Rezension | A Storm of Swords | George R. R. Martin

A Storm of Swords George R R MartinGeorge R. R. Martin:
A Storm of Swords

Die Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden!

♣ High Fantasy, historische Fantasy und eine gehörige Portion Schmerz für den Leser
Bantam Books, Paperback
1177 Seiten, Band 3 von 7
$ 8.99
ISBN 978-0-553-57342-8
deutsche Ausgabe – Teil 1, deutsche Ausgabe – Teil 2
Band 1, Band 2

Inhalt:
Noch immer ist es zu keiner Entscheidung in der Königsfrage gekommen: Der Norden wird mittlerweile von Balon Greyjoy regiert, während der eigentliche König des Nordens seinen Sitz nunmehr in Riverrun, in der Mitte des Landes, hat. Und auch wenn er in seinen Vorhaben bisher immer erfolgreich war, bringt er keine guten Neuigkeiten mit sich, werden sie doch besonders einen Mann erzürnen, auf dessen Hilfe er nicht verzichten kann. Dass seine Mutter in der Zwischenzeit Jaime Lannister freigelassen hat, um ihn gegen ihre Töchter einzutauschen, ist auch nicht unbedingt hilfreich, sorgt es doch für Unmut in den eigenen Reihen.
König Joffrey geht es dagegen seit „seinem“ Sieg über Stannis Baratheon bestens. Er ist nun mit Margaery Tyrell, der Witwe von Renly, verlobt, was Sansa Stark immerhin davor rettet, mit dem Mörder ihres Vaters das Bett zu teilen. Das heißt aber noch lange nicht, dass es ihr von nun an gut ergeht, geschweige denn, dass die Lannisters sie nach Hause schicken. Doch da ist noch immer ihr Ritter, der ihr zu helfen gedenkt – was sich nur ziemlich in die Länge zieht …
Tyrion Lannister hat derweil mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Wurde er zuvor schon wegen seiner Kleinwüchsigkeit verachtet, tut man es aufgrund seines entstellten Gesichtes noch mehr. Da sein Vater nun das Amt als Hand des Königs angenommen hat, ist ihm auch diese Macht genommen und viele seiner vorherigen Kämpfer sind fort oder von Königin Cersei bezahlt worden.
Bei Stannis ist genauso wenig zum Feiern gegeben, doch die Hexe Melisandre beharrt darauf, dass sie ihn noch immer zum Sieg führen kann. Alles, was sie dafür tun müsse, sei, den unehelichen Sohn des verstorbenen Königs und Stannis‘ Neffen dem Feuer zu opfern. Die Stimme der Vernunft in diesen Zeiten: der ehemalige Schmuggler Davos, was ihm wenig Freunde in den Kreisen Melisandres einbringt, andere aber auch zu schätzen wissen.
Unabhängig von all dem versucht Arya Stark zusammen mit ihren Freunden Hot Pie und Gendry zu ihrer Mutter zu gelangen, was sich als wesentlich schwieriger herausstellt, als gedacht. Sie gelangen in die Hände Gesetzloser, die zwar für das Recht der einfachen Leute kämpfen, in Arya aber mehr einen Pfand sehen, das man gegen Geld einlösen kann, statt eines jungen Mädchens, das einfach zu seiner Familie will.
Im Gegensatz dazu bewegt sich Bran Stark in eine vollkommen andere Richtung: Er such einen Weg hinter die Mauer, um dort der dreiäugigen Krähe zu begegnen, die er schon oft in seinen Träumen sah, auf dass sie ihm das Fliegen lehre.
Jon Snow befindet sich derweil bereits jenseits der Mauer, nicht aber in Begleitung seiner Brüder, was womöglich sein Leben gerettet hat. Er befindet sich im Gefolge von Mance Rayder, um zu erfahren, was genau die Wildlinge vorhaben und die Menschen hinter der Mauer warnen zu können.
All das spielt auch für Daenerys Targaryen keine Rolle, ist sie doch noch immer nicht in Richtung Westeros gesegelt. Stattdessen zieht sie durch die Lande, auf der Suche nach einem Heer, das ihr bei der Eroberung Westeros‘ hilft. Ehe sie das tun kann, scheint es allerdings noch ein paar andere Dinge zu geben, die ihre Aufmerksamkeit benötigen.

