Rezension | Die Messertänzerin | Susanne Rauchhaus

Die Messertänzerin Susanne RauchhausSusanne Rauchhaus:
Die Messertänzerin

♣ (orientalische) Fantasy, Jugendbuch
Ueberreuter, gebunden
367 Seiten
14,95€
ISBN 978-3-8000-5603-3

Inhalt:
Divya ist vier Jahre alt, als sie an die Tanzschule von Maita verkauft wird, wo sie fortan als Dienerin arbeitet. Mit zwölf Jahren – so glaubt sie – kann sie jedoch mit der Ausbildung zur Tana, einer Tänzerin beginnen. Doch falsch gedacht, als Angehörige der untersten Kaste ist ihr dieser Weg verwehrt und es bleibt ihr nichts anderes übrig, als heimlich den Unterricht zu beobachten und so zu lernen. Abends schleicht sie sich heimlich davon, um ungestört üben zu können – bis sie von ihrem Posten aus einen Einbruch beobachtet und Alarm schlägt. Die Eindringlinge können nicht geschnappt werden, aber fortan müssen Wachen die Mädchenschule schützen, unter ihnen der 18-jährige Tajan. Als Divya ihn heimlich bei seinen Übungen beobachtet, ist sie fasziniert und möchte selbst die Kunst des Kämpfens erlernen. Sie ahnt noch nicht, dass sie sich dadurch mit den Jahren unwissentlich zu einer perfekten Waffe entwickelt – die andere auch zu nutzen gedenken.

Vorbemerkung: „Die Messertänzerin“ bietet viele interessante Aspekte, letztlich fehlt aber ein wenig Tiefe.

Meine Meinung:
Das Erste, das an Susanne Rauchhaus‘ Buch positiv auffällt, ist wohl die Tatsache, dass es ein Einzelband ist. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und zieht sich nicht über mehrere Bände hinweg, obwohl der Inhalt dafür zu dünn gesät wäre. Nein, die Autorin zieht in diesem Fall nicht mit dem Strom und belässt es bei diesem einen Band, der genauso gut zu unterhalten weiß, wie manchmal drei Bücher zusammengenommen.

„Die Messertänzerin“ beginnt, als Divya zwölf ist und Tänzerin werden will. Während wir zunächst ein wenig über ihre Vergangenheit erfahren, sind in den kommenden Kapiteln einige Jahre ihres Lebens zusammengerafft. Erst ist sie zwölf, dann vierzehn, bald sogar achtzehn, was es dem Leser einfach macht, ihre Entwicklung mitzuverfolgen. Diese ist für diese orientalisch anmutende Welt ungemein ungewöhnlich: Eigentlich dürfte Divya nicht einmal das Tanzen erlernen, aber der Sturkopf macht, wonach ihm der Sinn steht. Dabei widersetzt sie sich nicht nur den Konventionen ihrer Kaste und denen der Frauen; es ist auch unklar, ob sie nicht vielleicht zu jenem Volk gehört, das eingepfercht in der Stadt lebt und von einem Großteil der Bevölkerung gefürchtet und verachtet wird.
Dies bringt natürlich einige Probleme mit sich und durch eine unglückliche Verkettung von Ereignissen landet Divya außerhalb der Schule und ist auf sich allein gestellt. Dabei wartet die Autorin immer wieder mit neuen Wendungen und Erkenntnissen auf. Zugegeben, nicht alles davon ist wirklich überraschend und einige der Verschwörungen und Verkettungen sind leicht vorauszuahnen. Es war mir bisweilen auch zu viel Glück mit im Spiel, genauso wie eine viel zu talentierte Protagonistin. Trotzdem kann man dem Buch seine Spannung nicht absprechen. Gerade gegen Ende legt die Autorin noch einmal richtig los und ich konnte mich vor Aufregung kaum vom Buch loslösen. Daher fand ich es gerade schade, dass die folgenden Ereignisse – oder was versprochen wird –leicht utopisch klingen.

