[Get the muh-ve!] Ruby Red

Ich bin ein neugieriger Mensch und mache manchmal Sachen, die andere als nicht ganz nachvollziehbar/logisch erachten. Womit sie meistens auch Recht haben, aber das hält mich ja nicht davon ab, es weiter so zu handhaben. ;)
Und da ich neugierig war, was man in Amerika denn aus unserem schönen „Rubinrot“ (Kerstin Gier) gemacht hat, landete also die englische Ausgabe „Ruby Red“ bei mir im Regal und wurde flugs gelesen. Ich habe nun nicht jeden Satz auseinandergenommen und verglichen, schließlich wollte ich das Buch hauptsächlich lesen und auch genießen – aber ein paar kleine Sachen sind mir aufgefallen und einige wollt ich einfach mal exemplarisch herzeigen. Nur für den Fall, dass noch jemand neugierig ist. ;)

Aber fangen wir doch einfach mal mit dem Offensichtlichsten an: das Äußere. Dass „Ruby Red“ ein neues Cover hat, ist ja bereits bekannt, aber damit ist es noch nicht getan. Aber für die, die das Cover zufälligerweise noch nicht kennen:

So sehen die beiden aus (ich entschuldige mich im Voraus für die schlechten und teilweise bearbeiteten Fotos – das ist die uralte Kamera und die Bearbeitung dient allein dem Zweck, dass man auch was sehen kann), und unabhängig davon, welches man nun bevorzugt/schöner findet, eines fällt schonmal auf: Die schicke Gestaltung geht bei der US-Ausgabe innen weiter – bei der deutschen Variante nicht. Komm ich aber gleich nochmal zu.
Die nächste auffällige Sache ist natürlich die Größe (okay, und das – fehelende – Lesebändchen). „Ruby Red“ ist genauso groß, aber doch ein ganzes Stück dünner als „Rubinrot“ – was ja auch zu erwarten war, bei dem dicken Papier, das Arena verwendet hat. (Keine Wertung, nur eine Feststellung!)
Und natürlich die Farbe! Während man bei „Rubinrot“ zum schlichten Rosa mit einer glatten Struktur gegriffen hat, ist „Ruby Red“ satt rot – was ja auch jeweils zum Cover passt. (Ebenso der Buchrücken, der mir bei „Ruby Red“ ein bisschen besser gefällt.)
„Ruby Red“ hat aber eine viel schickere Struktur – auch wenn’s natürlich kein Leder ist, erweckt es den Eindruck eines Lederbandes, was es gleichzeitig auch irgendwie älter wirken lässt und somit super zum Thema Zeitreisen passt. Ich habe versucht, es zu fotografieren, aber wie gesagt: Die Kamera. Aber ich denke, man kann sich’s so ungefähr vorstellen, oder? ;)
Gehen wir aber mal ein bisschen weiter hinein – ich habe bereits angedeutet, dass „Ruby Red“ auch innen richtig schick gestaltet ist, „Rubinrot“ dagegen weniger.

Man sieht’s schon an den Titeln. Während bei „Rubinrot“ beinahe lieblos Titel, Autor und Verlag in recht langweilier Schrift gedruckt sind, überzeugt die US-Variante auf ganzer Linie. Hier fehlt zum Glück auch das Mädchengesicht, das – meines Erachtens nach – beim Cover am meisten gestört hat. So ergibt es ein stimmiges Ganzes, das (und da kann man wohl sagen, was man will) einfach super aussieht.

Ähnlich verhält es sich bei den Kapitelanfängen – und Seitenzahlen, nebenbei bemerkt -, sie sind bei „Ruby Red“ einfach ein bisschen detaillierter und damit eben schicker gestaltet. (Aber: Die kleinen Informationen zwischen den Kapiteln sind bei „Ruby Red“ ganz normal und in schwarz gedruckt, während „Rubinrot“ auch hier mit Rot glänzt.) Natürlich kommt’s auch auf den Inhalt an, aber in dem Fall wissen wir ja, was uns erwartet und dass es gut ist. ;) (Okay, außer natürlich man hat „Rubinrot“ nicht gelesen oder man mochte es eben nicht. Keines von beidem trifft auf mich zu, also was soll’s.)

