Rezension | Loss | Jackie Morse Kessler

Jackie Morse Kessler:
Loss

♣ YA, Apokalyptische Reiter, Alzheimer, Mobbing
♣ Graphia, Paperback
258 Seiten, $8.99
ISBN 978-0-547-71215-4

♣ Band 1: Hunger
♣ Band 2: Rage
♣ Band 3: Loss
♣ Band 1: Breath (2013)

Für Billy Ballard fing es eigentlich wie ein ganz normaler Tag an: Er wurde von Mitschülern schikaniert und getreten, er ließ seine beste Freundin sitzen aus Angst, die Aufmerksamkeit seiner Peiniger auf sich zu ziehen, wenn er die Pizzeria betritt. Der Tag soll allerdings noch schlimmer werden, als sein an Alzheimer erkrankter Großvater die Wohnung verlässt und allein in den Straßen umherirrt. Billy ahnt noch nicht, dass der komische Musiker, den er auf seiner Suche nach seinem Großvater trifft, Death ist … oder doch? Aus irgendeinem Grund scheint er es zu ahnen und sich nicht darüber zu wundern. Doch warum? Was auch immer es ist, eines kann Billy noch nicht wissen: Wie sehr sein Mut und seine Kraft in nächster Zeit gefordert werden und wie sehr er endlich für sich selbst einstehen muss, wie er zurückkämpfen muss; das, was er in all den Jahren verlernt hat.

Natürlich gibt es auch im dritten Band der Reihe wieder kleine Gemeinsamkeiten: Die Initialen des Protagonisten beginnen mit dem gleichen Buchstaben, während der Name eigentlich nur eine Kurzvariante des eigentlichen Namen ist. Der Protagonist hat ein privates Problem, das in der einen oder anderen Weise mit seinem künftigen Amt zu tun hat, das er aus bestimmten Gründen übernehmen muss, womit er anfangs durchaus Probleme hat.
Soviel zu den Gemeinsamkeiten, denn zum einen ist Billy etwas jünger als die anderen beiden, zum anderen hat er gleich zwei Probleme, ist natürlich ein Junge und – was besonders wichtig ist – reagiert nicht genau so wie seine Vorgängerinnen. Hinzu kommt, dass es dieses Mal nicht Death war, der Billy erwählte, sondern Pestilence selbst, nur dass Billy in diesem Fall kein wirkliches Mitspracherecht hatte.

Billy scheint keine sonderlich großen Probleme mit dem Gedanken zu haben, dass die Reiter existieren, was mich anfangs in der Tat ein wenig irritiert hat. Wie kann man so etwas einfach so hinnehmen? Allerdings war zu diesem Zeitpunkt schon deutlich, dass da noch mehr ist und dieses Versprechen soll nicht übertrieben gewesen sein: Da ist noch mehr und es erklärt auch, warum Billy nicht so überrascht ist, wie man es vielleicht erwarten könnte.
Er selbst ist ein durchaus sympathischer Charakter, der in gewisser Hinsicht verständlich ist, auch wenn das Buch nie sagt, dass seine mangelnde Selbstverteidigung „richtig“ ist – eben wie auch beim Thema Magersucht oder selbstverletzendes Verhalten. Ich gebe zu, ich wurde nie ernsthaft gemobbt und hatte deswegen Probleme, mich 100%ig einzufühlen. Es ist ein Thema, bei dem ich glaube, dass man es erlebt haben muss, um es wirklich nachvollziehen zu können. Bei mir gab es zwar Mitschüler, die mich mit ungewollten Namen ärgerten und später beim Schulwechsel jene netten Herren, die alles daran taten, dass ich mich unwohl fühlte, indem sie mich hauptsächlich mit sexuellen Fragen löcherten. Aber ich war schon immer gut darin, solche Idioten auszublenden und schlichtweg zu ignorieren, was definitiv hilft. Man reagiert nicht, zeigt somit auch keine Schwäche und irgendwann verlieren sie die Lust. Allerdings ist das bei weitem nicht, was Billy durchmachen muss, der zu Boden geschlagen und getreten wird. Die ganze Zeit über hab ich gehofft, dass er doch endlich seiner Wut nachgibt und zurückschlägt, und ihnen zeigt, dass sie so nicht mit ihm umgehen können.
Seine Wandlung, die er im Laufe des Buches durchmacht, ist bisweilen ein bisschen „jumpy“, aber auch nicht so sehr, dass es mich besonders gestört hätte. Es fiel mir nur auf. Es legt sich auch zum Ende hin, so dass ich dort nichts mehr in dieser Hinsicht zu bemängeln hätte.

