Rezension | Rebel Heart | Moira Young


Die Rezension enthält Spoiler zum Vorgängerband.

Reihe: Dustlands #2
Genre: YA, Postapokalypse
Verlag: Marion Lloyd Books
ISBN: 978-1-407-12436-0
Preis: £7.99
Erscheinungsdatum: August 2012
Format: Paperback

Vicar Pinch und die Tonton wurden besiegt, doch das bedeutet noch lange nicht, dass Saba ihr Happy End bekommt. Zusammen mit ihren Geschwistern Lugh und Emmi, und Ikes Adoptivsohn Tommo zieht sie nach Westen, wo angeblich gutes Land auf sie wartet. Jack versprach, dort auf sie zu treffen und abgesehen von Lugh freuen sich alle darauf, den Tunichtgut wiederzusehen. Doch dazu soll es nie kommen: Geplagt von Schuld, ist es Saba unmöglich, einen Bogen zu bedienen, bis sie irgendwann gar Geister sieht. Bei einem Halt in einem Ort findet sich zwar jemand, der ihr helfen kann, doch die Freude ist nur von kurzer Dauer. Saba erhält Neuigkeiten von Jack, die zeigen, dass er weder nach Westen reisen wird noch dass ihm zu trauen ist. Doch Saba wäre nicht Saba, wenn sie die Dinge nicht in die eigenen Hände nehmen würde, um mehr herauszufinden – sehr zum Unmut ihres Bruders, der jeden Fehltritt seiner Schwester nutzt, um sie fertig zu machen.

Warnung: Im ersten Absatz rege ich mich ausführlich über Lugh auf.

Ich hatte in diesem Buch extreme Probleme mit den Charakteren, was nicht direkt gegen das Buch spricht, aber ein bisschen Luft machen, muss ich mir trotzdem. Angefangen bei Lugh. Für Leute wie ihn gibt es eine bestimmte Bezeichnung: Sie beginnt mit A und endet mit Loch. Im ersten Band hatte ich doch sehr mit Saba mitgefiebert und war dementsprechend gespannt auf den Bruder, für den sie alles riskierte. Man hätte meinen können, er wäre froh sie zu sehen oder ein bisschen dankbar, aber so wirklich hatte ich diesen Eindruck nicht. Wir erfahren nie genau, was mit ihm in seiner Zeit der Gefangenschaft gemacht wurde, daher ist es schwer einzuschätzen, wie sehr dies seine Handlungen beeinflusst. Doch Dankbarkeit sah ich ihn nie empfinden, stattdessen Verbitterung während er im selben Atemzug immer und immer wieder gegen Jack hetzt. Ich verstehe Lughs Unbehagen ihm gegenüber, doch als Begründung anzuführen, dass Saba Jack kaum kennen würde und daher nicht wüsste, wer er ist? Junger Mann, Sie kannten ihn gerade mal ein paar Stunden, wenn sich also jemand kein Urteil erlauben kann, dann sind Sie das!
Es wird zwar deutlich, dass er seine Schwester liebt, doch meistens behandelt er sie mehr wie einen Besitz, der selbstverständlich ihm gehört und demnach auch allein auf ihn hören muss. Er reitet auf jedem einzelnen ihrer Fehler herum (ignoriert seine eigenen natürlich – ohnehin soll sie Dinge machen, die er bei sich nicht für nötig erachtet) und wenn sie etwas tut, was er als falsch ansieht, kommt das einer Sünde gleich. Dabei ist er vollkommen unwillentlich, die Konsequenzen seiner eigenen Handlungen zu tragen oder anderen ihre Mündigkeit zuzugestehen. Immer schiebt er all das Schlimme, das aus seinen Taten resultiert, auf Saba, da er es ja nur wegen ihr tat, von ihr geradezu gezwungen wurde. Ah ja. Niemand zwang ihn mitzugehen, niemand zwang ihn andere mitzunehmen – Saba wollte gar alleine gehen. Es war seine freie und unkluge, wenn auch liebenswerte Entscheidung, Saba zu folgen, so wie andere Charaktere heldenhafte, aber nicht zwangsläufig kluge Entscheidungen treffen. Allerdings ist es viel bequemer, alles auf Saba abzuladen, weil man ja selber genug im Kopf hat und da sie eh schon schwer zu schleppen hat, was soll’s?

