[Rezension] Hunger | Jackie Morse Kessler

Hunger Jackie Morse Kessler Jackie Morse Kessler:
Hunger

Inhalt lt. Verlag:
„Thou art the Black Rider. Go thee out unto the world.“

Lisabeth Lewis has a black steed, a set of scales, and a new job: she’s been appointed Famine. How will an anorexic seventeen-year-old girl from the suburbs fare as one of the Four Horsemen of the Apocalypse?
Traveling the world on her steed gives Lisa freedom from her troubles at home—her constant battle with hunger, and her struggle to hide it from the people who care about her. But being Famine forces her to go places where hunger is a painful part of everyday life, and to face the horrifying effects of her phenomenal power. Can Lisa find a way to harness that power—and the courage to fight her own inner demons?
A wildly original approach to the issue of eating disorders, Hunger is about the struggle to find balance in a world of extremes, and uses fantastic tropes to explore a difficult topic that touches the lives of many teens.

Jugendbuch, Magersucht, Essstörungen, Apokalyptische Reiter
Graphia, Taschenbuch, 180 Seiten, Band 1 von 4
$8.99
ISBN 978-0-547-34124-8, Leseprobe (unter „Excerpt“)

Meine Meinung:
Lisa hat ein ernsthaftes Problem, sie ist magersüchtig. Allerdings will sie selbst das nicht sehen, während andere es längst erkannt haben. Mit ihrer Freundin hat sie sich deswegen bereits zerstritten, derweil quälen sie Gedanken daran, wie fett sie sei, obwohl sie gerade mit ihrem Freund zusammen ist und glücklich sein könnte. Es ist die „Thin voice“, die ihr all das einflüstert, sie verfolgt und immer wieder zum Hungern antreibt.
Dies alles hat kein Ende, als plötzlich ein seltsames Paket bei ihr abgeliefert wird, dass eine altmodische Waage enthält. Sie sei der Schwarze Reiter, sagt der Bote. Sie sei einer der Apokalyptischen Reiter: Famine (zu Deutsch: Hunger).
Aber es ändert etwas, Lisa muss anfangen zu lernen – zu erkennen und auch zu kämpfen. Nicht nur mit und um ihre Macht, sondern auch mit sich selbst.

Das Erste, was bei „Hunger“ ins Auge fällt, ist das wirklich fantastische Cover. Es zeigt die erwähnte Waage, die Lisa erhält, als sie Famine wird, und die von sowohl weichen Schnörkeln als auch harten Linien – Ästen vermutlich – umgeben ist. Ein schöner und gewagter Kontrast … aber auf jeden Fall ein Blickfänger, der erst einmal Aufmerksamkeit erregt. Was gut ist, da „Hunger“ aufgrund seiner Kürze auch schnell mal untergehen könnte.
Tatsächlich ist das auch eines seiner größeren Mankos, wenn man es so nennen will. Lisas Geschichte ist ein sehr kurzweiliges Abenteuer und ich für meinen Teil hatte nach dem Lesen das Gefühl, dass allein diesem Abschnitt aus Lisabeth Lewis‘ Leben auch mehr Platz geben hätte werden können.
So ist es ein kurzer Roman, der schnell voranschreitet und dessen Wendungen manchmal sehr plötzlich kommen. Natürlich gehen dabei auch ein paar Informationen verloren und generell die Möglichkeit, die Charaktere richtig kennenzulernen oder mehr über ihre Hintergründe zu lernen.

Gerade was die Apokalyptischen Reiter anbelangt, hätte ich gern mehr Informationen erhalten. Es wird praktisch nichts über die Reiter gesagt – nur dass sie existieren und was ihre Aufgaben sind (bzw. der jeweilige Reiter als solche versteht). Ein paar Grundelemente werden eingeführt, aber das war es dann auch schon wieder. Bei der Länge des Buches ist das kein Wunder, aber gerade deswegen wären ein paar Seiten mehr ja so schön gewesen.
Es ist wirklich schade – macht „Hunger“ aber deswegen noch zu keinem schlechten Buch.