Soviel erstmal zum Aussehen, der Inhalt ist ja auch wichtig! Wobei „Inhalt“ vielleicht nicht das richtige Wort ist, an der Handlung wurde schließlich nichts (beziehungsweise nichts, das in irgendeiner Weise absolut wichtig gewesen wäre) geändert.
Aber da sind diese kleinen Sachen wie Namen, Bezeichnungen etc., die eben dem Land entsprechend geändert werden mussten … oder?
Ich für meinen Teil war an einigen wenigen Stellen etwas ratlos, warum hier was geändert wurde. Vielleicht kann mir ja hinterher einer von euch helfen.
Aber vorher: Ich will mir nicht anmaßen, die Übersetzung zu beurteilen (da ich nunmal kein Muttersprachler bin), an manch einer Stelle klang es für mich aber ein wenig seltsam, fast ein wenig kindlich, wenn der Originaltext leicht und locker-flockig daher kommt. Und es kann gut sein, dass Wendungen wie „by any chance“ mir nur auffallen, weil ich sie eben nicht gewohnt bin, während deutsche Wendungen gar nicht auffallen, weil wir sie alle nun einmal ständig verwendet und es einfach natürlich wirkt.
Fakt ist jedenfalls, dass zumindest The Story Siren (beispielsweise) nichts an der Übersetzung auszusetzen hatte – und ich denke, an dieser Stelle sollten wir das Urteil den Muttersprachlern überlassen. ;)
Ansonsten war mir persönlich auch nichts aufgefallen, dass der Grundton – der nun mal sehr leicht, manchmal ein bisschen sarkastisch und schlichtweg angenehm war – umgekrempelt wurde.
Von daher – ich denke, man kann von einer vernünftigen Übersetzung sprechen; auch wenn das Original auch in diesem Fall der Übersetzung mal wieder vorzuziehen ist! (Nur dass das dieses Mal die deutsche Ausgabe trifft. xD)

Aber – die Änderungen.
Es fängt schon mit den Namen an, was teilweise verständlich ist, teilweise nicht ganz. So wird aus unserer „Leslie“ eine „Lesley“, was wohl der Aussprache geschuldet ist. Dass aus unserem liebenswerten „James August Peregrin Pimplebottom“ ein „James Augustus Peregrine Pympoole-Bothame“ wurde, lässt sich erklären, auch wenn es zunächst seltsam anmutet: Schließlich gibt es diese eine Stelle, an der Gwen sich darüber lustig macht, dass wohl niemand jemanden heiraten würde, der Pickelpo heißt. Nun kann man das natürlich nicht ganz so übersetzen – okay, auch nicht ganz richtig. Man kann natürlich auch auf Englisch sagen, dass so wohl niemand heißen will, aber ich sehe zumindest einen Sinn dahinter, den Nachnamen in einen zu ändern, der so ähnlich klingt, um dann auf die Ähnlichkeit des Namens mit „pimplebottom“ anzuspielen. Auch wenn mir zugegebenermaßen die Ähnlichkeit zwischen „Pimplebottom“ und „Pympoole-Bothame“ dann doch etwas zu entfernt liegt. Aber so ist es nunmal, und so lesen wir statt: „Ich meine, wer will schon freiwillig Pickelpo heißen?“ („Rubinrot“, Seite 23) einfach: „I mean, who’d marry a man with a name that sounds like Pimple-Bottom?“ („Ruby Red“, Seite 17).
Und ihr seht – keine 1:1-Übersetzung.
Warum aber aus „Gwendolyn“ eine „Gwyneth“ wurde, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen. Ich hatte eigentlich nichts gefunden, dass Gwendolyn ein Name ist, der im Englischen nicht existiert – und gemessen daran, dass der Spitzname „Gwen“ bleibt, warum wurde sie dann umbenannt? Erleuchtet mich, bitte!
(Aber zumindest Gideons anfänglicher Namensdreher bei ihrer ersten Begegnung im Temple wurde dann auch angepasst: „Winnie“ statt „Wendy“. Ich musste ja spontan kichern. xD)

Und ohne noch groß jemanden langweilen zu wollen – im Text finden sich immer wieder kleine Sachen; zum Beispiel sagt Madame Rossini eben nicht „»Knie’osen« und »nischt«“ („Rubinrot“, Seite 205), wenn sie sich aufregt, sondern vergisst „how to say an h or th now and then“ („Ruby Red“, Seite 190). Änderungen eben, die sein müssen, weil eine andere Sprache (und Kultur teilweise) nun einmal andere Hürden mit sich bringt.
Und meistens bleibt man ja auch nah dran, wie auch beim „Graf Dingsbums“ („Rubinrot“, Seite 155), der dann eben „Count Thingummy“ („Ruby Red“, Seite 142) ist. Die englische Variante gefällt mir ja fast besser. 8)

Manches … muss man wohl einfach akzeptieren. Ich versteh zum Beispiel nicht, warum folgende Stelle geändert wurde:
Auf Seite 42 von „Rubinrot“ finden wir folgendes Wortlaut: „»Nein«, sagte Großtante Maddy. »Gott sei Dank nicht. Ich kriege nach den Visionen immer so schrecklichen Hunger und ich bin ohnehin zu fett.«“
Während die Übersetzung von „Ruby Red“ das (auf Seite 34f.) so gehandhabt hat: „“No,“ said Great-aunt Maddy. „Thank God, I didn’t. I’m always ravenously hungry after those visions, and I need to lose weight as it is.“ She patted her middle.
Der letzte Satz stand aber nicht im Original! xD Kulturdings? Wer weiß, ich nicht. Ihr vielleicht?

So zieht sich das eben durch’s ganze Buch, und glücklicherweise liest es sich auf Englisch (fast) genauso toll wie auf Deutsch. Da kann man nur hoffen, dass auch die englischen Leser (wenigstens ein Großteil) begeistert ist oder zumindest Lust auf „Sapphire Blue“ bekommt, denn:

Nächstes Jahr geht’s weiter! Ich bin aber schon sehr auf das Cover gespannt (und auch darauf, wer dieses Mal das Cover ziert oder ob’s wieder Gwen sein wird.)

