Reihe | The Hunger Games | Suzanne Collins


Suzanne Collins: The Hunger Games
The Hunger Games, Catching Fire, Mockingjay

♣ Jugendliteratur, Rebellion, Krieg, Freiheit, Selbstbestimmtheit
♣ Scholastic, Paperback
durchschnittlich 469 Seiten, Trilogie
£ 7.99
1: ISBN 978-1-407132-08-2
2: ISBN 978-1-407132-09-9
3: ISBN 978-1-407132-10-5

zur deutschen Ausgabe: In Deutschland erschienen die Bücher bei Oetinger als Die Tribute von Panem unter folgenden Titeln: Tödliche Spiele, Gefährliche Liebe und Flammender Zorn. Weitere Infos hier.
Gibt natürlich zum ersten Band mittlerweile auch eine Filmausgabe.

Inhalt:
„The Hunger Games“ ist eine Trilogie, von der die wenigsten wohl noch nicht gehört haben. Sie beschreibt eine Welt der Zukunft, in der es unsere in dieser Form nicht mehr gibt: In Nordamerika hat sich ein Ort, der sich Capitol nennt, erhoben und wird von dreizehn Distrikten umgeben, die ihn mit allem Notwendigen versorgen. Mittlerweile sind es nur noch zwölf Distrikte, denn in der Vergangenheit rebellierten die Menschen, die so ausgenutzt wurden; doch das Capitol schlug die Rebellion nieder und zerstörte Distrikt 13. Danach wurden die Hunger Games eingeführt, „Spiele“, in denen aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen zwischen zwölf und achtzehn Jahren in eine Arena gesteckt werden, wo sie gegeneinander kämpfen und sich töten sollen, bis nur noch einer übrig bleibt, welcher der Sieger sein wird. Mittlerweile ist es Zeit für die vierundsiebzigsten Hunger Games und noch ahnt niemand, welche Auswirkungen sie auf die Zukunft haben werden. Denn dieses Mal ist Katniss Everdeen aus Distrikt 12 dabei, eine Kämpfernatur, die schon sehr früh lernen musste, unter widrigsten Umständen zu überleben. Und auch wenn sie es selbst noch nicht weiß, hat sie nicht vor, sich an die Regeln derer, die so ignorant mit dem Leben anderer umgehen, zu halten. Lasset die Spiele beginnen!

Meine Meinung:
Es klingt pervers, wenn Menschen Kinder zusammenstecken, damit sie einander töten – und das alles auch noch zum Vergnügen der „Oberschicht“? Ist es auch, und wenn etwas deutlich wird, dann ist es die Abartigkeit dieses Voyeurismus und der Gefühlskälte, die zulässt, dass Menschen es genießen können, andere sterben zu sehen, keinen Gedanken daran verschwendend, was das für die Familie und Freunde heißt – wie es ihnen erginge, wäre das ihre Tochter oder Schwester. Vollkommen ignorant gegenüber dem Fakt, dass diese Menschen nicht mal erlebt haben, wofür sie bestraft werden oder das diese Bestrafung in keiner Weise gerechtfertigt ist. Es ist widerwärtig, Punkt.
Dabei verliert sich die Autorin keineswegs in einem Schwarz-Weiß-Schema. Es ist nicht nur das böse Capitol und die guten Distrikte. Oder die bösen Tribute aus Distrikten, die ihre Kinder für die Hunger Games trainieren und die guten, die da einfach reinschlittern. Die, die gegen das Capitol sind, sind nicht alle gute und die, die dafür sind, sind nicht zwangsläufig böse. An einem gewissen Punkt wird Katniss gefragt, warum sie sich um ein paar Bewohner des Capitols sorgt, obwohl sie Grund genug hätte, sie zu hassen. Sie ist sich selber nicht ganz sicher, ihre Antwort, dass sie es nicht anders kennen, wird selbst von ihr selbst nicht ganz akzeptiert. Dabei hat sie damit den Punkt getroffen. Natürlich entschuldigt sie das nicht, aber es erklärt auch ein bisschen was. Es geht hier darum, was einem von Kindesbeinen an eingehämmert wird und auch wenn die Menschen der Distrikte es besser wissen, müssen sie doch tagtäglich mit der Unfairness leben. Im Capitol gibt es keine offenen Stimmen gegen das System, die Menschen müssen nicht unter den Konsequenzen leiden. Es gibt einfach niemanden, der laut und ausdauernd etwas dagegen sagt und wie soll sich da die Meinung zu etwas wandeln, das manch einer seit Jahrzehnten als gut und notwendig vorgestellt bekommt? Propaganda ist ein machtvolles Mittel und die Menschen des Capitols sind ihm tagtäglich ohne Schutz ausgeliefert; Menschen lassen sich leicht manipulieren. Auch das zeigen die Bücher.
Wie gesagt: Es entschuldigt nichts, aber zeigt auch, dass nicht jeder von Grund auf böse ist, selbst wenn man – wie es auch einige der Charaktere machen – dies leicht annehmen könnte. Genauso hat nicht jeder uneigennützige Gründe, um für eine bessere Zukunft zu kämpfen oder geht den „richtigen“ Weg in diese Richtung.

