Rezension | Flying Moon | Katrin Bongard


Genre: Jugendbuch, Romantik
Verlag: Red Bug
ASIN: B0099NL8BY
Preis: 2,99€
Erscheinungsdatum: September 2012
Format: eBook

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Red Bug Books.

Abgesehen von ihrem Namen ist Moon ein ganz normales Mädchen, auch wenn die Sorgen daheim bisweilen ungewöhnlicher Natur sind. Seit der Trennung ihrer Eltern hat ihre Mutter alles, was mit Film und Fernsehen zu tun hat, aus ihrem Leben verbannt; seit einem Jahr haben Moon und ihr Bruder Lion ihren Vater nicht mehr gesehen. Doch dann findet an ihrer Schule ein Casting statt, bei dem sie mit einem ihrer Freunde, Karl, teilnimmt und überzeugt. Eigentlich hat sie zunächst keine große Lust, am Film mitzuwirken, doch als sie das Drehbuch liest und feststellt, dass es von ihrem Vater stammt, steht ihr Entschluss fest. Sie stimmt zu, die weibliche Hauptrolle zu übernehmen.
Dabei warten an Set einige Überraschungen auf sie: Nicht nur lernt sie das Leben als Schauspielerin kennen, sie trifft auch jemanden aus ihrer Vergangenheit, mit dem sie nur wenige Stunden verbrachte – den sie seitdem aber nie vergessen konnte.

„Flying Moon“ schien mir zunächst ein vielversprechendes Büchlein zu sein. Die Kulisse ist denkbar günstig: Man ist beim Dreh, sieht tagtäglich wie gut jemand schauspielern kann, und ja, dann kann man schon mal zweifeln, ob man dieser Person, die auch noch einen schlechten Ruf hat, Glauben schenken sollte. Wenn du für deinen Lebensunterhalt schauspielerst, warum solltest du es nicht auch an anderer Stelle tun? Ich hatte eine Romanze mit großer Unsicherheit und einer Atmosphäre des Zweifelns erwartet, wurde in dieser Hinsicht aber eher enttäuscht.

Um das Positive vorweg zu nehmen: Die Geschichte war zunächst interessant, und auch wenn der Schreibstil bisweilen ein wenig ungelenk wirkte und der eine oder andere Fehler doch übersehen wurde, so ließ sich der Text dennoch leicht lesen. Außerdem möchte ich an dieser Stelle einmal loben, dass Moon nicht sofort von unsterblicher Liebe redet, sondern ihre Gefühle als genau das beschrieben werden, was sie auch sind: ein Verliebtsein. Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das das erste Mal Schmetterlinge im Bauch hat, und nichts anderes soll einem hier verkauft werden.

Leider habe ich von den Gefühlen – obwohl sie beschrieben wurden – nicht viel mitbekommen. Ich habe von ihrer Verliebtheit gelesen, konnte sie aber nie spüren, was leider für so ziemlich alle Emotionen gilt, die „Flying Moon“ hätte wecken können. Dafür sind die Beziehungen, ihre Darstellungen, wie wir sie als Leser erfahren können, viel zu oberflächlich. Wäre das anders, wäre auch das Buch an sich wesentlich spannender, was letzten Endes leider nicht der Fall ist.
Denn nach circa 40% des Buches ist immer noch nichts wirklich passiert. Sie drehen den Film, Moon macht sich wegen einiger Dinge Sorgen und … ja, was?
Es passiert nie wirklich etwas, und wann immer etwas beschrieben wurde, was wahrscheinlich dramatisch sein sollte oder in irgendeiner Weise Moon verunsichern sollte, konnte ich nur hilflos mit den Schultern zucken und „Na und?“ fragen. Nichts davon war dramatisch oder mitreißend – oder überhaupt überraschend – und ich musste mich eher fragen, warum Moon ausgerechnet jetzt zweifelt.

Allerdings hängt damit auch zusammen, dass ich nie das Gefühl hatte, ich hätte Moon oder irgendjemand anderes wirklich kennengelernt. Sie waren Namen und würde mich jetzt jemand bitten, etwas über die Charaktere zu erzählen, könnte ich lediglich ihre Namen nennen und sagen, dass sie Schauspieler sind. Zugegeben, im Falle von Moon könnte noch erwähnt werden, dass sie sich manchmal wirklich störrisch und gewollt blöd verhält, was mehr Probleme bereitet als alles andere. Reicht das als Charakterisierung? Wohl kaum.
Auch das Filmgeschäft habe ich nicht weiter entdecken können, beziehungsweise: Ich habe nichts erfahren, was ich nicht vorher schon wusste. Besonders schade war, dass wir nie wirklich erfahren, worum es in dem Film geht, was die Beweggründe der Figuren dieser Geschichte sind. Das hätte sicherlich noch zur Atmosphäre beigetragen, so aber wird uns der grobe Inhalt mitgeteilt und das war’s. Bisweilen schien mir der Film interessanter als das eigentliche Buch zu sein, aber da die dortigen Möglichkeiten in keiner Weise ausgeschöpft werden, konnte mich auch das nicht lange unterhalten.
Diese Oberflächlichkeit zeigt sich auch in vielen anderen Aspekten der Geschichte. Es werden einige wichtige Probleme angedeutet, aber weiter ausbearbeitet wurden sie nie.

