Reihe | The City | Darren Shan


Darren Shan: The City
Procession of the Dead, Hell’s Horizon, City of the Snakes

• Thriller, Mystery, Fantasy, Noir
• Harper Voyager, Paperback
durchschnittlich ca. 360 Seiten
1: ISBN 978-0-00-726130-7, 978-0-00-726131-4 (TB)
2: ISBN 978-0-00-726132-1, 978-0-00-726133-8 (TB)
3: ISBN 978-0-00-726134-5, 978-0-00-726135-2 (TB)

Capac Raimi hat ein Ziel, als er Die Stadt betritt: Er möchte ein Gangster werden. Dazu geht er bei seinem Onkel Theo in die Lehre, um dessen Status zu erreichen und noch weiter zu gehen. Doch es dauert nicht lange, bis seine Wege die Des Kardinals kreuzen, des Mannes, dem die ganze Stadt Untertan ist. Er ist derjenige, der von allem weiß, was in Der Stadt vor sich geht, den niemand zum Feind haben will. Ein falscher Blick und es könnte der letzte sein. Genau dieser Mann scheint etwas Besonderes mit Capac Raimi vorzuhaben, der sich bald unter dessen Fittichen wiederfindet und somit immer mehr in das Geheimnis, das Die Stadt ist, hineingezogen wird. Blinde visionengebende Priester, grüner Nebel, Menschen, die von heute auf morgen verschwinden und an die sich niemand mehr erinnert … nichts scheint unmöglich in Der Stadt zu sein und Der Kardinal ist das Zentrum. Doch welches Spiel spielt er? Und wo passt Capac in das Ganze hinein?

Al Jeery befindet sich in einer ganz anderen Position – als Teil der Truppen gehört er zu den Männern, die Den Kardinal und sein Eigentum schützen, seine eigene kleine Armee sind. Sein Leben war bisher nicht perfekt, aber dennoch in Ordnung, doch auch das ändert sich, als Dem Kardinal eine andere Richtung für Als Leben vorschwebt. Er soll einen Mord untersuchen, der in einem Dem Kardinal gehörenden Hotel begangen wurde und den Verantwortlichen finden. Al weiß nicht, dass mehr hinter seiner Existenz steckt und dass verschiedene Parteien ihre ganz eigenen Pläne für ihn haben. Ebenso wenig wie ihm bewusst ist, dass er sehr bald sehr viel verlieren könnte …

Es ist durchaus erwähnenswert, dass die drei Bücher der Reihe ziemlich unterschiedlich und zunächst eher lose miteinander verknüpft sind. Band 1 startet mit einer sehr geheimnisvollen Geschichte, die durchweg eine Frage aufwirft: „Was geht hier vor?“ Anstatt mal etwas aufzuklären, werden immer wieder neue Ungereimtheiten eingestreut, ein Rätsel jagt das andere. Ich kam mir in dem ganzen Stadtdschungel oftmals sehr verloren vor – allerdings auf eine positive Art und Weise. Das Buch verspricht geradezu, dass das Durchhalten sich lohnt und auch die faszinierenden Charaktere tragen ihren Teil zum Genuß bei.
Wirklich sympathisch sind diese selten – ein paar ließen sich da sicherlich nennen, aber wirklich oft oder lange bekommt man diese nicht zu sehen. Den meisten Platz nimmt logischerweise Capac Raimi ein, dessen Leben dicht mit dem Zentrum der Stadt verknüpft ist: Dem Kardinal. Mit beiden ist ganz gewiss nicht gut Kirschen essen und zum Feind will man sie bestimmt nicht haben. Dabei verkommen sie aber nicht zu stumpfen Monstern, die einfach alles auseinanderreißen, was ihnen in den Weg kommt. Nein, sie haben durchaus ihre Gefühle (ab und an), ihren Witz und Charme und gerade zu Beginn war ich des Öfteren verlockt zu vergessen, dass sie dich genauso schnell umbringen und vergessen würden, wenn sie es denn als nötig erachten. Reizende Kerlchen, was?
Und trotzdem hat das Lesen Spaß gemacht und wer mit „Procession oft he Dead“ loslegt, sollte ganz gewiss keine Helden erwarten. Wir befinden uns hier in Der Stadt und die ist so verkommen, dass selbst richtige Monster dort ein Zuhause finden können.
Es ist also eine düstere, zunächst ziemlich verwirrende Geschichte, bei der am Ende alle Fäden zusammengeführt werden. Die Idee, die dahinter steckt, finde ich persönlich ziemlich cool, auch wenn ich verstehen kann, wenn es einigen etwas an den Haaren herbeigezogen vorkommt. Man sollte auch ganz gewiss nicht darauf hoffen, dass die Inkas, die versprochen werden, einen wahnsinnig großen Platz einnehmen – noch nicht.

