Rezension | Grave Mercy: Die Novizin des Todes | Robin LaFevers


Originaltitel: Grave Mercy
Genre: YA, historischer Roman, Romanze
Reihe: His Fair Assassin #1
Erscheinungsdatum: 10.09.2012
vorhandene Formate (dt.): Paperback (cbj)
vorhandene Formate (orig.): Hardcover (Houghton Mifflin Harcourt), Paperback (Andersen Press), eBook

Daten der rezensierten Ausgabe:
ISBN 978-3-570-40156-9, 14,99€

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an cbj.

Bretagne, 1488: Die 17-jährige Ismae ist Novizin in einem Kloster, doch anstatt sich dem Gebet hinzugeben, wird sie dort zu einer Assassine ausgebildet, dazu bestimmt, dem heiligen Mortain zu dienen und jene zu richten, die von ihm gezeichnet wurden. Ihre Ausbildung ist dabei, zu einem Ende zu kommen und als abschließende Prüfung soll sie mit an den Hof der Herzogin reisen, die sich in einer schwierigen Situation befindet. Obwohl sie sehr jung ist, soll sie nach dem Tod ihres Vaters schnell und strategisch klug heiraten, um die Unabhängigkeit der Bretagne von Frankreich zu sichern. Doch viele vielversprechende Verlöbnisse und Angebote verlaufen sich im Sande oder würden einen Krieg herausfordern, andere würden das Leben der Herzogin gefährden. Als wäre dies nicht kompliziert genug, ist die junge Herzogin auch noch von Verrätern umgeben, die zu finden, Ismaes Aufgabe ist. Zur Seite steht ihr dabei der attraktive Gavriel Duval, der gleichzeitig auch ihr erster Verdächtiger ist. Zumindest behauptet das Kloster, dem Ismae dient, dass ihm nicht zu trauen ist, doch alles spricht für seine Aufrichtigkeit. Wem kann Ismae noch trauen – ihrem Gefühl oder der angeblichen Unfehlbarkeit des Klosters, dem sie einst Gehorsam schwor?

Als ich das erste Mal von „Grave Mercy“ erfahren habe, war schon beinahe sicher, dass ich es irgendwann lesen würde. Junge Mädchen, die in einem Kloster zu Mörderinnen ausgebildet werden und außerdem Töchter des Todes sind? Na, wenn das nicht vielversprechend klingt, dann weiß ich auch nicht, was in diesem Leben noch spannend sein soll.
Das Buch startet auch ganz in dieser Manier, nachdem die 14-jährige Ismae von ihrem Ehemann gerettet und zum Kloster gebracht wurde. Schnell stellt sich heraus, dass sie ein Talent für Gifte besitzt, aber natürlich wird sie wie ihre Schwestern auch im Umgang mit anderen Waffen ausgebildet. Die einzigen, mit denen sie Probleme hat, sind die „Waffen der Frau“, was mich zum ersten Mal ein bisschen skeptisch machte. Ismae misst all dem nicht viel Bedeutung bei, aber Tochter des Todes hin oder her, manchmal braucht man solche Fähigkeiten nun mal, um an jemanden heranzukommen. Wenn jemand, der wohlbehüten aufgewachsen ist, das weiß und jemand, der zur Assassine ausgebildet wird, nicht, dann … stimmt da was nicht ganz.
Sei es wie es sei, Ismae hat auch ihre Schwächen, eine davon ist ganz offensichtlich ein gewisses Maß an Naivität.

Dazu gehört auch, dass sie den Befehlen zunächst beinahe gedankenlos folgt. Direkt vorwerfen kann man es ihr nicht. Sie glaubt, dass ihr Gott ihre Hand führt und dass sie das Richtige tut, warum sollte sie auch an den Frauen zweifeln, die ihrem Leben eine neue Richtung gegeben haben? Als Leser ist man da natürlich ein bisschen skeptischer, wenn jemand blinden Gehorsam fordert – normalerweise bedeutet das, dass jemand entweder extrem fanatisch ist oder Dreck am Stecken hat. Oder beides.
Auf diese Weise beunruhigend, startet das Buch nach zwei anfänglichen Ermordungen (auch wenn es laut dem Kloster natürlich kein Mord ist) in den etwas langsameren Teil des Buch, der mit dem Hof der Herzogin und politischen Intrigen aufwartet. Oder zumindest sollte er das, denn der Fokus liegt zu einem großen Teil auch auf der Liebesgeschichte des Buches, mit der ich zu Beginn nicht allzu viel anfangen konnte. Ismae ist eigentlich sofort von Gavriel verzaubert und es vergeht kaum ein Auftritt von ihm, bei dem nicht hervorgehoben wird, wie gut er doch aussieht. Das nervt auf Dauer, doch zum Glück wird aus der unnötigen Schwärmerei irgendwann doch sowas wie Chemie. Auch wenn ich von Ismaes Charakter weder enttäuscht noch beeindruckt bin, entwickeln sie und Gavriel sich zu einem guten und liebenswerten Team, das bei der einen oder anderen Situation auch mal für Bauchkribbeln sorgt. Spätestens gegen Mitte des Buches konnte ich die romantischen Parts des Buches genießen und dementsprechend mitfiebern. Es schadet natürlich nicht, dass er ein wahnsinnig sympathischer Kerl mit seinen hitzigen Seiten ist und dass sie irgendwann merkt, dass es gar nicht so schlimm ist, auch mal zu zweifeln und sich nicht der Selbstgerechtigkeit des Klosters zu verschreiben. In dieser Hinsicht ist es auch sehr schön, dass das Buch trotz der historischen Einordnung die Ehe nicht als oberstes Gut verkauft.