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12 thoughts on “[Get the muh-ve!] Ruby Red

  1. Hey Shiku!

    Finde die amerikanische Aufmachung teilweise auch schöner. Aber nur Innen.

    Warum Gwyneth statt Gwendolyn? Also das ist so, in den USA hört sich Gwendolyn einfach so an, wie im Deutschem der Name Hildegard. Keine Ahnung warum… Finde Gwendolyn sehr schön, aber gut.
    Und es stimmt, das Buch lässt sich gut lesen, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass man Rubinrot schon fast auswenig kann und alles versteht ; D Ähem…

    LG Lina

    • Hallo Lina! :D

      Perfekt wäre wohl wirklich nur ein Mix aus beidem. ;) Design des deutschen Covers, aber auch innen und in Farbe!

      Echt? oo Und nur deswegen?
      (Hildegard klingt doch toll. -lach-) Ist ja eigentlich schade. Nicht, dass Gwynneth jetzt schlecht klingt, aber ich mag Gwendolyn lieber und mal ehrlich – allzu modern hört der sich auch für mein deutsches Ohr nicht an. ;) Aber danke für des Rätsels Lösung!

      Ach, es liest sich auch so super. xD Ich für meinen Teil hatte Rubinrot erst einmal gelesen und gemerkt, dass ich glatt einige Ereignisse aus Saphirblau in den ersten Teil mit reingedichtet habe. -lach- (Praktisch, dass das Wissen da gleich mal aufgefrischt wurde!)

  2. Ich meine mich zu erinnern, in irgend einem Interview mit Frau Gier mal gelesen zu haben, das der Name geändert werden musste, da Gwendolyn ein viel zu alter Name sei, und heutzutage niemand mehr sein Kind so nennt.
    Aber egal….wenn die meinen die müssen ihn ändern….

    PS: Vielen Dank für den Post, ich habe mich schon länger gefragt, wie die Englishe ausgabe wohl geworden ist.
    PPS: Ich finde das Englische Design viel Schöner.

    gruß L.

    • Die armen Kinder, so ein schöner Name! (Und ein paar Irre, die komische Namen verteilen, gibt’s ja immer.)

      Und bitteschön! (: Dacht ich’s mir doch, dass das nicht allein mich interessiert. :‘)

      Aber scheinbar bist du da wohl in der Minderheit, zumindest was das Cover betrifft. ;) Ich finde das Englische aus sehr schön (bis auf das Mädchengesicht), aber die deutsche Variante finde ich persönlich … einzigartiger. Sozusagen.
      Nichtsdestotrotz hat man auch im fernen Amerika ganze Arbeit geleistet!

  3. Ich finde das Buch äußerlich schon mal sehr schön, nach deinen Fotos zu urteilen. Kurios ist, dass bei gleichem Inhalt die Amerikaner nur die Hälfte der Wörter zu brauchen scheinen (das Buch ist doch arg dünn – was ist mit der Seitenzahl hat die sich stark verringert?)
    Inhaltlich wurde sicher erstmal übersetzt und dann hat vielleicht nochmal ein Lektor was dran herum gekrittelt – so könnten die Unterschiede entstanden sein. LG :)

    • Ich glaube der Unterschied im Umfang liegt vor allem daran, dass die deutschen Bücher oft größer bedruckt werden, mehr Zeilenabstand haben und vor allem viel dickeres Papier benutzen.

    • Der Unterschied sieht wohl auch etwas krasser aus, als er ist. (: „Rubinrot“ hat ja circa 350 Seiten – „Ruby Red“ circa 330. Das sind immer noch ein paar Seiten weniger, aber ich denke, die kann man schon auf die Sprache schieben. (: Einiges lässt sich in Englisch ja schon leichter ausdrücken, während wir im Deutschen ein paar Nebensatz dranhängen müssen.
      Ich tipp aber auf’s Papier. (: Zeilenabstand & Schritgröße sind einander recht ähnlich, aber das Papier der deutschen Ausgabe ist definitiv dicker!

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  5. Hey!
    Erstmal möchte ich sagen, wow! Dass du dir so eine Mühe gemacht hast, das alles miteinander zu vergleichen! War sehr interessant zu lesen.
    Ich kann deine Frage bezüglich der Abänderung von Gwendolyns‘ Namen beantworten! :) Es stimmt zwar, dass es den Namen im Amerikanischen gibt, allerdings ist er für die sehr altmodisch, darum wurde er geändert.
    Es wäre, verglichen mit uns Deutschen, so, als ob die Protagonistin eines Jugendbuches „Brunhilde“ oder so ähnlich heißen :D
    Also verstehe ich es ganz und gar, dass sie den Namen geändert haben…
    Liebe Grüße,
    Rebecca

    • Hallo Rebecca,
      freut mich, dass es interessant war und dankeschön! Wobei ich es echt traurig finde, dass „Gwendolyn“ altmodisch ist … ist so ein schöner Name! Aber ich mag auch Wilhelmina irgendwie, von daher bin ich niemand, auf dessen Urteil man Acht geben sollte. *lach*

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