Rezension | Soulless | Gail Carriger

Soulless

Reihe: The Parasol Protectorate #1
Genre: Urban Fantasy, Steampunk
Verlag: Orbit
ISBN: 978-0-316-05663-2
Preis: $7.99
Erscheinungsdatum: Oktober 2009
Format: Mass Market Paperback

Eigentlich wollte Alexia Tarabotti nur in Ruhe etwas essen, doch daraus wird nichts, als sich überraschend ein Vampir auf sie stürzt. Dumm für ihn, dass Alexia keine Seele besitzt und somit jede übernatürliche Fähigkeit annulliert, einschließlich der Fangzähne, mit der man ihr soeben noch in den Hals beißen wollte. Dumm für sie, dass besagter Vampir einige Verständnisprobleme diesbezüglich hat, sie erneut attackiert und eher versehentlich von ihr getötet wird. Als hätte sie nicht genug Probleme! Mit einem italienischen und toten Vater ist man in der Londoner Gesellschaft schon genug gestraft, erst recht wenn die Familie mit dem eigenen Intellekt nicht mithalten kann. Nun muss sie sich einmal mehr mit dem ungehobelten Lord Maccon herumschlagen, der bei solchen Ereignissen die Ermittlungen übernimmt. Noch weiß keiner, dass dieser scheinbar unwissende Vampir Zeichen für ein weitaus größeres Problem ist, das Übernatürliche jeder Art bedrohen könnte. Hätten sie es gewusst, hätte sich Alexia vielleicht nicht in die Ermittlungen gestürzt, aber nun … vermutlich doch.

Wenn ich „Soulless“ bildlich umschreiben sollte, sähe das in etwa so aus: Eine feine viktorianische Dame, die mit mir Tee trinkt, sich aber immer wieder diskret vorbeugt, um mir ein paar sehr pikante Details zu verraten, die nun wahrlich nicht für jedermanns Ohren bestimmt sind. Und sollte jemals – ganz unpassend und skandalös – Alkohol ins Spiel kommen, ließen sich sogar die pikant-pikanten Details erklären, sowie der kleine Exkurs des Buches ins Grausige gegen Ende. Man denke sich dabei eine Menge Zwinkern und Gekicher, aber nur wenn es gerade niemand sonst mitbekommt.

Ich glaube, das trifft es ansatzweise. Der Erzählstil des Buches ist einfach so herrlich „gestochen“, ohne jedoch zu steif oder gar künstlich zu wirken. Er entspricht ganz der Zeit – zumindest in meiner Vorstellung, Experte bin ich selbstverständlich nicht –, aber auch der Protagonistin Alexia Tarabotti, die zwar eine Lady ist, aber auch nur zu einem gewissen Grad. Der einzige Nachteil ist hier tatsächlich, dass trotz des Settings immer die amerikanische Variante genutzt wurde. Schade drum, an manchen Stellen störte das das Feeling ein klitzekleines bisschen.

Macht aber kaum was, immerhin beherbergt dieses Buch einige Charaktere, die ich ohne schlechtes Gewissen als „most awesome ever“ klassifizieren möchte. Alexia Tarabotti ist herrlich. Sie hat es unter den gesellschaftlichen Gegebenheiten wirklich nicht leicht, aber sie schlägt sich durch, so gut sie kann und lässt sich auch nicht davon abbringen, eine wunderbar kluge, amüsante Frau zu sein, die Sarkasmus im Grunde fließend spricht und die anderen nicht selten weiterhelfen kann. Hab ich erwähnt, dass ich ein bisschen in sie verliebt bin? Nein? Nun, ich bin ein bisschen in sie verliebt.
Das kann ich nur begrenzt für Conall Maccon sagen, der mir bisweilen zu besitzergreifen wirkt, mit dem zusammen sie aber einige Szenen hat, die ich eigentlich nur als Rawr-Momente umschreiben kann (nicht alle davon zu wirklich passenden Zeitpunkten, wie ich leider bemerken muss); abgesehen davon ist sie durchaus in der Lage, ihm Paroli zu bieten, so dass ihr Miteinander in der Regel bestens unterhält.
Neben den beiden gibt es aber noch zig andere; einige sind dabei weniger liebenswert, andere wie Maccons Beta Randolph Lyall, der Butler der Familie Tarabotti – Floote – und noch einige mehr sind es dafür umso mehr. In den kommenden Bänden werden sie hoffentlich noch viele Auftritte mehr haben, denn missen möchte ich sie um keinen Preis.

