Rezension | A Game of Thrones | George R. R. Martin

A Game of Thrones George R R MartinGeorge R. R. Martin:
A Game of Thrones

♣ High Fantasy, historische Fantasy … also im Grunde ist es episch!
Bantam Books, Paperback
835 Seiten, Band 1 von 7
$ 8.99
ISBN 978-0-553-57340-4
deutsche Ausgabe – Teil 1, deutsche Ausgabe – Teil 2
Band 2, Band 3

Inhalt:
Der Winter naht. Das zumindest ist der Leitspruch der Familie Stark, die im Norden des Landes lebt und eine zentrale Rolle bei den kommenden Ereignissen spielen wird. Am Ende werden sie mit ihrer Warnung auch Recht behalten, denn auch wenn dieser Sommer Jahre dauerte, so mehren sich die Anzeichen für den nächsten Winter, der den Sommer noch um einige Jahre überdauern wird. Genau davor fürchten sich die meisten Leute dort, vor der Kälte, die Menschen im Schlaf erfrieren lässt. Noch weiter im Norden hat eine Bruderschaft mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Dort oben steht seit langem ein Wall, den die Bruderschaft bewacht und der das Land vor den Wilden dahinter schützt – und den Anderen, munkelt man, auch wenn diese von vielen als Humbug abgetan werden. Dennoch verschwinden immer wieder Brüder, die auf Expeditionen hinter den Wall geschickt wurden; andere kehren nicht als die zurück, die sie einst waren.
Im Süden des Landes finden diese Probleme keine Beachtung, noch ist Sommer und König Robert regiert nun mittlerweile das fünfzehnte Jahr nach seinem Feldzug gegen den verrückten König Aerys. Doch als er schließlich zu seinem alten Freund Lord Eddard Stark reist, um ihn zur Hand des Königs zu ernennen, wird es zunehmend gefährlicher. Eddard Starks Frau Catelyn erhält eine Warnung ihrer Schwester, dass die ehemalige Hand – Ziehvater und guter Freund von Eddard und König Robert – von der Familie der Königin selbst ermordet wurde. Eddard nimmt das Amt an und die Familie zerstreut sich; die einen kämpfen am Wall, andere ahnen noch nicht, dass der Hof des Königs ihr Ende bedeuten könnte. Die sonst so ehrbaren und ehrlichen Starks finden sich in einer Welt voller Intrigen wieder, die es aufzudecken gilt – doch wem kann man vertrauen, wer ist der Feind?
Derweil verfolgen die letzten Kinder König Aerys‘ im Exil ihre eigenen Pläne, um vor allem eines zu erreichen: In das Land der Sieben Königreiche zurückkehren und den rechtmäßig ihnen gehörenden Thron besteigen. Und schon hat es begonnen, das Spiel der Throne.

Vorbemerkung: Potentielle Leser seien gewarnt: Suchtgefahr!

