Rezension | The Diviners | Libba Bray

The Diviners

Reihe: The Diviners #1
Genre: YA, Urban Fantasy
Verlag: Little, Brown
ISBN: 978-0-316-12611-3
Preis: $19.99
Erscheinungsdatum: September 2012
Format: Hardcover

Evie O’Neill lebt im Amerika der 1920er Jahre und abgesehen davon, dass sie ihren sehr eigenen Kopf hat, macht sie sich das Leben durch den unklugen Einsatz ihrer besonderen Fähigkeiten nur noch schwerer. Wenn sie einen Gegenstand berührt – und dieser eine signifikante Rolle im Leben des Besitzers spielt – kann sie die Vergangenheit der Person sehen. An sich sehr praktisch, aber nichts mit dem man auf Partys angeben sollte – was Evie allerdings macht. Nachdem sie dadurch in einen kleinen Skandal verwickelt wird, schicken ihre Eltern sie nach New York zu ihrem Onkel Will. Aber kann man das wirklich „Strafe“ nennen?
Zunächst sieht es nicht danach auch und Evie genießt mit ihrer Freundin Mabel das Leben dort. Dann aber wird ein Mädchen ermordet aufgefunden, mit Hinweisen auf ein Ritualverbrechen. Evies Onkel wir zu Rate gezogen und auch sie gerät in die Ermittlungen hinein. Während sie nach dem Mörder suchen, der selbst keine Ruhe gibt und sich weitere Opfer sucht, denen er brutal das Leben nehmen kann, wird auch klar, dass die Zeit für die „Diviners“ reif ist – für Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Für Menschen wie Evie.

Oh, Evie O’Neill! Sie bringt nicht nur sich selbst immer wieder in Schwierigkeiten, sondern sicherlich auch den einen oder anderen Leser in Bedrängnis – bei mir hat sie es zumindest so geschafft. Es ist zwar keine Hassliebe, die sich da zwischen uns entwickelt hat, aber es geht in diese Richtung. Einerseits ist Evie ein sehr lustiger Charakter, der das Geschehen ganz bestimmt nicht langweilig werden lässt; andererseits ging sie mir genau damit manchmal ganz schön auf die Nerven. Wäre ich Mabel und sie meine Freundin, hätte ich sie garantiert schon mal angebrüllt, vor allem wenn sie mal wieder meint, dass ihr Lebensstil der richtige ist.
Allerdings macht es sie authentisch – wer ist denn schon perfekt und wird in jeder Hinsicht von jemandem geliebt/gemocht?
Genauso verhält es sich mit den übrigen Charakteren, auch wenn wir sie nicht ganz so gut kennenlernen wie den 17-jährigen Wirbelwind. Evie ist nun mal der Hauptcharakter und so bleiben nur ein paar Kapitel für Memphis, Mabel, Theta, Sam und Jericho, aber sie bieten einen schönen Einblick und dass da noch mehr kommen wird, ist klar.

Besonders gut hat mir gefallen, wie mit beinahe jedem Kapitel auch wirklich eine neue Schicht hinzugefügt wurde. In vielen Büchern passiert zwar etwas, aber es bringt „nur“ den Plot voran (wenn überhaupt), hier aber erhalten wir immer wieder neue Informationen über das Geschehen, die Charaktere, die Vergangenheit und so kann sich auch das Bild, das das Buch beim Leser hinterlässt, immer wieder verändern.
Informationstechnisch ist „The Diviners“, wie so viele andere Bücher auch, zwar erst mal ein Auftakt, es wird aber genügend preisgegeben, um den Leser nicht frustriert zurückzulassen. Im Gegenteil: Meine Neugierde wurde geweckt.

Was die Morde angeht, ist „The Diviners“ vorerst eine eigenständige, in sich abgeschlossene – und bisweilen ziemlich gemeine – Geschichte mit Hinweisen auf kommende Probleme im nächsten Band. Die Morde werden gelöst, aber das heißt nicht, dass nicht gleichzeitig das Interesse am nächsten Band geweckt wird. Was hat es mit den Diviners auf sich, wer gehört noch alles dazu und wozu sind sie überhaupt da? Bei manchen Charakteren ist noch nicht ganz klar, wie sie in diese Sache verstrickt sind, und auch hier schafft Band 2 hoffentlich ein wenig Abhilfe.
Mit etwas Glück erscheinen manche Entwicklungen dann etwas logischer, denn auch wenn es sich hierbei um einen ansatzweise fantastischen Roman handelt, so kam mir manches Detail doch ein wenig an den Haaren herbeigezogen vor. Noch ist aber nicht aller Tage Abend und solange es später angemessen geklärt wird, will ich mich nicht beschweren.

Sprachlich orientiert sich das Buch an der Zeit, in der es spielt – zumindest ist das mein Eindruck. Ich bin generell kein Experte in Sachen Englisch, geschweige denn in amerikanischem Englisch und ganz bestimmt nicht im Englisch der 20er Jahre. Da wissen andere besser Bescheid und wer großen Wert darauf legt, dass es authentisch ist, sollte da mal nachfragen. Wer nicht ganz so viel Wert darauf legt und mit der Aussage zufrieden ist, dass es sich richtig anfühlt, kann erleichtert aufatmen: Das tut es. Vokabular und Ausdruck erinnern keineswegs an heute, womit unerfahrene Englischleser zu Beginn wenige Probleme haben könnten – ich bin aber recht überzeugt davon, dass diese sich schnell legen werden. Ich für meinen Teil bin von Anfang an gut damit zurechtgekommen. Letztlich trägt die Sprache auch viel dazu bei, dass die Atmosphäre der „Roaring Twenties“ aufleben kann.

04

„The Diviners“ von Libba Bray ist ein gutes Buch. Während die Protagonistin Evie sich selbst und den Leser ins Schwitzen bringt, verstecken sich auch im Hintergrund noch interessante Charaktere, die den nächsten Band sehr vielversprechend scheinen lassen. Einen Cliffhanger muss man aber nicht fürchten, das Buch ist in sich abgeschlossen, auch wenn nicht jede Frage restlos geklärt wird – manche Informationen bleiben dann doch für die Fortsetzung übrig. Auch sprachlich überzeugt das Buch, nicht zuletzt aber mit der den 20ern entsprechenden Atmosphäre. Wer sich trotzdem von der Seitenanzahl abschrecken lassen will: Lasst es dieses Mal bleiben, das Lesen lohnt sich.

„The Diviners“ ist der Auftakt einer neuen Reihe; zu den kommenden Bänden ist noch nichts weiter bekannt.

US-HC | UK-HC | australisches PB (weil’s so schön ist)
US 01 HCUK 01 HCAUS 01 PB

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