[Rezension] Damian: Die Stadt der gefallenen Engel | Rainer Wekwerth

Rainer Wekwerth Damian Rainer Wekwerth:
Damian:
Die Stadt der gefallenen Engel

Inhalt lt. Verlag:
Lara will ein paar aufregende Tage in Berlin verbringen. Doch hinter der Fassade der Großstadt verbirgt sich eine Welt, in der dunkle Kreaturen einen verbitterten Kampf austragen. Als Lara Damian kennenlernt, weiß sie nicht, dass sich durch ihn eine alte Prophezeiung erfüllen soll. Ein düsteres Familiengeheimnis legt sich wie ein Schatten über die beiden und bedroht ihre Liebe und ihr Leben.
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Arena
Klappenbroschur, 424 Seiten
16,95€ [DE]
ISBN 978-3-401-06513-7
Leseprobe

Meine Meinung:
Lara wollte nicht sofort mit ihrem Freund Ben schlafen – einen Tag später erreicht sie eine SMS, dass er es für klüger halte, wenn sie sich erst einmal nicht mehr sehen würden. Lara ist am Boden zerstört und so nimmt sie das Angebot, in den Ferien in Berlin bei ihren Großeltern Ablenkung zu finden, liebend gern an.
Doch die Ablenkung, die sie findet, ist womöglich nicht von der Art, die sie sich erhofft hatte: Bei einer Beinahe-Vergewaltigung eilt ihr ein junger Mann namens Damian zu Hilfe. Sofort ist sie fasziniert von ihm und später – denn sie halten Kontakt – verliebt sie sich sogar in ihn.
Doch Damian birgt ein Geheimnis, das nicht nur ihn betrifft, sondern auch Lara umfasst. Seltsamerweise scheinen ihre Großeltern ebenfalls Bescheid zu wissen. Irgendetwas war damals mit ihrer Familie, ihrer Mutter und ihrem Vater, der so enttäuscht war, dass sie kein Junge war, dass er die Familie verließ.
Derweil sind dunkle Mächte im Begriff, ihrer habhaft zu werden. Das Böse selbst hat ein Auge auf Lara geworfen – und wird nicht ruhen, bis sie vor ihm niederkniet.

