Rezension | Soulless | REM

Soulless Manga Der Manga basiert auf dem Roman Soulless von Gail Carriger.

Reihe: The Parasol Protectorate #1
Genre: YA, Fantasy
Übersetzerin: Harriet Fricke
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-76383-9
Preis: 14,90€
Erscheinungsdatum: März 2013
Format: Hardcover

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Carlsen.

Miss Alexia Tarabotti ist 26 Jahre alt, zur Hälfte Italierin, unverheiratet – und seelenlos. All das macht sie zu einem hoffnungslosen Fall auf dem viktorianischen Heiratsmarkt, doch sie weiß ihr Leben durchaus selbst zu gestalten. Dazu gehört manchmal, sich in die Angelegenheiten von Lord Maccon einzumischen, der unter anderem für die Übernatürlichen in London zuständig und selbst Alpha eines Werwolfrudels ist. Begeistert ist er darüber wenig, zumindest behauptet er das, aber Fakt ist, dass ein bisschen Hilfe recht praktisch ist. Denn immer mehr Vampire und Werwölfe ohne zugehöriges Rudel verschwinden, während Vampire ohne jede Zugehörigkeit auftauchen, die nichts über die Gegebenheiten ihres neuen Lebens zu wissen scheinen. Es wird also Zeit für Miss Tarabotti und Lord Maccon zu ermitteln, wenn sie sich nicht gerade streiten. Aber es ja bekannt: Was sich neckt, das …

Für sich gesehen, hat die Mangaadaption zu Gail Carrigers „Soulless“ es schwer, perfekt zu sein – immerhin bringt die Vorlage einige Kleinigkeiten mit sich, die den einen oder anderen Leser durchaus stören können. So ließ es die Handlung im Buch eher ruhig angehen, die Ermittlungen gingen langsam voran und wurden erst gegen Ende richtig spannend und auch überraschend brutal; daran kann der Manga schlecht etwas ändern, schließlich soll hier keine vollkommen neue Geschichte erzählt werden.
Ähnlich verhält es sich mit Lord Maccon, mit dem einige kein Problem haben mögen, mir persönlich ist er zu besitzergreifend, als dass ich ihn durchweg sympathisch finden könnte; das wiederum ist im Manga ein klein wenig abgeschwächt, ohne aber seinen Charakter komplett zu ändern.
Wer also zum Manga greift, sollte mit diesen Dingen rechnen, vorhalten kann man sie ihm aber nicht.

Insgesamt lässt sich zur Geschichte sagen, dass sie – dem Medium entsprechend – ein wenig gekürzt erscheint. Der Eindruck wird aber auch durch die ganzen zusätzlichen Informationen, die nunmehr nicht niedergeschrieben, sondern zu sehen sind, verstärkt. Aber auch an sich ist das nicht als negative Kritik gemeint. Es gab zum Beispiel Szenen im Buch, die unpassend lang waren, was hier anders ist. Statt die Charaktere gedanklich zur Eile drängen zu müssen, kann man wunderbar mitlachen und sich später sogar ein wenig gruseln, wenn man dafür empfänglich ist – selbst wenn nicht: Dank der zeichnerischen Umsetzung ist es gegen Ende doch wenigstens atmosphärisch interessant, auch wenn Monster einen normalerweise kalt lassen.

Insofern steht die Geschichte der Vorlage in nichts wirklich nach, und auch in den Zeichnungen findet sich der Humor von „Soulless“ wieder. Ob das nun Professor Lyalls resignierter Blick ist, oder Lord Maccon, der mal wieder aus der Haut fährt (oder ganz unauffällig auf eine bestimmte Stelle starrt), oder auch Alexia, deren herrlich frustriert-genervtes Gesicht oft zu bewundern ist. Natürlich wird nicht jeder Charakter komplett den eigenen Vorstellungen entsprechen, aber sie sind doch interessant gestaltet, so dass ich bei niemandem das Gefühl hatte, eine komplett andere Person zu sehen.
Eigentlich bietet in dieser Hinsicht wirklich nur Alexia Grund zur Kritik, die zwar der Buchvorlage entsprechend große Brüste hat, für eine große Nase hat es aber scheinbar nicht mehr gereicht – oder hat man sich das nicht getraut? Die Queen wurde damit eigentlich nicht verschont, warum ist es also bei unserer Protagonistin ein typisches Mangastupsnäschen geworden? Vielleicht erklärt das aber, warum ihre Brüste erstaunlich oft auf dem Kleid herauszufallen scheinen, so als eine Art Wiedergutmachung. Wirklich begeistert war ich davon aber nicht, denn auch wenn man damals sicherlich schon Ausschnitte trug, hat alles seine Grenzen. Hätte Alexia im Manga Brustwarzen gehabt – hat sie nicht, nebenbei bemerkt – hätte man diese sehr häufig zu Gesicht bekommen müssen, so tief saß manchmal das Kleid, während teilweise im nächsten Panel wieder Dreiviertel der Brust bedeckt sind. Warum das notwendig war, will sich mir nicht recht erschließen.
Ansonsten lässt sich über Proportionen und Perspektiven nichts Negatives sagen. Der Zeichenstil von REM ist nicht zu detailreicht, aber ansprechend – ganz ohne würde es auch gar nicht gehen, denn wo wäre dann der Reiz der viktorianischen Mode, die man hier bewundern kann? Die Zeichnungen stechen nicht als besonders hervor, sind aber doch gekonnt und schön anzusehen – selbst wenn Lord Maccon das Gesicht verzieht.

