Reihe | Cold Awakening | Robin Wasserman

Robin Wasserman: Cold Awakening
Skinned, Crashed, Wired

Science Fiction, Jugendbuch
script 5, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
durchschnittlich ca. 396 Seiten
16,90€
1: ISBN 978-3-8390-0106-6
2: ISBN 978-3-8390-0114-1
3: ISBN 978-3-8390-0115-8

Lia gehört zu den Reichen, Schönen und Erfolgreichen. Dinge sind cool, weil sie sie tut und im Grunde ist sie zufrieden damit, wie es gerade läuft. Doch dann übernimmt sie den Babysitterjob ihrer jüngeren Schwester und die Fahrt läuft nicht so, wie sie sollte: In Zeiten, in denen nur noch selten die Menschen selber fahren, in denen die Fahrzeuge sich von allein bewegen und Gefahren elektronisch erfassen, geschieht das Unwahrscheinliche: Lia Kahn wird in einen Unfall verwickelt, den sie nicht überlebt.
Nur dass sie danach nicht tot ist. Mittels eines neuen Verfahrens wurde ihr Gehirn gescannt und diese Daten in einen neuen, menschlich aussehenden Körper übertragen. Sie wurde zurück ins Leben geholt, doch kann sie auch zurück in ihr Leben? Die Gesellschaft akzeptiert diese „Skins“, wie sie sie nennen, nicht, und mit der Zeit sieht sich Lia immer mehr mit Unverständnis, Vorurteilen und Hetze konfrontiert. Freunde werden zu Feinden und auch den Begriff Familie muss sie erst neu definieren. Wird sie trotzdem ihren Platz in der Gesellschaft finden, werden die „Skins“ jemals akzeptiert werden?

Es gibt Dinge, die man diesen Büchern von Robin Wasserman nicht absprechen kann. Ethisch gesehen sind sie interessant, da sie sich beständig mit einer Frage beschäftigen: Was macht uns zu Menschen? Wenn unser Körper vollkommen künstlich wäre, was sind wir dann – Maschine oder Mensch? Heute mag diese Frage für uns noch nicht allzu relevant zu sein, doch Prothesen sind keine Neuheit und mittlerweile gut weiterentwickelt. Zwar wird wohl kaum jemand darüber diskutieren müssen, ob jemand mit einer Prothese tatsächlich noch Mensch ist – rein grundsätzlich würde sonst schon ein künstlicher Zahn unser Menschsein gefährden und wenn das nicht lächerlich ist, dann weiß ich auch nicht –, aber ich persönlich bin recht zuversichtlich, dass es irgendwann ein Thema sein wird. Vielleicht nicht allzu bald und vorausgesetzt natürlich, uns gibt es dann noch. Es schadet also nicht, selbst einmal darüber nachzudenken. Gelegenheit geben die Bücher dazu genügend.
Meinungen gibt es viele. Es gibt die Menschen, die sie als Maschinen bezeichnen und auch so behandeln möchten. Es gibt auch Mechs – wie sie sich selber nennen –, die diese Ansicht vertreten und sich nun als etwas Besseres betrachten. Genauso gibt es Mechs, und zu denen gehört auch Lia, die nach wie vor daran festhalten, dass sie Menschen wie jeder andere auch sind. Mit einem zäherem Körper und anders, aber immer noch Mensch.
Was also macht einen Menschen aus? Eine Seele? Fleisch und Blut? Gefühle? Zu einer Antwort muss jeder für sich selbst kommen, nicht aber ohne die Mechs genau kennenzulernen und zu sehen, dass sie fühlen können, Beziehungen zueinander aufbauen und vielleicht anders, aber nicht vollkommen fremd sind.

In dieser Hinsicht habe ich wirklich nichts zu bemängeln, was mir aber gefehlt hat, war eine tatsächliche Story. Dies betrifft vor allem den ersten Band, der hauptsächlich davon handelt, wie Lia ihren Zustand zu akzeptieren lernt und genauso davon, wie sie versucht, ihren Platz wiederzufinden. Das mag ein wichtiger Teil der Erzählung sein, bietet aber überhaupt keine Überraschungen. Die Leute um sie herum akzeptieren sie nicht – wie unerwartet. Ihre Freunde wenden sich von ihr ab – wenn man vorher „Skins“ verachtet, ändert sich das natürlich sofort, wenn die „beste“ Freundin einer wird, was? Die Familie leidet unter der Veränderung – darauf wäre ich jetzt wirklich nicht gekommen!
Dieser erste Teil bietet absolut keine Spannung und das Buch kann von Glück reden, dass sich der Schreibstil angenehm und leicht lesen lässt, auch wenn er bisweilen ein wenig mechanisch wirkt. Ist letztlich immerhin auch nicht allzu unpassend.
Band 2 startet ein bisschen anders, verspricht allerdings zu viel und Band 3 kann dann wieder mit gar keiner Spannung aufwarten. So gesehen ist es manchmal schon ein Zwang weiterzulesen, und wenn’s teilweise um des Lesens willen ist.

