Reihe | Escape from Furnace | Alexander Gordon Smith


Alexander Gordon Smith: Escape from Furnace
Lockdown, Solitary, Death Sentence, Fugitives, Execution

♣ Jugendliteratur, Horror, Kriminalität, Gefängnis, Freiheit, Freundschaft
♣ Square Fish, Paperback | Farrar, Straus and Giroux, Hardcover
durchschnittlich ca. 290 Seiten
1: ISBN 978-0-312-61193-4 (TB), 978-0-374-32491-9 (HC), 978-0-571-24080-7 (UK)
2: ISBN 978-0-312-67476-2 (TB), 978-0-374-32492-6 (HC), 978-0-571-24091-3 (UK)
3: ISBN 978-0-312-67441-0 (TB), 978-0-374-32494-0 (HC), 978-0-571-24561-1 (UK)
4: ISBN 978-0-374-32484-1 (HC), 978-1-250-00339-3(UK), das Taschenbuch erscheint am 16.10.12
5: ISBN 978-0-374-36224-9 (HC, 13.11.12), 978-0-571-25940-3 (UK)

Inhalt:
Der 14-jährige Alex ist ganz gewiss kein lieber Kerl, doch als er vor Gericht gestellt wird, wird ihm etwas vorgeworfen, was auch er niemals in seinem Leben getan hätte: Er soll seinen besten Freund Toby während einer ihrer Einbrüche erschossen haben. So sehr er versucht, ihnen die Wahrheit zu erzählen, niemand glaubt ihm, dass riesenhafte Männer mit silbernen Augen dies getan haben. Seine Strafe wird schnell bekannt gegeben: lebenslanger Aufenthalt im Furnace-Gefängnis, was im Grunde ein Todesurteil ist. Denn dies ist kein Gefängnis wie irgendein anderes: Eine Meile unter der Erde befindet sich der Haupttrakt, die Kinder werden von Männern mit unmenschlichen Kräften und bestienartigen Hunden ohne Haut bewacht. Doch noch ahnt Alex die Alpträume nicht, die auf ihn zukommen werden, denn dort unten lauern noch viel grauenhaftere Dinge. Und alles beginnt damit, dass keuchende, dem Zweiten Weltkrieg entstammen zu scheinende Männer in Gasmasken dich holen und du nie wieder zurückkannst … es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie für Alex kommen werden.

Vorbemerkung:
Noch nie von Alexander Gordon Smith und „Furnace“ gehört? Dann wird’s aber mal langsam Zeit! Ich selber bin nur durch einige Blogger mit gutem Geschmack darauf gestoßen und leiste gerne meinen Beitrag dazu, anderen Lesern mit den Büchern vor der Nase herumzuwedeln und außerdem zu betonen, dass, wenn ihr Alexander Gordon Smith mochtet, sicherlich auch Darren Shan mögen werdet. ;)

Meine Meinung:
Tatsächlich haben mich die Bücher nicht selten an meinen Lieblingsautoren denken lassen. Das kleinste Gemeinsame ist offensichtlich: Ein junger Protagonist gerät mehr oder minder durch seine eigene Schuld in etwas herein, das im kommenden Verlauf viel Frustration, viel Blut und viel Trauer beinhalten wird. Der Schreibstil ist dabei einfach, aber ebenso locker-flockig und dürfte daher auch Nicht-Muttersprachlern, die noch nicht sehr viel Übung im Lesen von englischen Büchern haben, keinerlei Probleme bereiten. Letzten Endes sind es doch Kinderbücher … auch wenn manche Eltern wohl lieber zweimal darüber nachdenken werden, ob sie ihre Kinder so etwas lesen lassen wollen.

Jeder Leser sollte sich aber definitiv darauf einstellen, dass es hier auch mal brutaler werden kann; der erste Band macht das schon sehr deutlich und in den folgenden Büchern wird es eigentlich nur noch schlimmer. Die Bücher sind aber nicht nur brutal, sondern auch ungemein frustrierend, was oftmals miteinander zusammenhängt. Alex ist nun einmal kein Engel und selbst wenn, könnte er es nicht bleiben – zumindest nicht bei dem, was Furnace ihm in den Weg stellt. Dabei werden nicht immer Entscheidungen getroffen, die dem Leser gefallen werden und keine von ihnen bleibt ohne Konsequenzen. Mal ganz abgesehen davon, dass so ein Horrortrip nicht ohne Verluste verlaufen kann, weswegen ich mehr als einmal bittere Tränen vergießen musste.
Wundern dürfte sich allerdings niemand, denn schon die Ausgangssituation ist alles andere als gerecht. Nach einem „Summer of Slaughter“, in dem Gangs einander und unzählige andere töteten, hat man beschlossen, jugendlichen Verbrechern gegenüber kein Erbarmen mehr zu zeigen. Dass sich dabei die Erwachsenen aber selber teilweise in solche Menschen verwandeln, die in ihren eigenen Augen einen Aufenthalt in Furnace verdient haben sollten, zeigt sich am Beispiel eines Insassen, der mit elf zunächst in ein normales Gefängnis kam, weil er den Freund seiner Mutter – welcher diese verprügelte – niederschlug. Der Mann starb, auch wenn das vom Jungen nicht beabsichtigt war und trotzdem wurde dieses Kind später nach Furnace verlegt. Gerechtigkeit? Die gibt’s hier nicht.
Dennoch sind das hier keine absolut deprimierenden Bücher. Alexander Gordon Smith hat einen interessanten Mix gefunden: Erst zieht er den Leser ziemlich runter, konfrontiert ihn dann mit richtig üblem Horror, nur um ihn danach zum Lachen zu bringen, was es umso schlimmer macht, dass man kurz danach schon wieder heulen könnte … und dann geht das Ganze in einer ähnlichen Form wieder von vorne los. Besonders deutlich wird das im allerletzten Band, aber es ist ebenso Teil der restlichen Geschichte.