Vorbemerkung: „A Storm of Swords“ hielt für mich endlich das erste Kapitel bereit, bei dem ich Freudentränen vergießen konnte! Das ändert aber nichts daran, dass alles andere genauso frustrierend ist wie immer. (Trotzdem ist es mein Lieblingsbuch der Reihe – bisher.)

Meine Meinung:
An der erschreckend langen, inhaltlich aber trotzdem noch recht knappen Inhaltsangabe lässt sich sicherlich leicht erkennen, dass „A Storm of Swords“ wieder eine Menge Handlungsstränge bereit hält, die mal mehr und mal weniger intensiv verfolgt werden. Es könnten sogar noch mehr sein, wenn der Autor wirklich alle Ereignisse der vorangegangenen Bücher weiter verfolgen würde: So erfährt man alles aus dem Norden rund um die Greyjoys nur vom Hörensagen, was mit Theon geschah, kann weiterhin nicht ganz mit Sicherheit gesagt werden. Und auch wenn Brans Reise geschildert wird, verliert das Buch darüber, wie es seinem kleinen Bruder Rickon mit Osha ergeht, kein Wort. Dass die Erlebnisse von Robb nur durch seine Mutter Catelyn in Erfahrung gebracht werden können, ist dabei nicht Neues.
Und trotz dieser „fehlenden“ Erzählungen sind es unglaublich viele, es sind sogar noch welche hinzu gekommen. Aus dem ersten Band verbleiben nach wie vor Catelyn, Jon, Tyrion, Sansa, Arya, Bran und Daenerys, aus Band zwei begleitet uns noch immer Davos. Nun kommen auch Jaime Lannister und Samwell Tarly zu den Erzählern hinzu und es hat dem Buch ganz gewiss nicht geschadet.
So frustrierend es auch sein kann, wenn die ohnehin eher kurzen Kapitel gerade dann enden, wenn es so richtig spannend wird, es sorgt auch für ordentlich Spannung. Selbst wenn man – wie ich – beinahe verzweifelt zum nächsten Kapitel der Figur blättert, um herauszufinden, wie lange es noch dauert, ehe man erfährt, wie es weitergeht, ist alles dazwischen alles andere als langweilig. Jede Sicht bringt neue, interessante Aspekte mit sich, Wendungen, die mal erfreulich und mal erschreckend sein können. Wie sehr man diese letztlich genießen kann, hängt ganz davon ab, wie sympathisch einem der Charakter ist – da gibt es natürlich ganz individuelle Vorlieben.

Das Miteinander der Charaktere ist dabei auch sehr sehenswert wie eigentlich immer bisher. Man könnte fast meinen, sie wären George R. R. Martins eigentliches Steckenpferd. Denn auch wenn manche Charaktere gewissermaßen schwierig sind, sind ihre Parts interessant und genauso, wie sie anderen begegnen. So ist Jaime Lannister zum Beispiel nicht der sympathischste Charakter, stieß er doch Bran einen Turm hinab, nur damit er die inzestuöse Verbindung zu seiner Zwillingsschwester verbergen kann. Und auch wenn im Laufe des Buches einige neue Aspekte seines Charakters enthüllt werden, die klarmachen, dass er nicht das reine Monster ist, wie es bisher schien, ist er eigentlich kein netter Kerl – auch wenn manche Leser etwas anderes meinen, aber was er getan hat, hat er getan. Er hat einen Siebenjährigen einen Turm hinab gestoßen, in Kauf genommen – gehofft – dass dieser stirbt. Wer weiß, was er noch so getan hat? Solche Dinge im Hinterkopf behaltend, ist es trotzdem wahnsinnig unterhaltsam, wie seine Reise mit Brienne Tarth verläuft, die nun ausgerechnet das absolute Gegenteil von ihm ist.
Genauso verhält es sich mit den anderen Charakteren: Wie bereits erwähnt, jeder wird jemand anders mögen oder auch nicht; was aber für alle gilt: Sie sind lebendig – sie entwickeln sich und das ist eigentlich das Wichtigste! –, gehen in irgendeiner Weise nahe, auch wenn es auch in dieser Hinsicht Unterschiede gibt. Die hängen zum Teil davon ab, wie oft die Charaktere vorkommen beziehungsweise bisher vorkamen – wer seltener Auftritte hat, zu dem kann man auch weniger eine Beziehung aufbauen.

