Rezension | Serafina: Das Königreich der Drachen | Rachel Hartman

Originaltitel: Seraphina
Reihe: Serafina #1
Genre: YA, Fantasy
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-15269-0
Preis: 17,99€
Erscheinungsdatum: 19. November 2012
Format: Hardcover mit Schutzumschlag

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an cbj.

Serafina lebt am Hofe Goredds, wo sie dem Hofkomponisten zur Hand geht und selbst musikalisch sehr eingebunden ist. Ginge es nach ihrem Vater, würde sie weiterhin gut versteckt zu Hause leben, doch das junge Mädchen braucht seine Freiheit, trotz des Geheimnisses, das es birgt und das niemals jemand erfahren darf. Bisher kam sie auch gut zurecht, doch dann wird der Prinz tot aufgefunden, sein Kopf ist vom Körper abgetrennt – es ist die Drachenart zu töten.
Der Skandal ist groß, denn schon vor Jahrzehnten wurde ein wackliger Frieden zwischen den Menschen und den Drachen geschlossen, welcher es den Drachen in Goredd verbietet, ihre wahre Gestalt anzunehmen, sie aber auch vor Angriffen der Menschen schützen soll. Es ist ein Frieden, der beiden Seiten nützte, was viele mittlerweile vergessen haben. Nun beginnt die Suche nach dem Mörder des Prinzen, an der vor allem sein Neffe – Lucian Kiggs – beteiligt ist. Auch Serafina gerät aufgrund ihres Wissens in die Ermittlungen hinein und auf einmal ist es nur noch schwer möglich, ihr Geheimnis zu wahren – vor allem da sie immer wieder neue Erkenntnisse erlangt, die vieles in einem neuen Licht dastehen lassen.

„Serafina: Das Königreich der Drachen“ ist so ein Buch, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob ich es lieben soll oder nicht. Pro- und Kontra-Argumente gibt es zur Genüge und am Ende läuft es doch wieder auf ein „Ja, aber“ hinaus – in der Hoffnung, dass es mit dem nächsten Band mehr zur positiven Seite schwenkt.

Fangen wir beim Offensichtlichsten an: den Drachen. Beschuppte Wesen werden immer einen Ehrenplatz in meinem Herzen haben, und dazu gehören selbstverständlich auch Drachen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich bisher erstaunlich wenige Bücher mit ihnen gelesen habe. Sei es, wie es sei, ich mag Drachen und wenn sie nicht nur die flugtalentierten, aber liebreizenden Feuerspeier sind, bin ich ein glücklicher Leser. Rachel Hartman hat mehr aus ihnen gemacht und ihnen ein mathematisches, vollkommen auf Logik bedachtes Wesen gegeben, was mich als ehemaligen (allerdings nicht sehr erfolgreichen) Mathe-LKler besonders erfreut hat. Aber auch diejenigen, die mit Zahlen nicht allzu viel anfangen könnten, sollten nicht verzagen, denn wenn Drachen mit den Menschen interagieren möchten, müssen sie in deren Gestalt wechseln. Oder die Menschen sprechen Mootya, die Drachensprache, was höchst unwahrscheinlich ist. In diesen Körpern werden sie mit vielerlei Dingen konfrontiert, allen voran Gefühlen, denen sie gesetzmäßig entsagen müssen. Wer ihnen anheimfällt, muss eine Prozedur über sich ergehen lassen, die jegliche Erinnerungen an sie und alle, die damit zu tun haben, auslöscht.
Es ist ein harsches System, das streng überwacht wird. So sehr ich die kleinen Missverständnisse und Plänkeleien mochte, die aufgrund des völlig anderen Wesens der Drachen entstanden, sie sind genauso wenig die Guten, wie es die Menschen sind.

Das zweite Steckenpferd des Buches sind die Charaktere. Ich gebe zu, dass ich mit Serafina nicht ganz so warm wurde, wie ich es mir erhofft hatte. Das liegt allerdings daran, dass ich einfach keinen solchen Draht zur Musik habe wie sie. Für mich mag Musik wichtig sein, für Fina ist sie nicht alles, aber fast.
Dafür gibt es genügend andere Charaktere, die keineswegs perfekt, dafür umso liebenswerter sind. Angefangen mit der jungen Prinzessin Glisselda, die sich noch viel zu sehr von anderen beeinflussen lässt, über den jungen Hauptmann Kiggs, Finas Drachenlehrer Orma (der besonders viel Applaus verdient), hin zu Lars und anderen Personen, die erst in diesem Buch auf Serafina treffen. Es gibt eine Vielzahl an Persönlichkeiten und Schicksalen und ich kann nur hoffen, dass wir sie im nächsten Band erneut treffen und mehr über sie erfahren können. Denn viel zu erfahren, gibt es noch.

