Rezension | Die Bestimmung | Veronica Roth

Die Bestimmung Veronica RothVeronica Roth:
Die Bestimmung
OT: Divergent

♣ Jugendbuch, YA, Dystopie
♣ cbt, gebunden mit Schutzumschlag
erscheint am 12.03.2012
480 Seiten, Band 1 von 3
17,99€
ISBN 978-3-570-16131-9

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an cbt!

Inhalt:
Beatrice Prior ist sechzehn Jahre alt und das bedeutet für sie und ihren nur ein knappes Jahr älteren Bruder Caleb eines: Sie müssen den Eignungstest absolvieren und sich danach für eine der fünf Fraktionen entscheiden. Diesen sind verschiedene Tugenden wichtig – es gibt die furchtlosen Ferox, die friedfertigen Amite, die selbstlosen Altruan, die freimütigen Candor und die wissenden Ken. Beatrice wuchs bisher bei den Altruan auf, da auch ihre Eltern dieser Fraktion angehören, doch sie kann auch gehen, wenn sie dies möchte. Und sie überlegt tatsächlich, denn das Selbstlose fiel ihr noch nie sehr leicht.
Auch der Eignungstest hilft ihr nicht bei ihrer Entscheidung, denn sie kann verschiedenen Fraktionen zugeordnet werden, sie ist eine Unbestimmte. Dies bringt sie in viel mehr Gefahr als ihr am Anfang noch bewusst ist. Doch bald wird das Verheimlichen dieses Umstands nur ein Problem unter vielen sein, denn irgendetwas Großes braut sich zusammen und die Ken hetzen mehr denn je gegen die Altruan. Und Beatrice kann sich nie sicher sein, welchem ihrer Freunde sie wirklich trauen kann …

Vorbemerkung: Wieso zum Henker hab ich das Buch nicht schon eher gelesen?

Meine Meinung:
Was für ein Buch! Ich hatte schon im Vorfeld nur Gutes darüber gehört, doch da ich mit derart hochgeschraubten Erwartungen nicht selten auf die Nase gefallen bin, habe ich all das beiseitegeschoben und einfach gelesen. Wie ich feststellen musste, hätten meine Erwartungen ruhig noch höher sein können, enttäuscht wäre ich am Ende trotzdem nicht gewesen.

Im Grunde hatte mich Veronica Roth schon gewonnen, als sie bereits am Anfang in mir ein richtig übles Gefühl der Nervosität hervorgerufen hat. Normalerweise ist das keine sehr erstrebenswerte Empfindung, hier aber war ich geradezu verzückt, dass ich mit den Seiten immer mehr Beatrice‘ Angespanntheit verspürte, bis das Ganze mit der Wahl ihrer Fraktion vorerst seinen Höhepunkt fand. Wenn mich ein Buch unruhig auf dem Stuhl herumrutschen und geradezu angstvoll aufstöhnen lässt, dann bin ich wirklich glücklich.
Dies war auch kein einmaliges Ereignis, denn immer wieder gibt es während des Buches Vorkommnisse, die mich wenigstens beunruhigt haben, und bisweilen wieder diese Beklemmung hervorriefen, wenn auch Beatrice sie mehr als sonst empfand.
Tatsächlich würde ich den allgemeinen Ton im Buch eher düster beschreiben. Natürlich gab es auch Passagen, die „nur“ interessant waren, da es um Beatrice‘ Training, ihre Entwicklung und die Welt allgemein geht – wichtige Informationen, die natürlich nicht fehlen dürfen und dies nicht tun. Ab und an gibt es auch den einen oder anderen Lacher, ein bisschen Herzklopfen und Bauchkribbeln ist ebenso dabei.
Trotzdem – es liegt an Beatrice‘ Umgebung, die nicht die freundlichste ist. Sie hat einen harten Weg für sich erwählt und andere haben ihr ein noch härteres Schicksal auferlegt, ohne dass es da konkret um ihre Person gehen würde. Dementsprechend herrscht ein rauer Umgangston, der bis zum Schluss eher schlimmer wird.
Mitten in all dem werden die Informationen nur stückchenweise offenbart; einiges davon ist neu, anderes wirft ein neues Licht auf bereits Bekanntes. Kaum jemand ist so, wie er am Anfang scheint und nicht alles entspricht noch immer dem einstigen Bild, das noch in den Köpfen der Charaktere umherschwirrt. Dementsprechend ist das Bild, der Konflikt des Buches im stetigen Wandel. Wer Gefallen an dieser Art von Spannung findet, findet in „Die Bestimmung“ ein wahres Festmahl!

