Gequassel von der grünen Insel

Nicht dass ich hier besonders viel Grün sehen würde … allerdings muss ich zugeben, dass ich die Gegend noch nicht allzu sehr erforscht habe. Meine Wege haben sich bisher auf Zentrum-Hostel und Wohnung-Uni-Zentrum geschränkt (von meiner Odyssee vom Flughafen aus mal abgesehen). Dafür ist jetzt alles Organisatorische soweit erledigt; ich hab ein Zimmer, ein funktionierendes Handy, hab meine Kurse beisammen und so gut wie alle benötigten Bücher, ich bin bei der Bibliothek angemeldet (die einen Nachweis für meinen Wohnort verlangte, nicht aber für meine Identität oder mein Alter, obwohl man bisweilen über 18 sein muss, um bestimmte Dinge auszuleihen …) und bei der Uni muss nur noch ein Formular eingereicht werden. Yippieh!
Allderdings muss Dublin sogar noch ein bisschen länger warten, nämlich bis ich diese vermaledeiten Hausarbeiten für die Uni in Deutschland geschrieben habe und mit denen es irgendwie so gar nicht vorangeht.
Aber vielleicht steht auch vorher schon eine kleine Reise an; bin jetzt nämlich offiziell Mitglied der International Cultural Society, die mit Erasmus- und irischen Studenten Reisen quer durch Irland unternimmt und dabei ganz besonders günstige Preise bieten kann. Also: Es wird alles.


Hier im Ort selber gibt es gar nicht so viel zu entdecken, was aber nicht heißt, dass es da gar nicht gibt. Es ist zumindest klein, zumindest war das mein bisheriger Eindruck. Es gibt ein Einkaufszentrum „The Square“, das auch in jeder anderen Hinsicht als Zentrum angesehen werden kann. Von dort aus hat man gar nicht so viel zu laufen und schon begrüßt einen die Straße zum nächsten Ort. Im Square findet man eigentlich schon alles, was man braucht – zwei große Supermarktketten, ein Friseur, unzählige Shops für Haar- und Pflegeprodukte, Computer und Technik, DVDs, Sport, Lotto, was weiß ich. Einen mittelgroßen Buchladen gibt es auch – was man eben so braucht. Auf der anderen Straßenseite gibt’s ein Theater, die Bibliothek, die (einzige) Straßenbahnhaltestelle (im Ort) … nur ein Kino fehlt noch. Das gab’s bis 2010, musste dann schließen und ein neues soll diesen März einziehen. Ich hoffe, sie schaffen es noch rechtzeitig zum Kinostart von „The Hunger Games“, denn die Tickets für Bus und Bahn in die Stadt sind vor allem eines: teuer.


Eigentlich trifft das auch absolut auf die Uni zu. Es gibt vielleicht 700+ Studenten und auch wenn die Vorhersage der Erasmus-Koordinatorin (dass ich bald alle Gesichter kennen würde) noch nicht zutrifft, so rennt man doch wesentlich häufger bekannten Leuten über den Weg – zu Hause ist mir das sehr, sehr selten passiert. Natürlich seh ich sie während der Vorlesungen und Seminare, aber selbst da gab es schon Fälle, dass ich – trotz 3. Semesters – vielleicht drei Gesichter kannte und die restlichen 90 überhaupt nicht. Außerhalb der Stunden passierte es dann eher selten und auch nur immer mit den gleichen Gesichtern, die einen ähnlichen Weg hatten wie ich.


