[Rezension] Seelennacht | Kelley Armstrong

Seelennacht Kelley Armstrong Kelley Armstrong:
Die dunklen Mächte: Seelennacht
OT: The Awakening

Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden! (Wirklich jetzt!)

Inhalt lt. Verlag:
„Ich hatte recht. In Lyle House gehen tatsächlich erschreckende Dinge vor sich. Ich bin keineswegs hier, weil ich verhaltensauffällig, sondern weil ich eine Nekromantin bin. Ich kann mit den Geistern von Toten reden. Ich kann Tote auferstehen lassen. Und ich kann noch viel mehr. Meine Kräfte sind unberechenbar. Denn ich bin das Ergebnis eines fehlgeschlagenen genetischen Experiments. Meine Schöpfer, die Edison Group, haben Angst vor mir – und vor den anderen Jugendlichen in Lyle House ebenso. Wir sind tickende Zeitbomben. Daher haben sie beschlossen, ihr Experiment endlich zu einem Ende zu bringen. Und uns bleibt nur noch eins: um unser Leben zu rennen.“

Paranormal Fantasy, Young Adult
PAN, gebunden mit Schutzumschlag, 368 Seiten, Band 2 von 3
14,99€
ISBN 978-3-426-28342-4, Leseprobe

Band 1

Meine Meinung:
Derek, Simon, Rae und Chloe sind aus Lyle House geflohen, doch sie wurden verraten. Nun sind Derek und Simon irgendwo da draußen, während Chloe und Rae bei der Edison Group festsitzen – ausgerechnet Chloes Tante hat sie ausgeliefert.
Während Rae gut mit der Situation klarzukommen scheint, sucht Chloe nach einem Weg, um zum verabredeten Ort zu kommen, von wo aus sich die Gruppe wieder gemeinsam durchschlagen wollte. Doh sie ist kaum einen Moment unbeobachtet, Liz‘ Geist kann nicht recht akzeptieren, was er nun ist und ein gestaltloser Dämon erzählt Chloe Dinge, die sie kaum glauben will. Dass sie alle – Derek,Simon, Rae, Liz, Tori, sie selbst und viele mehr – Teil eines genetischen Experiments waren, das schiefging. Einige besitzen unkontrollierbare Kräfte, und müssen daher entweder „geheilt“ werden oder eben – ermordet.
Von unerwarteten Seiten erhält Chloe schließlich Unterstützung und kann fliehen. Doch auch dann ist noch längst nicht alles überstanden: Die Edison Group ist hinter ihnen her, ihr einziger Anhaltspunkt ist Simons Vater, doch wo steckt er? Und dann wären da noch die Kräfte … wenn allein Chloe selbst im Schlaf Seelen in ihre verwensenden Leichen zurückzerren kann, was wird dann noch passieren?

„Seelennacht“ setzt genau da an, wo „Schattenstunde“ endet, was gut ist, zumindest wenn man direkt nach Teil 1 damit weitermacht. Der sofortige Eintritt in die Handlung ist schön und angenehm. Wer braucht schon zig Einleitungen, wenn alles aus dem Vorgängerband bekannt ist? Trotzdem sind ein paar kleine Wiederholungen eingebaut, die denen, die etwas Zeit zwischen den Büchern verstreichen ließen, sicherlich sehr behilflich sind. Sie stören auch nicht weiter, sondern fügen sich ins Gesamtbild ein.
Was dann folgt, ist eine wunderbar spannende Handlung, bei der nichts irgendwie vorhersehbar oder langweilig wird. Die Reise der anderen ist ungewiss, was die ganze Zeit über sehr deutlich zu spüren ist. Sie haben zwar eine grobe Richtung, aber was passiert – ob sie doch noch geschnappt werden oder nicht, ob sie alle durchkommen – kann keine wissen. Sie selbst noch am wenigsten, und so kann alles mit regem Interesse verfolgt werden.
Glücklicherweise wird auch nichts, wie es so oft passiert, durch eine zusätzliche Liebesgeschichte gestört. Gegen eine solche ist rein grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings passiert es viel zu schnell, dass der Fokus darauf liegt statt auf der Hauptgeschichte. „Seelennacht“ kommt ohne aus, auch wenn unterschwellig durchaus etwas angedeutet wird – vielleicht ein neuer Aspekt für den dritten Band, der nett wäre, aber nicht sein muss. Gerade das Stillsein passt gut zur Situation der Figuren und lässt ordentlich Platz für Spekulationen – und Träumereien; es ist leise und wunderbar.
Was fehlt, sind für mich allerdings ein paar mehr Informationen über die Fähigkeiten der anderen. Es kommt zwar einiges ans Licht, aber längst nicht so viel, wie ich es mir gewünscht hätte. Das mindert den Lesespaß aber herzlich wenig, es ist ein verzeihliches Manko, zumal einige ungeklärte Fragen und die allgemeine Ungewissheit nur Lust auf das Finale machen.