Erwähnenswert ist auch die Welt, in der Beatrice lebt und von der wir nur einen Bruchteil kennenlernen. Trotzdem ist es erst einmal genug für den ersten Band – später sollte mehr folgen.
Es ist ein interessanter Gedanke mit den Fraktionen, die eigentlich einem guten Zweck dienen. Die Menschen machten sich Gedanken, woher all das Übel kommt; Altruan meinen, es liege am Egoismus, für die Ferox ist dies die Feigheit, für Ken das Unwissen, für Amite Streitsucht und für Candor Unehrlichkeit. Jede Fraktion versucht für sich, diese Eigenschaft auszumerzen und strebt nach dem Gegenteil, um so eine gesunde Gesellschaft zu erhalten. In dieser bilden die Selbstlosen die Regierung, die Furchtlosen dienen ihrem Schutz, die Wissenden der Forschung und so weiter. Im Grunde kein schlechter Gedanke, höchstens ein wenig zu simpel gefasst, was auch Beatrice merken wird. Das eigentliche Problem liegt trotzdem noch dabei, dass der Mensch nun einmal ein Mensch ist.
Was fehlt, ist ein gewisser Hintergrund, wie genau es dazu gekommen ist, dass man die Gesellschaft so aufteilte. Im Groben ist das natürlich klar – irgendwie müssen wir uns mal wieder in eine Orgie der Gewalt katapultiert haben. Aber wie sieht es beispielweise im Rest der Welt aus, gibt es diesen überhaupt? Man lernt nur die Stadt kennen und sonst nichts weiter. Aber wie gesagt: Für den Moment ist es ausreichend.

Was mir an dem Buch auch besonders gut gefiel, sind die Charaktere, allen voran ausnahmsweise sogar mal die Protagonistin. Sie ist ein junges Mädchen, das noch nicht genau weiß, wo es hingehört und sich erst selbst noch richtig kennenlernen und neu entdecken muss. Sie macht eine Wandlung durch und es ist bei Weitem nicht alles gut, was sie tut. Aber auch das gehört dazu.
Ich könnte von ihr nicht einmal behaupten, dass sie mir durchweg sympathisch ist – aber letzten Endes gibt es immer eine schlechte Eigenschaft an einem Menschen und ich für meinen Teil kann Beatrice gut verstehen, was auch für ihre Freunde wie Four, Will und Christina gilt, die selbst nicht immer reine Sympathieträger sind.
Dabei gibt es auch wieder die Charaktere, die eher zum Negativen tendieren; warum genau, wird in der kurzen Zeit zwar nicht geklärt, aber wie es aussieht, werden wir uns in den kommenden Büchern noch mit dem einen oder anderen beschäftigen können.
Dass die Sprache angemessen und sehr angenehm zu lesen ist, ist dabei nur ein schönes Detail nebenbei. Ich konnte mich wirklich kaum vom Buch losreißen; Mitternacht begann ich mit dem Lesen und erst fünf Uhr morgens legte ich mich schweren Herzens ins Bett. Nach dem Aufstehen musste alles andere warten, bis ich „Die Bestimmung“ endlich ausgelesen hatte. Was ich zugegebenermaßen jetzt bereue, da ich am liebsten sofort mit dem zweiten Band weitermachen würde!

Fazit:
Lesen, lesen, lesen! Spannung, ein bisschen Romantik, das Versprechen von richtig viel Ärger – all das und noch mehr hat Veronica Roth in „Die Bestimmung“ verpackt und das ungemein gut. Gebt Acht, dass ihr gerade auch wirklich Zeit zum Lesen habt: Es besteht die Gefahr, dass ihr nicht mehr aufhören könnt, sobald ihr einmal angefangen habt!