Neben einem offenbar historischen Aspekt lässt sich die Geschichte außerdem noch dem Steampunk-Genre zuordnen, wobei dieser Part nie sonderlich überwiegt. Die Technik ist Teil des Alltags und findet natürlich Erwähnung, ist aber nie so übertrieben präsent, dass es alles andere verdrängen würde. Sie fügt sich schlichtweg nahtlos in das Bild des unter anderem von Vampiren und Werwölfen bewohnten Londons ein, und was könnte man mehr wollen?
Die eigentliche Geschichte lässt sich ein wenig Zeit; zu Beginn war sie nur semi-interessant, was aber wenig ausmacht, da die Charaktere an sich schon verhindern, dass es jemals wirklich langweilig wird. Nach und nach steigert sich die Spannung aber, da mit laufenden Ermittlungen auch immer mehr Rätsel und auch Lösungen zu Tage kommen, was letztlich in einem wirklich spannenden Finale mündet, das sogar überraschend brutal ist – was ich persönlich aber nur gutheißen kann. Auf dem Weg dorthin warten einige Überraschungen auf den Leser, so dass das Buch in null Komma nichts ausgelesen ist.

Am Ende ist einiges geklärt, aber vieles wartet noch auf weitere Nachforschungen, die bereits jetzt Probleme versprechen. Allzu viele Sorgen muss man sich aber nicht machen, denn auch jede Menge spaßiger Szenen stehen in Aussicht, da die momentane Ausgangssituation eigentlich gar nichts anderes zulässt. Miss Tarabotti, wir werden uns also bald wiedersehen!

04

„Soulless“ von Gail Carriger ist ein spannender Auftakt, der zum Kichern und Schwärmen einlädt und besonders mit liebenswerten Charakteren überzeugt, auch wenn ich Lord Maccon noch nicht hundertprozentig über den Weg traue. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass Miss Tarabotti alles nach bestem Wissen und Gewissen handhaben wird und dass der nächste Band mindestens genauso lesenswert ist wie dieser.

Da nicht jeder ein solches Herz für Mass Market Paperbacks hat wie ich: Das Buch gibt es auch noch in normalem Paperback-Format sowie auch als Hardcover. Da steht zwar, dass dieses Format nur für Büchereien und Schulen sei, aber bestellen kann man’s scheinbar auch so.
Die Reihe ist mit fünf Bänden angeschlossen:

Changeless_200Blameless_200Heartless_200Timeless_200

In Deutschland ist die Reihe mittlerweile auch komplett erschienen, selbstverständlich mit vollkommen bekloppten Titeln: „Glühende Dunkelheit“, „Brennende Finsternis“, „Entflammte Nacht“, „Feurige Schatten“ und „Sengendes Zwielicht“; nichtssagender geht’s ja wohl nicht. Oh, und scheinbar mit einem Model, das überhaupt nicht passend gekleidet ist, aber da hab ich nur vage einen Blogeintrag der Autorin im Gedächtnis.
Außerdem wurde das Ganze mittlerweile als Manga adaptiert bzw. erscheint diesen September der dritte Band. Ab März wird es den ersten Band auch bei Carlsen geben. (Ein Klick auf die Bilder führt euch zur entsprechenden Verlagsseite mit allen Bänden.)

Soulless_dtsoulless_manga

Das war es allerdings noch nicht ganz. Es startete bereits ein Prequel, das 22 Jahre früher in der gleichen Welt spielt, aber die 14-jährige Sophronia Temminnick als Heldin präsentiert, die sich an einer Schule wiederfindet, die sie nicht nur zur Lady, sondern auch zur Spionin und tödlichen Waffe erziehen soll. Dem Alter entsprechend handelt es sich hierbei, bei Finishing School, mehr um eine YA-Reihe.
Ende dieses Jahres oder Anfang nächstes Jahres, ich hab da ein bisschen den Überblick verloren, startet außerdem The Parasol Protectorate Abroad, ein Sequel zur ursprünglichen Reihe.

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5 thoughts on “Rezension | Soulless | Gail Carriger

  1. Ich fand die Momente zwischen Miss Tarabotti und Conall Maccon einfach nur herrlich. Rawrr trifft es schon ziemlich gut, aber auch wenn sie sich nicht an die Wäsche gehen, liebe ich das Hin und Her der beiden miteinander.

    „Sengendes Zwielicht“ ist echt ein Knallerbuchtitel xD

    • Ich auch – es ist mir ja fast egal, was noch so alles geschieht, Hauptsache die beiden haben viele gemeinsame Szenen. xD

      Ja nicht? Regt richtig zum Kauf an. :D

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