Die Welt, in der wir uns befinden, ist ebenso interessant. Wie bereits erwähnt, erinnert sie an orientalische Gegenden, wenngleich das Kastensystem bei uns eher aus Indien bekannt ist. Dabei gibt es natürlich die unterste Kaste, die Diener, wobei nur das Volk der Tassari noch weniger „wert“ ist. An oberster Stelle stehen die Adeligen, die ihre Töchter beispielsweise in Tanzschulen wie diese schicken können, in der Divya dient. Dazwischen finden sind alle möglichen Stände und Berufe wieder, alle mit ihren vorgeschriebenen Farben, Rechten und Einschränkungen.
Das Machtverhältnis zwischen Mann und Frau ist das typische: Der Mann hat das Sagen, während die Frau zu gehorchen hat, nicht zu viel Haut zeigen darf und so weiter – natürlich bestätigen Ausnahmen wie immer die Regel.
Ansonsten finden sich einige fantastische Elemente an, aber nie so viele, dass der Anteil als überwiegend angesehen werden könnte. Eines davon sind die Lichter, wie sie genannt werden. Kleine, schmetterlingsartige Wesen, die nur wenige Menschen sehen könnten, unter ihnen Divya. Sie sind kleine Helfer, die die Menschen unterstützen, wenn sie sie rufen. Doch sie geraten immer mehr in Verruf, vorangetrieben durch den Fürsten, der den Umgang mit diesen Wesen immer mehr verbietet und sie verteufelt.

Keinen geringen Anteil an der gelungenen Geschichte haben auch die Charaktere, an allererster Stelle muss natürlich Divya genannt werden. Auch wenn ihr das meiste viel zu gut gelingt und ich durchaus ein paar Schwächen an ihr vermisst habe, ist das Mädchen ohne Vergangenheit eine interessante Figur. Sie ist ein Sturkopf, der auch macht, was er sich vorgenommen hat und in vielen Dingen schlichtweg eine eigene Meinung besitzt.
Gerade deswegen gerät sie sehr oft mit dem Wächter Tajan aneinander, was das Zusammenspiel der beiden gerade reizvoll macht. Der junge Mann ist gewissermaßen ein Idealist, der gleichzeitig auch in seinen Ansichten schwankt. Er steht treu zu seinem Fürsten und glaubt alles, was dieser sagt. Dafür hat er durchaus seine Gründe, andererseits lässt er sich auch von der Erfahrung belehren.
Allerdings muss ich sagen, dass es später zwischen den beiden doch ein wenig zu schmachtend wurde, was vielleicht zu einigen Geschichten passt, dieser aber nicht.
Weniger dominant, aber deswegen noch lange nicht unwichtig oder langweilig sind dabei Nebencharaktere wie die Adeligentochter Jolissa, die am selben Tag wie Divya Geburtstag hat. Sie ist wesentlich aufgeschlossener als viele ihrer Kaste und freundet sich sofort mit der dunkelhaarigen Dienerin an. Nach und nach tauchen noch einige andere auf, die weniger beleuchtet werden, aber dennoch ihre Wichtigkeit haben und keineswegs gegeneinander austauschbar sind.
Einzig enttäuschend ist der Fürst, der eine zentrale Rolle spielt, über den aber kaum Informationen geboten werden. Was man von ihm erfährt, ist durchweg Schlechtes, was umso schlimmer wirkt, da seine Sicht nie erläutert wird. Er bleibt lediglich der gesichtslose Böse – und damit erschreckend flach.

Abschließend sei gesagt, dass der Schreibstil zwar nicht herausragend, dafür aber sehr angenehm ist und sich umso leichter lesen lässt.
Leider schleichen sich in den Text ab und an ein paar fehlende Satzzeichen ein – beziehungsweise raus in diesem Fall.

Fazit:
„Die Messertänzerin“ von Susanne Rauchhaus ist ein interessantes Werk, das manchmal etwas vorhersehbar ist und keinen überzeugenden Gegenpart zur Protagonistin bieten kann. Dennoch ist es spannend, lebt von seinen Charakteren und bietet gute Unterhaltung – besonders für jene, die sich an Serien erst einmal satt gelesen haben.

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