Aber: Das ist hier anders. Es ist mir zuvor auch nie passiert, dass die Dozenten während der Freistunden mit einem Studenten in einer Ecke sitzen und Probleme durchgehen. Natürlich gab’s in Deutschland die Sprechstunden, aber sowas scheint hier zum größten Teil nicht zu existieren. Ich hab noch nicht ein einziges Dozentenbüro gesehen, geschweige denn Sprechzeiten.
Aber ohnehin wird sowas hier recht locker geregelt. Pausen haben die Studenten offiziell gar nicht. Die Stunden werden immer voll genutzt, wobei eine Vorlesung (offiziell) zwischen 1 bis 3 Stunden dauern kann. Das geht ohne Pause natürlich nicht immer und deswegen wird je nach Bedarf zwischendurch unterbrochen und wenigstens 5 Minuten eher Schluss gemacht. Da die Wege sehr kurz sind, kommt man entsprechend pünktlich – und da jeder grundsätzlich 10 Minuten später anfängt, ist das erst recht kein Problem. xD (Wobei drei Stunden europäisches Recht trotzdem anstrengend sind, so ist es ja nicht. Und da der Dozent bereits ankündigte, dass in den nächsten Wochen eine Sitzung ausfällt, die nächste dafür sechs Stunden lang geht, krieg ich jetzt schon Kopfbrummen …)
Pausen gibt’s für die Büros natürlich trotzdem, aber die sind eher inoffiziell und ich hab die Zeiten schon längst wieder vergessen. Wenn was ist und mal wirklich niemand da ist, gibt’s davor immer einen Briefkasten, in den was auch immer eingeworfen werden kann – Abholung am nächsten oder übernächsten Tag. ;) (Und wer’s eilig hat, probiert’s einfach später noch einmal.)


Optisch gibt die Gegend durchaus auch was her, auch wenn man manche Kombinationen durchaus in Frage stellen kann. So zum Beispiel finde ich es ja sehr aufbauend, dass Kirche samt Friedhof direkt neben der Uni stehen … frei nach dem Motto „Nehmt’s locker, am Ende landet ihr sowieso hier“? :D Andererseits wurde das Grundstück, auf dem das ITT steht, von der Kirche spendiert. Da muss man sich ja nicht wundern.
Allerdings ist nicht alles auf die gleiche Art schick wie die Kirche – die Häuser wirken teilweise sehr alt und alles andere als modern, aber das ist irgendwie auch ganz sympathisch.


In ihnen findet man eigentlich so ziemlich alles. Geschäfte, die Gold umtauschen, Anwälte, chinesische Restaurants, Pizzaläden, kleinere Einkaufsläden (einen Buchladen habe ich bisher aber noch nicht gefunden), irgendwelche Büros, und so weiter und so fort.


Ab und an ist natürlich auch ein Pub dabei. Ich mein, hallo? Wir sind in Irland! ;) Allerdings sind mir bisher erst zwei aufgefallen und ich war auch noch in keinem drin. Wenn ich ehrlich sein soll, hab ich das so schnell nicht vor. Das Essen ist definitiv billiger, wenn ich es selber mache (oder auf andere, billige Alternativen zurückgreife) und Interesse an Bier hatte ich ja noch nie.
Klingt langweilig? Na, dann ist das eben so.



Und auch wenn Irland natürlich ein eigenständiger Staat ist (vom Norden mal abgesehen), gibt’s auch hier ein paar Dinge, die klischeehaft britisch sind – die Doppeldecker zum Beispiel. (Auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann, dass man den Busfahrern in London teilweise zuwinken musste, damit sie anhalten und einen mitfahren lassen … aber ich war ja auch nur zwei Tage in London; in Edinburgh ist mir aber auch nichts dergleichen aufgefallen …) Anderes ist nicht klischeehaft britisch, aber es ist von dort bekannt bzw. gibt es das sonst so nicht – oder wenigstens in Deutschland nicht. Wer die Fernsehserie Sherlock gesehen hat, dürfte sich an diesen „self check-out“ im Supermarkt erinnern, an dem John Watson so herrlich verzweifelt ist. ;) Die gibt’s hier auch und ich liebe sie. <3 Allerdings gingen unsere Begegnungen nur bis zum letzten Mal gut aus; da wollte das Ding meinen Rucksack in der bagging area nicht akzeptieren, bis wir beide so genervt waren, dass ich den Rucksack entfernte und es später einpacken wollte, die Maschine dafür ganz dicht machte, ein rotes Licht aufleuchtete und mir der Bildschirm mitteilte, ich solle auf einen Verkäufer warten. Ich bin dann einfach zur nächsten Maschine gegangen und da ging alles wieder reibungslos vonstatten. xD
(Man könnte ja auch argumentieren, dass ich demnächst einfach einen Plastebeutel kaufe und nutze – nur vergess ich den, den ich schon habe ständig, und da die Dinger hier 70ct kosten, bin ich nicht bereit, ständig welche zu erwerben. Der Preis ist natürlich ein guter Anreiz, die Teile gut aufzuheben. xD)


