Rezension | Everlight: Das Buch der Unsterblichen | Avery Williams

everlight

Originaltitel: The Alchemy of Forever
Reihe: Incarnation #1
Genre: Romantik? Fantasy? YA?
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-65326-5
Preis: 14,99€
Erscheinungsdatum: Dezember 2012
Format: Hardcover

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Knaur.

London, 1349: Es ist ein schöner Abend für Seraphina, befindet sie sich mit ihren Eltern doch auf einem Maskenball und hat die Aufmerksamkeit eines charmanten jungen Mannes auf sich gezogen – wie sich herausstellt, ist es der Apothekerssohn Cyrus, dem sie schon seit Längerem nicht abgeneigt ist. Doch bevor ihre Zukunftspläne Gestalt annehmen können, geschieht das Unfassbare: Seraphina wird bei einem Überfall erstochen. Eigentlich hätte sie sterben müssen, doch Cyrus und sein Vater haben im Geheimen einen Weg gefunden, die Seele vom Körper zu trennen, sodass diese einen neuen übernehmen und weiterleben kann. Seraphina lebt und den beiden bleibt viel Zeit – für immer.
Heute ist von der einstigen Liebe nicht mehr viel übrig. Cyrus überwacht jeden von Seraphinas Schritten und schreibt ihr ganz genau vor, was sie zu tun hat. Sie dagegen will einfach nur noch weg. Weg von ihm, weg von diesem Leben, weg von den Morden. Doch ihr Plan, dass dies ihr letzter Körper sein soll, geht gehörig schief. Am Ende muss sie sich die Frage stellen, ob sie doch noch weiterleben möchte – aber zu welchem Preis? Außerdem ist nun Cyrus hinter ihr her, und verzeihen wird er ihr nie.

„Everlight: Das Buch der Unsterblichen“ ist nichts Halbes und nichts Ganzes, was sich schon zu Beginn recht deutlich zeigt. Ließ der Klappentext noch die „große Liebe“ zwischen Seraphina und Cyrus vermuten (zumindest am Anfang), so sieht es im Buch folgendermaßen aus: Sie treffen sich, es wird erwähnt, dass sie bereits früher miteinander geliebäugelt haben (mehr nicht!), Cyrus verspricht, um ihre Hand anzuhalten und dann wird sie im Grunde schon erstochen. Liebe? Nicht zu finden. Danach befinden wir uns auch schon im Heute, und in dem kann man nicht mal mehr von neutraler Akzeptanz reden.
Dass Seraphina danach im Körper einer Jugendlichen landet, sorgt einmal mehr für Verwirrung. Ist das jetzt ein Jugendbuch, kann sie die Jugendjahre nachholen, die ihr damals verwehrt wurden? (Sie war bei ihrem Tod 14 Jahre alt und landete im Körper einer vermutlich erwachsenen Frau.) Danach erinnert vieles wirklich an ein typisches Jugendbuch, sodass ich mich fragen musste, warum die Ausgangssituation mit dem Lösen der Seelen überhaupt notwendig war, auch wenn die Autorin in letzter Sekunde von diesem Weg wieder abweicht. Trotzdem bleibt das Buch schwer zuzuordnen, weil es nirgendwo wirklich dazugehört.

Es gibt einfach viel zu viele Dinge, die nicht hinhauen. So wird zum Beispiel mehrmals Seraphinas Alter auf 600 Jahre festgelegt. Nicht mehr als oder über 600 Jahre, sondern nur „600 Jahre“. Demnach hätten wir das Jahr 1935, auch wenn wir uns offensichtlich in der Gegenwart befinden. Das mag Erbsenzählerei sein, aber mal ernsthaft, solche Details sind nicht unwichtig.
Aber auch ansonsten wirkt der Inhalt sehr konstruiert. Es wäre schließlich zu einfach gewesen, wenn Seraphina tatsächlich entschlossen gewesen wäre – was sie behauptet – und ihren Plan in die Tat umgesetzt hätte. Stattdessen landet sie „versehentlich“ im Körper einer anderen, der sie eigentlich helfen wollte. Dass so etwas passieren musste, war klar, schließlich befanden sich noch einige Seiten zwischen dieser Szene und dem Ende. Es erscheint aber weniger als logische Konsequenz und mehr als ein verzweifeltes Bemühen der Autorin, die Sache in Gang zu kriegen.
Was danach kommt, ist schlichtweg vorhersehbar und dadurch unbeschreiblich langweilig. Gerade das Ende soll vermutlich das Interesse der Leser wecken, der bisherige Text hatte mich bis dahin aber längst so eingelullt, dass es mich nicht weniger kümmern konnte. Dass die Handlung an sich kaum vorangeht, hilft dabei nicht wirklich, was übrigens auch nicht von Seraphinas ständigem Hin und Her behauptet werden kann. Erst fasst sie ihren Plan, verschläft den richtigen Augenblick aber, dann ändert sie ihre Meinung, dann wieder und wieder und wieder. Es mag sein, dass ich für diese Art von Verhalten nicht der richtige Rezipient bin – wenn ich einen Entschluss gefasst habe, bleibe ich in der Regel dabei, komme da, was wolle – aber Seraphina scheint nie ernsthaft bei der Sache zu sein.

