[Rezension] Arthur und die Stadt ohne Namen | Gerd Ruebenstrunk

Arthur und die Stadt ohne Namen Gerd Ruebenstrunk Gerd Ruebenstrunk:
Arthur und die Stadt ohne Namen

Inhalt lt. Verlag:
Tief in der arabischen Wüste liegt eine versunkene Stadt, in der die Geheimnisse der Vergessenen Bücher verborgen sein sollen … Dorthin müssen Arthur und Larissa gelangen – denn nur dann können sie Larissas Eltern aus den Fängen der Schatten befreien. Doch um ihren gefährlichen Widersachern entgegentreten zu können, müssen die beiden das mächtigste der Vergessenen Bücher finden: das „Buch der Leere“.

Eine abenteuerliche Suche beginnt, bei der Arthur und Larissa über sich selbst hinauswachsen – und an deren Ende sich das Schicksal der Vergessenen Bücher für immer entscheidet …

arsEdition
gebunden mit Lesebändchen
448 Seiten
16,95€
ISBN 978-3-7607-6453-5

Meine Meinung:
Larissas Eltern leben noch und für das junge Mädchen ist es vollkommen klar, dass sie sie suchen wird – und für Arthur ist es selbstverständlich, dass er ihr beiseite stehen wird. Doch es sind die Schatten, die sie gefangen halten und noch wissen die beiden nicht, wie sie gegen diese Gegner ankommen oder wo sie sie überhaupt finden können. Zwar haben sie einige Informationen zur Stadt ohne Namen, doch keine richtige Spur. Da kündigt sich der Bibliothekar an, das Oberhaupt aller Bewahrer, ohne seine Ziele klar auszudrücken und nur wenig später haben die Schatten auch Larissas Großvater in ihrer Gewalt. Bevor sie ihnen aber entgegentreten können, müssen sie das Buch der Leere finden – das gefährlichste aller Vergessenen Bücher. Für die beiden inzwischen 16-Jährigen startet ihr drittes Abenteuer, dass sie wieder in die verschiedensten Städte führt, in denen nicht nur Helfer auf sie warten – und ihre Gegenspieler sind skrupelloser denn je.

Erwachsen sind die beiden Protagonisten noch nicht geworden, aber doch deutlich älter. Larissa ist mittlerweile eine junge Frau und auch Arthur ist längst nicht mehr der kleine Junge von damals. Das bringt der Geschichte natürlich ein Menge neue Möglichkeiten – es wird nicht nur wesentlich düsterer, auch die Liebe findet nun sicher Einzug. Es ist alles ein bisschen anders als sonst, auch wenn gewisse Hauptkomponenten bleiben. Ruebenstrunk schreibt in gewohnt einfacher Weise, weswegen sich auch der dritte Teil sehr schnell und angenehm lesen lässt. Schön ist auch, dass die teilweisen Wiederholungen nicht mehr ganz so oft auftreten, auch wenn sie sich nicht ganz verbannen ließen.
Genauso sind auch in diesem Band die Städteinformationen ein fester Bestandteil des Konzepts – wohin Arthur und Larissa auch müssen, es werden wieder jede Menge Hintergrundinformationen geliefert, die diesmal nicht ganz so fesseln können, da besonders bei einer Stadt wie Edinburgh vieles schon bekannt ist. Insgesamt aber ist es wieder ein schöner kleiner Einblick in fremde Kulturen – nicht im Ansatz vollständig, so viel ist klar, aber doch ein Anfang.
Gerade Edinburgh wird dadurch atmosphärisch schön düster, wofür eine solche Stadt auch bestens geeignet ist. Außerdem bietet Ruebenstrunk auch dieses Mal ein spannendes Abenteuer, dass gewissermaßen auch ernster, erwachsener geworden ist. Es gilt unterirdische Städte zu besuchen, Wüsten zu durchqueren und Wesen gegenüber zu treten, die weder aus Fleisch noch aus Blut sind. Doch all das würde nicht viel zählen, wenn nicht auch Arthur wieder so wunderbar sympathisch und liebenswert wäre. Er ist eben der junge Bewahrer, der groß gewordene Bücherwurm, den man mit Fug und Recht als richtig schnuckelig bezeichnen kann. Wäre er nicht ein bisschen jung für mich – ich war hundertprozentig in ihn verknallt. Freundlich und überlegt geht er an die Sache ran, auf Menschen zu, misstraut in den richtigen Momenten und steht seiner Freundin loyal zur Seite.
Larissa hat sich glücklicherweise auch beruhigt. Im zweiten Buch war sie gelinde gesagt furchtbar, auch hier hat sie ihre Momente, die nicht zwangsläufig für sie sprechen: Unter anderem sucht mal wieder nach logischen Erklärungen für etwas, während sie die Tatsache akzeptiert, dass ihre Eltern seit Jahren von Schatten gefangen gehalten werden und dass die Vergessenen Bücher tatsächlich geradezu magische Eigenschaften haben. Aber immerhin zickt sie nicht so furchtbar rum und wenn doch, dann ist es wenigstens für Mädchen und Frauen gleichermaßen verständlich.
Denn wer findet es schon witzig, wenn jemand anders dem Freund schöne Augen macht? Gut, zusammen sind Larissa und Arthur noch nicht … aber die Abenteuer haben auch in dieser Hinsicht ihre Spuren hinterlassen und passend für das Alter wird auch dies im dritten Teil thematisiert.
Zusammengefasst erwartet den Leser also ein spannendes, unterhaltsames, leicht zu lesendes und ansatzweise romantischen Abenteuer, das auch mal ordentlich Gänsehaut verursacht und unheimliche, lebensbedrohliche Situationen nicht verschmäht. Die, denen der Zufall im letzten Band doch etwas zu dominant war, werden aufatmen können: Natürlich spielt er auch hier wieder eine Rolle, ist es doch Arthurs Bewahrer-Fähigkeit, doch ganz so krass ist es nicht mehr. Hinzu kommt ein Ende, das dem Leser zwangsläufig einen vor Erstaunen weit offen stehenden Mund und ein ent- und begeistertes „Wow!“ entlockt.
Was das angeht, ist der dritte Arthur-Teil wirklich super – leider haben sich aber ein paar Sachen eingeschlichen, die den Gesamteindruck etwas verschlechtern. Zum Teil ist dies der Verdienst des Endes. Auch wenn der Autor damit wirklich was Tolles geliefert hat – manches davon kommt ziemlich schnell und plötzlich oder wirkt übertrieben, fast ein wenig kitschig.
Hinzu kommt, dass es seltsam schwer ist, das Buch einer Altersklasse zuzuordnen. Bisher waren die Bücher eher für jüngere Leser, inzwischen sind aber die Protagonisten und auch ihre Erlebnisse gereift und somit nicht mehr zwangsläufig etwas für die Jüngeren – auch wenn das meiste eher zurückhaltend geschildert wird, sodass auch jüngere Leser das Buch nicht geschockt beiseitelegen müssen.
Dennoch, es sind manchmal kleine Sachen wie die Aussprache von Edinburgh: „Edinboro“ heißt es im Buch; und das mag im Grunde auch stimmen, doch nicht zwangsläufig für Edinburgh selbst, lief mir persönlich da doch eine andere Aussprache über den Weg. Eigentlich ist es auch nicht nötig, einem unwissenden Leser eine Grundform zu bieten, die außerhalb der Stadt am ehesten bekannt ist: Jeder, der heutzutage halbwegs im Englischunterricht aufpasst, wird darüber Bescheid wissen.
Gleichzeitig frage ich mich, warum dem Leser dieses Wissen nicht zugetraut wird, Begriffe wie „gutturaler Laut“ aber kommentarlos dastehen, obwohl die meisten davon nun wirklich noch nicht gehört haben dürften – mir persönlich lief er auch erst im Studium über den Weg.

