Rezension | Sieben Minuten nach Mitternacht | Patrick Ness & Siobhan Dowd

Patrick Ness & Siobhan Dowd:
Sieben Minuten nach Mitternacht
OT: A Monster Calls

♣ Erzählung, Verlust eines Familienmitglieds, Monster & die Wahrheit
♣ cbj, gebunden mit Schutzumschlag
216 Seiten
16,99€
ISBN 978-3-570-15374-1

Inhalt:
Conor ist dreizehn, sein Vater lebt mit seiner neuen Familie in Amerika und seine Mutter ist todkrank. Er hat es schwer genug, sollte man meinen, aber nun begegnet ihm auch noch sieben Minuten nach Zwölf immer wieder ein Monster! Aber Conor hat keine Angst und eigentlich möchte es dem Jungen auch nichts tun. Drei Geschichten will es ihm erzählen – nur die vierte muss von Conor kommen. Und davor, nun, hat Conor unsägliche Angst.

Vorbemerkung: Gehört ganz klar zu der Kategorie Bücher, die ich am liebsten allen schenken würde, damit sie auch ja gelesen werden.

Meine Meinung:
„Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist so eine Geschichte, die man nicht lesen sollte, wenn man keine Taschentücher zur Hand hat. Dass das so ist, wird ziemlich schnell klar, wenn wir langsam Conor kennenlernen und auch erfahren, wie seine momentane Situation denn aussieht. Da gibt es eine ganze Menge zu erfahren und nicht alles ist sofort ganz klar – da muss man schon ein bisschen weiter lesen, um auch alle Details zu erfahren.
Am Ende bietet sich dann ein zusammenpassendes Ganzes dar, das ganz gewiss nicht schön, aber dafür realistisch ist. Das Gleiche gilt auch für Conor, der ein sympathischer kleiner Kerl ist, was wiederum seine Situation nur umso furchtbarer werden lässt – sofern das überhaupt möglich ist. Er ist ein unglaublich lieber Sohn und vor allem eines: stark. Und trotz allem, was während der Geschichte geschieht, finde ich ihn einfach bewundernswert.

Das Schönste für mich an diesem Buch war aber, dass es zwar unsäglich traurig ist, mich dementsprechend immer wieder zu Tränen gerührt, aber nie heruntergezogen hat. Dies ist kein deprimierendes Buch, auch wenn das bei dem Thema leicht hätte passieren können. Es zeigt einfach, wie es manchmal sein kann und für viele gerade ist – dass es aber auch noch anderes gibt und weiter geht.
Ein bisschen haben wir das auch dem Konzept zu verdanken – Conor muss all das zwar lernen, aber er hat einen Lehrer, der ihm nichts Übles will. Das Monster ist eigentlich kein Monster und sieht auch nicht wie eines aus – seine Gestalt ist gerade insofern sehr interessant, dass man sich fragen kann, was es denn eigentlich wirklich ist. Die Inhaltsangabe der deutschen Ausgabe bietet in der Innenklappe eine Antwort an und ich möchte ihr gerne zustimmen. Aber das soll jeder für sich selbst entscheiden.

Eine kleine Kritik habe ich aber: Mir fehlt ein bisschen das Schaurige. Es hätte einfach wunderbar zur Geschichte gepasst und sollte vermutlich auch dabei sein, doch gemerkt habe ich davon nichts. Dabei haben die Zeichnungen, die uns die ganze Zeit über begleiten, eine wirklich schöne Atmosphäre erschaffen, doch das nützt wenig, wenn der Text nicht mitzieht.
Dabei schreibt Patrick Ness sehr schön und ansprechend beziehungsweise wirkt dies in der Übersetzung so. Vielleicht hat sie da aber auch ein bisschen was weggenommen, wer weiß.
Wunderbar ist dieses Büchlein trotzdem.

Fazit:
„Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist eine Geschichte, die es einfach unmöglich macht, nicht zu weinen. Wer aber vor einer viel zu deprimierenden Geschichte zurückschreckt, braucht sich nicht zu sorgen: So eine findet man hier nicht. Dafür aber eine schöne Idee, einen großartigen Jungen und ein bisschen Wahrheit, die viele zwar schon kennen, genauso viele aber auch erst kennenlernen müssen.

Und was sonst noch?
Da wären zwei Sachen – zum einen sollte man sich nicht von den deutschen Covern verwirren lassen, denn davon gibt es zwei verschiedene. Einmal die Variante für jüngere Leser vom cbj-Verlag und dann die etwas schlichtere Ausgabe von Goldmann mit einem Ausschnitt des Originalcovers für ältere Leser. Für beide geeignet ist es definitiv.
Zum anderen betrifft es die Autoren beziehungsweise Siobhan Dowd, wovon die meisten sicherlich schon gehört haben. Sie hatte bereits Ideen für das Buch, ein Exposé war schon fertig, aber schreiben konnte sie es trotzdem nicht, da sie vorher aufgrund einer Krebserkrankung verstarb. Patrick Ness hat diese Aufgabe für sie übernommen, und wir können nun das Ergebnis in den Händen halten. Dieser Hintergrund „passt“ auch irgendwie zum Buch selbst, dass es eigentlich schon wieder richtig bitter ist. Aber so ist es wohl, das Leben.

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9 thoughts on “Rezension | Sieben Minuten nach Mitternacht | Patrick Ness & Siobhan Dowd

  1. Wow, was für eine tolle Rezension. Ich hab vorher schon einige Male überlegt, das Buch zu kaufen, aber nach dieser Rezension werd ich das mit Sicherheit tun.
    Vor allem weil ich bisher ein Buch von Siobhan Dowd gelesen hat und mich das von der Idee einfach so sehr beeindruckt hat. Dass Patrick Ness die Geschichte dann weiterführt, finde ich eine sehr rührende Idee.
    Danke für diese tolle Rezension! Covertechnisch würde ich bei den deutschen Ausgaben wohl eher zu der „Erwachsenenversion“ tendieren, weil ich dieses schlichte Cover sehr ansprechend finde.

    LG

    • Vielen Dank! Ich würd auch fast zur englischen Ausgabe tendieren. Ich hab mich noch mal ein bisschen durch andere Rezensionen gewühlt und Miss Bookiverse schien vom englischen Buch stilistisch sehr begeistert zu sein (und empfiehlt die Ausgabe auch … ich denk, da kann man ihr vertrauen. xD)
      Optisch find ich die cbj-Ausgbe am schönsten. Die anderen mag ich aber auch, auch wenn die Erwachsenen erst an dritter Stelle steht. Liegt aber an der Farbe – vielleicht ist das auch nur wieder was Temporäres, xD

    • Dankeschön! :)
      „Sieben Minuten Mitternacht“ ist definitiv einen Versuch wert (wenn man nichts gegen traurige Geschichten hat) und irgendwie bezweifle ich, dass man es bei dem Buch wirklich bereuen kann. Wobei natürlich alles möglich sein soll. :)

  2. Ich finde das Buch hatte durchaus seine schaurigen Momente. Ich befürchte leider, dass die Übersetzung da einiges von weggenommen hat. Habe mal ganz kurz in die deutsche Ausgabe reingelesen und fand es ziemlich schlecht.

    • Hat später bei dir auch von deiner Vermutung gelesen – vermutlich hast du wirklich recht. Rein von den Situationen war’s zwar schaurig, aber der Text an sich, die Sprache hat es nicht rübergebracht. Leider! (Obwohl ich den Text an sich nicht schlecht fand – ließ sich schön lesen. Hab aber auch keinen Vergleich. :D)

  3. Pingback: Januar 2012 « Muh, das Telefonbuch

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