Das trägt herzlich wenig dazu bei, sie beliebt zu machen. Scheinbar wollte die Autorin einen netten Charakter vorstellen, und dass die Frau mehrere Jahrhunderte lang Menschen umgebracht hat – wenn auch angeblich solche, die „ohnehin“ sterben wollten; ein Wunsch, der von Cyrus nicht zwangsläufig beachtet wird, wie wir erfahren – merkt man ihr nicht an. Dafür stehen ihre anderen Fehler offen zur Schau und nur weniges, was sie positiv hervorhebt. Allein schon, was sie der Familie des Mädchens antut, dessen Körper sie übernimmt – noch wissen sie nichts vom künftigen Dilemma, aber nach spätestens zehn Jahren wird der Körper ohnehin zu Staub zerfallen, und was dann? Wird sie so tun, als würde sie weglaufen? Ihren Tod vortäuschen? Tatsächlich sterben? Das würde voraussetzen, dass sie einen ihrer Pläne tatsächlich durchführt und im Laufe der Geschichte werden genügend Gründe eingeführt, warum sie es nicht tun möchte. Es musste aber partout ein weiterer Konflikt eingeführt werden, der eigentlich nicht zu lösen ist und genauso überraschend kommt, wie alles andere auch: nämlich gar nicht.
Tatsächlich sind die einzigen sympathischen Charaktere nur Nebendarsteller, die zum Teil kaum vorkommen, an anderer Stelle kann man zumindest darauf hoffen, dass sie später öfter auftreten werden.

Einzig der Sprachstil ist oftmals angenehm und hat auch seine schönen Momente, leider wird er viel zu oft sehr kitschig. Bei Zeilen wie dieser auf Seite 234: „Ich hoffe, das reine Licht der Planeten beruhigt dich, damit sich die Wut, die du immer in dir hattest, wie Rauch in der Luft auflöst“, kann ich eigentlich gar nicht anders, als angewidert den Text anzustarren.
Schnörkel können gut sein, aber dann bitte in Maßen und nicht in Massen; zu viel wirkt eher abschreckend und ist in der Regel unnötig, so wie es auch die Zeichnungen sind, die den Text begleiten. Eigentlich freue ich mich über so etwas, aber in diesem Fall war es reine Dekoration, denn die gezeigten Blumen und Flakons (mehr war es nicht) hatten in den seltensten Fällen etwas mit dem Text zu tun.

02_Wertung

„Everlight: Das Buch der Unsterblichen“ von Avery Williams mag eine gute Grundidee haben, bietet letztlich aber nur eine konstruierte und vorhersehbare Handlung samt unsympathischer Protagonistin, die sich ihre Probleme oft selbst schafft. Das Buch ist über weite Strecken angenehm zu lesen, und wäre da nicht der immer wieder eingeflochtene Kitsch, könnte das glatt ein Pluspunkt sein. So ist es vielleicht nicht das schlechteste Buch, aber ganz gewiss kein gutes.

Auch hier handelt es sich wieder um den Auftakt einer Reihe, die ich in diesem Fall aber nicht weiter verfolgen möchte. Über die deutsche Veröffentlichung der kommenden Bände weiß ich nichts, auf Englisch wird Band 2 aber den Titel „The Impossibility of Forever“ tragen und im Juni 2013 erscheinen.
„The Alchemy of Forever“ ist mal wieder so ein Buch, bei dem mittendrin das Cover verändert wurde. Im neuen Design gibt es Band 1 nur als Paperback, Band 2 erscheint zunächst als Harcover. Wer Band 1 als HC haben möchte, klicke bitte hier für weitere Informationen, wahlweise wäre da noch das UK-Paperback in Betracht zu ziehen.

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