Rezension | The Immortal Rules | Julie Kagawa

Julie Kagawa:
Blood of Eden: The Immortal Rules

YA, Post-Apokalypse, Vampire
MIRA Ink, eBook, 484 Seiten, $6.99
ASIN B007D621YW

Band 1: The Immortal Rules
Band 2: The Eternity Cure (Mai 2013)
Band 3: ?

Allison Sekemoto ist ein Waisenkind, das auf der Straße lebt, was in ihrer Zeit noch gefährlicher ist, als es klingt. Die Vampire haben mittlerweile die Kontrolle übernommen und wer sich nicht registrieren lassen will, wird weder mit Nahrungsmitteln noch mit irgendetwas sonst versorgt. Seit Jahren führt Allie nun dieses Leben zusammen mit anderen jungen Menschen, die so etwas wie ihre Freunde sind. Dann eines Tages ändert sich alles sehr schnell – die anderen werden getötet und auch Allie ist dem Tode nahe. Doch ein Fremder bietet ihr einen Ausweg: Sie kann sich für die Unsterblichkeit entscheiden und damit werden, was sie so verabscheut. Von einem unglaublichen Überlebenswillen getrieben, stimmt sie zu, nicht aber ohne ihre Entscheidung im Nachhinein anzuzweifeln. Allie möchte niemanden töten, doch dies scheint genau das zu sein, was für alle Vampire unausweichlich ist. Dass sie ausgerechnet bei einer Gruppe Menschen landet und mit ihnen mitzieht, ist nicht unbedingt hilfreich. Und doch wird sich zeigen, dass dies eine ihrer geringsten Sorgen sein kann …

Ich habe seit jeher ein Herz für Vampire und als dann die ersten, sehr positiven Meinungen zu „The Immortal Rules“ auftauchten, war klar, dass ich dieses Buch einfach haben musste. Amazon sei Dank ist dies nun auch der Fall gewesen, doch die erhoffte Begeisterung blieb leider aus.
Das heißt nicht, dass Julie Kagawas neuestes Buch ein schlechtes ist. Ich hatte durchaus meinen Spaß damit, doch so richtig konnte es mich noch nicht vom Hocker hauen.

Dabei gibt es viele gute Ansätze. Die Vampire hier sind auch tatsächlich das, was versprochen wird: Vampire. Sie saugen Blut und es kann dabei auch vorkommen, dass sie jemanden ermorden, besonders wenn sie sich von ihren Instinkten leiten lassen. Sie sind Jäger und das merkt man deutlich, aber zu kopflosen Monstern macht sie das noch lange nicht (diesen Part übernehmen andere Wesen), auch wenn man bei einigen nur das „kopflos“ streichen müsste und vielen durchaus Herzlosigkeit vorwerfen könnte.
Dann wären da die Charaktere, allen voran Allie, die mir mit ihrer toughen Art einfach ans Herz gewachsen ist. Sie ist ganz gewiss keine Heldin, doch sie möchte überleben und genauso, dass andere überleben. Sie tut Dinge, die sie nicht tun müsste – und auch wenn es sehr kalt wäre, würde sie es unterlassen, es wäre doch irgendwo verständlich. Trotzdem zeigt sie auch ihre „weiche“ Seite ab und an mal, ihre menschliche Seite, die sie davon abhält, zu dem Monster zu werden, das sie so fürchtet. Abgesehen davon ist sie durchaus in der Lage, für sich selbst und andere zu sorgen, und besonders in ihrer neuen Verfassung weiß sie, andere zu beschützen. Dass sie dabei ziemlich gut mit einem Katana umzugehen weiß, ist nicht nur praktisch, sondern erhöht auch ihren Coolnessfaktor enorm. Sie ist ein Charakter, mit dem ich mich wunderbar verstehe, von dem ich gerne lese und der außerdem auch noch etwas auf dem Kasten hat.
Andere Charaktere sind nicht ganz so angenehm, aber dennoch interessant. Auch wenn die Rolle ihres Erschaffers in der Vergangenheit schnell erahnt ist, so hätte ich keineswegs etwas gegen ein Wiedersehen einzuwenden und gegen Zeke, einer der Menschen, der zwar manchmal etwas braucht, um gewisse Wahrheiten zu erkennen, spricht letztlich auch nichts. Zwar wurde mein Geduldsfaden sehr auf die Probe gestellt, wann immer zum Beispiel der Leiter der Gruppe, auf die Allie trifft, seinen Fanatismus oder Ruth, ein junges Mädchen aus der Gruppe, ihre Dummheit zur Schau getragen haben, aber mit solchen Charakteren muss man eben auch klar kommen. Wäre sonst auch langweilig.