Um die Bücher insgesamt zu beschreiben, bieten sich am besten die Vergleiche an, die in den Büchern selbst mal mehr und mal weniger direkt gemacht werden: In Band 1 wird ein Funke losgetreten, in Band 2 wird das Feuer weiter angefacht und in Band 3 brennt es nun endgültig.
Der erste Band ist schon brutal, für sich allein sehr spannend mit allem, was ich mir für ein Buch wünsche: Action, Spaß, hier und da ein Lacher, aber meistens eher Herzrasen, sogar eine kleine Liebesgeschichte, wobei sie für mich in ihrer Konstellation eher zum Spaßteil gehörte. (Konnte ja keiner die Konsequenzen ahnen!) Band 2 ist sogar noch besser und gleichermaßen fieser und im Zusammenhang mit Band 3 fällt mir zuallererst das Wort „grau“ ein. Weil gerade hier deutlich wird, dass schwarz-weiß nicht zu dieser Welt gehört und weil Feuer nun einmal Asche hinterlässt – daran lässt der dritte Band absolut keinen Zweifel.

Im Zentrum all dessen steht Katniss, auch wenn sie nicht die Handelnde ist, was das „große Geschehen“ angeht. Sie ist ein wahrer Sturkopf, der vor allem eines nicht leiden kann: Schwäche. Dementsprechend wenig überraschend ist die Stärke, die sie in allen drei Büchern zeigen muss und auch zeigen kann. Ich will nicht behaupten, dass ich Katniss immer vollkommen verstehen konnte – besonders gegen Ende gab es vor allem eine Szene, in der sie mir vollkommen entglitt –, aber ich bewundere sie für ihren Mut und ihre Kraft, genauso wie ich auch andere Charaktere dafür bewundere, die nur nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen, weil sie eben „nur“ Nebencharaktere sind. Ob das nun ihre jüngere Schwester Prim, Peeta mit seiner Selbstlosigkeit oder auch Gale ist, dessen Ansichten ich nicht teile und dessen Handlungen Konsequenzen haben, die er wohl selber später verflucht, der aber genauso seine positiven Eigenschaften hat. Mit der Liste könnte ich noch eine ganze Weile weitermachen: Haymitch, Cinna, Rue, auch Katniss‘ Mutter, Hazelle, Darius, und so weiter und so fort. So klein ihre Auftritte teilweise sein mögen, sie leisten alle ihren Beitrag und sind in gewisser Hinsicht genauso Helden.
Ich gebe zu, vor allem im zweiten Band hätte ich einige von ihnen ein bisschen besser kennenlernen wollen und am Ende ist das immer noch nicht mit allen geschehen. Allerdings liegt das vielmehr daran, dass in den meisten Charakteren irgendwo Potential steckt – um das auszuschöpfen, bräuchte es wohl eine ganze Chronik statt einer Trilogie.

