Rezension | Out of the Depths | Cathy MacPhail


Reihe: Tyler Lawless #1
Genre: Kinder-/Jugendbuch, Mystery
Verlag: Bloomsbury
ISBN: 978-0-747-59909-8
Preis: £5.99
Erscheinungsdatum: November 2011
Format: Paperback

Tyler Lawless hatte schon immer eine blühende Fantasie, doch dass sie ihre seit einem halben Jahr tote Lehrerin im Supermarkt gesehen hat, hat sie sich weder ausgedacht noch eingebildet – oder? Natürlich glaubt ihr keiner und schon bald ist sie für die meisten nur noch das verrückte Mädchen, das sich Geistergeschichten ausdenkt und Ärger macht. Scheinbar ohne Grund bekommt sie von der Schule eine Verwarnung nach der nächsten, sodass ihre Eltern sie von der Schule nehmen, bevor sie rausgeschmissen wird. Doch auch an der neuen Schule verläuft nicht alles so, wie es soll. Das ehemalige Kloster bietet genug Ecken, um Tylers Fantasie zu beflügeln und vor Jahren hat der Pfarrer in der Kapelle einen Schüler ermordet – Geisterpotential besteht zur Genüge. Und tatsächlich, bald geschehen seltsame Dinge, die nur Tyler zu sehen scheint, was erneut das Misstrauen ihrer Mitschüler weckt. Sie selbst ist hin- und hergerissen zwischen Neugierde und Angst: Was wollen die Geister von ihr? Und was werden sie machen, wenn sie nicht in ihrem Sinne handelt?

Ich bin gerade ein bisschen traurig, dass ich das Buch nicht entdeckt habe, als ich jünger war. Ich hatte zwar auch jetzt noch meinen Spaß mit dem Buch, es ist aber eindeutig auf jüngere Leser zugeschnitten; ich würde die ideale Zielgruppe auf zehn bis zwölf Jahre einschätzen.
Ungefähr in diesem Alter befindet sich auch Tyler (bezogen auf die zwölf Jahre), und dementsprechend sehen die Probleme des Buches aus. Die Geistergeschichte steht zwar im Vordergrund, aber wie das bei den jungen Hüpfern eben so ist, will man seine Freunde haben, mit ihnen die Pause verbringen, rauskriegen, in wen die Freundin verknallt ist und den einen oder anderen Blick hat man vielleicht auch selbst noch für einen Jungen übrig – alles nur ein bisschen unschuldiger als bei den potentiellen Fast-Erwachsenen.
Da ist es fast schon lustig, dass sich ausgerechnet dort einer meiner Hauptkritikpunkte wiederfindet. Dass Tyler ein bisschen in jemanden verknallt ist, ist vollkommen okay, aber dass es ausgerechnet diesen einen Herrn getroffen hat, hinterließ bei mir einen doch sehr bitteren Beigeschmack. Wie nicht anders zu erwarten, reagieren die meisten Mitschüler gehässig auf Tylers Geister, ein Junge zum Beispiel wirft ihr vor, dass sie nur im Mittelpunkt stehen wolle. Soweit ist noch alles in Ordnung, denn so leid mir Tyler tat, diese Reaktionen sind verständlich. Die wenigsten würden ihr da glauben. Auch die Vorwürfe sind eine eher logische Schlussfolgerung aus Tylers Verhalten und dass man sich das mal gegenseitig an den Kopf knallt ebenso – Kinder können genauso grausam sein wie der Rest von uns. Dann aber lässt er sie keineswegs in Ruhe, sondern reitet immer weiter darauf herum, macht sie verbal fertig, als würde sie ihn persönlich reizen. Dieser Junge ist astreines Idiotenmaterial und wenn da keiner einschreitet, kann man sich ziemlich sicher sein, dass später kein allzu angenehmer Typ dabei rauskommt. Jetzt ratet mal, in wen sich Tyler verguckt hat.
Okay, er kann ja trotzdem süß sein und dass man da ein bisschen schwärmt, ist nichts Verwerfliches. Ich war früher ja auch manchmal in die größten Idioten verknallt – gut sahen sie allemal aus! Aber am Ende scheint Tyler all die bösen Worte vergessen zu haben, frei nach dem Motto: Wenn du anders bist, musst du eben nehmen, was da kommt. Vergiss die Demütigungen und Beleidigungen, wenn du eine Chance hast, dann nutze sie! Es ist nämlich nicht so, als hätte er seine Fehler eingesehen; er hat einfach vergessen, was passiert ist und würde garantiert wieder so handeln, sobald das Ganze von vorne losgeht.
Was für eine verkappte Botschaft soll das denn bitte sein? Vielleicht trieb die Autorin auch nur der Wunsch nach einem Happy End an, fraglich bleibt es trotzdem. Glücklicherweise nimmt dieser Part nur einen sehr geringen Teil der Geschichte ein, so dass man ihn zumindest ein bisschen verzeihen kann.

Ansonsten ist Tyler aber ein sehr liebenswertes Mädchen, das mehr Fantasie hat, als für sie gut ist – obwohl es manchmal auch schon helfen würde, wenn sie nicht alles beinahe sofort jemand anders erzählen würde.
Andererseits sagt sich sowas leicht, wenn man nicht ständig mit Geistern konfrontiert wird und allein das ist schon sehr schwer zu akzeptieren. Den Großteil des Buches verbringt sie leider damit, sich einzureden, dass sie sich all die Dinge nur eingebildet hat, dass sie verrückt ist und so weiter und so fort. Das ist alles verständlich, aber auch schade um den Platz, der dabei verbraucht wird. Das Buch ist insgesamt schon nicht sonderlich dick und das eigentliche Abenteuer nimmt dann gar nicht so viel Platz ein, von der Auflösung – die nicht weiter überraschend war – mal ganz abgesehen.
Nicht dass ich behaupten möchte, Kinder könnten keine komplexen Handlungen verstehen, aber die Geschichte ist nun einmal recht einfach gestrickt und merklich der Altersgruppe angepasst.
Damit muss man rechnen, wenn man zu dem Buch greift. Und wenn man es tut, kann man trotzdem eine ein bisschen gruselige Geschichte erleben, die für ein paar Stündchen unterhält. Und wenn ihr jüngere Verwandte/Freunde habt, die Geistergeschichten mögen und zufälligerweise – soll ja alles möglich sein – auf Englisch lesen, dann ist das hier wohl das richtige Buch für sie.

„Out oft he Depths“ ist schnell gelesen und zumindest von älteren Lesern schnell durchschaut. Abgesehen von dem Fauxpas mit Tylers Schwarm ist es ein unterhaltsames Buch, besonders wenn ihr wie Tyler die Angewohnheit habt, euch bei jedem Ort, der ansatzweise unheimlich ist, Geschichten auszudenken, in denen ihr die Gejagten seid (oder Horrorfilme hinterher noch mal mit euch in der Hauptrolle im Kopf nachspielt). Ansonsten ist es eher für jüngere Leser geeignet – oder erst ab dem zweiten Band auch für eine ältere Leserschaft. Dann hat Tyler schließlich auch ihr Talent akzeptiert, vielleicht läuft das alles dann ein bisschen fixer ab?

Advertisements

3 thoughts on “Rezension | Out of the Depths | Cathy MacPhail

  1. Pingback: September 2012 « Muh, das Telefonbuch

Und ihr so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s