Rezension | Delirium | Lauren Oliver

Delirium Lauren OliverLauren Oliver:
Delirium

♣ Dystopie, Young Adult, Liebe
Harper, gebunden mit Schutzumschlag, 441 Seiten, Band 1 von 3
$ 17.99
ISBN 978-0-061-72682-8
deutsche Ausgabe

Inhalt:
Liebe ist eine Krankheit, das zumindest glaubt die Gesellschaft, in der die 17-jährige Lena lebt. Liebe ist der Grund für all das Schlechte auf der Welt und so hat man nach und nach an einer Heilung gearbeitet. Mittlerweile ist ein Teil der USA abgeschottet, darin leben die geheilten Menschen. Die Operation kann allerdings erst durchgeführt werden, wenn die Person 18 Jahre alt ist, um das Risiko für etwaige Komplikationen möglichst gering zu halten. Alle anderen Menschen zuvor laufen stetig Gefahr, sich mit der Krankheit zu infizieren und so kann es Lena kaum erwarten, geheilt zu werden, denn was die Liebe anrichten kann, hat sie bereits erfahren: Ihre Mutter brachte sich selbst um, nachdem auch die dritte Operation nichts nützte. Lena steht hinter dem System, hat Angst vor der Krankheit und lebt so ruhig wie möglich.
Umso schockierter ist sie, als ihre beste Freundin Hana plötzlich rebellische Regungen zeigt. Leicht kritisch war diese schon länger, aber nun wird das, was sie sagt, immer gefährlicher und als sie auf einmal heimliche Partys besucht, auf denen unerlaubte Musik gespielt wird und Jungen und Mädchen gemeinsam tanzen, sich berühren, miteinander reden, entfremden sich die beiden langsam.
Doch dann ist da noch Alex, und Lena kann sich nicht helfen, als doch mit ihm zu reden, sich wieder mit ihm zu treffen – bis es zu spät ist und Lena sich verliebt. Konnte sie es zuvor kaum erwarten, endlich operiert zu werden, liegt ihr mit jeder entdeckten Lüge und Grausamkeit im System nichts mehr ferner. Eine Wahl hat sie trotzdem nicht: Operiert wird jeder … der leben will.

Vorbemerkung: Das Abtöten von Emotionen – hier die Liebe – ist zwar keine komplett neue Idee in der Welt der Dystopien, in der Young-Adult-Sparte aber noch unverbraucht. Lauren Oliver bietet mit „Delirium“ einen noch etwas ruhigen Auftakt zu einer neuen Trilogie, der gut zu unterhalten weiß und zweifelsohne Lust macht auf mehr.

Meine Meinung:
„Delirium“ lässt es langsam angehen, was aber keineswegs als Mangel anzusehen ist. Denn Lena ist überzeugt vom System, kann es eigentlich kaum erwarten, wenn auch sie endlich sicher vor der Krankheit ist. Dementsprechend wäre es mehr als nur unglaubwürdig gewesen, wenn sie von heute auf morgen zur Systemkritikerin wird und alles hinterfragt, was sie jemals über die Gesellschaft, in der sie lebt, wusste.
Natürlich ist er trotzdem da, dieser kleine Funke, ohne den sie wohl nie zweifeln könnte. Für sie ist „Romeo und Julia“ keine Geschichte, die vor der Liebe warnen soll, sondern eine Geschichte über Opfer. Ihre Lieblingsfarbe ist eigentlich nicht Blau oder Grün, sondern das Grau, das beim Sonnenuntergang zu sehen ist. Und sie weiß auch, wie es ist, geliebt zu werden, denn trotz mehrerer Operationen war ihre Mutter nie geheilt.
So ist es auch kein Wunder, als sie sich langsam all dem annähert, was das System als schlecht und gefährlich abtut, doch auch dabei wirft sie nicht sofort all das über Bord, was sie seit ihrer Geburt lernt und lebt. Sie tastet sich vorsichtig voran, entdeckt langsam die Lügen, hat auch kleine, kurze Rückfälle, wenn alles viel zu viel wird. All das macht sie zu einem wunderbar runden Charakter, wenngleich sie an anderer Stelle auch mal ein wenig schwer von Begriff ist, aber das sei ihr verziehen.
Andere Charaktere gewinnen dabei nicht ganz so gut an Form, so wie Alex oder Hana oder auch nur Gracie, die Tochter von Lenas Cousine, die nie spricht. Die Geschichte wird aber nun einmal von Lena erzählt und die anderen können kaum ständig um sie herum sein und so kann man sie folglich auch nicht so gut kennenlernen. Man wird sehen, wie sich das weiterentwickelt.

