Rezension | Scarlet | Marissa Meyer

Scarlet

Reihe: Lunar Chronicles #2
Genre: YA, Science Fiction
Verlag: Puffin Books
ISBN: 978-0-141-34023-4
Preis: £6.99
Erscheinungsdatum: Februar 2013
Format: Paperback

Scarlet Benoit ist niemand, der allzu sehr von anderen abhängt, doch gerade jetzt hat sie Hilfe dringend nötig: Ihr Großmutter ist ohne ihren ID-Chip verschwunden, was überhaupt nicht zu ihr passt. Ihre Vermutung ist, dass Michelle Benoit entführt wurde, doch die Polizei hat die Ermittlungen eingestellt, da sie kein Verbrechen dahinter vermutet. Doch Scarlet wird es ganz gewiss nicht dabei belassen und weiter nach der Frau suchen, die ihre einzige wirkliche Familie ist – dass sie dabei in etwas viel Größeres hineingezogen wird, weiß sie noch nicht. Aber selbst wenn, hindern würde es sie wohl trotzdem nicht.
Derweil muss Cinder lernen, mit dem klarzukommen, was sie über sich und ihre Herkunft erfahren hat. Sie ist nicht länger die ungewöhnliche Mechanikerin, sondern eine Gejagte, der eine große Verantwortung zuteilwird. Es treibt sie weg aus New Bejing und auch weg von Kai – doch wo sie genau hin soll, weiß sie noch nicht. Wo versteckt man sich auch am besten, wenn Menschen und Lunar gleichermaßen hinter einem her sind?

Nach „Cinder“ hätte ich am liebsten sofort mit „Scarlet“ weitergemacht – es ging nur nicht, da das Buch erst in einem Jahr erscheinen sollte. Dementsprechend groß war meine Freude, als das Buch endlich bei mir ankam, was selbstverständlich auch für meine Erwartungen galt. Größtenteils wurden diese auch erfüllt und dennoch gefiel mir der zweite Band ein kleines bisschen weniger als der erste.

Es gibt etwas, das Marissa Meyer scheinbar gar nicht falsch machen kann, und das sind die Charaktere. Ein paar sind uns aus dem ersten Band erhalten geblieben: Da wäre natürlich Cinder, die genauso liebenswert ist wie immer, und auch Kai und seine Berater haben einige, wenn auch nicht viele Auftritte – ebenso Levana und, wenn auch wenig erfreulich, Cinders Stiefmutter Adri samt Tochter Pearl. Wie viele hatte ich mir von diesem Buch erhofft, dass sich die Beziehung zwischen Cinder und Kai weiterentwickelt, doch so direkt kann man das leider nicht sagen – macht aber auch nichts, denn die anderen Charaktere wissen genauso gut zu unterhalten. Cinder trifft beispielsweise auf den Amerikaner Thorne, der mit so einigen Wassern gewaschen ist, was man ihm auch deutlich anmerkt. In Cinders Parts bin ich ihm (und natürlich Cinder) sei Dank kaum mehr aus dem Lachen herausgekommen und wenn doch, dann war Iko zur Stelle, um etwas dagegen zu unternehmen.
Auch bei Scarlet wird es nicht langweilig. Sie selbst ist eine bodenständige junge Frau mit ihrem eigenen Kopf, den sie auch durchzusetzen weiß – wenn sie mit einem Gewehr auf dich zielt und meint, dass sie dich erschießen wird, wenn du nur einen Schritt näher kommst, dann meint sie das auch so. Der Sturkopf trifft aber auf einen ebenbürtigen „Gegner“: Wolf, ein Straßenkämpfer mit erstaunlicher Kraft und einigen Geheimnissen, die er erst nach und nach preisgibt – einige davon könnten nicht nur ihm zum Verhängnis werden.
So war es egal, aus wessen Sicht die Geschichte gerade erzählt wurde, es machte jedes Mal Spaß, selbst wenn nichts Lustiges oder Schönes passierte. Immerhin befinden sich viele hier in ziemlicher Bedrängnis, und dementsprechend groß sind die Sorgen unserer Charaktere. Sie alle zusammen bilden ein wunderbar liebenswertes Ensemble, bei dem man wirklich mitfiebern kann – ich jedenfalls habe es getan, und das auch unabhängig vom Fortgang der „großen“ Handlung.