Etwas schwieriger wird das Mitfiebern beim restlichen Inhalt des Buches sein. Es ist keineswegs langweilig, erst recht nicht, wenn man diese Art von Intrigen mag. Dass Ismae am Hofe nicht handeln kann, wie sie gerne möchte und das Tempo durch das Entwirren der Stränge gedrosselt wird, ist zu erwarten und mich persönlich hat es nicht gestört. Ich mag diese kleinen verbalen Schlachten, die erzwungene Diplomatie, wenn man sich am liebsten gegenseitig an die Kehle gehen würde, diese kleinen, mehr oder weniger wichtigen Informationen, die nach und nach auftauchen … wenn man Spaß an so etwas hat, wird man von „Die Novizin des Todes“ nicht enttäuscht sein.
Allerdings hätte die Dichte der Verschwörungen wesentlich größer sein können. Eine verläuft sich irgendwann im Sande, bei der anderen sind die Schuldigen vollkommen offensichtlich, während andere Verdächtige so unschuldig wirken, dass sie Hunderte an Oscars verdient hätten, würden sie doch gegen die Herzogin arbeiten. Nein, es ist nicht schwer zu erraten, wer hier wirklich gegen das eigene Land arbeitet, aber das Miteinander der Schachfiguren ist trotzdem sehr amüsant zu beobachten.
Abgeschlossen ist dieser Teil der Geschichte letzten Endes nicht, doch ich kann nicht behaupten, dass mich das besonders stören würde. Einerseits macht es – neben ein paar Auftritten der Protagonistin des nächsten Buches – Lust auf den zweiten Band, andererseits kann es gar nicht wirklich abgeschlossen werden. Da ist vielleicht ein politisches Problem geklärt, da taucht das nächste auf, weitere Pfade eröffnen sich, mit jeder Handlung können Verbündete oder Feinde geschaffen werden. Es geht immer weiter, und davon gehe ich auch im zweiten Band aus.
Nur in einer Hinsicht seien potentielle Leser gewarnt: Das Buch enthält einen minimalen Anteil an Fantasy. Ismae und alle anderen glauben nicht nur an Mortain, den Gott des Todes, es gibt ihn tatsächlich. Er verleiht seinen Töchtern Fähigkeiten, die normale Menschen nicht besitzen können; er führt ihre Hand und ist nicht nur eine Erklärung für Dinge, die die Menschen nicht verstehen. Allzu dominant ist dieser Part allerdings nicht. Es ist ein Teil von Ismae, wer aber der Fantasy sonst nicht zugeneigt ist, muss auch hier nicht fürchten, davon erschlagen zu werden. Es ist eben Gottesglaube mit tatsächlichen Beweisen, dass es diesen Gott auch gibt.

Sprachlich habe ich eigentlich fast nichts negativ zu bemerken, da sich Robin LaFevers Schreibstil – und auch die Übersetzung – leicht und flüssig lesen lassen und in der Regel auch nach der Zeit klingen, in der das Buch spielt. Ab und an schleichen sich aber Wörter ein, bei denen ich mir wirklich nicht sicher bin, ob sie damals tatsächlich verwendet wurden, „Baby“ zum Beispiel.
Diese Zweifel tauchten nicht allzu oft auf, dafür aber der Gedanke, dass ich gewisse Phrasen schon öfter – irgendwann zu oft – in diesem Buch gelesen habe. Manchmal schleichen sich auch Wortwiederholungen ein, die den Lesefluss zwar nicht stören, aber auffallen.

„Grave Mercy: Die Novizin des Todes“ ist ein Buch mit einer sehr, sehr interessanten Ausgangssituation, das aber mehr Intrigen hätte vertragen können. Schön zu lesen ist es trotzdem und auch wenn die Romanze, auf der letzten Endes der Fokus liegt, zunächst ein wenig aufgezwungen wirkt, entwickelt sich das alles bald zu einer Beziehung, bei der das Zuschauen Spaß macht, genauso wie die Protagonistin dem Leser näher kommt und aus allem dazulernt. Wer es ruhiger, romantisch, aber trotzdem ein bisschen blutig mag, ist mit diesem Buch gut beraten.

Die Reihe in den USA:

Die Reihe in der UK:

Die Reihe in Deutschland:

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2 thoughts on “Rezension | Grave Mercy: Die Novizin des Todes | Robin LaFevers

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