Reihe | Abby Lynn | Rainer M. Schröder

Abby Lynn 1 verbannt ans ende der welt_200Abby Lynn 2 verschollen in der wildnis_200Abby Lynn 3 verraten und verfolgt_200Abby Lynn 4 verborgen im niemandsland_200

Einzeltitel: Verbannt ans Ende der Welt | Verschollen in der Wildnis | Verraten und verfolgt | Verborgen im Niemandsland
Genre: historisches Jugendbuch
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-40168-2 | 978-3-570-40169-9 | 978-3-570-40170-5 | 978-3-570-40171-2
Preis: 7,99€
Erscheinungsdatum: November 2012
Format: Taschenbuch

England, 1804: Die 14-jährige Abby lebt in ärmlichen Verhältnissen, doch kriminell war sie nie. Als eines Tages ein Taschendieb seine Beute in ihren Korb fallen lässt, gerät sie in Panik und versucht zu fliehen – für alle Umstehenden und das damalige Rechtssystem steht ihre Schuld bereits fest. Doch ihre Probleme beginnen nicht erst mit der Verurteilung; schon die Einkerkerung zuvor ist eine Tortur, die sich noch verstärken soll, als sie zu sieben Jahren Sträflingsarbeit in der neuen Kolonie Australien verurteilt wird. Schon die Überfahrt zu überleben ist schwer, vor Ort nicht zu Grunde zu gehen umso mehr. Doch Abby hat Glück und gerät an die Chandlers, die sie als Arbeiterin bei sich aufnehmen – was nicht heißt, dass sie fortan ein einfaches oder gar glückliches Leben führen kann …

Wenn man sich die Widmungen der Bücher ansieht, so scheint es, als wäre „Abby Lynn“ zunächst als Einzelband geplant gewesen. Ein bisschen merkt man das den Büchern auch an, und nicht nur deswegen, weil im ersten Buch gleich mehrere Jahre abgehandelt werden, während sich die folgenden Bücher ein wenig mehr Zeit lassen und im Falle von Band 2 und 3 sogar nur mehrere Wochen umfassen.
Nein, auch inhaltlich fokussieren die Bücher immer wieder etwas anderes. Natürlich gibt es Abby als Konstante; sie ist die Hauptfigur der Reihe. Doch im ersten Band lässt sich genau das auch über Australien selbst behaupten, so wie sich der zweite Band mit der Diskriminierung der Ureinwohner beschäftigt. Erst in den letzten beiden Bänden ist wirklich Abby Mittelpunkt der Geschichte, was auch viel dazu beiträgt, dass diese beiden Bücher die spannenderen der Reihe sind. Durch die generellen Informationen mögen Band 1 und 2 sehr interessant sein, doch in Sachen Spannung halten sie sich sehr zurück. Das ändert sich nach der Hälfte, denn ohne „Ablenkung“ können sich sowohl der Leser als auch die Geschichte selbst auf Abby und ihr Schicksal konzentrieren, und gar ein wenig mitfiebern.

Wer die Bücher mit Blick auf Australiens Geschichte liest und zuvor nicht allzu viel über das Land beziehungsweise seine Vergangenheit wusste, ist mit den Büchern sicherlich nicht schlecht beraten. Experten werden hier nichts Neues erfahren, aber für einen ersten Einstieg sind sie zweifelsohne geeignet, gerade was die ersten beiden Bücher betrifft.
Wer eher an Geschichte und Charakteren interessiert ist, könnte etwas enttäuscht werden. Wie bereits erwähnt, sind die Bücher stets interessant, aber nicht immer spannend; hinzu kommt, dass sich eine charakterliche Entwicklung kaum erkennen lässt. Natürlich lernen wir Abby recht gut kennen, aber alle anderen bleiben im Hintergrund – selbst Andrew, der für sie so eine wichtige Rolle spielt, wird nie so genau beleuchtet, wie man sich das wünschen könnte. Andere, wie ihre beste Freundin Rachel, bleiben völlig im Schatten, bis sie mal wieder gebraucht werden. Wir bekommen zwar gesagt, dass Rachel und Abby wie Schwestern sind, doch in der Geschichte zeigt sich das kaum. Nebencharaktere müssen warten, bis sie etwas zur Handlung beitragen können – Platz für Zwischenmenschliches erhalten sie nicht.
Das mag im ersten Band noch nicht allzu dramatisch gewesen sein, da immerhin Ansätze erkennbar waren, mit der Zeit frustriert es aber ein wenig. Da wird hier und da eine Beziehung erwähnt, aber nie weiter geschildert und man fühlt sich beinahe verpflichtet dankbar zu sein, dass man auch mal davon erfahren durfte.
Überraschenderweise scheint gerade die Protagonistin im letzten Band eine plötzliche und unerklärliche Wandlung durchzumachen. Bewies sie noch im ersten Band, dass sie es bei der Arbeit mit einem jungen kräftigen Mann aufnehmen kann und zeigte dem Leser, dass sie einiges im Köpfchen hat, so benimmt sie sich im letzten Band, als hätte sie all dies vergessen und schreibt sogar jemandem anders den Verdienst zu, ein Leben gerettet zu haben – was, wohlgemerkt, nur durch sie gelang, da sie einen kühlen Kopf bewahrte und nachdachte. Ohne ihre Initiative wäre das nichts geworden, aber da der letztlich Ausführende ein Mann war – sie konnte aus bestimmten Gründen nicht weg –, ist das alles natürlich nur ihm zu verdanken. Ist klar.

Abgesehen davon ist auch der Schreibstil etwas, das seine guten und negativen Seiten hat. Zwar lässt sich der Text sehr leicht und angenehm lesen, manchmal funktioniert das aber nicht so, wie es sollte. Der Autor scheint nicht in der Lage zu sein, zwischen Erzähltext und wörtlicher Rede zu unterscheiden. Ich rede ganz gewiss nicht, wie ich schreibe, stattdessen werden Silben verschluckt, grammatische Strukturen ignoriert und vor allem drücke ich mich einfacher aus. Natürlich war es damals eine andere Zeit, aber selbst die Römer sprachen auf den Straßen Vulgärlatein und nicht das, womit die Schüler heute in den Schulen geplagt werden. Hier aber sprechen die Charaktere genau so, wie der Text geschrieben wurde und das wirkt bestenfalls steif und unnatürlich. Außerdem werden Sätze und neue Themen sehr gerne mit dem kleinen Wörtchen „so“ eingeleitet, was mir auf Dauer ziemlich auf die Nerven ging: So, nun fast abschließend nur noch eine kleine Bemerkung dazu!
Gerade in den letzten beiden Bänden driftet der Autor sprachlich ins Kitschige ab, was – natürlich – die Liebesszenen, aber auch die Sexszenen betrifft, die immer nur sehr grob angedeutet werden. Es hat mich schon recht amüsiert, dass Sex in den Büchern höchstens angedeutet, zum Glück aber auch nicht verteufelt oder stilisiert, wird, während die Beschreibungen der Zustände in den Gefängnissen, des rücksichtslosen Verhaltens einiger, der Krankheiten und Toten et cetera ein recht eindeutiges Bild vermitteln. Das aber nur am Rande.

03

Rainer M. Schröders Abby-Lynn-Reihe ist vor allem eines: interessant. Spannend wird es leider erst in den letzten beiden Bänden und dann hindern die fehlende Charakterentwicklung und der teilweise doch sehr steife Stil, dass sie wirklich gut sind. Aber sie lassen sich leicht und angenehm lesen, das muss man ihnen lassen. Für Australien-Anfänger sind diese Bücher sicherlich am besten geeignet.

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