Rezension | Biting Cold | Chloe Neill


Die Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden.

Reihe: Chicagoland Vampires #6
Genre: Urban Fantasy
Verlag: NAL
ISBN: 978-0-451-23701-9
Preis: $15.00
Erscheinungsdatum: August 2012
Format: Paperback

Ethan ist von den Toten zurückgekehrt, doch zu welchem Preis? Merit verdankt dies ihrer besten Freundin Mallory, doch deren Motiv war keineswegs, dass sie Merits Wunsch erfüllen wollte. Stattdessen strebte sie danach, das Böse aus dem Maleficium zurück in die Welt und diese damit wieder in Einklang zu bringen – Ethan sollte dabei als Mittel zum Zweck dienen, um ihre Kräfte zu vergrößern.
Das konnten sie letzten Endes noch verhindern, doch Mallory ist auf freiem Fuß und sucht nach dem Maleficium, um ihr Vorhaben zu einem Ende zu bringen. Unerwartete Unterstützung erhält sie dabei von Seth Tate, bei dem immer noch nicht klar ist, was für ein Wesen er eigentlich ist. Als es jedoch zur Konfrontation kommt, verlaufen die Dinge nicht so, wie Mallory, Merit oder Ethan es erwartet hätten. So oder so ist aber klar: Chicago ist erneut in ernsten Schwierigkeiten. Dieses Mal könnte es das Leben Hunderter kosten.

Nur um das noch einmal kurz zusammenzufassen: Band 4 war ein bisschen schwächer, verabschiedete sich aber mit einem vielversprechenden Ende. Band 5 machte so einiges wieder gut und Band 6 jetzt … nun. Es war klasse.

Erneut führt Chloe Neill ein paar neue Wesen ein, legt den Fokus aber nur auf eine neue Rasse, ohne die anderen jedoch zu vergessen. Für eine ordentliche Überraschung ist also gesorgt, denn was genau da auf uns zukommt, hätte ich wirklich nicht erwartet. Dass damit auch eines der größeren Rätsel der Reihe gelöst wird, ist natürlich nur von Vorteil.
Auch andere Dinge handhabt die Autorin wie in den bisherigen Romanen: Der Schreibstil und der Humor gehören da dazu, was jetzt nicht überraschend kommt. Merit hat ihr loses Mundwerk nach allem, was passiert ist, immer noch nicht verloren, im Gegenteil: Ich mochte sie ja schon vorher sehr gerne, mittlerweile habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich sie gerne verehren würde, mit Altar und allem drum und dran.

Das hat einen einfachen Grund: Die Frau rockt! Aber so richtig. Ethan kann auch nach seiner Wiedergeburt sein Machoverhalten nicht ganz ablegen und wieder einmal lässt er zu, dass seine Gefühle in den Weg gelangen und ihm die Logik anderer Lösungen erst erklärt werden muss, damit er es einsieht. Er ist kein vollkommen unsympathischer Charakter, seine Sorgen und Ängste sind nachvollziehbar und letzten Endes weiß auch er, was er zu tun hat und was er auch tun kann.
Ihm wurden seine Schwächen ganz bestimmt nicht gegeben, um Merit besser aussehen zu lassen – in dem Fall müssten auch andere Charaktere Ethans Irrwege beschreiten. Die junge Vampirin ist keine Frau ohne Emotionen, aber sie weiß sie zu ignorieren und ihren Verstand zu benutzen, wenn es darauf ankommt. Sie weiß auch, dass man den werten Herren nicht immer nachgeben muss, dass man ihnen helfen kann, aber ihnen dafür nicht hinterherzulaufen braucht oder gar sollte. Sie war bisher schon immer ein starker Charakter, aber in „Biting Cold“ wird es einmal mehr deutlich. Grund genug zum Zusammenbruch hätte sie: Ihre beste Freundin ist gewissermaßen drogenabhängig und hat dafür gesorgt, dass ganz Chicago großer Gefahr ausgesetzt wird, ihr Partner macht Stress, jemand trachtet nach ihrem Leben und und und. Es wäre zu leicht für die Autorin gewesen, in das „die arme, arme Protagonistin, lassen wir sie in Selbstmitleid versinken“-Schema zu verfallen. Stattdessen behält Merit einen kühlen Kopf und macht etwas dagegen – ohne dabei vollkommen emotionslos oder eine Mary Sue zu sein.