Letztlich bleibt wohl zu sagen, dass „The Hunger Games“ die Dinge auf den Punkt bringt. Suzanne Collins beschönigt die Brutalität, die in allen drei Büchern eine große Rolle spielt, in keiner Weise; es wäre auch eher schädlich gewesen. So wird deutlich, wie verabscheuungswürdig die Methoden des Capitols sind, genauso aber auch anderer Idealisten, denen das große Ganze wichtiger ist als einzelne Schicksale. Die Bitterkeit, die im Laufe der Geschichte damit einherkommt, ist passend, vielleicht auch notwendig. Am Ende sind es Bücher, wegen denen viele Tränen vergossen werden, zumindest ging es mir so. Wegen all der Dinge, die verloren gehen, aber auch in der einen oder anderen Form verlorenen gegangen wären, hätte man alles beim Alten belassen: Freundschaften, Vertrauen, Unschuld, Lebendigkeit. All das, was ein gutes Leben ausmacht. Allerdings auch wegen der Dinge, die vielleicht gewonnen werden können, wenn man es nur wagt – ob das letztendlich der Fall ist, sollte aber wirklich jeder für sich selbst erleben.

Fazit:
Brutal, bitter und niederschmetternd – aber auch voller Hoffnung und kleiner Lichtpunkte, die das Durchhalten möglich machen. Die, die es noch nicht kennen, möchte ich ausnahmsweise einmal darum bitten, es zu lesen. Ich bezweifle, dass es bereut werden kann.

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10 thoughts on “Reihe | The Hunger Games | Suzanne Collins

  1. Solche Sammelrezensionen finde ich richtig gut. Gerade bei einem Buch, das schon rauf und runter besprochen wurde. Aber du hast dich mal auf ein paar generelle Punkte konzentriert und dir Gedanken dazu gemacht.
    Ich bin sehr gespannt, was Suzanne Collins als nächstes schreibt.

    • Freut mich. :D Die nächste steht auch an, sobald ich „Escape from Furnace“ durch habe. Ich hab auch immer Probleme damit, Bücher einer Reihe zu besprechen, vor allem wenn ich sie kurz aufeinander lese – da wiederholt sich letzten Endes einfach zu viel.
      Ich auch! Sie hatte ja noch eine Fantasyserie, aber die hatte mich bisher nicht so gereizt. (War auch für jüngere Leser, oder?) Ich hoffe ja, dass da noch was kommt. Ich mein, wenn selbst JKR noch einmal die Feder schwingt, ist das hier bestimmt nicht zuviel gehofft. ;)

      • Ja, diese Gregor-Reihe konnte mich auch noch nicht dazu bewegen sie zu lesen. Seltsam, dass die so selten erwähnt wird. Ich meine, wenn JK Rowling früher noch eine Kinderbuchreihe geschrieben hätte, hätten garantiert alle HP Fans die gelesen oder?
        Ich denke schon, dass sie weiterschreiben wird. Nur was ist die große Frage. Hoffentlich nicht so was Langweiliges wie JK ;P

      • Wer weiß. :0 Vielleicht ist es dann doch ein wenig zu sehr von der THG-Zielgruppe entfernt. Bei HP wäre es ja zumindest anfangs so gewesen, dass es die gleiche bzw. ähnliche Zielgruppe bleibt.
        Vielleicht überrascht das Buch total und am Ende ist es richtig klasse! xD Ich werd aber definitv meine Eltern überzeugen, dass sie das Buch auch lesen möchten, damit ich kein Geld dafür ausgeben muss. *lach* Dafür klingt’s echt noch zu öde. o.o

  2. Pingback: Adieu, deux mille douze! « Muh, das Telefonbuch

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