[Rezension] The Thin Executioner | Darren Shan

The Thin Executioner Darren Shan Paperback Darren Shan:
The Thin Executioner

Inhalt lt. Verlag:
In a harsh, unforgiving world of slavery and glorified executions, one boy’s humiliation leads him to embark on a perilous quest to the faraway lair of a mysterious god. It is a dark, brutal, nightmarish journey which few have ever survived. But to Jebel Rum, the risk is worth it… to retrieve his honour… to win the hand of the girl he loves… to wield unimaginable power… and to become… THE THIN EXECUTIONER

Fantasy, nicht ganz so großer Horror
HarperCollins, Paperback, 411 Seiten
£ 6.99
ISBN 978-0-00-731584-0

Vorbemerkung: Leider wieder ein Shan, der nicht ganz zu überzeugen vermag!

Meine Meinung:
Jebel Rums Vater ist der Henker von Wadi, einer Stadt in Abu Aineh. Dort ist dies ein hoch angesehener Beruf, was in dem Land zählt, ist Stärke. Dementsprechend groß ist Jebels Schmach, da er eher dünn und schwach ist, ganz im Gegensatz zu seinem Vater und seinen Brüdern. Es wird aber noch schlimmer, als Jebels Vater seinen Rücktritt im folgenden Jahr ankündigt und zum Mukhayret aufruft, einem Wettbewerb, aus dem der neue Henker hervorgehen wird. In seiner Ansprache erwähnt er jedoch nur seine zwei ältesten Söhne – Jebel lässt er vollkommen außen vor.
In seiner Frustration trifft der Junge eine folgenschwere Entscheidung: Er wird sich auf die Reise zum Tubaygat begeben, um dort den Feuergott Sabbah Eid zu treffen. Schafft er dies und bringt ihm ein menschliches Opfer dar, wird dieser ihn mit Unverwundbarkeit und Stärke belohnen. Also zieht er mit dem Sklaven Tel Hesani los und lernt auf dieser gefährlichen Reise mehr, als dass es vielleicht gar nicht so schlimm gewesen wäre, mit der Schande zu leben …

Einer der tollsten Aspekte ist, dass Darren Shan sich sehr an Jordanien orientiert hat, was Namen und Orte angeht. Für mich als frischer Arabisch-Lerner macht so das Lesen gleich noch mehr Spaß – vor allem wenn mir der Gedanke kommt, bevor es auf die Notiz des Autors stoße.
Ich habe jetzt nicht alles nachgeprüft, aber dabei kommen wirklich ein paar interessante Verbindungen zu Tage, so zum Beispiel bei Jebels Namen und der Stadt Wadi – in Jordanien gibt es tatsächlich einen Ort, der Wadi Rum heißt. Wadis sind allgemein ausgetrocknete Flussläufe – ein Großteil der Bevölkerung Abu Ainehs (das Land, in dem Wadi liegt) ist dunkelhäutig, es ist also vermutlich wirklich sehr warm und damit eher trocken dort. Ein bekanntes Wadi ist dabei jenes „Wadi Rum“ und eine Erhebung dort trägt den Namen „Jabal Rum/Ram“. (Anmerkung: Im Arabischen wird Jabal durch zwei „fatha“ vokalisiert; die spricht man in dem Fall nicht wie ein richtiges A, sondern wie irgendetwas zwischen E und A – wobei wir wieder bei Jebel wären. Eine Erhebung würde auch zu ihm passen, einfach weil er sich anfangs und am Ende aus der Masse heraushebt.) Die Namen sind also ganz dicht miteinander verflochten und sowas ist wirklich toll, einfach weil klar wird, dass auch hinter diesem Buch viele Gedanken stecken!
Ein anderes kleines Beispiel ist der Siq – im Buch ein Durchgang zur Stadt Abu Siq, in unserer Welt der zur Stadt Petra mit in Stein gehauenen Häusern, die wohl ziemlich sicher die Vorlage für die fiktive Stadt waren. Googlet ruhig mal nach Bildern – auch wenn man das Buch nicht liest, lohnt es sich!
Solcherlei Verbindung gibt es sicher noch öfter, auch bei den genannten Beispielen. Das Problem hierbei ist nur: Man muss es wissen.

Trotzdem ist die präsentierte Welt auch ohne dieses Wissen wieder sehr interessant und klasse. Sie passt einwandfrei zu den beschriebenen Kulturen, die meistens auf ihre eigenen Art und Weise rau und unbequem ist, damit aber perfekt mit der Umgebung harmoniert. Ich will nicht behaupten, dass Darren Shan hier das Rad irgendwie neu erfunden hat – bestimmt nicht. Und so gruselig und übelkeiterregend die um Biyara beispielsweise sind – siehe Seite 253/54:

As Jebel tried in vain to fall asleep, he became aware of a small clicking noise. He turned and looked at the woman. Her robe was raised above her knees and she was scratching at a wound on her thigh. She had worked her way through to the bone and was picking at it with her nails.

– es ist nichts komplett neues. Trotzdem packt er all diese Dinge in einen eigenen, schönen Kontext und hat damit seine grausame, aber schöne Welt von den östlichen Nationen von Makhras.

Warum überzeugt es also nicht? Ich beschwere mich nicht einmal über den schlichten Schreibstil – das ist Darren Shan, wer was anderes erwartet, ist schlichtweg an der falschen Adresse. Auch Jebels anfängliches widerliches Verhalten ist nicht ausschlaggebend – er muss ja so sein, er wurde so erzogen, so ist es in Abu Aineh Sitte. Außerdem ist die Wandlung, die er später vollzieht, nachvollziehbar und nicht nur erfreulich. Der Junge lernt wirklich; nicht in der „Puff – jetzt ist alles anders!“-Art und Weise, sondern Schritt für Schritt, mit jeder Erfahrung ein bisschen mehr. Auch andere Charaktere sind kein Grund zur Beschwerde; sie alle haben ihre Rollen und ihre Berechtigung, allen voran der kluge Tel Hesani, ohne den Jebel wirklich aufgeschmissen wäre.

Das Problem ist die wenig überraschende Handlung. Interessanterweise ist diese gerade dann nicht sonderlich spannend, wenn Jebel ein unerträglicher Idiot ist. Es passiert zwar einiges, aber nichts davon hat mir irgendwie vom Hocker gerissen – ich habe einfach erwartet, dass es so kommt.
Erst später, als auch Jebel sich ändert, baut Darren Shan wieder diese „twists and moves“ ein, die ich sonst so an ihm liebe. Da sind sie dann endlich wieder da, diese unerwarteten Begebenheiten, die mich überrascht oder gar entsetzt haben weiterlesen lassen. Schade nur, dass das nicht das ganze Buch über so war!
Das Ende ist schon wieder wenig überraschend, obwohl es zum Teil ganz Shan-untypisch ist, wie ich zu behaupten wage. Trotzdem ist es nicht schlecht – wie das ganze Buch auch.

Ein wenig mehr Spannung und das hätte richtig gut werden können. Die fehlt aber und so bleiben eine kreative, interessante Welt und ausgearbeitete Charaktere samt typisch-schlichten Schreibstil – ein Buch für nebenbei, aber gewiss kein Muss!

Buchinfo:
The Thin Executioner Darren Shan Hardcover Ich hab die Paperback-Ausgabe daheim, das Cover hier links stammt vom HC. Mir persönlich gefällt das vom PB besser – es wirklich nicht ganz so kindlich und die Farben sind stimmiger. Vielleicht ging’s auch anderen so, und es wurde deshal später noch geändert? ;)
Inhaltlich passen aber beide gut.

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