Besonders schön sind dafür auch wieder die Charaktere. Ebenfalls erfreulich ist ein kleiner Konstellationswechsel, so dass auch Tori näher beleuchtet wird, die im ersten Teil noch eine klare Randfigur war. Auch jetzt steht sie natürlich nicht im Mittelpunkt, aber man sieht ein wenig mehr von ihr, lernt sie etwas kennen; auch wenn man von einem Einblick in ihren Charakter noch entfernt ist. (Und ob es sie sympathischer ist als zuvor, ist noch eine ganz andere Frage.)
Ganz vorn stehen aber wieder Derek und Chloe, beide eigenständige Charaktere mit ihren Geschichten, ihren Gedanken, Pros und Cons … so wie Charaktere eben sein sollen, wenn sie zum einen gemocht werden sollen und zum anderen auch nahe gehen, statt nach der letzten Seite vergessen zu werden. Nach dem ersten Band lernt man die beiden – und auch Simon und Tori, logisch – besser kennen, erfährt mehr über sie. Ich für meinen Teil bin nach wie vor schwer begeistert von den beiden! (Vielleicht wünsch ich mir auch nur einen Derek … ist selten vorgekommen, dass ausgerechnet der Kerl mit Akne mein Liebling wird. Spricht für ihn, oder?)

Fehlt eigentlich nur noch die Sprache … ich kann nicht behaupten, dass sie sich verbessert hätte. Der Text ist nach wie vor angenehm zu lesen und auch Chloes sarkastische Art kommt gut rüber – wie das im Vergleich zum Original aussieht, kann ich natürlich nicht sagen.
Aber das „yeah“ kommt seltener vor, eine klare Verbesserung. Es lieg keineswegs daran, dass die Übersetzerin ihre Liebe zum stinknormalen „ja“ gefunden hat, sondern weil es im Original schlicht und einfach seltener vorkommt. (Oder es wurde ausgespart, was ich an dieser Stelle bezweifeln möchte.) Somit ist der Aufregungsfaktor ein wenig abgeschwächt, auch wenn das wohl weniger beabsichtigt war.

Der zweite Teil steht seinem Vorgänger in nichts nach, was die Spannung und die tollen Charaktere angeht. War „Schattenstunde“ noch das Erkennen ihrer Fähigkeiten, beinhaltet „Seelennacht“ im großen und ganzen die Flucht, die – in ihrer Art, wie sie dargestellt ist – große Lust macht auf den dritten Teil, nun womöglich den Kampf?
Ein paar mehr Enthüllungen hätten dem Buch nicht geschadet, so fehlte mir am Ende ein wenig etwas, aber ansonsten kann ich wieder nur sagen: ein großartiges Buch!

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9 thoughts on “[Rezension] Seelennacht | Kelley Armstrong

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  3. Wow, ich merke gerade, dass ich doch länger nicht auf deinem Blog war (so ist das, wenn man einen Monat kein Internet hat …). dein neues Design ist wirklich schön!