So hält sich – ich glaube, zum ersten Mal bei dieser Reihe – die Spannung über das komplette Buch, nur um am Ende noch einmal richtig zuzulegen.
Zugegebenermaßen ist die Handlung hier auch ein wenig linearer, deswegen aber nicht einfach oder leicht zu durchschauen. Der politische Konflikt der bisherigen Bücher besteht nach wie vor, aber in „Biting Cold“ lag der Fokus nicht darauf, einfach weil sich Merit als Sentinel momentan um ganz andere Dinge kümmern muss. Anderen Problemen kann sie zwar nicht entkommen, Darius West zum Beispiel, aber sie ist zum Großteil auf die Jagd nach der Gefahr fixiert, alles andere nimmt eine nebensächliche Rolle ein. Ist auch logisch: Wenn sie sich ablenken lassen würde und bald alle tot wären, welchen Sinn würde dann noch Politik machen?

Sollte jemand diese jetzt schon vermissen: Die Konflikte für den nächsten Band haben sich mit einer Ausnahme noch nicht herauskristallisiert. Eins kann ich aber vermutlich versprechen und das ist, dass die Politik wieder eine größere Rolle spielen wird. Am Ende des sechsten Bandes passiert nämlich noch etwas ganz Interessantes, das zwar keine Action verspricht, bei mir aber trotzdem für Begeisterungsschreie gesorgt hat.
There are some serious problems heading this way!

“Biting Cold” ist für mich bisher der beste Band der Reihe, an dem ich mal überhaupt nichts auszusetzen habe: Das Buch ist spannend, witzig, hat eine wunderbare Protagonistin, deren Verhalten man sich zum Vorbild nehmen kann. Ein Glück, dass die Bücher aller sechs Monate erscheinen, das Warten wäre sonst unerträglich.

Bisherige Rezensionen: Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5.

Die Reihe in den USA (geplant sind bisher zehn Bände):

Die Reihe in Deutschland:


(Die britischen Cover sind zu hässlich, um sie hier zeigen zu können. Wer’s riskieren will, kann hier einen Blick wagen.)

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8 thoughts on “Rezension | Biting Cold | Chloe Neill

  1. Pingback: September 2012 « Muh, das Telefonbuch

  2. Argh! Jetzt kann ich die Rezension gar nicht lesen, weil ich die Vorgänger ja noch nicht gelesen hab. Aber ist das die Reihe, wo die Autorin dann tatsächlich in Band 3.. Dinge macht?

    • An … Dinge in Band 3 kann ich mich grad nicht erinnern, aber in Band 4 gibt’s welche, die Pflöcke beinhalten. xD

      (Mal spoilerfrei zusammengefasst: Merit ist liebreizend-genial und lässt sich von Männern mit Meinungsschwankungen nicht unterbuttern, ohne gleich ein emotionsloses Biest zu sein, die übernatürliche Rassenvariation wird erneut erweitert und in diesem Buch ist die Handlung eher actionlastig, der nächste Band verspricht aber wieder recht politisch zu werden. Ach ja: und das Buch ist klasse, wieder viel besser als die vorherigen.)

      • Vielleicht verwechsel ich die Bücher auch gerade, aber ich hab mal von einer Reihe gehört, in der die Autorin in Band 3 (2?) den Freund, Ethan oder so, tötet. : /

        Deine Zusammenfassung gefällt mir allerdings extrem, und da ich UF und PNR ja eh liebe, sollte ich die Reihe eecht mal anfangen. :o

      • Du verwechselst sie nicht. xD

        Aber ja, mach. *-* Zwischendurch hat die Reihe ’n kleinen Hänger, aber hey. Der autorin sei’s verziehen, solange am Ende wieder alles stimmt. :D

      • Oh nooooin. :C

        Ich will nicht, dass Leute sterben! Kommt er wieder zurück? Ist er un-toll, sodass es nicht stört, dass er stirbt? #hasfeels

      • Soll ich dich jetzt echt noch mehr spoilern? xD

        Die meisten mögen ihn sehr; ich war jetzt nicht sein größter Fan, aber es gibt nervigere Charaktere. (Sagen wir’s so: Es war mehr ein Akzeptieren denn ein Mögen. xD)

  3. Pingback: Rezension | House Rules | Chloe Neill | Muh, das Telefonbuch

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