Neben Billy tauchen natürlich noch andere wichtige Charaktere auf, der prominenteste unter ihnen dürfte wohl Death sein. Ich hab es vermutlich schon oft genug in den vorherigen Rezensionen erwähnt, aber ich liebe den Kerl, so selbstmörderisch das auch klingen mag. Einzig von den Pferden wird ihm die Show gestohlen. Sie sind eben ein bisschen mehr als normale Tiere und die Interaktion untereinander wird selten genug gezeigt, aber wenn, dann ist es richtig herzig. Ich würde ja so weit gehen und behaupten, dass sie die heimlichen Stars der Bücher sind!

Wichtiger ist allerdings, dass es in diesem Buch ein paar mehr Hintergrundinformationen gibt. Weniger zu den Reitern allgemein – auch wenn es da ebenfalls den einen oder anderen Hinweis gibt –, sondern vielmehr zu Pestilence, seiner Vergangenheit und Geschichte. Ich gebe zu, nicht alles davon erschien mir ganz schlüssig. Außerdem erwähnt die Autorin im Nachwort, dass sie zu Beginn einige Ideen hatte, die nicht so recht passten und von denen nur eine als Element erhalten blieb – interessanterweise ist es genau dieses Element, das mir überflüssig vorkam. Sie selbst sagt, dass die Idee recht lose zur Geschichte verknüpft ist – es liegt einfach daran, dass Pestilence‘ Waffe ein Bogen ist. Das ist wirklich ein bisschen wenig und mir wäre es lieber gewesen, sie hätte da mehr hineingesteckt oder es einfach weggelassen.
Sei es, wie es sei, wir bekommen mehr Einsicht in Pestilence‘ Leben, das wirklich lang genug war. In der Zeit lernen wir natürlich auch ihn ein bisschen besser kennen und demnach auch seine Motive; wer ein Herz für tragische Liebesgeschichten hat, darf auch auf ein bisschen mehr hoffen, denn die Geschichte von Pestilence und Famine hier ist genau das: ein bisschen tragisch und vor allem ziemlich traurig.
Lediglich am Ende hatte ich wieder einige Probleme mit dem Auslöser für Pestilence‘ finale Handlungen, einfach weil er so banal wirkte. Zwar hat Pestilence im wahrsten Sinne des Wortes den Verstand verloren, aber aus diesem einen Grund zu tun, was er am Ende tut, schien mir doch ein bisschen zu sehr an den Haaren herbeigezogen zu sein.

Am Ende ist „Loss“ ein bisschen mehr als nur die Geschichte eines Jungen, der lernen muss, für sich selbst einzustehen. Trotzdem ist dies der Hauptpunkt des Buches, der mit ein bisschen Tragik, genauso aber Witz gespickt wurde. Besonders gut gefiel mir ja das Ende, bei dem ich mir wirklich nicht sicher bin, ob es nun eindeutig ist oder nicht. Ich glaube zu wissen, wie es ausgeht, aber dann gibt es wieder den einen oder anderen Satz, der mich unsicher werden lässt. Was auch immer die Wahrheit ist: Es ist ein passendes Ende.

Fazit:
Wer in den vorherigen Bänden Death und die Pferde mochte, kommt hier definitiv wieder auf seine Kosten, aber auch Billys Geschichte ist einen Blick wert. Es mag nicht alles immer ganz schlüssig wirken, aber das sind nur einige Punkte. Wichtig ist: „Loss“ unterscheidet sich wieder von „Hunger“ und „Rage“ und Billy macht seine eigene Entwicklung durch.

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4 thoughts on “Rezension | Loss | Jackie Morse Kessler

  1. Also ich habe jetzt mal nicht alles gelesen, da ich die Bücher nicht kenne, aber du hast mich angefixt. Ich will diese Bücher! =)

    • Dann ab zum nächsten Bestellknopf! :D Ich betone ja immer gern, dass ein Teil des Preises Instituten gespendet wird, die sich mit einem der angesprochenen Probleme beschäftigen. Ist ja auch schon ein guter Grund, die Bücher zu kaufen. ;)

  2. Pingback: März 2012 « Muh, das Telefonbuch

  3. Pingback: Rezension | Breath | Jackie Morse Kessler | Muh, das Telefonbuch

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