[Rezension] Oksa Pollock: Die Unverhoffte | Anne Plichota, Cendrine Wolf

Oksa Pollock Die Unverhoffte Anne Plichota Cendrine Wolf Anne Plichota, Cendrine Wolf:
Oksa Pollock:
Die Unverhoffte

OT: L’Inespérée

Inhalt lt. Verlag:
Oksa Pollock ist nicht begeistert, als ihre Eltern beschließen, von Paris nach London zu ziehen. Gut, dass ihr Freund Gus und seine Familie mit von der Partie sind, und sie gemeinsam in die neue Schule kommen. So muss Oksa die Bosheiten des unsympathischen Klassenlehrers McGraw nicht allein aushalten. Doch dann passieren merkwürdige Dinge – auf ihrer Handfläche lodert ein Feuerball, sie kann frei schweben und um ihren Nabel bildet sich ein sternförmiges Mal. Erst jetzt erfährt Oksa von ihrer wahren Herkunft und Bestimmung: Sie ist die „Unverhoffte“, die das verschwundene Land Edefia retten soll, aus dem ihre Familie einst vertrieben wurde. Doch auch Lehrer McGraw scheint eine Verbindung zu Edefia zu haben …

Oetinger
gebunden mit Schutzumschlag
592 Seiten
19,95€
ISBN 978-3-7891-4502-5
Leseprobe

Meine Meinung:
Oksa ist dreizehn Jahre und erst einmal ganz und gar nicht damit einverstanden, als es heißt, die Pollocks würde von Paris nach London ziehen. Da aber nicht nur ihre Großmutter, sondern auch die Familie ihres besten Freundes Gus mitkommen werden, findet sie sich bald ab und so ziehen sie schließlich in ihr Haus am Bigtoe Square ein.
Oksa lebt sich so langsam ein und hat eigentlich alle Hände voll zu tun. Vor allem ihr Klassenlehrer McGraw ist schuld daran, ein bösartiger Lehrer, der seine Schüler schikaniert, wo er nur kann. Doch eines Tages entdeckt sie Unglaubliches: Sie kann nicht nur Flammen aus Nichts erzeugen, sondern auch noch schweben und andere von sich schleudern, ohne sie überhaupt zu berühren! Es sind nur wenige ihrer neuen Fähigkeiten, wie Oksa feststellen muss. Denn sie ist die Unverhoffte, die neue Huldvolle und damit Herrscherin Edefias. Doch ihre Familie wurde vor langer Zeit von dort vertrieben und sie allein ist der Schlüssel, um dorthin zurückkehren zu können.
Allerdings sind sie nicht die Einzigen, die dieses Ziel anstreben. Auch andere wollen zurück und hegen dabei wesentlich finstere Absichten – Oksa schwebt in Gefahr!

Was mir bei diesem Buch hauptsächlich fehlte, war ein roter Faden, der die Geschichte auch weiterbringt. Zwar folgen die Ereignisse einer gewissen Logik, dennoch kommt manches wie aus heiterem Himmel – plötzlich geschieht irgendwas und warum eigentlich, das ist nicht klar. Gleiches gilt für Dialoge, die nicht immer komplett nachvollziehbar sind. Zwischendurch wird viel zu viel erklärt, ohne dass es weitergeht. Natürlich sind Erklärungen und Einführungen wichtig, immerhin ist all das nicht nur für Oksa neu. Doch bisweilen beschlich mich das Gefühl, dass es sich bei Band eins größtenteils um eine Einführung in diese fremde Welt handelt und dafür sind 600 Seiten entschieden zu viel. Es ist ja wirklich nett, von den ganzen Geschöpfen lesen zu können und viele Szenen davon locken den einen oder anderen Lacher hervor, aber einiges hätte durchaus weggelassen werden können – dem Buch hätte es womöglich gut getan.
An sich ist die Welt, die präsentiert wird, natürlich sehr interessant. Gerade die „Tier-„/Wesens- und Pflanzenwelt ist ungemein faszinierend und sorgt für die gerade erwähnten Lacher. Denn sie alle können reden, haben ihre eigenen Persönlichkeiten (die innerhalb der Art aber immer gleich zu sein scheinen) und necken sich sehr gern. Gerade die Plemplems mit ihrer furchtbar komplizierten Ausdrucksweise haben es mir sehr angetan:

Nein, Goranov, meinem Kopf ist kein Verlust widerfahren, es ist mein Gleichgewichtssinn, der unter einem Defizit leidet.