Andererseits ist Lugh nicht gerade der wichtigste (wenn auch der mich in Rage versetzende) Charakter. Nicht einmal von Jack könnte man das behaupten, der der Gute kommt dreimal im ganzen Buch vor und dann auch eher kurz.
Er wird mehr zum Nebencharakter wie Emmi oder Tommo. Saba bleibt selbstverständlich als Protagonistin und das erste Wort, das mir zu ihrem Zustand zu Beginn des Buches einfällt, ist „müde“. Sie ist geschafft von dem, was sie leisten musste, was sie tun musste. Nicht nur Eponas Tod lastet auf ihr, auch all diese Frauen, die sie im Käfig besiegte, suchen sie heim. Sie kann all die Menschen, die nichts getan hatten und von ihr doch zum Tode verurteilt wurden, nicht loslassen und so ist auch vom einstigen Todesengel herzlich wenig übrig. Sie kann weder kämpfen noch töten und braucht dringend Hilfe, die ihr aus ihrer Gruppe noch keiner geben kann. Auch später macht sie viele Fehler, die zum Teil auch aus Hoffnungslosigkeit und Wut hervorgehen. Ich bin ganz gewiss kein Fan von allem, was sie tat, aber letzten Endes ist sie zwar eine toughe, aber immer noch sehr junge Frau, und wie jeder Mensch kann sie nicht unendlich viel einstecken. Und wenn wir ehrlich sind, machen es ihr gewisse Charaktere (oder auch Brüder) nicht gerade leicht. Wenn tagtäglich alles, was wir tun, kritisiert wird, uns für alles, was schief geht, die Schuld gegeben wird, wenn uns die, die uns immer am nächsten waren, mit Verachtung und Wut begegnen – wie lange würde es dauern, bis wir einbrechen?
Ich sage nicht, dass sie für nichts, das passiert, verantwortlich ist. Ich meine nur, dass es vollkommen menschlich ist, Schwäche zu zeigen und genau das ist es, was sie tut. Ich bin kein Freund vieler ihrer Handlungen, aber wirklich vorwerfen kann ich es ihr auch nicht. Abgesehen davon ist sie ihren Fehlern gegenüber nicht blind. Sie sieht sie ein und sieht sich selbst – mehr als nötig – als Verantwortliche, was einmal mehr an ihr nagt. Unter diesen Voraussetzungen ist auch Änderung möglich und ich zweifle keine Sekunde daran, dass Saba aus all dem lernen wird.

Das waren eigentlich meine größten Probleme mit dem Buch, die aber objektiv betrachtet gar nicht so wirklich als Probleme bezeichnet werden können. Allerdings kommt hinzu, dass ich zunächst die rasante Geschwindigkeit vermisst habe, mit der Band 1 noch aufwarten konnte. Verwunderlich ist es nicht: Eigentlich will Saba mit all dem Kämpfen nichts mehr zu tun haben. Sie will Jack und eine Familie, die sicher ist – und wer würde das nicht wollen? So wie sie von Schuldgefühlen zerfressen wird, kann sie sich gar nicht gleich in das nächste halsbrecherische Abenteuer stürzen. Es ist also nachvollziehbar, was allerdings nichts an der Tatsache ändert, dass die Geschichte erst nach gut der Hälfte so richtig in Schwung kommt.
Damit wird die Handlung auch regelrecht bösartig. Ich habe Sabas Fehler und deren Konsequenzen bereits erwähnt. Nicht nur sie selbst ist sich dieser Fehler bewusst, auch andere und sie lassen sie sie ganz bestimmt nicht vergessen. Ja, manche von ihnen verhalten sich geradeso, als hätten sie selbst in ihrem Leben noch nie große Fehler begangen. Was die Emotionen angeht, bekommen wir hier wirklich einen bunten, oftmals bitter schmeckenden Cocktail geboten. Es gibt einige wenige leichte Szenen, in denen man einfach mal Spaß haben kann. Meisten stoßen wir aber auf Schuld, Verbitterung, manchmal gar Heuchelei, giftige Liebe und noch einiges mehr, das tiefgehende Bande schnell zerstören kann. Das macht nicht immer Spaß, passt aber zur Situation.

Ich war allerdings sehr darüber erstaunt, wie schnell und leicht ich mit dem Schreibstil zurechtgekommen bin. Band 1 hatte ich noch auf Deutsch gelesen, in dem sich Sabas Dialekt ebenfalls wiederfindet, jedoch in abgeschwächter Form. Die englische Version ist da wesentlich heftiger und ich befürchtete fast, dass ich wieder eine Weile brauchen würde, um mich daran zu gewöhnen, aber darum hätte ich mir absolut keine Gedanken machen müssen. Saba redet nach wie vor frei Schnauze, was sich im kompletten Text wiederspiegelt. Und auch wenn manches Wort laut gelesen werden muss, um verstanden zu werden, liest man sich ruckzuck ein und kann zumindest sprachlich einen sehr angenehmen Text genießen. Wer auf große Umgebungsbeschreibungen hofft, wird auch hier enttäuscht werden, aber wer einfach nur Saba möchte, bekommt genau das.

Letztlich ist es ein gutes Buch, wie ich finde, das Unterhaltung bietet, wenn auch nicht immer schöne. Von einigen Szenen abgesehen sorgt es hauptsächlich für Herzschmerz. Damit meine ich nicht die romantische Sorte, sondern dieses Verzweifeln, wenn Menschen menschlich sind und Beziehungen den Bach runter gehen, während man sich für die Charaktere einfach nur ein schönes Happy End wünscht. „Rebel Heart“ reicht zugegebenermaßen nicht an „Blood Red Road“ heran, aber das Lesen hat sich trotzdem gelohnt und Lust auf Band 3 hab ich jetzt erst recht.

Bisherige Rezensionen: Band 1.

Die Reihe in der UK:

Die Reihe in den USA (Band 1 gibt es mit diesem Cover nur als Paperback):

Die Reihe in Deutschland:

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