Auch sehr schön ist, dass sich die Autorin mit der Liebe ein wenig zurückhält. Zugegebenermaßen fühlen sich Alex und Lena doch recht schnell zueinander hingezogen, aber sie fallen trotzdem nicht sofort übereinander her. Auch das lässt sich etwas Zeit, wenngleich sie danach kaum voneinander ablassen können oder wollen. Unter gegebenen Umständen ist das allerdings nur zu verständlich – sehnt man sich nicht immer gerade nach dem, was man nicht haben kann? Besonders wenn man es einmal kurz erfahren durfte und feststellte, dass es wunderbar ist?
Genau diese Erfahrung macht Lena, aber sie wird vor Liebe nicht blind. Vielmehr öffnet diese ihr die Augen für Dinge, die uns wohl von Anfang an klar waren, aber es ist schlichtweg schön, ihre Entwicklung mit zu verfolgen.

Diese nimmt tatsächlich auch den Großteil des Buches ein, wie gesagt: „Delirium“ lässt es langsam angehen und fällt nicht sofort mit der Tür ins Haus. Daher ist es auch weniger spannend als vielmehr interessant, erst am Ende kommt mehr Spannung auf, die in einem furchtbaren Cliffhanger endet, davor sei gewarnt. Dieses dramatische Finale tut aber seine Wirkung, da kann man sagen, was man möchte: Der Drang, sofort zum zweiten Band zu greifen, ist unweigerlich da.
Da nun die Weichen gesetzt sind und noch einige dringend zu klärende Fragen warten, ist die Hoffnung groß, dass Band 2 „Pandemonium“ sogar noch mehr zu bieten hat als Band 1, auch wenn dieses Buch schon einige schöne Lesestunden beschert.
Mit etwas Glück, werden dann auch ein paar mehr Informationen zum System bekannt gegeben. Man erfährt schon hier eine ganze Menge, einfach durch das, was Lena tagtäglich darin erlebt, sei es nun vor ihrer „Erkrankung“ oder danach. Außerdem geben kurze Abschnitte vor jedem Kapitel oftmals Aufschluss darüber, was für ein Propagandaapparat da zu Gange ist und was für Horrorvorstellungen den Leuten eingehämmert werden – doch wozu? Die Hintergründe und die Geschichte all dessen bleiben noch unbeleuchtet, was sich im Laufe der Trilogie hoffentlich noch ändern wird.

Abgesehen vom Inhalt lässt sich die Geschichte auch rein formal gut lesen. Lauren Oliver hat einen angenehmen, fließenden Schreibstil, der die Seiten geradezu dahinfliegen lässt, während man überraschend feststellen muss, dass schon wieder ein Kapitel gelesen ist. Sie findet die richtigen Worte für das, was gesagt werden muss und besonders der letzte Absatz des Buches hat – zumindest bei mir – bleibenden Eindruck hinterlassen. Was den Schreibstil angeht, muss man sich bei dieser Dame wahrlich keine Sorgen machen.

Fazit:
Wieder der Auftakt einer Trilogie, die aber ohne jeden Zweifel Potential hat, und das nicht nur wegen des schönen Schreibstils der Autorin. Die Protagonistin Lena macht eine sehr glaubwürdige Wandlung durch und dafür ist das Buch da, ohne dass es jemals langweilig wird. Am Ende geht es erst richtig los – da kann man nur hoffen, dass die Zeit bis zum nächsten Band genauso dahinschwindet wie die Seiten beim Lesen!

Wie es weitergeht:
Delirium Lauren oliver Pandemonium Lauren Oliver Für Band zwei hat sich der Verlag für einen kompletten Stilwechsel entschieden. Von „Delirium“ gibt es mittlerweile zwar ein stilistisch angepasstes Hardcover (rechts), schade ist es aber trotzdem. Die neuen Cover sehen zwar nicht schrecklich aus, die alte Entwurf war aber mal etwas Neues.
Sei es, wie es sei, „Pandemonium“ ist der Titel des zweiten Bandes, der laut Goodreads am 6. März 2012 erscheinen wird, hier gibt es auch eine Inhaltsangabe.
Titel des dritten Bandes wiederum wird „Requiem“ sein, der wie zu erwarten erst 2013 erscheinen wird. Da kann man nur hoffen, dass es nicht wieder so ein Ende gibt!

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2 thoughts on “Rezension | Delirium | Lauren Oliver

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