    Ich habe Schattenstunde bereits gelesen und war total begeistert, weil es ziemlich anders ist, als sie restlichen Bücher dieses Genres, die mir bis jetzt untergekommen sind. Gerade, wenn es um den optisch ja doch eher unattraktiven Derek geht, den man trotzdem toll findet (ich schließe mich dir hier an!;) ) und eine seeeehr im Hintergrund stehende Liebesgeschichte.

    Deine Rezension hat mich jetzt noch neugieriger auf den zweiten Band gemacht, obwohl ich es ja schaffen wollte, ihn erst kurz vor Erscheinen des dritten Bandes zu lesen.
    Aber wahrscheinlich schaff ich das sowieso nicht – ich bin immer viel zu neugierig.

    • Dankeschön! (:
      Und herzlichen Glückwunsch zum wiedererlangten Internet? Ein Monat ist echt ein Batzen Zeit. oo

      Derek ist aber auch … ich will jetzt nicht sagen „Schnuckelchen“ (das wird ihm nicht gerecht), aber irgendwie … ja, doch! Ich find den Kerl einfach herrlich von seiner Art her. :D (Und da sag mal einer, wir wären oberflächlich!)
      Wie ich sehe, hattest du ja auch den gleichen Kritikpunkt – yeah! xD Ich werd künftig wirklich aufpassen, wer da übersetzt hat und im Falle von Frau Gaspard lieber zum Original greifen.

      Eigentlich ist dein Vorhaben ziemlich klug. xD Ich hätte am Ende sofort mit Band 3 weitermachen können. Der Drang, sofort weiterzulesen, ist inzwischen zwar etwas abgeschwächt, aber dennoch – bis Juni ist es noch ein ganzes Stück.
      Hm … was kann ich denn sagen, um die Neugierde zu dämpfen? x)

  4. Bitte :)

    Ein Monat war echt verdammt lange, gerade, weil ich mich richtig daran gewöhnt hatte zu bloggen und die anderen Blogs zu verfolgen. Aber Gott sei Dank geht das Internet mittlerweile einwandfrei (vom Telefon rede ich hier aber lieber nicht …).

    Hehe, ich weiß, was du bei Derek meinst. Er ist einfach ein ziemlich untypisches Love-Interest, aber sowas von interessant und toll gezeichnet, dass sein Äußeres total in den Hintergrund rückt. Daran merkt man richtig, dass Kelley Armstrong es draufhat.

    Dieses ständige Yeah, ist aber auch sowas von nervig! Ich glaube, ich habe bis jetzt auch noch keine Rezension zum deutschen Band gelesen, wo das nicht angesprochen wurde.

    Ich schaffe es wahrscheinlich sowieso nicht, auf den dritten Band zu warten. Momentan kann ich nur meine Abschlussprüfungen vorschieben, um nicht allzu viel zu lesen. Aber wenn die erst hinter mir liegen, kann ich für nichts mehr garantieren.;)
    Hach, ich bin einfach zu neugierig (und werde es auch immer sein), da kannst du gar nichts machen …xD

    • Ein Hoffnungsschimmer bleibt – da das Internet geht, muss das mit dem Telefon früher oder später ja auch wieder gehen. (: Und besser eins als keins!

      Den Teil unterschreib ich einfach mal so. ;)
      (Wobei sich der äußerliche Teil ja vielleicht auch irgendwann ändern. Ich mein … Pickel sind nichts, was man mit der nötigen Hartnäckigkeit nicht loswerden könnte! xD)

      Ob die Übersetzerin wohl mit sich reden lässt? oO Ich mein, der Verlag müsste das ja auch mal mitbekommen und gegebenenfalls weiterleiten?
      Ich hätt ja glatt Lust, mal bei ihr direkt nachzuhaken, warum zum Henker sie so auf ihr yeah pocht.

      Ach, na … da kann man wohl nichts machen. xD
      Wie lange hält der Prüfungs-Aufschub denn noch?

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