[Rezension] Maria Stuart | Friedrich Schiller

Maria Stuart Friedrich Schiller Friedrich von Schiller:
Maria Stuart:
Ein Trauerspiel

Inhalt lt. Verlag:
Zwei Königinnen stehen sich in diesem Drama gegenüber, die eine, Elisabeth, als Richterin, die andere, Maria Stuart, als Verurteilte. Die katholisch erzogene Maria Stuart und die im strengen puritanischen Geist aufgewachsene Elisabeth sind im Charakter grundverschieden. Für Schiller ist Maria Stuart die wahre Königin, die ihren Urteilsspruch, obwohl an der Verschwörung unschuldig, dennoch innerlich als Sühne für den (geschichtlich nicht erwiesenen) Mord an ihrem zweiten Mann akzeptiert.

Hamburger Lesehefte
Softcover, 128 Seiten
1,90€ [DE]
ISBN 978-3-87291-011-0

Meine Meinung:
Das Schicksal von Mary, Queen of Scots ist den meisten so in etwa bekannt: Marias zweiter Ehemann starb bei einer Explosion, die offenbar ein Anschlag auf ihn war. Ob Maria davon wusste, ist bis heute nicht ganz klar geklärt, doch Schiller geht in seinem Stück davon aus. Es folgten eine weitere Heirat und Turbulenzen; Maria musste schlussendlich fliehen und kam nach England. Dort ging es auch ein wenig drunter und drüber und Maria saß ganze 18 Jahre in Haft, bis sie endgültig zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.
Um diese Episode geht es in Schillers Werk, um die letzten Tage. Marie sehnt sich nach einem Treffen mit Eilsabeth, um an ihre Gnade appellieren zu können – die Königin will dem jedoch auch dem Weg gehen. Trotzdem treffen sie aufeinander – denn beide Königinnen haben ihre Unterstützer – und haben ein Gespräch, das es zum Höhepunkt des Werkes schaffte. Elisabeth verurteilt Maria. Und Maria nimmt es hin.

Offen gesagt, ich bin kein großer Freund von Dramen und auch Geschichte war nur im Bereich der historischen Romane was für mich. Normalerweise lese ich Dramen einfach weg, ohne dabei wirklich die Gefühle und die Spannung zu spüren. Es waren ein paar Zeilen und fertig.
Erstaunlicherweise kann ich dies nicht von „Maria Stuart“ behaupten. Es ist ein Drama, wie es im Buche steht – mit dem Spannungsaufbau, dem Höhepunkt und dann dem kurze Bogen bis zum Ende hin. Und genau wie es so wohl gedacht war, funktioniert dieses Prinzip.
Leider gibt es kleine Längen, und zwar vor dem Gespräch mit Elisabeth und Maria. Alles arbeitet darauf hin, im Grunde wird nur noch diese Szene erwartet, aber sie kommt eben nicht gleich. Dafür gibt es Monologe, Diskussionen, Verschwörungen … alles interessant, aber insgeheim wird dann doch auf etwas anderes gelauert. Die andere ist vor Marias Tod dann. Im Grunde verhält es sich hierbei wie mit der anderen Länge: Die Hinrichtung wird erwartet (nicht sehnlichst gewünscht), aber es kommt erst noch anderes zum Zuge.
Belohnt wird der Leser durch umso spannendere Szenen, bei denen besonders das Gespräch zwischen den Monarchinnen glänzt. Ich hatte ernsthaft das erste Mal richtig Herzklopfen bei einem Werk dieser Art. Aber auch die Diskussionen, ob Maria nun hingerichtet werden soll oder nicht und die schlussendliche Erkenntnis, das Maria unschuldig gewesen sei, machen schlichtweg Spaß.
Interessanterweise erscheint Maria hier – trotz ihrer festgelegten Mitschuld am Tod ihres Mannes und der angeblichen Verschwörung gegen Elisabeth – als positiver Charakter. Sie ist gefangen, muss bangen und kann die Hoffnung doch nicht ganz aufgeben. Und wenn doch – dann trägt sie ihr Schicksal hoch erhobenen Hauptes. Ihre Argumente überzeugen, doch erhört wird sie nicht. Sie ist hier das Opfer, ein Opfer, das seine Würde beibehält, selbst bis in den Tod.
Von Elisabeth dagegen ist ein eher negatives Bild anzufinden. Allein schon ihr Entscheidungsunwille lässt die Mundwinkel nach unten wandern. Alles in allem erscheint sie feige, unfähig, die Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen. Sie will vor der Schuld fliehen und dass am Ende gar ihre Liebsten sie verlassen, verstärkt dieses Eindruck ungemein.
Wer sonst eher Sympathien für Elisabeth hegte, mag damit vielleicht anfangs ein paar Probleme haben, aber für die kurze Zeit sind solche Störfaktoren sicherlich ignorierbar. (Genauso kann die Neutralität nur um des Empfindens Willen auch mal aufgegeben werden!)
Zum positiven Eindruck gehört allerdings auch Schillers Sprache dazu. Ich bin kein großer Analytiker von Reimschemata et cetera, aber er scheint recht geschickt zu Werke gegangen zu sein. Der Text fließt geradezu dahin, Zeilenumbrüche sind gar nicht mehr da und ehe man sich’s versieht, ist schon wieder eine Szene davongeflogen. „Maria Stuart“ lässt sich wunderbar runterlesen, selbst laut. Das ist besonders für Menschen wie mich – die sich mit Versen und dergleichen normalerweise schwerer tun – umso erfreulicher.

Ich habe also endlich ein Drama gefunden, das selbst in rein schriftlicher Form spannend ist und sich sehr gut lesen lässt. Schillers Werk mag sich nicht ganz an belegte historische Fakten halten, aber das Stück an sich funktioniert wunderbar. Wer also Probleme mit Dramen hat – sollte vielleicht hiermit anfangen, schaden kann es nicht!

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