Rezension | Reckless: Lebendige Schatten | Cornelia Funke


Die Rezension enthält Spoiler zum vorherigen Band.

Reihe: Reckless #2
Genre: Fantasy, Märchen, Jugendbuch
Verlag: Dressler
ISBN: 978-3-791-50489-6
Preis: 19,95€
Erscheinungsdatum: September 2012
Format: Hardcover

In Dresden wird die Geschichte ab dem 31.10.2012 auch als Theaterstück aufgeführt: Hier geht’s zu den Terminen.

Die Karriere des besten Schatzjägers der Spiegelwelt scheint sich dem Ende zu neigen – nicht aber, weil er sich zur Ruhe setzen möchte, sondern weil er den Namen der dunklen Fee aussprach und damit ihren Fluch auf sich zog. Die Motte, die nun auf seiner Brust zu sehen ist, wird sechsmal zubeißen, ehe sie davon fliegt und sowohl den Namen der Fee als auch Jacobs Leben mit sich nehmen wird.
All die Artefakte, auf die Jacob seine Hoffnungen gesetzt hat, waren nutzlos, doch eine letzte Chance tut sich ihm auf: Er findet Hinweise auf eine magische Armbrust und der Legende nach könnte sie ihn heilen, wenn ein geliebter Mensch damit auf ihn schießt. Es ist eine vage Hoffnung, doch die letzte, die er hat. Allerdings stellt sich die Jagd danach als nicht sehr leicht heraus. Ein anderer Schatzjäger, der Goyl Nerron, ist fest entschlossen, sich die Armbrust als Erster zu schnappen. Sein Wunsch soll in Erfüllung gehen: Fortan will er der beste Schatzjäger sein!

Um es vorweg zu nehmen: Ich hab immer noch keine Lust auf Frau Funkes Tintenherz-Trilogie. Reckless aber, tja, in diese Reihe hab ich mich nun offiziell ein bisschen verliebt. Zwar konnte mich Band zwei nicht ganz so sehr von sich überzeugen wie Band eins, meinen Spaß hatte ich aber dennoch.
Schon damals hatte mich die Märchenwelt fasziniert, in die uns die Autorin hier eintauchen lässt. Das verhält sich bei „Lebendige Schatten“ nicht anders und doch ist die Welt keine Kopie der vorherigen. Denn auch wenn Märchenwesen ihre Bewohner sind, so ist sie der unseren gar nicht so unähnlich – sie ist eben eine Spiegelwelt und keine vollkommen andere. Und so sehen sich Feen, Menschen, Goyl und alle anderen gleichermaßen mit dem konfrontiert, was unsere Vorfahren bereits im 18. und 19. Jahrhundert erlebten: der Industrialisierung.
Neben neuartigen Techniken und Gerätschaften wird auch die Waffenindustrie revolutioniert; Schatzjäger wie Jacob gehören noch nicht der Vergangenheit an, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis Kanonen überall magischen Artefakten vorgezogen werden. Noch aber sehnen sich die Herrscher der Länder nach diesen verzauberten Todbringern, wie auch die von Jacob gesuchte Armbrust einer sein kann.
Ich bin sehr gespannt, wie die Spiegelwelt diese Zeit überstehen wird, ob sie ihren Zauber aufgrund der Technik verlieren oder etwas gänzlich Neues, aber nicht minder Verzauberndes wird. Beides wäre möglich und die Autorin hat da sicherlich ihre Pläne.

Was mich damals störte, war der bisweilen abrupte Personenwechsel, bei dem ich nicht immer folgen konnte. Da war Jacob der Erzähler und plötzlich wieder Will, ohne dass man irgendwie vorgewarnt wurde. Dieses Mal ist mir diesbezüglich nichts negativ aufgefallen, dafür fehlte es mir ein bisschen an Geschwindigkeit. „Steinernes Fleisch“ ließ einem kaum Gelegenheit, um durchzuatmen, nun fehlten mir die Konfrontationen, die Atemlosigkeit. Das ändert sich aber auch mit der Hälfte, nach der auch mal richtig böse Schwierigkeiten auftauchten, die einerseits bewirkten, dass ich mich um meine Lieblinge sorgte, dann wiederum begeistert kichern musste, denn wenn ich etwas liebe, dann ist es (nicht-romantisches) Herzklopfen, für das Cornelia Funke an diesen Stellen wieder einmal gesorgt hat.