Dass der Autor derart schwankt, was er dem Leser zutraut und was nicht, ärgert ein wenig und auch das Ende überzeugt nicht vollständig – dafür ist es teilweise fast zu sehr aus der Luft gegriffen, auch der Autor damit auch für einige Überraschungen sorgt. Somit gibt es wieder nicht die volle Punktzahl – aber so gesehen steht der dritte Band seinen Vorgängern in nichts wirklich nach. Stellenweise hat er sogar mehr zu bieten. Deswegen gilt auch dieses Mal: Eindeutig lesenswert!

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Vielen, vielen, vielen herzlichen Dank auch für dieses Rezensionsexemplar an Frau Rudloff von
arsEdition
Danke!

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Lesetipps und sonstige Infos:
Lest vorher möglichst nicht „The Town Below The Ground“! Auch wenn es ein wirklich schönes Buch ist – im dritten Arthur Teil ist einiges davon eingearbeitet und es macht ja doch mehr Spaß, wenn man davon nichts weiß. Ohnehin bietet es sich an, vorher nicht zu viel über die Städte zu wissen – gerade bei Edinburgh ist dann zu schnell klar, worauf manches hinausläuft.
Dagegen hab ich aber bemerkt, dass die Bücher noch viel mehr Spaß machen, wenn man die eingestreuten fremdsprachlichen Zeilen versteht. Damals in Amsterdam war es nicht ganz so – mit Deutsch kann man das auch verstehen, aber es ist was anderes, die Sprache tatsächlich zu beherrschen.
Im dritten Band hatte ich das Glück, mich wegen des Studiums sowieso mit Schottland zu beschäftigen, weswegen ich davor auch ein Buch las, das logischerweise in Schottischem Englisch verfasst wurde. Arabisch lern ich zufälligerweise auch – und ja, es ist richtig lustig, wenn man genaus versteht, was da geredet wird, auch wenn es danach noch mal kurz in Deutsch zusammengefasst wird. (Und besonders, weil die Zusammenfassungen dann durchaus auch mal anfechtbar sind.)

Aber eigentlich war es das jetzt auch mit der Arthur-Reihe – weitere Bände werden wir davon wohl nicht zu sehen bekommen. Dennoch war’s das noch lange nicht von Gerd Ruebenstrunk. Noch im März dieses Jahres wird „Das Wörterbuch des Viktor Vau“ erscheinen und weitere Projekte sind für 2012 angedacht – wir dürfen also gespannt bleiben!

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4 thoughts on “[Rezension] Arthur und die Stadt ohne Namen | Gerd Ruebenstrunk

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