Rezension | Hard Bitten | Chloe Neill

Hard Bitten Chloe NeillChloe Neill:
Chicagoland Vampires:
Hard Bitten

♣ Urban Fantasy samt Vampiren, Formwandlern, Magiern und einem hübschen kleinen Schock für alle Leser
NAL, Paperback, 368 Seiten, Band 4 (von 7)
$15.00
ISBN 978-0-451-23332-5
deutsche Ausgabe, Band 1, Band 2, Band 3

Inhalt:
Das Leben als Vampir war noch nie sonderlich einfach, doch nun scheinen die Dinge vollkommen aus den Fugen zu geraten. Seit den letzten Ereignissen hat sich immer mehr Unmut unter den Menschen breitgemacht. Sie stehen vor Cadogans Haus und demonstrieren gegen die übernatürlichen Bewohner, Angst und Misstrauen sind stärker denn je – und einige Menschen sind bereit, härtere Maßnahmen zu ergreifen. Das ruft auch das Greenwich Presidium auf den Plan, das all dies mit wenig Freude beobachtet. Nun kommt das Oberhaupt, Darius West, zu Besuch und seine Befehle sind klar: Biegt das wieder gerade oder wir übernehmen die Leitung dieses Hauses. Gleichzeitig droht auch der Bürgermeister Chicagos mit Ethans Verhaftung, wenn dieser nicht endlich Kontrolle über die illegalen Blutpartys, die einige Vampire veranstalten, gewinnt. Und wie es nun einmal so ist, steht Merit an vorderster Front, wenn Erkundigungen dieser Art eingeholt werden müssen. Nur dieses Mal stehen Leben auf dem Spiel.

Vorbemerkung: Auch dieses Buch kann es spannungstechnisch nicht mit den ersten beiden Bänden aufnehmen. Allerdings hat sich die Autorin für einen sehr radikalen Schnitt entschieden, der die Hoffnung wieder weckt!

Meine Meinung:
Man sollte meinen, dass bei so vielen Problemen ordentlich Spannung in ein Buch gebracht werden kann: Wütende, brutale Menschen, Vampire mit kaum vorhandener Selbstkontrolle, Bürgermeister am Ende ihrer Geduld, eingebildete und blinde Oberhäupter und ein Meistervampir in der Klemme – es ist schon fast eine Leistung, da keine Spannung reinzubringen, die Chloe Neill aber leider vollbracht hat. Es ist nicht so, dass „Hard Bitten“ langweilig wäre – wie immer liest es sich sehr schnell und einfach und zu lachen gibt es auch nie zu wenig. Es ist das Gleiche wie mit dem Vorgängerband: Das Buch ist interessant und macht Spaß, die Spannung lässt aber bis zum Schluss auf sich warten. Doch die letzten paar Seiten können ganz gewiss nicht hunderte zuvor aufwiegen und deswegen kann dem Buch hierfür kein Punkt verliehen werden.

Ein wenig mag das auch an einem Charakter liegen, der beinahe schon stagniert. Seine Beziehungen drehen sich im Kreis, die Figur ändert sich kaum mehr, wird eher weich und regelrecht uninteressant. Das wirkt sich auch auf die Handlung aus, da es nun einmal eine Hauptfigur betrifft, so viel sei verraten.
Ganz die Hoffnung sollte man deswegen aber nicht aufgeben: Zum einen betrifft es – bis jetzt – nur einen einzigen Charakter, zum anderen hat es offenbar auch die Autorin bemerkt und sich nach einer Lösung umgesehen. Was sie nun in „Hard Bitten“ präsentiert, ist radikal und wird ganz gewiss nicht jedem gefallen. Meines Erachtens nach war es aber die beste Entscheidung, die sie treffen konnte – sie ist endgültig und kündigt für die kommenden Bände einige Änderungen an, mit denen vielleicht auch die Geschichte wieder richtig in Schwung kommt und an Spannung gewinnt. Die Änderung des Schemas der Titel – sonst war immer „bite“ in einer Form eingebunden, nun wird das offenbar auf „drink“ zutreffen – zeigt, dass es von Neuem losgeht, zweifelsohne auch mit ganz neuen Problemen.

Abgesehen davon hat „Hard Bitten“ auch einige neue Enthüllungen zu bieten. Von Merits Problem mit ihrem eigentlichen Vornamen, über angebliche Freunde bis zum Geheimnis ihrer Verwandlung, die doch recht seltsam war. Da ist so einiges zu entdecken, das schon vorher nicht ganz astrein wirkte, aber auch anderes, das so vorher überhaupt nicht ersichtlich war. So hält die Autorin für den Leser noch die eine oder andere Überraschung bereit, aufgrund derer es zum Glück wirklich nicht langweilig wird.
Trotzdem gibt es auch weiterhin noch viel zu entdecken. Das meiste davon betrifft die Ereignisse von „Hard Bitten“, die ich hier deswegen nicht erwähnen werde – soll ja niemand gespoilert werden. Einiges stammt aber noch von den Anfängen, so auch die Frage nach dem vampirischen Informanten des Ombudsmannes, der nach wie vor nicht enthüllt ist.

