[Rezension] Die Poison Diaries 1 | Maryrose Wood

Die Poison Diaries 1, Maryrose Wood Maryrose Wood, basierend auf einer Idee von Jane Northumberland:
Die Poison Diaries:
»Liebe ist unheilbar«

OT: The Poison Diaries

Inhalt lt. Verlag:
Um 1800: Jessamine lebt mit ihrem Vater in einer verlassenen Kapelle im Norden Englands. Sie führen ein stilles, von Jahreszeiten geprägtes Leben. Jessamines Vater ist Botaniker, seine Leidenschaft sind Heil- und Giftpflanzen. In einem verborgenen Giftgarten züchtet er mächtige tödliche Gewächse, sorgsam darauf bedacht, seine Tochter von der Gefahr fernzuhalten. Als eines Tages Weed auftaucht, ein rätselhafter Fremder mit absinthgrünen Augen, verfällt Jessmine ihm sofort. Doch kaum haben die beiden zueinander gefunden, wird das Mädchen sterbenskrank. Was ist Weeds dunkles Geheimnis? Ist er ihre Rettung oder bringt er den Tod?

Eine Geschichte, so geheimnisvoll wie die unergründliche Welt der Pflanzen. Denn ob Belladonna heilt oder tötet, darüber entscheidet am Ende die Liebe …

Romantik, Jugendbuch, ein Hauch von Magie, Pflanzen und Gifte
Fischer, gebunden mit Schutzumschlag, 272 Seiten
Band 1 von 3, 14,95€
ISBN 978-3-8414-2124-1

Vorbemerkung: Um es kurz zu machen: flach, unlogisch, langweilig.

Meine Meinung:
Jessamine lebt allein mit ihrem Vater und den Pflanzen. Diese nehmen einen großen Platz in ihrem Leben ein, besonders auch der Giftgarten ihres Vaters, den sie bis jetzt nie betreten durfte.
Als eines Tages der Junge Weed auftaucht, ändert sich einiges. Ein Geheimnis scheint ihn zu umgeben, das irgendwie auch mit den Pflanzen zu tun hat. Jessamine verliebt sich in ihn und auch Weed scheint Interesse an ihr zu haben. Die beiden werden übermütiger, haben eine schöne Zeit, bis Jessamine erkrankt und keiner weiß woran und wieso. Der Einzige, der ihr jetzt noch helfen kann, ist Weed. Doch dafür muss er sich in den Giftgarten begeben und die Pflanzen dort sind alles andere als freundlich gesinnt …

Das Beste, was sich über „Die Poison Diaries 1“ sagen lässt, ist, dass es nett erzählt ist. Da es auch nicht besonders dick ist, ist es schnell ausgelesen – was nur von Vorteil ist, wie ich bemerken möchte.
Ansonsten hat das Buch nicht viel zu bieten, im Grunde ist der Titel schon das erste große Warnsignal, das ich besser beachtet hätte. „Die Poison Diaries“, was soll das sein? Denglisch Deluxe? Warum nicht einfach „Poison Diaries“ lassen, wenn es Englisch sein soll, oder einfach „Die Gifttagebücher“? Wäre auch kein wirklich fantastischer Titel, aber alles ist besser als dieser Sprachenmix.

Die Geschichte selbst wird glücklicherweise deutsch und nur in Deutsch erzählt, was nichts daran ändert, dass dem Buch jegliche Spannung abhanden geht. Gerade mal am Ende kommt ein bisschen Spannung auf, das war’s dann aber auch schon. Bis dahin sind die Ereignisse vorhersehbar und klischeehaft, Geheimnisse kann man nicht wirklich als solche bezeichnen. Allein dadurch, dass so explizit auf gewisse Verhaltensmuster von Weed hingewiesen wird, ist fast sofort klar, was er verbirgt. Nur der Protagonistin eben nicht, aber sie ist generell nicht die cleverste Dame Englands.
Das Ende ist dann – nach dem Funken Spannung – eher haarsträubend im Sinne von: „Was für ein Blödsinn!“ Zwar wird nach Jessamines Erkrankung ein neuer Charakter – samt „Begleitern“ – eingeführt, der ganz interessant ist, aber wirklich retten kann er die Geschichte auch nicht mehr. Ebenso wenig die knappen Informationen über die Pflanzen und ihre Wirkung. Dafür ist die Auflösung wirklich, um es mal beim Namen zu nennen, hirnrissig.

Gleiches gilt für die Liebesgeschichte. Es ist eine à la „Oh, da ist ja ein Junge, hier ist sonst keiner außer meinem Vater, oh Gott, ich liebe ihn!“ und dementsprechend plötzlich, unrealistisch und wenig genießbar. Wären die beide erst einmal einfach nur Freunde geworden – man stelle sich vor: auch diese kann ein enges Band verbinden, kaum zu glauben! -, wäre das Ganze vermutlich genauso abgelaufen und eventuell interessanter gewesen. Einfach weil sie einander erst einmal richtig kennenlernen würden und es natürlicher wirken würde.
Unlogisch sind auch noch ganz andere Sachen. Weed isst zum Beispiel keine Kartoffeln, weil sie lebendig sind, aber Speck, weil es nicht lebendig ist. Wie jetzt? Okay, Speck kommt nicht von Pflanzen, aber was soll dann die Erklärung? Oder das Ende eben.