Band 2 kommt erst mal in einem ganz anderen Gewand daher. Wichtig wäre zunächst einmal die Information gewesen, dass der zweite Band zeitlich parallel zum ersten Band spielt! Ihr könnt euch vorstellen, wie verwirrt ich war, als auf einmal ein Haufen Charaktere auftauchte, der theoretisch gar nicht hätte da sein dürfen.
Abgesehen davon ist Al ganz gewiss kein Heiliger, aber rein grundsätzlich ein wesentlich sympathischerer Charakter, der seine Fehler hat, aber auch ein Gewissen. Aber auch die Geschichte an sich entwickelt sich erst mal ganz anders, da sie eher als Kriminalgeschichte als alles andere daherkommt. Al soll einen Mord auflösen und genau darum geht es auch. Natürlich steckt da noch mehr dahinter, was auch die Verknüpfung zu Band 1 und 3 herstellt, aber der Fokus liegt hier erst einmal an anderer Stelle.
Was die Atmosphäre angeht, hinkt Band 2 eindeutig hinter Band 1 hinterher. Hier gibt es nicht mehr so viel Geheimnisvolles, da die Grundlagen – zumindest dem Leser – längst aus dem Vorgänger bekannt sind, auch wenn mich die eine oder andere Überraschung erwartet hat. Es fühlt sich eben auch viel mehr wie ein Krimi an, was man mögen kann, aber nicht muss. Dafür bietet Band 2 die wunderbare Gelegenheit, den legendären Paucar Wami ein wenig kennenlernen zu können. Was an dem so toll ist? Nun, er ist der erste Typ, der im realen Leben zehnmal auf einmal zur Todesstrafe verurteilt worden wäre, den ich passagenweise … mochte. Nicht so sehr dass ich ihn wirklich gern hatte, aber der Kerl hat was an sich, das vor allem ziemlich faszinierend ist. So einen Charakter muss man auch erst mal hinkriegen.

In Band 3 finden die beiden Hauptcharaktere dann zusammen, auch wenn Capac nicht mal in 10% des Buches vorkommt. Die Inkas und ihre Religion spielen hier eine wesentlich größere Rolle, auch wenn dies nie wirklich überhandnimmt. Das Buch ist vielmehr ein Mix aus den ersten beiden: Es finden sich Elemente der Kriminalgeschichte wieder, aber nur für eine kurze Zeit. Ansonsten werden wir wieder mit dem schonungslos verkorksten Bild der Stadt konfrontiert, die allen möglichen Arten von Wahnsinn ein Heim bietet. Diesmal nehmen die Konflikte auch eine ganz andere Dimension an: Die Stadt befindet sich im Krieg, vor allem mit sich selbst. Während die Bürger und verschiedenen Gangs sich gegenseitig die Kehlen zerfetzen, läuft im Hintergrund noch viel Übleres ab, womit die Handlungsstränge der ersten beiden Bände zu einem Ende gebracht werden.
Eben jenes ist … ich fand’s toll. Ein Happy End kann man es nicht direkt nennen, aber Darren Shan hat hier ein paar wirklich schöne und wichtige Elemente eingebaut: den Preis von Macht, die Bürde von Rache, Selbstbestimmung … Ich war erstaunlich zufrieden damit!