Divergent Veronica Roth Insurgent Veronica Roth Wie es weitergeht:
Nun, zum einen muss Teil 1 ja erst einmal in Deutschland erscheinen, was am 12.03.2012 der Fall sein wird. Was den zweiten Teil hierzulande angeht, so ist dahingehend noch nichts bekannt. Aber man kann ja zum Glück auch auf Englisch weiterlesen, denn dort ist „Divergent“ schon lange erschienen und „Insurgent“ folgt am 01.05.2012. 2013 folgt dann der dritte Band im englischsprachigen Raum.

Advertisements

14 thoughts on “Rezension | Die Bestimmung | Veronica Roth

  1. Pingback: Monatsstatistik: Dezember 2011 « Muh, das Telefonbuch

  2. Wow, die Rezension ist echt toll – und ich kann deine Begeisterung nur zu gut nachvollziehen. Ich hab das Buch im Flugzeug gelesen – und normalerweise bin ich echt kein Fan vom Fliegen, aber dieses eine Mal verging der Flug… wie im Flug :D
    Ich bin echt schon gespannt, wie es in Teil 2 weitergehen wird… Allerdings finde ich die Übersetzung der Fraktionsnamen mehr als seltsam (im Deutschen). Ein paar sind ja sehr ähnlich geblieben, aber warum man nun Dauntless zu „Ferox“ (einem komplett neuen Wort) verändert, ist mir schleierhaft.

    • Danke! :D
      Haha, tja dann wirst du wohl für jeden Flug ein so tolles Buch einstecken müssen. ;) (Wenn die nur so leicht zu finden wären!)
      Ich war über die Übersetzung auch recht verwundert, auch wenn ich erst später erfahren hab, dass die Namen im Englischen ganz anders sind. Vielleicht ging man davon aus, dass eben nicht alle allzu bewandert im Englischen sind – bei „dautnless“ wüsst ich zB nichts damit anzufangen, wenn ich die Vokabel nicht kenne, bei Ferox steckt aber ein bisschen das Feuer mit drin und passt damit zum Zeichen und indirekt auch zu den Eigenschaften der Fraktion. Auch wenn manche deutschen Namen auch serh fragwürdig sind. Ken zum Beispiel. xD

      • Oh ja, das ist sehr schwer… :]
        Stimmt, bei Ferox hast du da schon recht. Nichtsdestotrotz klingt „Ferox“ für mich irgendwie nach einem Spülmittel oder so. „Ken“ ist aber am seltsamsten. Aber na ja, die wenigsten deutschen Leser werden wahrscheinlich wissen, wie die Namen im Original heißen, und das ist ja auch nicht so schlimm. Hauptsache man kann sich unter den Namen irgendetwas vorstellen.
        Meinst du denn, dass du den zweiten Band auf Englisch lesen wirst oder wartest du auf die deutsche Übersetzung?
        Ach, da fällt mir ein – kennst du den Blog der Autorin? Da gibt es, wie ich finde, immer ziemlich interessante Dinge zu lesen: http://veronicarothbooks.blogspot.com/

      • Also ich hatt mit den Namen in Deutsch gar keine Probleme – nur Ken wirkte komisch, das passte irgendwie nicht. Auch wenn der Zusammenhang teilweise echt schwammig ist. Aber einfach „die Furchtlosen“ oder „die Selbstlosen“ zu schreiben, war den Verlagen offenbar auch zu doof. xD (Wobei ich das auch nicht sooo schlimm gefunden hätte.)
        Ich werd definitiv auf Englisch weiter machen. :D Ich kann unmöglich warten, ehe die Bücher auch noch übersetzt wurden! xD Hab den ersten Band mittlerweile auch auf Englisch hier. :)
        Und den Blog kannte ich noch nicht, danke für den Link!

      • ferox ist lateinisch für wild,ungestüm und altruan von altruistisch ist ja auch logisch. Ken könnte aus dem Japanischen kommen (KenKen = Weisheit)

  3. Pingback: Buch: Veronica Roth – Die Bestimmung “für Fans von Dystopien ein absolutes Must Have”

  4. Pingback: Rezension | Insurgent | Veronica Roth « Muh, das Telefonbuch

  5. Pingback: November 2013 | Muh, das Telefonbuch

Und ihr so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s