Um die Handlung zusammenzufassen: Sie ist eher (sehr) flach und bietet keine (positiven) Überraschungen. Die Charaktere stehen dem in nichts nach. Wirklich genauer konnte ich keinen kennenlernen, beide waren eher naiv, auch wenn Weed etwas interessanter war als Jessamine. Da die Informationen über ihn und sein Wesen auch nur spärlich gesät sind, bringt das nicht mehr viel.
Der Vater bleibt derweil fast die ganze Zeit auf der Strecke, dabei sollte man meinen, das Gegenteil wäre der Fall. Immerhin hat Jessamine vorher fast die ganze Zeit über allein gelebt. Theoretisch lernt man sich da gut kennen. Und theoretisch hätte man da auch viel mit ins Buch tragen können. Praktisch scheinbar nicht.

Gemessen daran, dass ich schon mit heruntergeschraubten – also eigentlich gar keinen – Erwartungen an „Die Poison Diaries 1“ rangegangen bin, ist dieses Buch eine richtige Enttäuschung. Es hat beinahe nichts zu bieten und es ist zweifelhaft, dass die wenigen interessanten Aspekte in den Folgebänden noch richtig komplex werden. Der erste Band derweil ist schlichtweg nicht zu empfehlen, zumindest nicht von mir. Es mag durchaus Leser geben, die Gefallen daran finden werden. Nicht aber, wenn sie Wert auf eine logische Geschichte, echte Gefühle und Charaktere mit Substanz legen.

Reiheninfo:

Hier links zu sehen ist das englische HC – nett anzusehen, aber nix dolles. In der Mitte sieht’s schon besser aus und zumindest beim Cover hat Fischer alles richtig gemacht, indem sie das des englischen Paperbacks übernommen haben. Man kann über das Buch sagen, was man will: Rein optisch kann es absolut punkten. Wäre nur schön gewesen, wenn es auch inhaltlich so toll gewesen wäre!
Das dritte Bild zeigt das englische Cover des zweiten Bandes (HC diesmal). Ich wage zu bezweifeln, dass ich es lesen werde, auch wenn der Inhalt zugegebenermaßen sehr interessant klingt:

Achtung, Spoiler!

Our heroine, Jessamine, has lost her faith in the men she loved, and her innocence as well. She turns to the dark side and plots to kill her father, using his own poisons, before becoming an assassin, a poisoner for hire. Can she recover from her heartache and reunite with her true love, Weed? Find out in this thrilling story where poisons, darkness and horror are a part of everyday life, and love is the only cure.
GoodReads

Dummerweise will es auch gleichtzeitig zum ersten Band passen. Dass Jessamine sich verändert, steht wohl außer Frage, aber das?! Es erscheint doch eher sehr unrealistisch, was nichts Gutes verspricht.
Der zweite Band erscheint am 25. Oktober 2011 auf Englisch.

Advertisements

18 thoughts on “[Rezension] Die Poison Diaries 1 | Maryrose Wood

  1. Tolle Rezension! Kann ich so unterschreiben.

    Habe meine Rezi auch vorhin veröffentlicht und noch großzügig drei Sterne verteilt.

    Die Sache mit dem Speck fand ich auch extrem lächerlich. Selbst ein Weed hätte doch eigentlich erkennen müssen, dass Schweine und andere Tiere genauso lebendig sind, wie seine (bescheuerten, sorry) Pflanzen.

    Warum immer wieder die Pflanzenarten erklärt wurde, hat mich ebenfalls gestört. Wieso konnte man am Ende nicht einfach ein Glossar einbauen? So hätte man sich auch mindestens 20 Seiten an Story gespart.

    • Danke!
      So viele noch? Wahnsinn! ;)

      Eigentlich hätte ich mehr Informationen über die Pflanzen gut gefunden; so waren sie doch eher rar vertreten und konnten für mich auch nichts mehr rausreißen. Normalerweise bin ich auch kein Pflanzenfan (ich hab sowas wie den „brauen Daumen“ – ich richte alles zugrunde, was dazu verdammt wird, in meiner Nähe zu wachsen!); als Tochter einer Floristmeisterin bin ich da einfach ein gebranntes Kind. ;) Aber gerade bei solchen Heilpflanzen find ich das schon wieder interessanter und auch bei den Giften – die ja keine kleine Rolle spielen, vor allem nicht im 2. Band, wie’s scheint – hätte ich mich über mehr gefreut. Und zusätzlich auch über ein Glossar als Übersicht für’s spätere Nachschlagen. ;)

  2. Ich bin ja noch nicht ganz durch, aber ich muss ja genauso naiv wie die Protagonistin sein XD Ich hab nicht durchschaut was für eine Fähigkeit Weed hatte ehe er es selbst erzählt hat. Das mit dem Speck kann ich dafür sehr gut verstehen.