Diese lässt sich wie schon beim ersten Band etwas Zeit. Zwar fand ich „Scarlet“ in keiner Hinsicht so vorhersehbar wie es „Cinder“ teilweise war, allerdings zieht sich die Handlung ein wenig mehr hin. Das ist, wie gesagt, nicht so schlimm, da die Charaktere auch so sehr gut unterhalten. Wer in „Cinder“ kein großes Problem damit hatte, wird sich auch hier nicht allzu sehr daran stören.
Es liegt auch an der Geschichte und ihrem Aufbau, denn dieses Mal werden viele verschiedene Perspektiven beachtet. Mal sind wir bei Cinder und Thorne, dann wieder bei Scarlet und Wolf, und dann wieder bei Kai. Die Probleme werden aus verschiedenen Sichten geschildert, denn auf die eine oder andere Weise betrifft es immer alle. Daher braucht auch die Handlung ein wenig länger, um voranzukommen, was sich irgendwann einfach bemerkbar macht. Zwischendurch wird es aber nicht langweilig, denn es gibt eine ganze Menge zu entdecken und Geheimnisse zu lüften. Zu verbergen hat im Grunde jeder was und es macht Spaß zuzusehen, wie der momentan erzählende Charakter endlich darauf kommt und bei einem selbst für einen Aha-Moment sorgt, oder auch nur eine gehegte Vermutung bestätigt.
Zum Schluss legt Marissa Meyer außerdem, ganz wie im ersten Band, noch einmal richtig los; das Finale ist ihr wirklich mehr als gelungen und wieder einmal hatte ich nach dem Beenden des letzten Satzes das Bedürfnis, sofort zum nächsten Band zu greifen – aber das dauert mal wieder ein Jahr.

04

Ich bin letzten Endes von „Scarlet“ nicht ganz so sehr begeistert wie von „Cinder“, aber fast. Es zieht sich ein wenig mehr in die Länge, da der zweite Band doch ein paar größere Dimensionen annimmt als der erste. Ansonsten überzeugt das Buch aber auf ganzer Linie. Besonders die Charaktere sind Marissa Meyer einmal mehr wunderbar gelungen, sodass ich gar nicht weiß, für wen ich am meisten schwärmen soll – und im nächsten Jahr kommen gleich noch mehr dazu. Emotionen, ich komme!

Bisherige Rezensionen zur Reihe: Cinder

Neben den britischen Ausgaben gibt es natürlich auch die „Originale“, die amerikanischen Hardcover, die covertechnisch fast gleich sind:

CinderScarlet

Bisher sind auch zwei Kurzgeschichten veröffentlich worden: Einmal Glitches, ein Prequel zu „Cinder“, das erzählt, wie der junge Cyborg zu den Linhs kam. Die zweite Kurzgeschichte, The Queen’s Army, kann man vor „Scarlet“ lesen, muss man aber nicht. Sie beleuchtet ein wenig den Hintergrund eines wichtigen Charakters, der im zweiten Band vorkommt, sorgt aber auch dafür, dass man Informationen hat, ehe sie im zweiten Band zur Sprache kommen. Mich hat das nicht gestört, im Gegenteil. Aber wenn euch das nicht gefällt, lest ihr die KG besser nach dem zweiten Band.
Ansonsten stehen noch zwei weitere Bände aus, „Cress“ und „Winter“, die 2014 (*heul*) und 2015 (*schluchz*) erscheinen sollen, auch wenn die Mehrheit der Leser sie vermutlich sofort in den Händen halten möchte.

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2 thoughts on “Rezension | Scarlet | Marissa Meyer

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