Meine Meinung:
„A Game of Thrones“ – beim Spiel der Throne gewinnt man oder stirbt man, eine andere Option gibt es nicht. Dementsprechend herzlos ist das Buch, sowohl zu den Charakteren als aus den Lesern selbst.
Das Wunderbarste an dem Buch sind sicherlich die Charaktere, die nicht nur zahlreich vertreten sind, sondern auch in ihrer Art variieren. Schon die Starks an sich zeigen eine Vielzahl an Typen: Lord Eddard Stark, der an seinen Prinzipien festhält, auch wenn da dieses eine Detail ist, das einfach nicht ins Bild passen möchte und für gehörige Zweifel sorgt. Seine Frau Catelyn, die ihren Kindern eine so wunderbare Mutter ist, und gleichzeitig so grausam zum unehelichen Sohn ihres Mannes sein kann. Dieser, Jon Snow, liebt seinen Vater, seine Geschwister und ist doch zerrissen, da er nicht weiß, wo er herstammt. Wer auch immer seine Mutter ist – es ist ihm seit jeher ein Rätsel, das auch sein Vater bis jetzt nicht lüften wollte. Sein Halbbruder Robb, Erbe von Winterfell, seine Schwester Sansa, die von ihren Liedern träumt und sie mit der Realität verwechselt. Die kleine Arya, die vieles möchte, nur nicht eine Lady sein. Die Jungen Bran und Rickon, die selbst im jungen Alter harte Prüfungen bestehen können. Selbst die Wölfe, die die Stark-Kinder bei sich aufnehmen und großziehen sind herzallerliebst und sammeln fleißig Sympathiepunkte. Damit könnte ich noch eine ganze Weile weitermachen: Tyrion Lannister, der kleinwüchsige Bruder der Königin, der sich mit seinem Sarkasmus nicht nur in brenzlige Situationen, sondern auch den Leser zum Lachen bringt. Prinz Joffrey, dem man gerne – wenn man ihm gut gesinnt ist – ein paar heiße Kohlen über den Kopf kippen würde. Prinzessin Daenerys, die einst so unschuldig war und geblieben wäre, wäre die Welt nicht so ein grausamer Ort. Ganz zu schweigen von etlichen undurchsichtigen Gestalten, deren Aufzählung wohl den Rahmen ein wenig sprengen würde.
Das Zwischenmenschliche ist schlichtweg ohne Tadel, bringt die Charaktere den Lesern unglaublich näher. Und so wunderbar viele von ihnen sind, ist es wohl kaum zu verhindern, dass man den einen oder anderen ins Herz schließt. Lasst euch eines sagen: Das ist ein böser Fehler. Der Autor schont wirklich niemanden. Da werden Charaktere hinabgestoßen, verkauft, verraten, ermordet. Die Charaktere selber begehen viele Fehler, einige von ihnen fatal. Wer Samthandschuhe erwartet, ist hier vollkommen falsch; bei „A Game of Thrones“ braucht man wirklich eine hohe Toleranzgrenze, was Leid angeht. Denn sich den Figuren verwehren, kann man letztlich doch nicht.

Diese ganzen Charaktere kennenlernen kann man vor allem durch den häufigen Sichtwechsel, der in Band 1 folgende Personen betrifft: Lord Eddard Stark, seine Frau Catelyn und die Töchter Sansa und Arya, ihr Sohn Bran, Jon Snow, Tyrion Lannister und Daenery Targaryen.
Mit jedem Kapitel springt die Erzählung zu einem anderen dieser acht und bringt den Leser somit immer wieder an andere Orte. Dadurch entsteht ein recht vollständiges Bild davon, was überall in den Sieben Königreichen und außerhalb vor sich geht. Dass einiges dabei wiederholt und nur aus einer anderen Perspektive geschildert wird, muss niemand fürchten. Auch wenn sich zwei Charaktere an einem Ort befinden, wird die Handlung ohne Wiederholung fortgesetzt, auch wenn manchmal Passagen übersprungen werden, um die Geschichte am Laufen zu halten. Lücken entstehen dabei nicht – es ist und bleibt ein vollständiges Bild, mit allen wichtigen Informationen, die der Leser braucht.
Das macht das Buch gerade spannend und dicht. Auf Langeweile kann man hier lange warten, trotz der über 800 Seiten macht jede Passage Spaß. Anfangs gibt es außerdem jede Menge Neues zu entdecken, da niemand mit Erklärungen über die Welt und die Gepflogenheiten aufgehalten wird. All das liefert der Text im Laufe der Handlung und bis zum Schluss tauchen immer wieder neue Sachen auf, die trotzdem ins Bild und die Welt passen. Man merkt: Die Welt, die nur zum Teil fantastisch und zum Rest mittelalterlich ist, ist durchdacht – quod erat demonstrantum.