Wenig hilfreich sind da auch die Charaktere, von denen keiner wirklich auf Dauer sympathisch ist. Einerseits ist es schön, dass sie ihre Ecken und Kanten haben und auch Fehler begehen, deren Konsequenzen sie später zu spüren bekommen. Sowas macht aber noch lange keine unsympathische Figur aus. Zu Lia hab ich zunächst gar keinen Draht gefunden, was in der Tat für die meisten Charaktere galt, bis dann endlich Band 3 daher kam.
In der Zwischenzeit handeln sie teilweise so abstrus und dämlich, so krass, dass ich immer wieder kurzzeitig versucht war, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen. Und da zählen nun wirklich noch nicht diese Figuren dazu, die sich selbst in ihrem Irrsinn verirren und dann schon mal versuchen, Mechs emotional zu erpressen, obwohl sie ihnen Emotionen keine zwei Sätze zuvor abgesprochen haben. Wie ging noch mal der Spruch? Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich teilweise erbrechen wollte.
Vieles ist dabei selbstverständlich Geschmacksache und im Grunde ist es auch gut, dass es viele widersprüchliche Charaktere gibt, es machte das Lesen nur auch nicht viel einfacher. So gesehen war Band 3 eine wahre Erleichterung, indem auch sowas wie Sympathien möglich gemacht wurden.

Am Ende musste ich mich fragen, worum es denn nun ging. Drehte sich wirklich alles nur um die Frage? Dann wäre ein Aufsatz ausreichend gewesen und ich wäre um einige laue Lesestunden ärmer. Ging es um die Akzeptanz der Mechs in der Gesellschaft? Ich sehe nicht, wie dieser Handlungsstrang tatsächlich ausgearbeitet und auch zu einem Ende geführt wurde. Ging es um Lia? Dann hätte man mich bitte vorwarnen sollen, ich wüsste es gerne, wenn ich es mit einer Biografie zu tun bekomme. Zumal das Ende reichlich haarsträubend ist.
Und solange ich diese Frage nicht beantworten kann, kann ich auch nicht behaupten, ich wäre zufrieden.

Was macht einen Menschen aus? Eine interessante Frage, für die ich aber keine drei Bücher brauche, um sie für mich zu beantworten – auch wenn es natürlich nicht schadet, sie sich immer wieder zu stellen. Trotzdem wäre eine zusätzliche Handlung nicht schlecht gewesen, aber wer darauf hofft, muss wohl früher oder später verzagen. Was war die große Handlung der Reihe? Keine Ahnung! Die Charaktere konnten da nur wenig helfen, auch wenn nicht behauptet werden kann, sie wären nur Namen. Schade ist es trotzdem – vor allem um meine Zeit.

Advertisements

10 thoughts on “Reihe | Cold Awakening | Robin Wasserman

  1. Wenn ich heute Rezensionen zu den Bücher sehe,komm ich jedes Mal wieder ins Grübeln. ich fand die Bücher ‚damals‘ nämlich echt gut aber mitterweile frag ich mich, was ich eigentlich so toll daran fand. Das dritte konnte mich dann nämlich auch nicht mehr ganz so sehr vom Hocker reißen (wobei ich das Ende echt gut fand). Könnte auch daran gelesen haben, dass es welcher meiner ersten YA Bücher waren^^

    • Ich hab zwischendurch auch immer wieder überlegt, woran’s liegt; die Rezensionen, die ich dazu gelesen habe, waren eigentlich durchweg positiv. Und ich hab dann vergeblich auf die Spannung gewartet. xD
      Aber kann ja auch gut sein – ich hab’s „damals“ zwar noch nicht so im Blick gehabt, aber genretechnisch war es ja auch eher was Neues. Zumindest weniger angesagt als die Vampire. Dann liest es sich bestimmt auch noch mal ein bisschen anders, wenn man nicht schon von zig anderen Seiten mit der Thematik konfrontiert wurde.

  2. Mich haben die Bücher mal milde interessiert (d.h. konkret, dass ich sie auf dem Flohmarkt für lau eingepackt hätte, wenn sie mir denn begegnet wären), aber das hat sich hiermit geändert. Ein Buch, das sich mit philosophischen Fragen der Existenz beschäftigt, dem dabei aber die Handlung abgeht und das nicht mal sympathische Charaktere hat, brauch ich wirklich nicht! Da bleib ich doch lieber bei meinen Liebesromanen und versink in der rosa Zuckerwattenwelt! :D

  3. Ich hab vor zwei oder drei Monaten versucht, den dritten Band endlich zu lesen und kam echt gar nicht mehr in die Geschichte rein. Dann hab ich mir meine eigene Kritik zu Skinned durchgelesen und mir nur gedacht: Warum in aller Welt fandest du das Buch mal gut? xD

    Ich meine, ich hatte gut ein Drittel geschafft und mir da schon gedacht, dass das niemals ein zufriedenstellendes Ende nehmen wird. Ist zwar doof ne Reihe nicht zu beenden, aber mich zieht echt gar nichts mehr zu Crashed.
    Ging mir nämlich ganz ähnlich, dass ich gar nicht mehr verstanden habe, was die Autorin mir da überhaupt erzählen will.

    Zudem hätte ich Lias Schwester am liebsten erwürgt ^.^

    • Also irgendwas muss damals echt gewesen sein. xD
      Wirkloch lohnenswert ist Band 3 dann auch wirklich nicht mehr. Ich würd es im Nachhinein auch gar nicht mehr wirklich Ende nennen – was soll denn beendet werden, wenn keine Geschichte vorhanden ist? :/

      Oah, ja. xD

  4. Pingback: Juli 2012 « Muh, das Telefonbuch

Und ihr so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s