Das klingt jetzt alles furchtbar negativ, dabei fand ich „Flying Moon“ gar nicht mal so schlecht – nur eben auch nicht gut. Die Ausgangsposition des Buches gefiel mir schließlich und die Enttäuschung stellte sich erst mit der Zeit ein. Bis dahin war es eine durchaus angenehme, wenn auch sehr, sehr kurzweilige Leseerfahrung. Auch später, als mich der Inhalt immer weniger interessierte, lies es sich gut lesen und für die leichte Ablenkung zwischendurch reicht das Buch allemal.

„Flying Moon“ ist, insgesamt gesehen, leider zu oberflächlich, um wirklich gut zu sein. Ein richtiger Einblick fehlt sowohl ins Filmbusiness als auch in die Charaktere und ihre Gefühle. Das Resultat ist nicht schwer zu erahnen: Vieles, was passiert, kümmerte mich einfach nicht.
Trotzdem ist es eine in den Ansätzen niedliche Geschichte, die sich zumindest gut lesen lässt.

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8 thoughts on “Rezension | Flying Moon | Katrin Bongard

  1. Ich habe das Buch auch zur Rezension angeboten bekommen und fand den Inhalt eigentlich ganz interessant, aber weil ich keinen eReader habe, wollte ich es nicht unbedingt am Computer lesen. Sieht so aus, als hätte ich nicht wirklich viel verpasst. Zumal ich ähnliche Erwartungen wie du hatte; dass man vielleicht einen kleinen Einblick ins Filmgeschäft bekommt. Schade, dass das hier nicht drauf zutrifft :/

    • Nee, hast du nicht – wobei ich nicht weiß, ob das nun gut oder schlecht ist. ;)
      Ein paar wenige, sehr kleine Infos gibt es zwar, aber das erfüllt dann auch nicht meine Erwartungen. Ich hätte wohl auf mein Bauchgefühl achten sollen; war mir nämlich nicht sicher, ob das was mit uns wird, aber der Inhalt klang dann zu interessant.

  2. Bücher die keine Emotionen wecken können, regen mich ganz besonders auf. Schade, dass es hinter diesem vielversprechenden Inhalt sich nur heiße Luft verbirgt. Auf das Thema Filmdreh hätte ich große Lust gehabt.

    • Es ist wirklich schade, gerade wenn der Inhalt besonders ansprechend ist. Und wer hat schon keine Lust auf gute Bücher?
      Wobei mir solche Bücher dann immer noch lieber sind als solche, die mich richtig wütend machen. Bei ersteren bin ich wenigstens ein wenig unterhalten, bei letzteren ist allein ihre Existenz eine Schande.

  3. Hi Shiku,
    da muss ich doch gleich mal kommentieren :) geht immerhin um mein Buch. Hm, Kritik angekommen. Zu wenig über Film? Tja, da war die Lektorin anderer Meinung. Wenn man zu viel von einer Sache weiß – was bei mir, was Filmsets angeht, eindeutig der Fall ist – neigt man ja auch oft zu einer gewissen Detailverliebtheit und die geht dann anderen wieder auf die Nerven. Aber immer wenn ich das jetzt höre, dann hole ich deine Kritik raus! Gibt aber auch noch ein anderes Argument: Da Moon nicht viel über Film weiß, und es aus ihrer Perspektive geschrieben ist, wären mir zu viele Details unglaubwürdig vorgekommen. Da könnte Lasse natürlich mehr erzählen …
    Schönes Blogtheme übrigens!
    LG Katrin

    • Hallo Katrin!
      Lektoren und ich – wir scheinen da öfter unterschiedliche Vorstellungen zu haben. ;) Aber wenn ich mir andere Besprechungen so angucke, bin ich in der Minderheit, was ja auch schön ist. Solange es den meisten gefällt, ist ja alles paletti. :)
      Der Einwand stimmt schon, ich würde nur denken, dass man auch als Laie dann etwas mehr erfährt (sobald man wirklich teilhaben kann) als das, was man als Außenstehender auch am Rande mitbekommt? (Oder ich stalke zu viele Schauspieler, das ist auch nicht ganz unwahrscheinlich!)
      Vielen Dank!

      • Danke für den Input. „Solange es den meisten gefällt, ist ja alles paletti. :)“ Nö, damit bin ich eigentlich nicht zufrieden. Ich meine, wenn ich eines meiner abseitigen „edgy“(Verlagsjargon) Bücher schreibe, bin ich darauf eingestellt, dass nicht jeder etwas damit anfangen kann, aber bei Flying Moon habe ich doch eher meine Arme ausgebreitet, um viele zu erreichen. Daher nehme ich deine Kritik gerade etwas ernster, als die, der zufriedenen Leser. Ich würde diese Insights ins Filmgeschäft sehr gerne vermittlen (wozu habe ich an so vielen Filmsets gestanden, hm?!) und sie dann in eine bitte nicht zu flache Geschichte einbinden. Na, da ich gerade über eine Fortsetzng zu Flying Moon nachdenke und zudem schon viel mehr Seiten als ursprünglich geplant über Lasses Sicht der ersten Begegnung geschrieben habe (ich nenne das mal Bonusmaterial) – habe ich ja noch Chancen … Und – ziemlich sicher werde ich dann wieder auf dich zukommen und um deine kritische Meinung bitten :)) So long!

      • Ich meinte auch gar nicht, dass man Gegenstimmen dann gar nicht zu beachten braucht, aber solange es Leser gibt – und auch noch viele -, denen das Buch gefällt, ist irgendwas ja auf jeden Fall richtig gemacht worden. :)
        Alles klar, da bin ich mal gespannt! ;)

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