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Die Mangaadaption von „Soulless“ aus der Feder von REM eignet sich wunderbar für Fans und Neuleser gleichermaßen. Selbst wer vor dem zweiten Band noch einmal das Gedächtnis auffrischen möchte, kann gerne zum Manga greifen, um die wichtigsten Punkte in Erinnerung zu rufen. Aber auch die, die das Buch nicht kennen, werden ihren Spaß mit der Geschichte haben, und auch diejenigen, die mit Mangas wenig vertraut sind, brauchen sich keine Sorgen zu machen: Das Buch wird, ganz auf „westliche“ Art, von „vorne nach hinten“ gelesen. „Soulless“ ist eine gelungene Adaption, lediglich die Darstellung von Alexias Oberweite ist bisweilen fragwürdig.

Es handelt sich hierbei um die Mangaadaption des ersten Bandes der Parasol Protectorate-Reihe von Gail Carriger. Die Adaptionen von Band 2 und 3 sind bei Carlsen wohl schon in Planung, der amerikanische Verlag hat Band 2 bereits veröffentlicht, der dritte wird diesen September folgen.

Changeless MangaBlameless Manga

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8 thoughts on “Rezension | Soulless | REM

  1. Ich finde den Manga echt toll umgesetzt *__* Ich mag den Zeichenstil total gern, gerade diese vereinfachten Gesichter, die irgendwelche Emotionen wiederspiegeln (wenn Lord Maccon zum Wolf wird xD).
    Na ja, und über die Brüstenummer und die Nase müssen wir ja nicht mehr groß reden -.-

    • Im Nachhinein frag ich mich, ob’s nicht besser gewesen wäre, das Ganze auf Englisch zu lesen – allein schon weil „preternatural“ hier mir „Paranormaler“ übersetzt wurde, was ich irgendwie doof finde, auch wenn mir nichts anderes einfallen will. xD (Andererseits sind die deutschen Ausgaben schweineteuer, aber auch coole Hardcover.)
      Aber der Zeichenstil ist echt schick! Bin schon sehr gespannt auf kommende Charaktere. *-*
      Nee, wirklich nicht. Vermutlich steckt da nichts weiter dahinter als Fanservice. >->

      • Oh, ich hab gar nicht gecheckt, dass du den auf Deutsch gelesen hast. Wusste gar nicht, dass es den überhaupt gibt auf Deutsch :O
        Das ist doch total dämlich Preternatural damit zu übersetzen… ich meine, ist das nicht quasi das genaue Gegenteil? o.O

        Was meinst du denn mit Fanservice?

      • Den gibt’s auch erst seit diesem Monat, frischer geht’s nicht. :D
        Ganz das Gegenteil ist es nicht, aber so richtig passt es trotzdem nicht. (Zumindest wenn mich dictionary.com nicht anlügt: „a prefix, meaning “beyond,” “more than,” “by,” “past,” occurring originally in loanwords from Latin (preterit), and used in the formation of compound words (preterlegal).“ xD)

        Dass es einfach nur eingearbeitet ist, um eine gewisse Leserschaft zufriedenzustellen – in anderen Mangas gibt’s dann z.B. überdimensional große Brüste, kurze Rückchen und oft Perspektiven, aus denen man das Höschen zeigen kann.

      • Hm, na gut, aber wenn man das Buch inhaltlich betrachtet, ist es schon ne dämliche Übersetzung :P

        Aah, du meintest Fans von Mangas, nicht Soulless Fans, richtig? Dann macht das Sinn :)

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