Rezension | The Hobbit | J.R.R. Tolkien

The Hobbit

Genre: Fantasy, Kinder-/Jugendbuch
Verlag: HarperCollins
ISBN: 978-0-261-10334-4
Preis: £7.99
Erscheinungsdatum: August 2011
Format: Taschenbuch

Bilbo Baggins führt ein beschauliches, ruhiges Leben und wird in der Gemeinschaft sehr geachtet … zumindest war das der Fall, bis Gandalf, seines Zeichens Zauberer und das nicht nur hinsichtlich seines Feuerwerks, auftaucht und den Hobbit in etwas hineinzieht, das geradezu skandalös in der Welt der Hobbits ist: in ein Abenteuer. Mag ja sein, dass die Tooks manchmal auf Reisen gehen, von denen Bilbo mütterlicherseits abstammt, aber Bilbo! Kaum auszudenken, und doch findet er sich zusammen mit Gandalf und dreizehn Zwergen auf dem Weg zum Lonely Mountain wieder. Die Zwerge, angeführt von Thorin Oakenshield, sind ausgezogen, um ihren Schatz zurückzuerobern, der ihnen einst vom Drachen Smaug – zusammen mit ihrer Heimat – genommen wurde. Bilbo soll dabei ihr ganz privater Einbrecher sein, mal abgesehen davon, dass Bilbo auf diesem Gebiet keinerlei Erfahrung mit sich bringt. Aber es gibt vieles, das man noch lernen kann, und Stehlen und das Überstehen von Abenteuern gehört dazu.

Wenn man den Unterhaltungen so lauscht, ist J.R.R. Tolkien ein Autor, den man entweder liebt (zur Not so sehr, dass man einiges hinnehmen kann) oder (ein bisschen) hasst. Viele loben seinen ausführlichen Schreibstil, für andere ist genau das der Grund, warum sie wie Gollum reagieren, wenn man ihm seinen Ring weggenommen hat, sobald Tolkien zur Sprache kommt. Da ich zu denen gehöre, denen lange Umgebungsbeschreibungen auf den Geist gehen, hielt ich lange Zeit über Abstand – man muss sich ja auch nicht unnötig quälen. Die Geschichte an sich habe ich aber immer genießen können, zumindest die Filmversion, und mit dem Erscheinen des ersten Hobbit-Teils war es nun so weit: Ich wollte mich doch einmal an den Büchern versuchen, wenn auch mit einer gewissen Vorsicht.

Natürlich ist „The Hobbit“ ein Kinderbuch und ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass es sich auch sprachlich ein wenig zurückhält. Trotzdem war ich positiv überrascht, wie ich es immer bin, wenn sich alte Bücher erstaunlich leicht lesen lassen. Ich fand das Buch zwar bei weitem nicht so toll wie manch anderer – so viel sei vorweg gesagt –, aber am Ende hat mich die Geschichte doch ziemlich mitgerissen, wie einige Freunde dank WhatsApp und SMS-Flat live miterleben mussten. (Sorry noch mal.)

Dabei fing es gar nicht mal so gut an mit uns. Sprachlich war alles in Ordnung – Bildlichkeit ist okay, solange sie nicht ausufert und das tut sie hier nicht. Aber man erhält kaum einen Einstieg in die Welt, was mich persönlich doch ein wenig gestört hat, obwohl ich wahrlich kein Neuling in Mittelerde bin. Wir sind eben auf einmal drin und zack, geht’s auch schon los. Es ist eine rasante Geschichte, der es zu Beginn vor allem an charakterlicher Tiefe mangelt, was auch mein Hauptkritikpunkt ist. Wir lernen Bilbo ein wenig kennen, aber gerade die Zwerge werden nur vereinzelt und auch erst später genauer vorgestellt. Zunächst sind es einfach nur dreizehn Zwerge, deren Namen einmal komplett genannt werden – hätte ich den Film nicht mehrmals gesehen, hätte ich sie sofort wieder vergessen! – und im Laufe der Geschichte treten sie oft als Einheit auf. Es ist selten ein einzelner Zwerg, der etwas sagt, sondern sie alle scheinbar gleichzeitig: „they said“ eben statt „he said“.

Insofern lernt man eher die Rasse kennen, was trotzdem auch Spaß macht. Zwerge können nämlich ziemlich mies drauf sein, was für Bilbo ärgerlich, den Leser aber reichlich amüsant ist. „The Hobbit“ ist neben allem auch eine Geschichte mit Humor, der nicht nur Kinder unterhält. Mal abgesehen davon, dass ich das Buch manchmal in „The Hobbit Who Was Left Behind“ umtaufen wollte, liefern die verschiedenen Völker mit ihren Macken genügend Gründe zum Lachen. Gerade auch die Hobbits haben da die Nase vorn, denn Gollum hat mit seinem berühmt-berüchtigten „Nasty little hobbitses!“ gar nicht mal so unrecht.

Der fehlenden Charakterisierung und dem Film sei „Dank“, waren die ersten hundert Seiten ein wenig langweilig, was sich mit der Zeit aber änderte. Je weiter die Reise geht, desto gefährlicher wird das Abenteuer und desto besser für uns. Tolkien hat sich da wirklich einige gemeine Dinge einfallen lassen und konnte es sich auch nicht nehmen lassen, dem einen oder anderen geneigten Leser langsam und genüsslich das Herz herauszureißen. Teilweise weiß man schon vorher, was sich da (furchtbares) anbahnt, aber das ist nicht schlimm. Zum einen zeigt es nur, dass die Ereignisse logisch aufeinander aufbauen, zum anderen macht es das Ganze nur noch gemeiner, weil man bereits vorher ein bisschen leidet.
Das Ende ist wieder ein bisschen ruhiger und ließ mich trotz der Tränen lächelnd zurück – letztlich ist es ja wirklich ein Kinderbuch und soll unterhalten statt niederschmettern.

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Auch wenn „The Hobbit“ bei der Charakterisierung, besonders der Zwerge, stark hinterherhinkt, ist es ein unterhaltsames kleines Buch, das gar nicht so kindlich ist, wie es tut, und mich am Ende trotzdem mit einem Lächeln zurückließ. Je weiter die Reise voranschreitet, desto mehr schließt man den einen oder anderen Charakter, der dann doch an Konturen gewinnt, ins Herz und so wird auch die Geschichte immer spannender. Perfekt mag das Buch nicht sein, aber zu bieten hat es einiges.

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