Teilweise ist es sogar so, dass ich das Buch auch mal beiseitelegen musste, um zu fluchen, lachen, weinen oder mich einen kurzen Moment lang einem geschockten „Oh mein Gott!“ hingeben zu können. Die Intrigen lassen wirklich nicht lange auf sich warten und danach hören sie auch nicht auf. Die ganze Zeit über lässt sich nur sehr, sehr schwer sagen, wer Freund und wer Feind ist. Man darf sich bei absolut niemandem sicher sein, da Leute durchaus auch ohne böse Absicht oder unbewusst verraten werden.
Ab und an mag es sogar vorkommen, dass der Leser – gewollt – den Charakteren voraus ist, die Probleme längst sieht und Geheimnisse aufgedeckt hat. Letztlich kann man den Lieblingen trotzdem nur dabei zusehen, wie sie womöglich in ihr Verderben rennen. Das ist nicht sonderlich nett für das betagte Leserherz, erzielt aber zweifelsohne seinen Effekt.

Es überrascht wohl niemanden zu erfahren, dass im ersten Band dieser Reihe jede Menge passiert. Es hat seine eigenen Geheimnisse und Probleme, die zum Teil gelöst, zum Teil fortgeführt werden und manchmal auch einfach bestehen bleiben. „A Game of Thrones“ ist keiner dieser ersten Teile, die kaum etwas hergeben und trotzdem ist es eine Einführung für den großen Konflikt – oder vielmehr die großen Konflikte, denn nur einer wäre wohl wirklich ein bisschen simpel. Man könnte sagen, die Katastrophe wurde eingeleitet, die Botschaft ist recht klar: Wer jetzt schon nicht mehr mit den Geschehnissen klarkommt, sollte wohl besser nicht weiterlesen.
Das allerdings gestaltet sich ein bisschen schwierig, da neben den oben genannten Gründen auch die ungeklärten Schicksale der Charaktere zum Weiterlesen drängen – bei manchen dringender, bei anderen nicht ganz so schlimm.

Einzig kleine Mängel sind zum einen die Namen, die in ihrer Vielzahl am Anfang geradezu erschlagend wirken. Zwar gibt es im Anhang des Buches ein kleines Verzeichnis zur Unterstützung, aber immer hin und her zu blättern, ist dann auch nicht ganz das Wahre. Ab circa Seite 50 legt sich das Problem aber und die Namen bereiten keinerlei Probleme mehr. Der Leser wächst mit der Zeit in die Geschichte rein; erst muss man sie kennenlernen, dann findet man sich auch darin zurecht.
Die andere Anmerkung ist der Schreibstil des Autors, der an und für sich wunderbar ist. George R. R. Martin schreibt sehr bildlich, sodass es ein Leichtes ist, die Umgebung vor dem geistigen Auge heraufzubeschwören. Einige Details erwähnt er allerdings ein wenig zu oft, wenn zum Beispiel die Wächter der Lannisters Rot-Gold tragen. Irgendwann hat man es einfach verstanden und braucht nicht noch eine Erinnerung daran.
Dieses kleine Problem geht in der Masse des Buches aber einfach unter und trübt das tolle Lesegefühl – glücklicherweise – überhaupt nicht.

Fazit:
Über 800 Seiten Intrigen, Spannung, liebevolle Charaktere und ein grausamer Autor. Über 800 Seiten, die sich mehr als nur lohnen. All denen, die die Mischung aus historischer und High Fantasy mögen und nicht allzu zartbesaitet sind, kann ich nur eines sagen: Lest es.

Wie es weitergeht:
George R R Martin A Song of Ice and Fire

In Deutschland werden die Bücher immer zweigeteilt, momentan legt Blanvalet die Bände auch neu auf. Geplant sind erst einmal sieben Bände. Da es am Anfang aber nur drei waren, kann sich das genauso gut noch einmal ändern. ;) Erschienen sind die Bücher auf Englisch bis Band 5.

Titel deutsch
1. A Game of Thrones Die Herren von Winterfell
Das Erbe von Winterfell
2. A Clash of Kings Der Thron der sieben Königreiche
Die Saat des goldenen Löwen
3. A Storm of Swords Sturm der Schwerter
Die Königin der Drachen
4. A Feast for Crows Zeit der Krähen
Die dunkle Königin
5. A Dance with Dragons ?
6. The Winds of Winter ?
7. A Dream of Spring ?