Ein paar Überraschungen hält sie auch bereit, die nicht nur die Handlung, sondern auch die Charaktere betreffen.
Bei denen spielen Will und Clara dieses Mal keine Rolle; beide befinden sich in der Menschenwelt und leben dort ihr Leben, nichtsahnend welches Opfer Jacob für seinen Bruder gebracht hat. Dafür haben Jacob und Fuchs wesentlich mehr Platz in der Erzählung und damit auch die Gefühle, die beide füreinander hegen. Es war schon im ersten Band recht ersichtlich, nun wird klar: Beide lieben einander und beide können es sich momentan nicht sagen. Viel zu sehr lastet Jacobs möglicher Tod auf ihnen, was aber nicht verhindert, dass sie sich immer wieder näher kommen und mein ganz heimlich doch ein bisschen romantisches Herz höher schlagen ließen.
Ganz abgesehen davon sind sie beide für sich sehr sympathische Charaktere. Da ist Jacob, der noch immer auf der Suche nach seinem Vater ist und einfach nicht von dieser Welt loslassen kann, die ihm so viel mehr bietet als die, in der er geboren wurde. Und doch weiß er, was Richtig ist und was Falsch und weiß für die zu kämpfen, die er liebt. Er ist ein hartnäckiger, gewitzter junger Mann, der seinen Ruf zu Recht verdient und mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist.
Gleiches kann ich von Fuchs behaupten, die einst so gerne in ihr Fuchsfell floh, um die Welt weniger kompliziert wahrnehmen zu können, jetzt aber merkt, dass das vielleicht doch nicht das ist, was sie möchte. Aus dem Mädchen ist eine junge Frau geworden, die durchaus auf sich selbst aufpassen kann und nicht selten Jacobs letzte Hoffnung ist. Zusammen sind die beiden ein wunderbares Team, das auch mal scheitern kann, dann aber wieder auf die Beine kommt.
Lediglich bei den anderen Charakteren hätte ich mir ein bisschen mehr Einsicht gewünscht, andererseits sind sie aber auch nur Nebencharaktere und das aus einem Grund. Trotzdem kam es mir vor allem zu Beginn so vor, als wären alle Goyl zwar nicht böse, aber definitiv nicht gut. Eigentlich kann man ihren Groll auf die Menschen irgendwo auch nachvollziehen, aber direkt behandelt wird es leider nicht. Es ist schade, zumal ihr Einfluss in der Spiegelwelt steigt und sie immer mehr zum dortigen alltäglichen Leben dazu gehören.

Am Ende war es trotzdem ein tolles Buch, das mich mit den allerletzten Ereignissen noch einmal richtig begeistern konnte. Bei dieser Aussicht bin ich schon wahnsinnig gespannt darauf, was wohl der dritte Band für uns bereithalten wird, vielversprechend ist es zweifelsohne. Und selbst wenn die letzten Seiten ein wenig anders ausgesehen hätten: mehr von Fuchs und Jacob? Ich bin dabei, komme, was wolle!

Abschließend möchte ich nur noch einmal die Gestaltung der Bücher anmerken: Die hat ein bisschen nachgelassen. Zierte in Band eins noch jeder Kapitelanfang eine große Zeichnung, die den Text umrahmte und damit beinahe die halbe Seite einnahm, so ist es jetzt nur noch ein kleiner Ausschnitt über dem Text, der inhaltlich genauso passend ist, aber so ein wenig einsam wirkt. Auch die kleinen Zeichnungen am Ende eines Kapitels, die es damals zumindest manchmal zu sehen gab, sind verschwunden und in diesem Fall sogar komplett. Ob Band drei ganz ohne auskommen muss? Dringend notwendig sind diese Bilder nicht, aber sie waren doch immer hübsch anzuschauen und fügten sich wunderbar in die Atmosphäre des Buches ein.

„Lebendige Schatten“ geht es ein klitzekleines bisschen ruhiger an als „Steinernes Fleisch“, weiß aber trotzdem mit Spannung zu begeistern und dank Fuchs und Jacob kommen auch die kleinen Romantiker unter uns nicht zu kurz. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und doch macht das Ende wahnsinnig gespannt auf den nächsten Band – ich kann kaum erwarten, was Cornelia Funke dann für uns bereithält!

Bisherige Rezensionen zur Reihe: Band 1

Die Reihe auf Deutsch:

Die Reihe in der UK (offenbar ist man komplett vom HC zum PB gewechselt, Band 2 erscheint gleich gar nicht mehr als Hardcover):

Die Reihe in den USA (scheinbar fand hier eine komplette Umgestaltung statt; Band 1 erschien noch mit dem deutschen Cover als HC, siehe hier, das PB erhielt aber ein neues Cover; Band 2 scheint diesen Stil auch als HC fortzusetzen, allerdings bin ich mir nicht 100%ig sicher, dass es das richtige Cover ist):

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3 thoughts on “Rezension | Reckless: Lebendige Schatten | Cornelia Funke

  1. Och manno und ich habe noch nicht mal den ersten gelesen :s Hört sich aber nicht so an, als wäre der zweite sehr gut (hab nur auf die Bewertung geguckt) :D

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