Auch sprachlich überzeugt das Buch. Das Setting ist eines mit Schwertern, altertümlichen Gewohnheiten und erst langsam heraufziehender technologischer Entwicklung, und genau so hört sich die Sprache an. Bisweilen wirkt die Übersetzung ein wenig steif – wie das im Original aussieht, kann ich nicht sagen – aber je nach Situation passte e und die Fälle, in denen das nicht zutrifft, sind eher gering.
Warum also keine unvoreingenommene Begeisterung? Bisher hat das Buch alles, um zumindest gut zu sein.

Nun, mir fehlte hauptsächlich die Spannung. Dafür sollen zunächst vermutlich der Mord und seine Aufklärung sorgen, doch aufgrund mangelnder Hinweise gelingt das nur mäßig. Lange Zeit über zog sich die Handlung, und auch wenn mir nie langweilig war, so fehlte immer etwas.
Das Ende vertröstet da ein bisschen, denn zum Schluss wird es richtig rasant, so dass auch Actionliebhaber wie ich ein wenig auf ihre Kosten kommen.

Wäre da nicht die ein wenig übereilt wirkende Liebessache gewesen, könnte ich glatt wieder zufrieden sein. Aber auch hier darf eine kleine Romanze nicht fehlen, was keine Kritik sein soll. Zunächst ist sie auch überhaupt nicht präsent, vielmehr versteckt sie sich in schnell verworfenen Gedanken, so dass sich der Leser auf das Kommende freuen kann. Die Erkenntnis aber, dass es Liebe ist, kam mir zu schnell und ohne wirkliche Grundlage, einfach weil es ein zu starkes Wort für den Beginn dieser Beziehung ist. Vielleicht sehe ich es auch zu eng, immerhin ist dies oft ein Punkt, der mir negativ auffällt. Aber es gibt doch einen großen Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit, der viel zu oft nicht hervorgehoben wird. Wie dem auch sei, gegen den eigentlichen Fortgang dieses Teils der Erzählung lässt sich insgesamt nur wenig sagen. Daher ist auch das nur ein kleiner Kritikpunkt.

„Serafina: Das Königreich der Drachen“ hat seine positiven und negativen Aspekte. Während sich die Handlung etwas zieht und mir persönlich das Wort „Liebe“ zu schnell fiel, überzeugt das Buch mit unterschiedlichen und liebenswerten Charakteren und auch die Drachen, die wir hier kennenlernen können, sorgen für unterhaltsame Lesestunden. Bleibt abzuwarten, wie die Autorin ihre Geschichte weiterstrickt – ich werde das Ganze natürlich gespannt verfolgen.

Es gibt eine kleine Vorgeschichte zur Reihe. Die englische Ausgabe, die den Titel „The Audition“ trägt, könnt ihr hier lesen. Die deutsche Ausgabe, „Wie alles begann“, wird ab dem 19. November für 99ct erhältlich sein.
Der 2. Band der Reihe, „Dracomachia“, erscheint am 9. Juli 2013 auf Englisch.

HC US | PB US | HC UK

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13 thoughts on “Rezension | Serafina: Das Königreich der Drachen | Rachel Hartman

  1. Ich habs mir letzte Woche dann doch auch vorbestellt (PB). Ich hab auch bisher noch extrem wenig über Drachen gelesen, weiß gar nicht wieso, weil ich die eigentlich auch super finde^^
    Mal sehen wie das hier dann so bei mir ankommt^^

    • Wirklich viele Drachen tummeln sich bei mir auch nicht, leider. ): Aber so sagenhaft viel gibt’s ja auch nicht. Spontan wollen mir nur Firelight und Eragon einfallen. Okay, in GoT gibt’s ein paar Drächelchen, und in HP und der „Schwestern des Mondes“-Reihe auch. xD

      • Ah, das hatte ich bisher verdrängt. :0 Da hatte ich auch mal überlegt … Eragon will ich aber beispielsweise auf gar keinen Fall lesen. Warum auch immer, ich weiß es selber nicht. xD

      • ich glaub von Eragon hab ich auch mal den Film gesehen und mein Bruder hat auch die Bücher, aber irgendwie fehlte mir an denen auch immer der Reiz, wieso weiß ich aber auch nicht XD

  2. Waas? Wie kann man denn da hin- und hergerissen sein? :D Ich fand das Buch wirklich fantastisch und mir fällt eigentlich nichts ein, was ich an ihm aussetzen könnte (aber 5 Sterne kriegen halt nur die Lieblingsbücher ;)

    Ich denke die Steifheit der Sprache liegt nicht unbedingt an der Übersetzung. Der Schreibstil ist schon irgendwie… „gesetzt“.

  3. Pingback: November 2012 « Muh, das Telefonbuch

  4. Die Handlung des Romans ist zu langatmig und plätschert vor sich hin. Wirklich spannend wird es nicht, denn der Autorin ist es nicht gelungen den Leser wirklich zu fesseln. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Band spannender wird.

  5. Ich liebe dieses Buch! Ich kann mich gut in Serafina indentifizieren!!! Es ist einfach spannend… Ich rate jedem: Taucht un diese Welt, voller MUSIK, Drachen und Menschen, Liebe und Glauben ab! Es ist fazinierend!

Und ihr so?

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