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15 thoughts on “Rezension | A Game of Thrones | George R. R. Martin

  1. Pingback: Monatsstatistik: September 2011 « Muh, das Telefonbuch

  2. WAS FÜR EINE REZENSION.
    Umwerfend. Einfach nur erschlagend umwerfend.
    Ich glaube, so wirklich verliebt habe ich mich in deine Rezension, als ich das hier las:
    “ … seine Schwester Sansa, die von ihren Liedern träumt und sie mit der Realität verwechselt. Die kleine Arya, die vieles möchte, nur nicht eine Lady sein.“
    Ausgerechnet der Punkt bei Sana (ja, ja, unsere Sansa) trifft es auf den Punkt.

    Die Rezension solltest du Blanvalet zukommen lassen – eine bessere Werbung für die Bücher kann ich mir nicht vorstellen. Würde ich es nicht gerade lesen, täte ich es jetzt erst recht!
    Und all dein Lob zu „Game of Thrones“ ist mehr als gerechtfertigt. An jeder Stelle.

    Danke für die Rezension! :)

    • WAS FÜR EIN LOB.
      Danke! :D Hach, jetzt freu ich mich, wie eine gewisse Arya über ihre Needle. <3

      Blanvalet lass ich die aber nicht zukommen, denn dann würden meine bösen Fingern wohl ganz ohne meinen Willen einen Absatz anfügen, der Dinge wie "Theon Graufreud" und "Jon Schnee" und andere, nicht sehr begeisterte Worte enthalten würde! ;)

      Danke für das Lob! :D

  3. Wie schön, dass dir das Buch so gut gefallen hat. Ich überlege auch immer mal wieder, mit den Büchern zu beginnen, ist aber wohl etwas witzlos, wenn man die ganze erste Staffel schon gesehen hat… allerdings machst du mich doch neugierig ;)

    Liebe Grüße und schönes Wochenende!

    • Ach, so witzlos ist das gar nicht. :)
      Ich hab die Serie parallel gesehen (bzw. bin noch dabei) und war zwar schon darauf bedacht, die entsprechenden Passagen zuerst zu lesen und dann zu sehen. Allerdings klappt das nicht immer, da manches eben kürzer abgehandelt oder leicht vorgezogen wird … das zusammen mit meiner blöden Angewohnheit, mir alle möglichen Szenen auf YT anzusehen und mich ordentlich zu spoilern, hat mir einiges schon im Voraus verraten – das Lesen macht aber trotzdem Spaß! :3
      (Und spätestens bei Band 2 wäre es ja ohnehin wieder alles neu. ;D)

      Dir ebenfalls ein schönes Wochenende! Ich schick mal frech ein bisschen Sonne rüber, hier ist so viel davon, dass es schon wieder belastend wird. xD

  4. Wir haben zwar auch genug Sonne, aber Danke ;) Wenn ich gleich draußen fürs Examen lerne, kann ich auch noch mehr gebrauchen!

    Immerhin hast du mich dazu inspiriert, dass ich mir von meinem Freund den ersten Teil auf deutsch mitgenommen habe (ist ja dann genau genommen nur der halbe erste Teil), wobei 14€ für den englischen Schuber ja wirklich spottbillig ist. Ist es dir leicht gefallen es im Original zu lesen?

    • Na dann schick ich alle rüber, was ich habe! ;)

      Zum Reinlesen macht sich das ja super. :D Und ja: Es ist mir ziemlich leicht gefallen. Wie immer gab’s die eine oder andere bekannte Vokabel, aber das ist ja kein sonderliches Hindernis – ansonsten hatte ich absolut keine Probleme mit dem Englisch. ^^

    • Ich bin zwar nicht gefragt, aber: ich hatte auch kein Problem beim Lesen! Ein paar Sachen nachschlagen und das war’s. Ist man mal zu faul, ergibt es sich eigentlich immer aus dem Zusammenhang – und meine Englisch-Kenntnisse sind nicht so berauschend, wie die von Shi :D

      • Hm, das macht die Entscheidung natürlich leichter ;) Vielen Dank für die Antwort (und fürs Einmischen ;) ) Auf dem (eventuell irgendwann angeschafften) Kindle hätte man dann ja auch eine Übersetzungsfunktion.

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