[Rezension] Fame Junkies | Morton Rhue

Fame Junkies Morton Rhue Morton Rhue:
Fame Junkies
eng.: Famous

Inhalt lt. Verlag:
„Was ist, wenn ich dir sage, dass ich mal berühmt war? Dass ich auf der Straße erkannt wurde? Dass ich zu Talkshows eingeladen wurde? Dass mir eine Zeit lang auf Schritt und Tritt Paparazzi folgten? Dass sich alles nur um mich drehte – mich – mich. Kannst du dir das vorstellen? Klar kannst du das. Bloß hat das, was du dir vorstellst, leider überhaupt nichts mit der Realität zu tun.“

Jugendbuch, Paparazzi, Berühmtsein und die Sehnsucht danach
Ravensburger, gebunden, 320 Seiten
14,95€
ISBN 978-3-473-35319-4, auch als Taschenbuch erhältlich

Meine Meinung:
Berühmt zu sein heißt vieles: Geld noch und nöcher haben, alles kriegen, was man will, beliebt sein, gutaussehend und begehrt. Das zumindest ist die blauäugige Vorstellung, die kaum was mit der Realität zu tun hat, wie auch Jamie – eine junge „Starfotografin“ – sehr bald feststellen muss. War es einst einer ihrer größten Wünsche, verwandelt sich das Ganze mehr und mehr zu einem Alptraum. Denn nicht nur sie hat auf einmal viel zu verlieren; sie muss mit eigenen Augen sehen, welche schreckliche Folgen der Drang, berühmt zu sein, haben kann. Doch als sie es erkennt und helfen möchte, ist es beinahe zu spät – und die Verluste bereits jetzt groß.

Erzählt wird die Geschichte in mehreren Zeitebenen: Einmal in der Vergangenheit, die von Jamies ersten Schritten als Paparazza in der 9. Klasse in New York erzählen und den Anfang ihrer langsam ansteigenden Karriere schildern.
Die zweite Zeitebene erzählt von der Gegenwart, Jamie ist in der 10. Klasse, dieses Mal aber in L.A, wo Jamie eine Fotostrecke von Willow – dem Jungstar der Zeit – anzufertigen. Nebenbei schreibt sie immer mal Mails an ihren Freund Nasim.
In der dritten Zeitebene geht es um die Zukunft, Jamie ist wieder in New York City und etwas Schreckliches ist geschehen – nur was, das wird erst nach und nach klar. Allerdings teilt sich die Zukunft auch noch einmal auf. Während die erste Zukunft quasi die „letzte“ ist, gibt es noch zwei weitere, die zeitlich etwas vor der erstgennanten liegen. Einmal wären da Textstellen, in denen Jamies bester Freund Avy erzählt: Er befindet sich im Tijuana Trolley, wo er sich einer Schönheitsoperation unterziehen will und außerdem einige krumme Geschäfte führt – er ist 15, wohlgemerkt, aber sein größter Wunsch ist es nun einmal berühmter Schauspieler zu werden. Und dann ist da noch der Polizist Detective Ramos, der von Stalkern erzählt, dass manche gefährlich sind und manche nicht.
Und schlussendlich gibt es auch noch Briefe von einem Richard an Willow. Sie kennt ihn eigentlich nicht, aber er liebt sie – und sie ihn auch, davon ist er überzeugt.

Das Ganze klingt ein wenig kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht. Zum einen steht über dem Kapitel immer, wer gerade spricht und anhand der Zeitformen lässt sich meist sagen, in welcher Zeit die Charaktere gerade stecken: Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Außerdem steht das Datum auch immer darüber – alles machbar also.
Das ist gut, denn diese verschiedenen Ebenen haben den Vorteil, dass der Autor ständig zwischen ihnen hin und her springen kann, was Morton Rhue auch wirklich ausnutzt. Dadurch entsteht eine unglaubliche Spannung – innerhalb der kurzen Parts tauchen immer wieder Fragen auf, die nicht im gleichen Kapitel nicht beantwortet werden können – und so auch nicht im nächsten oder übernächsten, weil dort schon wieder jemand anders erzählt. Andere wiederum werden beantwortet, weil die Zukunft nun einmal vorgreift oder bereits etwas verrät, aber das sorgt lediglich für dunkle Vorahnungen und die irrsinnige Hoffnung, dass es bitte nicht so kommt. Worauf ich natürlich lange hoffen konnte.
Und daher bleiben sie alle fast bis zum Schluss dabei: Was ist mit Avy? Was passiert in der Zukunft? Warum ist Nasim so komisch, warum antwortet er nicht mehr? Wie kommt Jamie wieder heil aus dem Ganzen raus? Und ganz wichtig: Was sind das für Fotos, die auf Jamies Kamera sind – die sie selbst in eine Krise stürzen und das Aus für Willow bedeuten könnten? Wer hat sie geschossen? Und so weiter und so fort … es sind immer kleine Brocken, die aber ziemlich schnell zusammenklumpen – gerade auch, weil der eine oder andere üble Verdacht aufkommt – und für ein nicht gerade leichtes Gefühl beim Lesen sorgen!

