[Rezension] Königsmacher | Karen Miller

Karen Miller Königsmacher Karen Miller
Königsmacher
OT: The Innocent Mage

Inhalt lt. Verlag:
Asher ist nur der Sohn eines einfachen Fischers, doch durch Mut und Tatkraft gewinnt er die Freundschaft von Prinz Gar. Was auch immer die wert sein mag, denn der Prinz ist der Einzige seiner Familie, der keine Magie wirken kann. Darum wird er nie den Thron besteigen dürfen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein schwarzer Magier ermordet die gesamte Herrscherfamilie bis auf Prinz Gar. Und plötzlich muss Asher, der Sohn eines Fischers, sich fragen, was er zu riskieren bereit ist – für die Freundschaft eines Prinzen …

Blanvalet
Taschenbuch, 608 Seiten
9,95€
ISBN 978-3-442-26698-2
Leseprobe
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Königsmörder

Meine Meinung:
Asher ist der jüngste Sohn eines Fischers, wird von seinen Brüdern mehr als Eigentum denn als Verwandter angesehen und hat kaum Rechte. Davon hat er allerdings gehörig die Schnauze voll und beschließt zu gehen. Nur für ein Jahr, um genug Geld zu verdienen, damit er sich und seinem Vater ein Boot kaufen kann. Zusammen würden sie Fischen und seine Brüder hätten nichts mehr zu melden. Also macht er sich heimlich auf dem Weg und trägt nur einem guten Freund auf, seinem Vater zu erzählen, was er vorhat, damit dieser sich nicht sorgen muss.
Sein Weg führt Asher nach Dorana, der Hauptstadt des Königreichs Lur, in der auch die königliche Familie wohnt. Das Leben in der Stadt ist so ganz anders als an der Küste, vor allem dadurch, dass hier die Wettermagie des Königs am wirkungsvollsten ist. Wettermachen – das ist es, was das Königreich am Leben erhält und ebenso die magische Mauer, die Lur von jenem Land trennt, aus dem die magisch begabten Doraner einst kamen und das heute von Dämonen heimgesucht wird. Nur an der Küste – hauptsächlich von Olken wie Asher bevölkert – ist das Wetter noch rau und unwillkürlich.
Schon an seinem ersten Tag trifft Asher auf den Prinzen Gar, den Schandfleck der Famile: Er besitzt keine Magie. Dank seines losen Mundwerkes und seiner Tatkräftigkeit ergattert Asher sogleich eine Arbeit im Dienste des Prinzen – und viel mehr noch. Sie werden Freunde. Dass dies nicht immer von Vorteil ist, muss Asher bald lernen. Viele Doraner verachten Gar dafür, dass er keine Magie besitzt und für Olken haben sie auch nicht viel übrig. Asher muss lernen, sich in der Politik zurechtzufinden und nicht immer seinem stürmischen Gemüt nachzugeben. Keine leichte Aufgabe, und es sei bedacht: Er will nur ein Jahr bleiben.
Derweil trachtet eine dunkle Macht auf der anderen Seite der Mauer danach, endlich eben diese zu stürzen und erneut die Doraner unter seine Herrschaft zu zwingen – ein Plan, der auch Asher nicht überührt lassen wird, fällt es doch ihm zu, der Held jener Letzten Tage zu sein. Eine Rolle, von der er selbstverständlich noch nichts weiß.