    @ Brina: Welche Pflanzenarten wurden denn immer wieder erklärt? Hab ich das überlesen oder kommt das erst auf den letzten 50 Seiten?

    • Hast du nicht? Ich hatte ziemlich schnell die Vermutung und hatte eigentlich noch gehofft, es wäre doch was anderes. xD
      Echt? Auf Pflanzen angewandt, mag es Sinn ergeben, aber dann wäre eine bessere Erklärung doch gewesen, es mit eben jenen zu begründen. Wenn es nicht lebendig sein darf … die Kartoffel ist es eigentlich auch nicht mehr, vor allem nicht, wenn sie bestenfalls noch gekocht wird?

      • Die Begründung war ja nicht ausschließlich das lebendig sein. Weed hat ja noch gesagt, dass die Pflanzen seine Freunde sind und er sie deshalb nicht essen kann. Mit Tieren kann er nicht „sprechen“ und wie er später auch zu den Giftpflanzen sagt, hat er, bevor er Jessamine traf, nie etwas für Menschen oder Tiere empfinden können sondern immer nur für Pflanzen.

        Und nein, ich hab seine Gabe nicht einmal geahnt. Ich dachte eher, er führt Selbstgespräche und hat tatsächlich irgendein geheimes Wissen von dem Mönch oder sonstwem, das er aber nicht verraten will.

      • Dann hätte es – für mich – aber auch dabei bleiben sollen, das Lebendige bleibt für mich auch da noch der unlogische Fakt. Es wird halt angeführt und passt m.E.n. überhaupt nicht. (:

        Wer weiß, vielleicht funktioniert mein Hirn zu sehr in Richtung Fantasy? xD Deine Gedanken gingen ja eher in Richtung „natürliche“ Erklärung.

  3. und ich hatte schon Angst, dass ich wieder einmal völlig neben der Zielgruppe lese – schon bei „Engelsmorgen“ und „Flüsterndes Gold“ sowie dessen Nachfolger bekomme ich immer Fußnagelrollen, wenn ich diese ganzen vier- und fünf-Sterne-Bewertungen lese *grusel*

    Auch meine Rezension wird heute noch online gehen. Wenn ich mich recht entsinne, lag ich auch bei drei Sternen – das Cover und die optische Aufmachung allgemein ist daran nicht gering beteiligt. Außerdem find ich die Seite zum Buch und den originalen Garten ziemlich cool.

    • Gnihi, jedem das Seine, ne? x)

      Optisch ist es wirklich klasse und die Seite ist ebenso schick. Hätt ich die mit einbezogen, wären es definitiv auch ein paar Sternchen mehr. Aber leider verbessert all das das Buch ja nicht. xD

  4. Shiku, vllt sollten wir uns den 2. Teil aufteilen ;D einer liest die erste hälfte und der ander eden rest und dann erzählen wir uns was passiert. Dann befriedigen wir unsere Neugier und verschwendne nicht ganz so viel zeit ;D

      • Hm, ich glaube ja fast, dass der Schluss leeeiiicht besser sein könnte… v.a. wenn du mir dann Andeutungen aus der 1. Hälfte nicht verrätst, dann kommen die Wendungen vllt noch richtig überraschend ;D

    • Ich mochte es ja auch nicht, aber ich hätte nicht erwartet, dass es auch bei „allen“ anderen Bloggern/Lesern so schlecht ankommt… da frag ich mich doch wie der Verlag dieses Buch überhaupt kaufen konnte (obwohl es sich trotz schlechter Kritiken natürlich vllt trotzdem gut verkaufen wird, mysteriöses Mädchengesicht auf dem cover und so ;)

      • Shiku: Zumindest bei Amazon wird das wohl am Ende so sein … ;)

        Miss Bookiverse: Ich geh ehrlich gesagt davon aus, dass den Verlagen relativ egal ist, ob ein Buch gut oder schlecht ist – Hauptsache, es verkauft sich. Und sofern es sich um eine Liebesgeschichte handelt, in der „rätselhafte Fremde mit absinthgrünen Augen“ auftauchen, die ein „dunkles Geheimnis“ hüten, ist das Buch doch so gut wie verkauft! *gg*

  5. Da hast du wohl leider Recht, Irina. Ich hoffe aber doch, dass das nicht durchweg so ist. Ich könnte gar nicht ernsthaft mit einem Buch arbeiten, hinter dem ich nicht wenigstens 80% stehe.

  6. Pingback: Monatsstatistik: Mai « .

Und ihr so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s