Sprachlich stellt das Ganze wie immer eine solide Leistung dar. Chloe Neill besticht nicht gerade durch einen besonders ausgefeilten Stil, aber er passt zur Geschichte und vor allem zur Protagonistin Merit, die wie immer mit erwähntem Witz besticht. Sie ist auf dem Boden geblieben – so auch der Stil der Autorin. Das kann man ihr wohl kaum zum Vorwurf machen und so bleibt das einzig große Manko die fehlende Spannung.

Fazit:
Man füge Spannung hinzu und hätte ein wirklich gutes Buch – nun fehlt diese zum Großteil, aber radikale Änderungen lassen trotzdem noch auf mehr hoffen. Charaktertechnisch wird damit auch einiges umgeworfen und so können die beiden großen Mankos dieses Buches theoretisch beseitigt werden.
Denn ansonsten weiß „Hard Bitten“ zu überzeugen – witzig und interessant wie immer kommt das Buch daher, was aber auf Dauer auch nicht ausreicht und es deswegen auch hier wieder insgesamt gesehen ein wenig enttäuscht.

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8 thoughts on “Rezension | Hard Bitten | Chloe Neill

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  4. Hi,

    nachdem ich vor ein paar Wochen gesehen hatte, daß Du dir die CN-Bücher gekauft hast, war ich natürlich auf Deine Meinung gespannt, da ich das Ganze im Mai gelesen hatte, nachdem ich den 1. Teil auf Deutsch im März gelesen hatte.
    Ich kann Deine Meinung nicht teilen. Es ist etwas schwer zu begründen, ohne zu spoilern. Nur soweit: im Vergleich zu anderen Büchern empfinde ich gerade das Setting von Chicagoland Vampires besonders charakterbezogen oder charakterführend (mir fällt kein besseren Wort ein, ich meine das englische ‚character-driven‘). Die emotionalen Entwicklungen der Protas und zwischen den Protas erfahren eine weitere Vertiefung bis zum dramatischen Ende von Teil 4.
    Dies hat mich besonders an dieser Geschichte gefesselt, nachdem ich vorher Teil 2 u. 3 ohne Pause durchgelesen hatte. Für mich funktioniert das über 4 Bände sehr gut und räumt etwas mit dem Klischee auf: wir haben und kennengelernt, lieben uns unendlich (nach gerademal 2 Wochen) und werden jetzt alle äußeren Gefahren gemeinsam bezwingen, ohne das wir uns jemals wieder in Frage stellen (der Versuch von Jeaniene Frost in Teil 4 von Night Huntress muß doch als etwas halbherzig bezeichnet werden, obwohl ich Cat & Bones tief in mein Herz geschlossen habe).
    Der Plot von Hard Bitten gerät in den Hintergrund, möglicherweise einwenig zuviel in diesem Buch im Vergleich zu anderen Serien. Die Auflösung am Ende vielleicht etwas lieblos geraten. Für mich war das, wie dargestellt, nicht der wichtigste Punkt. Die Dynamik zwischen den Hauptcharakteren und die Interaktion der Nebencharaktere war sehr fesselnd.
    Daher gehören die Chicagoland Vampires zu meinen absoluten Lieblingsserien und ich kann ‚Drink Deep‘ nicht erwarten.

    niko

    PS-Ich nehme Wetten entgegen, ob die Entscheidung von CN entgültig war oder nicht. Ich meine, eher nicht.

    • Hallo niko!

      Erstmal danke für den ausführlichen Kommentar. :)
      Du hast schon recht, indem du sagst, dass die Geschichte viel auf den Charakteren aufbaut & diese Entwicklungen haben mir bis jetzt – bis auf den einen, in der Rezi erwähnten Charakter – auch gut gefallen; da hab ich gar nichts zu meckern.
      Und wie gesagt: langweilig sind die Bücher längst nicht, gerade weil solche Beziehungen Interesse wecken.
      Für mich persönlich reicht das aber nicht ganz aus; ist letztlich auch Geschmackssache. Das war beispielsweise schon bei Maggie Stiefvater und ihren Werwolfromanen so: So wunderschön alles mit den Charakteren auch war, mir fehlte letztlich Handlung, auch wenn mir das Buch insgesamt trotzdem noch sehr gut gefiel.
      So ähnlich ist es auch hier – charakterlich hat es einiges zu bieten (wenn auch für mich nicht so viel wie andere Bücher; allerdings fehlt mir hier auch der Vergleich zu vielen anderen Büchern dieses Genres, den erwähnten Jeaniene-Frost-Romanen zum Beispiel), aber für mich persönlich fehlt einfach ein wenig Handlung. Leider nur ein wenig zu viel.

      Trotzdem mag ich die Reihe noch immer gerne und ich werde mir definitiv auch „Drink Deep“ ansehen. Ist ja eh schon vorbestellt. ;)

      Und was das angeht … ich wette lieber nicht. xD Für mich persönlich ist es endgültig, aber Autoren haben ja sowieso einen eigenen Kopf. Ich hoffe einfach nur, dass es endgültig bleibt – sollte sich das ändern, kann ich momentan nur eine seltsame Hokus-Pokus-Nummer vorstellen, von der ich persönlich wenig begeistert wäre. Aber mal sehen, was Chloe Neill noch alles so bereit hält!

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