Ende ziemlich gut vor. Das Musical würde ich auch soo gern sehen *__* Ein Freund von mir fand es nämlich auch toll und ich steh auf Musicals.

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