(Beispiel von Seite 196.) Zugegebenermaßen, auf Dauer kann das etwas anstrengend werden, und an die auf gut Deutsch gesagt bescheuerten Namen konnte ich mich die ganze Zeit nicht gewöhnen. Teilweise ist wurde wohl einfach nur übersetzt, aber zwischen „Foldingot“ und „Plemplem“ liegt wohl ein himmelweiter Unterschied, ebenso zwischen „Ringelpupo“ und „Curbita-Peto“. Ausdruckstechnisch hat man sich tatsächlich eher an den Jüngeren orientiert.
Aber noch einmal: Es ist eine interessante Welt mit schönen Ideen, die ihre guten und schlechten Seiten hat. Allerdings wird wohl kaum jemanden entgangen sein, dass Oksa bereits als der neue Harry Potter gehandelt wird und spätestens dann sind Vergleiche wohl nicht mehr zu vermeiden – und die Parallelen, die auffallen, sind erschreckend zahlreich. Zwar legt sich das mit fortschreitender Lektüre etwas, hört aber nicht auf. So haben wir natürlich eine von Kindesalter an auserwählte Person, die Schulklassen tragen Namen, keine Nummern, Oksas geht es nicht wirklich gut, sobald sie mit dem bösen Lehrer konfrontiert wird. Sobald Oksa von ihrem Granuk-Spuck (eine Art Blasrohr, mit dem sie einige „Zauber“ wirken kann) „erkannt“ wird, kommt ein Wind auf und ein gleißendes Licht zeigt sich, abgesehen davon, dass ein Granuk-Spuck immer noch eine Sonderzutat enthält. Potentielle Hauselfen (erwähnte Plemplems) sind auch mit an Bord – auch wenn Hauselfen keine süße Bauch-aneinanderdrück-Begrüßung haben -, der beste Freund hat Minderwertigkeitskomplexe (begründete), Haselhühner sind mindestens so eitel wie Hippogreife und es gibt Leute, die Voldemort gar nicht so unähnlich sehen (und keine Liebe empfinden können). Dass bei Geheimbünden schwarze Mäntel getragen werden und Masken, die nur die Augen frei lassen, war zugegebenermaßen auch bei J. K: Rowling keine neue Erfindung.
Es ist wirklich viel, so viel, dass es mir zum Großteil das Buch verdorben hat. Vielleicht sind es unfreiwillige Parallelen, kann ja sein – nichts ist unmöglich. Aber dann hätte irgendein Lektor doch mal bitte Stopp rufen können.
Hinzu kommt eine – meines Erachtens nach – schrecklich unsympathische Protagonistin. Oksa macht vor allem eines: nerven. Ständig quatscht sie dazwischen, wiederholt ihre Fehler immer und immer wieder, obwohl andere bereits mehrmals die Konsequenzen zu spüren bekamen und zeigt null Verständnis ihrem besten Freund gegenüber. Dazu sollte gesagt sein: Gus wurde adoptiert und findet nun heraus, dass er noch viel weniger dazugehört. Er ist zum einen nicht der leibliche Sohn seiner Eltern, zum anderen ist er ein normaler Mensch, im Gegensatz zu anderen in seinem Umfeld. Natürlich wurmt das, natürlich hat er damit zu kämpfen. Wenn dann auch die Noten immer etwas schlechter sind als die von Oksa – das kann ihn nicht ganz kalt lassen. Aber Oksa meckert ihn nur an, dass er wichtig für sie ist, dass er wertvoll für sie ist und kein Versager und basta. Sein Gejammer nerve, er solle das nun lassen. Das hat mich persönlich noch am meisten an ihr geärgert. Außerdem erscheint einiges unlogisch: In der Schule schert sie sich nicht darum, dass sie sich nicht von Gefühlen leiten lassen soll und rächt sich mittel ihrer Kräfte an anderen. Als es aber darauf ankommt, endlich mal ihrem Gefühl zu vertrauen, überlegt sie seitenweise hin und her (es handelt sich hierbei um das Ende, um genau zu sein), was nicht nur jede Spannung nimmt, sondern auch das erstaunlich kurze und einfache Ende irgendwie lächerlich wirken lässt. Derweil bleibt sie – genau wie die anderen Charaktere – unschön unverändert, es ist keine wirkliche Entwicklung sichtbar und auch eine Tiefe in den Charakteren lässt sich nur selten erkennen.
Glücklicherweise ist der schlichte Schreibstil sehr angenehm zu lesen, weswegen die Seiten dennoch relativ schnell umgeblättert sind – auch wenn es eher stört, wenn immer mal wieder Fragezeichen- und Ausrufezeichen-Reihen auftauchen und etwas – statt es fett oder kursiv zu drucken – einfach komplett großgeschrieben wird.
Ein Letztes soll noch angesprochen werden: Einerseits ist „Die Unverhoffte“ eindeutig ein Buch für jüngere Leser, andererseits schien es manchmal so, als wollten die Autorinnen doch noch in eine etwas andere Richtung schwenken – schossen dabei aber übers. Ziel hinaus. Da werden Morde begangen, der Böse ist wirklich böse und riskiert, dass Oksa das Bein am lebendigen Leibe verwest, ein junger Mann war in der Vergangenheit der Klischee-Goth schlechthin, der Blut trank … alles ziemlich krasse Sachen, die ich nicht unbedingt in Kinderbüchern erwartet hätte. Natürlich freu ich mich auch über so etwas, da es der Geschichte noch eine andere Note gibt, aber hier wurde einfach nicht die Goldene Mitte gefunden.
Am Ende bleibt dann ein nicht allzu zufriedenes Gefühl und ein paar offene Fragen, die aber auch nicht zum Weiterlesen animieren – es wirkt eher wie unter den Tisch gekehrt.