Apropos Langeweile: Die kommt im Buch glücklicherweise nicht wirklich auf. Auch wenn der Mittelteil alles andere als rasant ist, so war es trotzdem unterhaltsam, von der Gruppe und ihrer Dynamik zu lesen, die verschiedenen Charaktere kennenzulernen und zu rätsel, wer Allie wohl wann und wie entlarven wird. Als es dann geschah, kam das für mich allerdings ein bisschen überraschend. Ich hatte ein bisschen später und zunächst mit etwas anderem gerechnet.
Am Ende legt die Handlung noch mal richtig los und was Allison dort durchmachen muss … sagen wir es so, es tat mir allein vom Lesen weh. Vom richtigen Ende will ich ja gleich gar nicht anfangen, also nur so viel: Es würde sich richtig genial in einem Film machen!

Was man auch nicht verschweigen sollte, ist natürlich die Idee. Eine Postapokalypse mit Vampiren? Das klingt nicht nur cool, ist es auch. Erfreulicherweise werden auch genügend Erklärungen angeboten, wie es zu der Welt kam, in der Allison leben muss, gleichzeitig wird aber auch gezeigt, dass es da noch so einiges zu entdecken gibt, was Allison und somit der Leser nicht weiß.
Oft genug sparen die Autoren Erklärungen auf oder präsentieren solche, die einfach keinen Sinn machen. Hier bietet Julie Kagawa sie zur rechten Zeit an, lässt uns durch Allison ihren Teil der Stadt kennenlernen, in dem das Leben der Registrierten neben den verhassten Vampiren zum einen verabscheut, zum anderen aber auch schön geredet wird. Doch in einer einst von einer schweren Krankheit und nun von Vampiren und schlimmeren Monstern gebeutelten Welt ist niemandem wirklich Frieden vergönnt, zu keinem Preis. Die Welt, wie sie einst war, ist nun einmal untergegangen und alle haben damit zu kämpfen – die Menschen genauso wie die Vampire.
Das ganze Konfliktpotential, das die Situation innehat, erschließt sich erst nach und nach, was vor allem für eines sorgt: Es macht Lust auf mehr.

Warum also hat es mich doch nicht ganz überzeugt? Nun, der Anfang zieht sich ein bisschen. Vom Klappentext her, hatte ich erwartet, dass es relativ schnell mit dem Vampirsein losgeht, aber das dauert eine ganze Weile und dann ist erst mal Training angesagt. Dieses ist zwar auch nicht öde, aber ich hatte das Gefühl, dass es jetzt doch mal endlich losgehen müsse. Meinen stummen Hilferuf hat scheinbar irgendjemand erhört, aber zunächst zog es sich einfach in die Länge.

Dann ist da die Sache mit den Vampiren … davon kommen nämlich erschreckend wenige vor. Dass Allie nicht sofort unter Ihresgleichen untertaucht, ist vollkommen logisch, aber ab einem gewissen Punkt hat mir ein zusätzliches Paar Fangzähne gefehlt. Abgesehen davon sind die Vampire, auf die sie trifft, entweder durchgeknallt oder böse, außer natürlich ihr Erschaffer. Da ich aber bezweifle, dass Allie und Kanin die einzigen Nicht-Monster sind, hätte ich mir da doch ein bisschen mehr Vielfalt gewünscht, die es bei den Vampiren momentan noch nicht gibt. Dabei klappt es bei den Menschen doch auch: Jeb, der Anführer der Gruppe, der trotz allem seine guten Absichten hat, Ruth, die extrem nervtötend, aber auch beschützend ihrem Bruder gegenüber ist, Zeke, der manchmal zu oft auf Jeb hört, seine Fehler aber einsehen kann und dagegen beispielsweise Darren, der an das glaubt, was er sieht und erlebt. Wir haben hier eine ordentliche Ansammlung an Charakterzügen und Motivationen, die bei den Vampiren leider noch fehlt.

„The Immortal Rules“ beinhaltet interessante und zum Teil auch liebenswerte Charaktere, die allerdings meist menschlich sind. Den Vampiren fehlt es eindeutig noch an Vertretern verschiedenster Charaktere und auch wenn die Handlung besonders am Ende noch einmal richtig loslegt, ist der Mittelteil weder langweilig noch spannend (wenn auch sehr unterhaltsam), am Anfang zieht es sich regelrecht dahin. Trotzdem reicht eine komplett durchschnittliche Wertung vor allem für die Idee nicht aus – und zumindest bei einem der Hauptprobleme stehen die Chancen gut, dass sich das mit dem kommenden Band ändert.

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4 thoughts on “Rezension | The Immortal Rules | Julie Kagawa

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