Es sei gleich zu Beginn vermerkt, dass der Klappentext des Buches leider wieder sehr irreführend ist: Es heißt, die königliche Familie werde getötet – dies geschieht auch. Allerdings erst auf der allerletzten Seite. Man sollte sich also davor hüten, gleich den großen Kracher und darauffolgende politische Turbulenzen und gesellschaftliche Desaster zu erwarten. Dies hebt sich Karen Miller bis zum Schluss auf, weswegen „Königsmacher“ im Grunde mit dem Höhepunkt endet, was auf eine Art unbefriedigend ist, andererseits aber äußerst effektiv zum Weiterlesen animiert.
Daran ändern auch die teils seltsamen Übersetzungen nichts, die wie schlechtes Deutsch wirken. Ab und an sind es auch schlichtweg Schusselfehler (so viel sei der Übersetzung beziehungsweise der Autorin unterstellt), so dass aus Olken auch mal fix Oger werden. Auf seine eigene Art mag das lustig sein, aber insgesamt gesehen ist es eher ärgerlich als amüsant.
Das soll es für die negative Kritik aber auch gewesen sein, denn ansonsten ist „Königsmacher“ zwar ein eher ruhiges, aber dennoch spannendes und unterhaltsames Buch.
Asher ist ein unglaublich schnell liebgewonnener Charakter, der mit seiner freien und unverfangenen Art schlichtweg bezaubert. Ihm kann nur das Beste auf seiner Reise gewünscht werden, und nicht selten sorgt sein loses Mudnwerk für etliche Lacher. Abgesehen davon ist er nicht nur ein Name auf dem Papier, er hat Tiefe und ist tatsächlich ein Charakter, wie es wünschenswert ist. Genauso verhält es sich mit dem Prinzen Gar, der nicht ganz so unterhält wie der junge Olk, aber dennoch schnell ins Herz geschlossen wird. Die schönsten Szenen sind immer noch die, in denen die beiden zusammen sind und vielleicht nur eine Unterhaltung führen, ein paar Worte wechseln, das reicht schon – diese Szene machen unheimlich Spaß und auch wenn Karen Miller mit interessanten und liebenswerten Charakteren nicht geizt, sind es diese beiden, die ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen.
Allerdings war dies auch dringend nötig, denn gewissermaßen lebt die Geschichte durch Asher. Anfangs gibt es nicht viel mit Politik und dem Untergang einer Königsfamilie zu lesen, nein, es ist einzig und allein Asher: sein Leben, sein Werdegang, seine Freundschaft zu Gar, zu anderen … wie er sich macht und wie es weitergeht. So gesehen passiert nicht viel, das die große Story des Buches weiterbringt, aber langweilig wird es deswegen noch lange nicht. Es macht schlichtweg Spaß, passt wunderbar zueinander, sodass nicht einmal die plötzlich auftauchenden Beziehungen der Charaktere untereinander unpassend wirken. Manchmal vergehen Monate, die zusammengerafft wurden, in denen sich aber einiges tat: neue Freunde, neue Liebe … es mag unerwartet kommen, stört interessanterweise aber überhaupt nicht, sondern fügt sich in das große Ganze ein.
Dazu gehört auch die emotionale Unruhe, die den Leser gegen Ende zwangsläufig beschleichen muss. Nicht nur, dass auf jeder Seite der Tod der Königsfamilie erwartet wird, auch vorher schon ergeben sich einige neue Konstellationen, die Unheil und Probleme versprechen – was für ein spannendes Buch nur von Vorteil sein kann.
Auch die Welt, in der die Protagonisten leben, überzeugt. Zwar ist die Idee eines fremden Königreichs mit einer Monarchie, Magie, zwei Rassen und so weiter und so fort schon längst keine neue mehr, aber „Königsmacher“ hat seine ganz eingenen Aspekte. So zum Beispiel die Magie und das Wettermachen, die notwendig sind, um die magische Mauer aufrecht zu erhalten und somit das Paradies, das Lur im Grunde darstellt, zu bewahren. Ebenso die Magie der Völker, die Geschichte – und garantiert auch das Übel, das nun noch kommen mag. Karen Miller präsentiert uns all dies in einer angenehmen und schnell zu lesenden Sprache (abgesehen von den kritisierten Fehlern), und so kann eigentlich nur ein Fazit folgen:

Lesen! „Königsmacher“ mag seine Mängel haben und im Grunde werden die durch den Klappentext hervorgerufenen Erwartung nicht erfüllt, dennoch hat das Buch einiges zu bieten. Es ist von Vorteil, anders an die Geschichte heranzugehen – dann wird es auf jeden Fall zum Genuss, versprochen.

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Meinen besten Dank für das Rezensionsexemplar an
Blanvalet

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5 thoughts on “[Rezension] Königsmacher | Karen Miller

  1. Ich schleich ja schon länger um das Buch herum … jetzt werd ich es mir wohl wirklich mal zulegen – allerdings dann eher auf englisch, ich bin im Moment nämlich echt allergisch auf schlechte Übersetzungen. Da kommt bei mir schnell mal Dampf auf. ^^

  2. Wer weiß … vielleicht hatte die Autorin selbst ein paar Grammatikfehler drin und man dachte sich, dass das ja einfach übernommen werden kann. (Auch wenn ich das irgendwie nicht glauben mag xD).

    Ich hab jetzt übrigens die ersten beiden Bände von der „Darkest Powers“-Reihe daheim (; Nach deinen Rezis bin ich schon mal gespannt drauf!

    • Danke :D
      Ich werd’s ja sehen … das Original kenn ich dann ja noch nicht und so lange die Geschichte stimmt, will ich da gern ein Auge zudrücken! Außer es ist absolut katastrophal. Wie bei Olke und Oger zum Beispiel. xD

  3. Pingback: [Rezension] Königsmörder | Karen Miller « Muh, das Telefonbuch

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