Jüngere Leser haben sicherlich mehr Spaß an der Lektüre, und ich bin mir sehr sicher, dass vor allem auch Plemplem, Kapiernix & Co. überzeugen werden. Wer außerdem Harry Potter nicht kennt – perfekt. Da sind auch die Parallelen egal.
Ich für meinen Teil kann aber keine gute Bewertung geben – zu wenig Eigenes, zu wenig Spannung und zu viel Drumherum.

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Reiheninfo:
Oksa Pollock 2 Wer die neue J. K. Rowling werden will, kann natürlich nicht nur ein Buch herausbringen. Band zwei erschien bereits im Mai 2010 auf Französisch, hier wird das wohl noch etwas dauern.
Den Klappentext spar ich mir einfach mal, zumal mein Französisch schon lange nicht mehr weit reicht, um zu entscheiden, ob da Spoiler sind oder nicht. Fakt ist aber – Gus ist verschwunden. (Schade, den mochte ich nun wirklich!)
Wer die Sprache besser beherrscht: Voilà, die Leseprobe!
Sollte es gut laufen (für die Bücher), darf man sich wohl außerdem noch über drei weitere Bücher freuen. Und vielleicht sogar über einen (oder mehrere) Film(e). Wie so oft in letzter Zeit verhandelt man bereits über die Filmrechte, und zwar mit SND. SND ist Anteilseigner von Summit, die Twilight & Fortsetzungen verbrochen haben. Mal sehen.

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12 thoughts on “[Rezension] Oksa Pollock: Die Unverhoffte | Anne Plichota, Cendrine Wolf

  1. Pingback: Monatsstatistik: Februar « Muh, das Telefonbuch

  2. Hey!
    Muss dir zustimmen, bzw. bestätigt es mein Empfinden.
    Habe das Buch auch und seit Wochen nach etwa 220 Seiten pausiert…
    Vielleicht gebe ich dem Buch nochmal eine Chance, aber ich bin leider auch enttäuscht.

    LG David

    • Holla, du bist aber schnell! ;)
      Kann ich verstehen, wäre es kein Leseexemplar gewesen und würde ich Bücher nicht generell zuende lesen wollen (kann ja alles immer noch besser werden!), wäre es auch ein Abbruch-Kandidat gewesen.
      Sollten dich die Geschöpfe nicht in irgendeiner Weise begeistert haben, lass es lieber. ;)

  3. Der Klapptext erinnert mich arg an eine Geschichte (bzw. Person) aus der Comic-Reihe „W.I.T.C.H.“, welches ich seinerzeit gelesen habe (ja, ich war doch auch mal jung) ;)
    Von daher wäre für mich jetzt auch kein allzu großer Reiz da. Zumal mich das Mal-um-den-Nabel an widerrum eine andere Geschichte erinnert hat – und so weiter und so fort.

  4. Oksa ist wirklich ein dicker Schinken für einen „Einführungsroman“. Für mich hört sich Oksa so oder so schon nicht nach einer neuen Harry Potter an, weswegen ich den Vergleich sowieso von anfangan abgeschrieben habe und so – hoffentlich – nicht allzu sehr enttäuscht (wegen zu hohen Erwartungen) werde :/

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