Inmitten all dessen wird auch immer mehr gezeigt, wie groß das Gefängnis ist, wer Alfred Furnace ist, was seine Motive sind und so weiter. Mit der Zeit wird das Ausmaß all dessen bewusst, auch wenn ich nicht sagen kann, dass alle meine Fragen beantwortet wurden. Manche Dinge muss man wohl einfach akzeptieren, so wie man in Märchen akzeptiert, dass es Hexen gibt. Aber manch ein Detail hätte ich mir doch noch gewünscht, und wenn es nur eine einfache Sache ist wie die Frage, was denn eigentlich mit den Mädchen passiert. Die können genauso Kriminelle sein, aber nach Furnace werden sie offensichtlich nicht geschickt. Warum also werden nur Jungs so hart bestraft? Anderes betrifft die Vorgänge im Gefängnis selber, manches das Ende, das zwar abgeschlossen ist, aber dennoch ein paar (dünne) Fäden lose hängen lässt.
Ohnehin sind die Bücher sicherlich nicht perfekt. In den ersten Bänden gibt es immer wieder Passagen, die sich ein wenig hinziehen, auch wenn der Autor wundersamerweise immer genau dann wieder loslegt, wenn man sich denkt, dass es nun doch mal endlich wieder losgehen könnte. Im vierten Band fehlte mir außerdem ein bisschen die Atmosphäre, auch wenn das der allerletzte Band absolut wieder wett macht.
Sie sind deswegen noch lange keine schlechten Bücher – im Gegenteil! Sie sind – bis auf erwähnte Stellen – spannend und furchtbar, aber auf eine gute Art und Weise. So schrecklich Furnace auch ist: Wer einmal drin war, wird so schnell nicht wieder raus wollen!

Maßgeblich sind dafür auch die Charaktere verantwortlich, die alle ihre Ecken und Kanten haben, aber dennoch auf ihre Art und Weise liebenswert sind … selbst wenn sie Dinge tun müssen, durch die sie die Sympathie der Leser durchaus verlieren könnten. Der Autor hat das in einem Interview eigentlich sehr passend festgehalten: Am Anfang ist Alex als Krimineller verurteilt worden und erst einmal wirkt er keineswegs wie ein allzu netter Kerl. Später aber, wenn er viel schlimmere Dinge getan hat, wird ihn wohl kaum jemand als „böse“ ansehen. Gleiches gilt für die späteren Bände, möchte ich behaupten.
Aber neben Alex gibt es natürlich noch andere, die er mit der Zeit kennenlernt und die er auch braucht, um all das durchzustehen. Gemeinsam zeigen sie eigentlich etwas sehr wichtiges: So viel Kraft Alex mit der Zeit auch gewinnt, ohne seine Freunde wäre er längst aufgeschmissen gewesen. Es lässt sich nun mal kaum etwas im Alleingang lösen und für Alex‘ Abenteuer gilt das ganz besonders.
Außerdem gibt es auch hier kaum Schwarz-Weiß-Malerei. Es sind allesamt Menschen, die ihre guten und ihre negativen Seiten haben, die je nach Situation zum Vorschein kommen. Selbst Alfred Furnace, der allzu leicht zum schlichtweg bösen Gegenspieler werden könnte, hat seine „Gründe“ – er hatte nur das Pech, dass keine Freunde da waren, um ihm zu helfen.

Fazit:
Alexander Gordon Smiths Reihe ist definitiv einen Blick wert: spannend, lustig, oftmals zum Heulen und damit ungemein frustrierend, aber auch genauso unterhaltsam. Wer Band 1 nicht mochte, lässt lieber die Finge komplett davon und wem dieser genauso gut gefiel wie mir, sollte sich den Rest am besten gleich komplett bestellen!

Wie man sieht, lohnt es sich durchaus, auf die US-Ausgaben zu warten, auch wenn dort der letzte Band erst Ende dieses Jahres erscheint und das vierte Taschenbuch auch erst für den Oktober angesetzt ist. Das hat einen ziemlich einfachen Grund: die Cover. In der UK sehen die Bücher nämlich so wunderschön bunt und absolut grauenhaft aus (auf eine nicht schöne Art und Weise). Ich weiß nicht, wer sich diese Cover ausgedacht hat und im Grunde passen sie zur Geschichte, aber … nee. Alles hat seine Grenzen.

P.S. Wie so oft neuerdings gibt’s zu den Büchern auch eine kleine Kurzgeschichte, die nichts weiter erklärt, aber doch ganz interessant ist: „The Night Children“ spielt während des Zweiten Weltkrieges und zeigt ein bisschen, wie Furnace auf Warden Cross aufmerksam wurde. Ihr könnt sie hier kostenlos lesen.
Und wie Stephie mich drauf hinwies, gibt es bei TBD gerade die eBooks zu den Bücher sehr billig. 2€ pro Buch ist tatsächlich sehr günstig!

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6 thoughts on “Reihe | Escape from Furnace | Alexander Gordon Smith

    • Ich hab’s nicht verschwiegen, ich hab’s selber nicht gewusst. xD Guck nie nach eBooks, weil ich sie sowieso nicht lesen, aber ich werd’s ergänzen, danke. ;)

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