Oh, und ich hab endlich Straßenschilder gefunden! Konnte ja nichts werden, wenn man gewohnheitsmäßig nach Stangen mit der Info sucht. Hier befinden sie sich an Mauern und Häuserwänden – gibt’s zwar in Deutschland auch teilweise, aber in der Regel sieht’s da ja ein bisschen anders aus. xD

P.S. Shoppingsünden sind hier natürlich wie überall sonst auch möglich. Ich bekenne mich bereits schuldig:

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17 thoughts on “Gequassel von der grünen Insel

    • Ja. xD Leicht süßlicher, moschusartiger Duft … bin in Deutschland drüber gestolpert, hab mich glatt in ihn verliebt und als ich ihn hier vergünstigt sah, gab es kein Halten mehr. ;D
      Und jap, mir geht’s hier bestens. :3 Freu mich auch schon, wenn Zeit für die Stadt ist – wobei ich ja doch ein bisschen Bammel vor dem Bus habe. Bin so viel Einsatz für’s Mitfahren nicht gewöhnt, sonst war’s immer: dastehen, einsteigen, fertig. xD

      • Absolut!
        Bist du eigentlich oft in Australien? :0 (Also … „oft“. Dass das nicht ständig geht, ist ja klar. xD Außer du kennst Pflanzen, an denen Geld wächst!)

      • Ist definitiv auch öfter, als die meisten von sich behaupten können. :D
        Aber cool. +___+ Ich stell’s mir toll vor, Familie auch woanders zu haben – trotz der Nachteile, die es zweifelsohne mit sich bringt.

      • Bedanken sich die Fahrgäste in Irland eigentlich beim Busfahrer wenn sie aussteigen?
        Ist in GB so, kennst Du vielleicht auch. Eine Eigenart, die mich oft zum Schmunzeln bringt.

      • Weiß ich ehrlich gesagt gar nicht! Ich hab jemanden gesehen, der sich bedankte, aber da hatte der Busfahrer eine Reisetasche mit rausgetragen.
        Kann’s mir aber irgendwie gut vorstellen … vorausgesetzt die Reisenden haben keinen schlechten Tag. :’D

  1. Das man die Straßenschilder erst suchen muss hat mich in der ersten Zeit in GB und Co (damals noch Bournemouth) fast zur Verzweiflung getrieben ;)

    Viel Spaß in Irland! Ich freue mich schon auf weitere Berichte.

    LG, Katarina :)

    • Kann ich gut nachvollziehen. ;) Zum Glück gibt’s ja Google Maps und zumindest hier kommt man mit Notizen wie „1. rechts, 2. große links …“ zurecht – vorausgesetzt man kennt den Ausgangspunkt. xD

      Danke! Und die werden folgen. :)

  2. *sniff* Ach, ich krieg gerade richtiges Irland-Fernweh, wenn ich den Bericht hier lese. Wirklich schön geschrieben, sehr amüsant und interessant. Aber das klingt bisher doch eigentlich ganz gut.
    Ist dir das obligatorische „What’s the crack?“ auch schon begegnet oder sagt man das als Student nicht mehr? Das hat bei mir vor allem in den ersten Tagen für viel Verwirrung gesorgt :D

    • Vielleicht klappt’s ja mit einem nächsten Urlaub da hin? :)
      Und dankeschön!
      Der Satz ist mir noch gar nicht begegnet. xD Dafür – wie zu erwarten – das „How are you?“ wann immer ich jemanden sehe, der mich kennt und ziemlich oft auch „That’s grant“, dessen Bedeutung ich immer noch nicht ganz erfasst habe, da es bei zig verschiedenen Situationen angewendet wurde. xD

      • Ich hoffe es :D
        Aww jaa, „That’s grant“ ist auch so typisch :D Irgendwie so was wie „Ist in Ordnung, ist gut“, bla bla bla… Gut fand ich auch immer das „Good luck“ zum Abschied :D

      • Ich drück die Daumen. :)
        Hm, das macht Sinn! „Good luck“ hat mir zum Glück noch keiner gewünscht. Sonst würd ich mich wohl nervös frage, wofür. -lach-

Und ihr so?

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