Leider Gottes habe ich an dem Buch viel zu kritisieren – und recht wenig zu loben.
Ich fange lieber mit etwas Guten an: „Damian: Die Stadt der gefallenen Engel“ liest sich sehr leicht und schnell von der Hand. Das ist etwas, das nicht jedes Buch von sich behaupten kann und ich denke, es kann dem Autor – und dem Buch – durchaus positiv angerechnet werden. Der Schreibstil ist nichts besonderes, er hebt sich keineswegs von der Masse ab. Dafür sind die Seiten umso schneller umgeblättert. Rein formal gesehen ist es ein sehr angenehmes Leseerlebnis.
Leider lässt sich das vom Inhalt nicht ganz behaupten. An sich ist die Geschichte nett konzipiert. Ohne viel verraten zu wollen: Es ist schön, mal die „Bösen“ im Fokus zu haben, die allerdings nicht nur die reine Schwarz-Weiß-Malerei zulassen, Böses kann gut werden, Gutes böse. Wie auch immer: In seinem Konzept bleibt das Buch dummerweise ziemlich stereotypisch. Natürlich heilt die Liebe, Zorn führt auf den falschen Weg et cetera. Es ist das altbekannte Prinzip, das nicht zwangsläufig ein schlechtes Buch ausmacht, der Freude doch aber einen Dämpfer verpasst.
Ohnehin bleibt alles … seltsam bekannt, wenig neu. Allein die Gestalten der Engel (ja, das sind die Wesen) entsprechen dem Klischee hoch fünf, dass es beim Lesen schon beinahe schmerzte. Ob Lachen oder Weinen – schwer zu entscheiden. Natürlich kann man sich an Bekanntem orientieren, aber einfach nur das kurz zu skizzieren, was in etlichen Büchern und vor allem Filmen schon längst Dutzende Male durchgekaut wurde, ist mehr als nur schade.
Und so sind auch einige Wendungen im Buch, um nicht zu sagen die meisten, schlichtweg vorhersehbar und wer ein bisschen aufpasst, hat lange vor der Auflösung das eigentliche Rätsel geknackt. Das verhunzt mächtig die Spannung – bei der Auflösung gibt es keine Überraschung und auch sonst wird das Buch schlichtweg gelesen, ohne das mitgefiebert wird. Dabei gibt es durchaus Material dafür: Immer wieder wartet der Autor mit Kämpfen auf, die allerdings so ziemlich immer nach dem gleichen Prinzip verlaufen. Einer greift den anderen aus dem Hinterhalt an, zack bumm au, einer der beiden ist tot. Manchmal auch mehrere. Dann geht’s an anderer Stelle weiter, irgendwann kommt der nächste Kampf – gleiches Ergebnis, vielleicht auf der anderen Seite, aber an sich … Dass es auch mal Verletzte geben könnte, Überlebende oder so etwas in der Art. Geschickte Wendungen, die den Kampf noch mal herumreißen – darauf wird lange gewartet. Um es genauer auszudrücken: bis zum Ende. Leider waren da die Geheimnisse bereits gelüftet (sogar offiziell) und was folgte, war auch wieder wenig überraschend. Abgesehen davon scheinen sich alle ziemlich leicht umbringen zu lassen, was besonders erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass die eine Rasse der anderen eigentlich unterlegen ist. Einem dunklen Engel wollen sie sich nicht entgegenstellen, weil er mächtig ist (auch wenn seine Kraft schwindet). Normale Engel bringen sie mal eben um die Ecke, obwohl deren Kräfte im Grunde nicht geringer sind – die dunklen Engel waren früher auch nur solche.
Sowas ermüdet auf Dauer erheblich, dabei sollten gerade Kampfszenen dazu fähig sein, den Leser zu fesseln. Dabei haben sie sogar etwas Gutes: Normalerweise wird der Ekelfaktor weitesgehend rausgehalten, hier nimmt der Autor keineswegs ein Blatt vor den Mund. Auch die ekelhaften Details werden enthüllt und das ist einer meiner weiteren Pluspunkte – denn genau das ist es, was das Buch dann doch ein wenig aus der Masse heraushebt.
Der Ekelfaktor besteht allerdings mehr für wirklich Zartbesaitete. So sehr ich den Grundgedanken auch gutheiße – es ist wieder sehr klischeehaft, aus vielen Ecken längst bekannt, sodass es Otto Normalleser weniger schocken wird. Ich für meinen Teil habe es zur Kenntnis genommen, und mich zumindest darüber gefreut, aber wirklich mitgenommen hat es mich in keiner Weise.
Ärgerlich sind jedoch auch einige Parts der Handlung, die überzogen oder unlogisch wirken oder in irgendeiner anderen Art und Weise nicht passen wollen. Manche Charaktere verhalten sich sehr seltsam und werden nicht ganz ihren Rollen gerecht – das sind Ausrutscher, die man durchaus verzeihen kann.
Manche Dinge wiegen da schwerer. Zum Beispiel Lara, die einige Dinge – die Trennung von Ben, die Tatsache, dass sie beinahe vergewaltigt worden wäre – ziemlich schnell verkraftet, obwohl sie ihr zuvor schwer zu schaffen gemacht haben. So schwer, dass es schien, als würde sie dies noch länger belasten – was dann allerdings nicht der Fall war.
Interessant sind auch die kleinen Details – wie zum Beispiel, dass Lara nur wenig Geld von ihrer Mutter bekam, sich aber glatt ein Outfit in einem Gothic-Laden leisten konnte. Wenn der Laden einem echten nachempfunden wurde, muss ich Herrn Wekwerth dringend nach der Adresse fragen, denn die, in denen ich bisher war, haben so etwas durch die verdammt hohen Preise einfach nicht möglich gemacht. (Und sie kauft sich Stiefel. Stiefel. Allein die hätten wohl ihr Budget überschreiten müssen.)
Ein nettes Zitat findet sich auch auf Seite 342:

»Du bist trickreich und listig wie dein Fürst, aber mich täuschst du nicht.«
»Sieh mich an, Gabriel. Schau in meine Augen. Kannst du dort eine Lüge sehen?«
»Auch ich vermag mich täuschen zu lassen.«

Was denn nun?
Das sind immer wieder kleine Sachen, die teilweise nicht nur ärgern, sondern richtiggehend nerven.
Hinzu kommt das recht unüberzeugende Ende: Eingeleitet von einer meines Erachtens nach viel zu überzogenen Reaktion von Lara, dem bereits erwähnten wenig spannenden Kampf und einem unbefriedigenden Schluss.