Am besten lässt sich das Buch wohl mit dem Wort „bitter“ umschreiben: Erst kaum Antworten, dann das Ende. Ohne zu viel zu verraten wollen: Was passiert ist böse, drastisch, zeigt aber auch die andere Seite der Medaille. Die Weisheit dahinter ist banal: Wer hoch hinaufsteigt, kann auch sehr tief fallen. Tatsächlich klingt die Moral am Ende ein wenig konstruiert, auch wenn die Wandlung an sich keineswegs unrealistisch ist. Trotzdem macht es sie nicht weniger wahr und die Ereignisse erst recht nicht rückgängig.
Bitter ist auch ein wenig die Tatsache, dass Jamie eigentlich durch ihre Neugierde ziemlich viel verliert und kaputt macht – die Neugierde, die sie als Paparazza haben muss und auch die Dreistigkeit, jemanden so in seiner Privatsphäre zu stören. Aber gerade dieser Faktor – diese Neugierde, fast Sensationslust – ist ein Grund, warum ich weitergelesen habe. Dann am Ende ist eigentlich alles geklärt – nur was auf den Fotos zu sehen ist, wurde noch nicht erwähnt. Zwar ist es schon etwas anderes, wenn jemand solche Fotos macht, um Geld anzuscheffeln und andere dann diese Fotos unbedingt sehen wollen, um eventuell schadenfroh zu sein oder aber wenn es einfach nur interessiert, warum so viel Aufhebens darum gemacht wird. Aber es hat irgendwo eine gemeinsame Basis und damit einhergeht, dass die Willows eigenes Leben durchleuchtet wird.

Sprachlich ist das Ganze nicht besonders erwähnenswert, aber okay. So bleibt ein wirklich spannendes Werk, das auch ein paar Fragen aufwirft: Ist Berühmtheit das wirklich wert? Aber auch: Wie kommt man eigentlich dazu, einen fremden, wenn auch berühmten, Menschen massiv zu bedrängen und vielleicht gar dessen Leben zu zerstören, einfach für’s Geld? Und warum zum Henker interessiert es überhaupt jemanden? Denn ohne Interessenten wären auch Paparazzi aufgeschmissen.
Natürlich betrifft nicht alles davon nur die Problematik Berühmtheit/Paparazzi, aber es steht jedem frei weiterzudenken.

Buchinfo:
Famous Todd Strasser Lustigerweise erschien die englische (Hardcover-)Ausgabe erst im Januar 2011, während es in Deutschland bereits das Taschenbuch gibt. Dort wurde es auch unter seinem richtigen Namen Todd Strasser veröffentlicht.
Das Cover an sich haut mich nicht vom Hocker, aber rein grundsätzlich passt es besser zur Thematik. Natürlich passt das Deutsche irgendwie – aber es ist doch eher symbolisch, während man beim Englischen gleich darauf schließen kann, worum es im Buch – grob – geht.

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3 thoughts on “[Rezension] Fame Junkies | Morton Rhue

  1. Juhuu Shiku!

    Also die Message von dem Buch fand ich wirklich gut. Es zeigt auf, dass nicht nur die Paparazzi an sich eine Mitschuld an so manchem Star-Dasein haben, sondern auch wir Menschen, die sich schlichtweg dafür interessieren. Weil wir das tun, bekommen Paparrazi massig Knete dafür, anderen Leute ihre Privatsphäre zu stehlen.
    Die beiden größten Probleme bei dem Buch waren für mich aber der Schreibstil an sich, der, wie du gesagt hast, leider nicht weiter erwähnenswert ist, was eigentlich auch heißt, dass er langweilig ist. Und die Charaktere, die mir trotzdem ziemlich egal waren.

    Ich hatte bei dem Buch irgendwie immer das Gefühl, dass man mehr hätte herausholen können, da die Idee an sich wirklich sehr gut ist.

    • Hallo Izzy! :D

      Ja. Ich meine, ein wenig Neugier, welche Projekte gerade verfolgt werden (bei Schauspielern etc.) ist vollkommen normal, finde ich. Da geht’s um den Beruf. Aber bei den ganzen privaten Sachen … was interessiert es uns, wie Orlando Bloom privat rumläuft? Was macht es erwähnenswert, dass XX/XY auch mal Schlabberhose trägt? Da versteh ich die Leute echt nicht mehr.

      Ich fand den Schreibtstil nicht direkt langweilig – obwohl, man könnte es so nennen, ja. Aber trotzdem war das Buch – für mich – sehr angenehm und schnell zu lesen.
      Mit den Charakteren geb ich dir aber recht, auch wenn sie mich gegen Ende ein wenig mehr gekümmert haben. Gerade Avy und ganz am Ende auch Jamie. Aufwachen ist nicht schön, da taten selbst sie mir leid; bzw. bei Avy war’s ja nochmal ein bisschen was anderes.

      Also ich war zufrieden so (: Aber es hätte sicher besser sein können, keine Frage.

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