Ansonsten bieten die Bücher auch ziemlich gute Unterhaltung, auch wenn man bisweilen einen recht morbiden Humor dafür braucht. Je gemeiner es wurde, desto mehr hatte ich zu lachen, auch wenn natürlich nicht jedes Verbrechen witzig ist. Darren Shan hat schon dafür gesorgt, dass man hier auch an seine Grenzen kommt.
Sind die Bücher deswegen perfekt? Nein. In Band 1 war es einfach aufgrund von Capacs Art wirklich schwer an ihn ranzukommen und besonders die Figur von Ama Situwa hat mir große Kopfschmerzen bereitet, die sich am Schluss zum Glück wieder verflüchtigt haben. Wer ein Problem mit eigentlich starken Frauen hat, die sich auf einmal hilfesuchend an Männer klammern und sie „lieben“, ohne sie wirklich zu kennen, dem wird es wahrscheinlich ähnlich ergehen. Aber keine Sorge: Der Autor ist nicht auf einmal zum Macho mutiert. (Zum Glück!)
Band 2 und 3 zog sich bisweilen etwas, was aber vor allem damit zu tun hat, dass Kriminalgeschichten noch nie mein liebstes Genre bildeten, eher im Gegenteil. Im dritten Band kommt hinzu, dass sich sprachlich ein paar Stolpersteine einfinden. An ein paar Stellen werden Details wiederholt, die erst kurz zuvor Erwähnung fanden und dann auch noch in ähnlicher Formulierung. Sowas ist nun wirklich unnötig und stört schlichtweg.
Trotzdem sind es Bücher, die ich sehr genießen konnte, was heißt, dass die Vorausetzungen dafür folgendermaßen lauten: Schwarzer Humor steht ganz oben auf der Liste, sowie eine Faszination für wenig sympathische und teilweise durchweg böse Charaktere – nicht die armen, missverstandenen Seelen, die gut sein könnten, hätten sie mehr Freunde, sondern Leute, die dein Kind töten würden, einfach weil sie Spaß dran haben. Ein bisschen Blut sollte auch genossen werden können, auch wenn niemand Eingeweideorgien befürchten muss. Daneben gibt’s erstaunlich wenig Liebe und Sex; es kommt zwar beides vor, ist aber wenn, dann eher ein abgekartetes Spiel oder findet nur kurz Erwähnung. Ist das alles genehm? Na, dann viel Spaß in diesem kranken Nest, das sich Die Stadt nennt.

Fazit:
Die Bücher sind ziemlich düster und genauso spaßig, wenn man denn diese Kombination mag. Wirklich sympathische Charaktere gibt’s hier nicht so oft und wenn, dann meistens auch nicht lange, aber genau so ist Die Stadt: Du musst mindestens genauso kaputt sein, um länger durchhalten zu können und es auch zu was zu bringen. Die Trilogie bietet eine ziemlich mörderische Geschichte voller Verrat und kleiner bis monströser Rätsel, in der sich so einige ziemlich coole Ideen und ein paar Inka-Priester befinden. Dunkle Gemüter sollten schon mal Ausschau halten und die Bücher eilig in die Regale wandern lassen!

Geht’s vielleicht doch noch weiter?
Nein. Ja. Vielleicht! Der dritte Band ist so gesehen schon der vierte, da Darren Shan bereits vor 16 Jahren eine Geschichte schrieb, die Jahre vor dem ersten Buch handelt und die Verbindung eines Charakters mit Paucar Wami zum Inhalt hat. Wie nach Band 3 ziemlich deutlich wird, muss das eine extrem düstere Geschichte gewesen sein, die ich gerade deswegen sehr gerne lesen würde! Allerdings sieht’s laut Aussage des Autors erst einmal nicht danach aus … schade. Aber man kann ja weiter hoffen.

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2 thoughts on “Reihe | The City | Darren Shan

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