Trotz der Knappheit der Informationen, sind einige Charaktere dabei, die Interesse und Sympathie wecken. Zum einen wäre da Death, der als Kurt-Cobain-Verschnitt auftritt und eine seltsam gruselige, aber auch wunderbare Art an sich hat – etwas, das im Grunde nur von Midnight getoppt werden kann, Famines Ross. Dieses schwarze (ganz und gar nicht natürliche) Pferd mit einer Vorliebe für Pralinen ist mein heimlicher Favorit unter den Charakteren, war es eigentlich schon nach seinem ersten Auftritt.
Aber auch Lisa geht nicht spurlos am Leser vorbei. So kurz das Vergnügen miteinander auch ist, der Einblick in Lisas Leben geht sehr tief, wie das auch zu erwarten war. Ich für meinen Teil habe vor allem gegen Ende großen Anteil an ihrem Schicksal nehmen müssen – ob ich sie nun mochte oder nicht, ich habe dem Ende entgegen gefiebert und das Beste gehofft. Das ist insofern erstaunlich, dass das teilweise selbst dicksten und detailliertesten Romanen nicht gelingt – hier glückt es der Autorin innerhalb weniger Seiten.
Schön zu lesen ist auch Lisas teilweise sarkastische Art – ich persönlich habe ja ein Faible für diese Art Humor und lese solche Texte besonders gern.

Außerdem reiht sich „Hunger“ in die Reihe der Bücher ein, die allzu deutlich zeigen, dass Hunger und Essstörungen allzu real sind und ebenso verzweifelnd. Als Leser geht es einem wie im echten Leben: Man weiß darüber, sieht es vielleicht sogar, weiß aber gar nicht so recht, was man dagegen tun kann. Mit dem Unterschied, dass man beim Buch tatsächlich nur lesen und nichts machen kann, wohingegen das Leben Institutionen und andere Hilfen bietet. Das mag kein neues Thema sein, aber es ist eines, das ruhig immer wieder aufgegriffen werden kann, da es vermutlich auch immer irgendwie real und aktuell sein wird.

„Hunger“ ist also trotz allem ein spannendes und gewissermaßen wichtiges Buch, das seine – wenn auch plötzlichen – Wendungen hat und überzeugt. Etwas mehr Platz hätte nicht nur dem fantastischen Aspekt der Geschichte, sondern auch den Charakteren getan. Dennoch: Es ist ein gutes Buch, das ich sofort weiterempfehlen würde.


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Reiheninfo und was es sonst noch so gibt:
Rage Jackie Morse Kessler „Hunger“ ist der erste Band einer ganzen Reihe, in der nacheinander alle Reiter einmal die Hauptrolle einnehmen. Im ersten Band ging es um Famine, Band 2 „Rage“ handelt von War und erscheint bereits am 04.04.2011 auf Englisch – das Cover hier links zeigt das Buch übrigens. ;)
Der Verlag schreibt über das Buch:

Missy didn’t mean to cut so deep. But after the party where she was humiliated in front of practically everyone in school, who could blame her for wanting some comfort? Sure, most people don’t find comfort in the touch of a razor blade, but Missy always was . . . different.

That’s why she was chosen to become one of the Four Horsemen of the Apocalypse: War. Now Missy wields a new kind of blade—a big, brutal sword that can cut down anyone and anything in her path. But it’s with this weapon in her hand that Missy learns something that could help her triumph over her own pain: control.

A unique approach to the topic of self-mutilation, Rage is the story of a young woman who discovers her own power and refuses to be defeated by the world.

Band 3 wird „Loss“ heißen und Pestilence als Erzähler zeigen – in Band 4 dürfen wir uns dann wohl auf Death freuen!

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10 thoughts on “[Rezension] Hunger | Jackie Morse Kessler

    • Jap. >: Wer weiß … vielleicht in Band 4! xD Death dürfte ja einiges wissen.
      Interessant fand ich aber auch deine Theorie, dass sie sich das alles theoretisch auch nur eingebildet haben könnte. Wäre ja glatt möglich, abgesehen davon dass es seltsam ist, wenn’s Missy genauso geht. Aber im Grunde … ja.

    • Bei Miss Bookiverse gibt’s ja schon eine Rezension dau – nicht gerade positiv. (: Wenn die Geschichte hier schon nicht reizt, würde es sich vermutlich wirklich nicht lohnen. Außer es geht bei Band 3 & 4 noch mal richtig los. :0

  1. Diese Idee mit der Reihe zu den apokalyptischen Reitern finde ich total spannend. Wenn dann auch noch die Bücher gut sind, bleibt nix mehr zu wünschen übrig.
    Bis auf: Die Idee hätte ich gerne gehabt!
    Blöd nur, dass ich keine Jugendromane schreibe – na ja, dann kann ich mir ja erstmal das Buch kaufen. LG :)

    • Höchstens dass es irgendwann mehr Infos drüber gibt. (:
      Tja … wer zuerst kommt! xD Aber noch gibt’s bestimmt ein paar interessante Ideen – auch für Nicht-Jugendromane – die noch realisiert werden können. ;D

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