Ihr seht – wirklich begeistert war ich nicht. Dennoch: Das Buch lässt sich schnell lesen und hat einen gewissen, wenn auch eher geringen und manchmal unfreiwilligen Unterhaltungswert. Wer also mal schnell was nebenbei lesen möchte und keine weiteren Ansprüche in Richtung Originalität stellt, wird mit „Damian: Die Stadt der gefallenen Engel“ ganz gut bedient sein. Ansonsten taugt das Buch leider weniger was.

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Fortsetzung:
Mit diesem Buch wird das Abenteuer von Lara noch nicht zu Ende sein – für 2011 wurde ein zweiter Band angekündigt, über den allerdings noch nicht viel bekannt ist. Eigentlich gar nichts, das irgendwie bestätigt wurde. Von daher heißt es wohl Tee trinken und abwarten – in der Zwischenzeit kann ich mir überlegen, ob ich Teil 2 tatsächlich lesen möchte.

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6 thoughts on “[Rezension] Damian: Die Stadt der gefallenen Engel | Rainer Wekwerth

  1. Als ich mir Damian beantragt habe, habe ich noch gedacht, dass das Buch relativ interessant. Aber wegen den durchaus schlechten Bewertungen bin ich doch etwas enttäuscht :/ Ich muss es eh lesen, vielleicht sehe ich es ja anders.

    • Es gibt ja auch viele, die schwer begeistert sind, wie mir scheint. (:
      Ich denke, da ist noch so einiges offen … vielleicht gefällt’s dir ja trotz allem. ;D

  2. Wunderbare Rezension! Entspricht komplett meiner Meinung und ist toll formuliert. Über den Shoppingrausch im Gothicladen habe ich mich auch schwer gewundert. Außerdem wirkte Lara bis dahin total durchnschnittlich und nicht als würde sie sich in ein Gothic-outfit schmeißen.

    • Dankeschön!
      Dass sie überhaupt hingeht, konnt ich irgendwo noch nachvollziehen. Immerhin hatte Damian auch immer diesen Ledermantel, vielleicht wollte sie sich dem einfach annähern xD; Leder macht außerdem (angeblich xD) sexy und das wollte sie ja sein. Mir würde da auch nur das herrkömmliche Ledermodengeschäft oder eben ein Gothic-Laden einfallen, wo ich sowas am ehesten herkriege. Sie findet den Laden an sich ja auch nur cool & das Outfit schien – abgesehen von den fragwürdigen Tribals xD – recht normal zu sein.

      Lustig fand ich aber auch, dass sie ihn fragt, ob er noch zur Schule geht. :D
      Klar kann das mit 21 noch der Fall sein, zumal es ja auch Berufsschulen gibt. Aber irgendwie … ich würde einen 21-Jährigen nie fragen, ob er noch zu Schule geht oo‘ Viel mehr, was er macht.

      • Richtig! Tribals waren da ja auch noch. Der Autor hat doch eine Tochter, mich würde mal ihr Alter interessieren. Wenn er sie mal ein paar Sachen gefragt hätte, hätte er bestimmt erfahren, dass Tribals nicht so wirklich in sind ;) (oder bauchfrei, das hat sie doch auch irgendwo/wann an).

        Ja, stimmt, jemanden in den Alter danach zu fragen, ist irgendwie schon unlogisch, aber wahrscheinlich gibt es in ihrer Welt nichts außer Schule ;)

      • Vielleicht ist sie noch nicht so weit? ;)
        Oder sie ist schon älter und damals war es in.
        (Wobei bauchfrei für mich noch das geringste Übel war.)

        Ich hoffe es! Wenn sie ihm insgeheim nicht mehr zugetraut hat, wär das schon fies. xD

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