Mindestens genauso überzeugend ist die Handlung, die zum einen einige neue Informationen darüber mit sich bringt, was vor und während Robert Baratheons Revolution geschah. Zu Beipsiel: Was waren die Targaryen für Menschen, besonders Prinz Rhaegar? Es wird ein bisschen mehr über das Land an sich erzählt, seine Aufteilung, Verbindungen innerhalb der Familien, teilweise auch zu Wildlingen … durch Jaime erfährt man auch endlich mehr über den Tod des Königs.
Das alles sind Dinge, die die Geschichte nicht zwangsläufig vorantreiben, dafür aber mehr über ihre Akteure verrät oder wenigstens wahnsinnig interessant sind. Ein schlüssiger Hintergrund ist immer von Nutzen!
Zum anderen hält das Buch immer wieder Überraschungen bereit, teilweise dadurch, dass jetzt erst klar wird, welche Auswirkungen Geschehnisse aus Band 2 haben und es ist bei Weitem nicht alles davon positiv. Charaktere tauchen an unerwarteter Stelle auf und dass der Autor sich nicht scheut, seine „Kinder“ ans Messer zu liefern, ist uns ja nicht wirklich neu.
Neue Erkenntnisse und Erfahrungen gehören genauso dazu, zu denen die Leser gleichermaßen wie die Charaktere gelangen. Das beinhaltet auch, dass der Fantasy-Anteil wieder ein bisschen steigt, auch wenn er noch immer nicht überwiegt. Aber es bringt natürlich ein paar neue Aspekte mit in die Geschichte und damit meine ich nicht die Riesen, für die wir endlich Gewissheit erhalten. Das macht die Ereignisse logischerweise weniger vorhersehbar – was sie ohnehin nicht sind – und was wäre besser für die Erhöhung von Spannung?

Außerdem schien mir der Schreibstil des Autors wieder weniger ausufernd, zumindest hatte ich dieses Mal keine Probleme damit. Es gab keine Passagen, die ich gelangweilt überblättert habe, weil es mir der Beschreibung zu viel war. Womöglich lag es aber auch daran, dass dieses Mal nicht so viele Schiffe beschrieben wurden, für die sich mein Interesse nun wirklich in Grenzen hält.

Trotz all des Lobes sollte eines aber nicht unerwähnt bleiben: „A Storm of Swords“ ist frustrierend. Die wenigen Momente, in denen ich mich wirklich freuen konnte, sind quasi nichts gegen die Wut, den Frust und die Trauer, die das Buch an mancher Stelle ausgelöst hat. Das klingt womöglich ein wenig dramatisch und übertrieben, aber genau so ist es: Wer also nicht bereit ist, auch mal schluchzend und mit dem fürchterlichen Wunsch, es sei doch alles anders, dazusitzen, sollte spätestens jetzt die Finger von den Bücher lassen. Gerechtigkeit auf Dauer bei George R. R. Martins Büchern? Ich gelange immer mehr zu der Meinung, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Fazit:
Ihr habt gedacht, es müsse doch endlich mal ein bisschen Gerechtigkeit in die Bücher einziehen? Denkt euch den Autor, wie er euch den Mittelfinger zeigt. „A Storm of Swords“ ist fast noch ein bisschen bösartiger als seine Vorgänger, definitiv aber spannender, auch wenn ich mir das nie zu träumen gewagt hätte. Wer eine Vorliebe für viele parallel laufende Handlungsstränge und einen hohen Schmerzpegel hat, für den ist dieses Buch ein gefundenes Fressen!

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7 thoughts on “Rezension | A Storm of Swords | George R. R. Martin

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  6. Hallo Saskia,

    also ich fand „A Storm of Swords“ das bisher spannendste Buch der Saga!
    Klar, „A Game of Thrones“ legt ziemlich gut vor, doch passiert im 3. Teil doch erheblich mehr als vor allem im zweiten Band. Okay, frustrierend ist es, aber dennoch hochgradig spannend und volelr Wendungen. ich freue mich schon riesig, den vierten Teil zu lesen :-)

    Ein schöner Blog, sehr angenehm zu lesen :-)
    Das werde ich in Zukunft wohl auch öfter tun!

    Liebe Grüße
    Alex von Lies-Diers

    • Hallo Alex,

      den dritten Band halte ich ja auch für den besten der Reihe, siehe Rezension. ;) Wünsche dir viel Spaß beim vierten (und fünften) Band!

      Dankeschön, das freut mich. :D

Und ihr so?

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