[Rezension] Die geheime Sammlung | Polly Shulman

Polly Shulman Die geheime Sammlung Polly Shulman:
Die geheime Sammlung
OT: The Grimm Legacy

Inhalt lt. Verlag:
»Ich halte mich für ziemlich helle. Ich bin kein Mädchen, das glaubt, dass die Wirklichkeit wie ein Märchen ist. Aber als ich den Spiegel sprechen hörte, da wusste ich, dass ich mir das nicht eingebildet hatte. Das war Zauberei!«

Es ist nicht leicht, eine Außenseiterin zu sein. Doch dann bekommt Elizabeth einen Aushilfsjob in einem ganz besonderen Museum, dem New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze, in dem man Kunst und Krempel, Wertvolles und Verrücktes ausleihen kann: alte Möbel, schönen Schmuck, eine Perücke, mit der Marie Antoinette einst durch ihr Schloss stolzierte. In den geheimnisvollen Lagerhallen fi ndet Elizabeth aber auch endlich echte Freunde, die bereit sind, mit ihr durch Dick und Dünn zu gehen. Und die braucht sie dringender, als sie geahnt hat – denn verborgen im Keller gibt es noch eine ganz besondere Sammlung, deren Schätze allesamt magische Kräfte haben. Nun beginnt jemand, ihnen den Zauber zu rauben. Nur Elizabeth kann dies verhindern, aber damit bringt sie sich selbst in große Gefahr …

PAN
gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
352 Seiten
14,95€
ISBN 978-3-426-28331-8
Leseprobe

Meine Meinung:
Elizabeths Leben ähnelt ein wenig dem der Prinzessinnen aus einem Märchen: Ihre Mutter verstarb viel zu früh, der Vater heiratete neu und für die Stiefmutter stehen die eigenen Töchter ganz klar an erster Stelle. Ganz so biestig wie im Märchen sind sie dann doch nicht – aber unangenehm genug, um diesen Vergleich zu ziehen. Nur ist Elizabeth leider keine Prinzessin. Sie ist eine Schülerin, die wenig auffällt – nur ihrem Lehrer, der ihr einen Job im New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze besorgt. Begeistert macht sie sich an die Arbeit – schon zu Beginn begegnen ihr einige Ungereimtheiten, sofort wird eine Gefahr gewittert … und nicht zu vergessen: das Grimm-Sammelsurium! Dort befinden sich nicht nur magische Gegenstände, dort verschwinden ebendiese auch ab und zu.
Zusammen mit ihren Arbeitskollegen – der hübschen Anjali, dem Schwarm Marc und dem Griesgram Aaron – muss sie das Rätsel lösen; wenn auch jeder auf seine eigene Art.

„Die geheime Sammlung“ mutet anfangs tatsächlich recht märchenhaft an – die tugendhafte Elizabeth, die einer Obdachlosen auch mal ihre Turnschuhe schenkt, hat unter ihrer herumkommandierenden Stiefmutter zu leiden und den Stiefschwestern, die alles immer für sich beanspruchen. Glücklicherweise ist Elizabeth trotzdem ein schüchternes, aber nicht zwangsläufig auf den Mund gefallenes Mädchen, das nicht auf den Traumprinzen wartet, der sie errettet. Sie grummelt mal rum, hat schlechte Laune, ist neugierig, aber nicht dämlich und sehnt sich eigentlich viel zu sehr nach Freunden. Sie als Hauptperson ist ein sehr sympathischer Charakter, was das Lesen umso schöner macht. Ihr Gedanken und Handlungen sind nachvollziehbar, auch wenn nicht jeder Leser mit allem einverstanden sein wird. Letztlich wünscht sie sich – wie viele Menschen – etwas viel zu sehr, als dass sie die Fehler sehen kann, oder überhaupt will. Aber dafür gibt es ja Aaron, der furchtbar in Anjali verschossen ist und Elizabeth damit auch mal auf die Palme bringt. Er ist der Skeptiker der Runde, der das Misstrauen ausdrückt, das Elizabeth zwischenzeitlich etwas fehlt, und auch mal gegenredet.
Zusammen mit diesen beiden bildet Anjalis Schwester Jaya das sympathische Trio – alles zu einem gewissen Grad greifbare, interessante und liebenswerte Charaktere, deren Parts viel Spaß bereiten. Im Gegensatz dazu wirken Marc und Anjali leider etwas unnahbar und vor allem unsympathisch. Gerade die anfängliche Geheimniskrämerei, die für ordentlich Misstrauen sorgt, wirft kein allzu gutes Licht auf die beiden und ganz besonders Anjali ist stellenweise schlichtweg unsensibel, beinahe egoistisch. Es fällt schwer, richtig warm mit ihr zu werden und umso schöner ist es, dass dieses Buch nicht ihre Geschichte ist.
Es geht um Elizabeth, ihre Erlebnisse im Repositorium, ihre Gefühle – und ohne viel vorweg zu nehmen: Herrje, da kribbelt’s! Auch wenn die Romanze nicht den allergrößten Part einnimmt, hat sie mir sehr gut gefallen, einfach weil alles passt, die beiden (verdammt noch mal!) zusammen kommen sollen und die Entwicklung des Ganzen nicht nur für Schmetterlinge im Baum, sondern auch für Lacher sorgt.
Aber wie gesagt – dies ist nur ein kleinerer Aspekt; viel wichtiger sind die gestohlenen Gegenstände des Sammelsuriums und wer sie überhaupt entwendet wird. Natürlich wird Elizabeth in die Suche verwickelt und diese Suche gestaltet sich wunderbar spannend. Da mit Magie generell alles möglich ist, wird es auch nicht langweilig oder vorhersehbar – im Gegenteil. Auch wenn dies keine ausgefeilte Kriminalgeschichte ist, werden Spürnasen durchaus ein wenig herausgefordert und wenn sie Glück haben, haben sie sich von den amüsanten Einlagen nicht ablenken lassen. Denn auch damit geizt die Autorin nicht: Sei es nur eine Szene, in der der sonst so große Marc als Miniaturmensch wagemutig und sportlich eine Treppenstufe herabspringt – mit einem einwandfrei funktionierendem Kopfkino wird selbst das zum richtigen Erlebnis!
Leider springt der Funke trotz dieser lobenswerten Aspekte nicht ganz über. Da hätte mehr kommen können, ein bisschen mehr Tiefe und ein bisschen mehr vom Sammelsurium – vielleicht auch ein bisschen mehr Abenteuer. Das Buch macht Spaß, aber es schafft es nicht, auch nachzuklingen. Hinzu kommen kleinere Sinnfehler, die allerdings nicht immer sofort auffallen und glücklicherweise auch nicht so schwer ins Gewicht fallen – die Geschichte an sich ist logisch und nachvollziehbar.

Deswegen gibt es nur vier Punkte. Alles in allem ist „Die geheime Sammlung“ eine sehr unterhaltsame und kurzweilige Geschichte, die auch mal wieder für Lachen und Kichern sorgt. Wer was Einfaches haben will, ist hiermit also bestens beraten – greift zu!

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