Reihe | Santa Olivia | Jacqueline Carey

Santa OliviaSaints Astray

Einzeltitel:
Santa Olivia,
Saints Astray
Genre:
Urban Fantasy, Dystopie
Verlag:
Grand Central Publishing
ISBN:
978-0-446-19817-2
978-0-446-57142-5
Preis:
$13.99, $14.99
Erscheinungsdatum:
Mai 2009 – November 2011
Format:
Trade Paperback

Goodreads

Die Menschen von Santa Olivia – heute nur noch als Outpost 12 bekannt – haben es nicht einfach. Nach einer verheerenden Epidemie und angeblichen Angriffen der Mexikaner gehört der Ort offiziell nicht mehr zu den USA und ist aus dem Gedächtnis der meisten verschwunden – nur die, die dort leben, wissen davon und bemühen sich, unter der Militärherrschaft zurechtzukommen. Carmen Garron ist dabei nur eine von vielen, wäre da nicht ihre Tochter Loup, deren Vater genetisch manipuliert war. Loup ist übermenschlich stark und schnell, und kann keine Angst empfinden. Was sie im Krieg wohl zu einer wertvollen Waffe macht, ist hier eine Gefahr, da Loup nie weiß, wann sie ein Risiko eingehen sollte und wann es fatal wäre. Außerdem darf das Militär nicht von ihr erfahren – rein rechtlich gesehen, ist ihre DNA, ist sie das Eigentum der USA, auch ohne Staatsbürgerschaft. Es ist ein Leben im ewigen Verstecken, doch wie lange kann so etwas gut gehen?

Zwei Dinge vorweg: Der Inhalt der Bücher ist verflucht schwer zusammenzufassen und am Ende waren sie ganz anders, als ich erwartet hatte. Beides hängt vermutlich miteinander zusammen, wobei ich froh bin, dass ich bei Band 2 den Klappentext gar nicht erst gelesen habe – der verrät nämlich einen Großteil der Handlung. Allerdings hatte ich, auch aufgrund des Covers, mit einer erwachsenen Protagonistin gerechnet, die als Santa Olivia den Bösewichten in den Hintern tritt. Zu einem gewissen Grad ist das auch das, was man bekommt, aber eben nicht ganz.
Ich hätte es nach „Kushiel“ eigentlich besser wissen sollen, denn auch dort verwendet die Autorin die ersten 100 Seiten, um ihre Protagonistin vorzustellen, ihr Leben zu schildern, dem Leser zu zeigen, wie sie so aufgewachsen ist. Das ist auch in „Santa Olivia“ der Fall – Jacqueline Carey geht sogar noch weiter zurück, denn zunächst erzählt sie Carmens Geschichte: Wie sie lebt, wie sie Tommys (Loups Halbbruder) Vater kennenlernte, was mit ihm geschah, wie es weiterging und sie Loups Vater begegnete, warum er weg musste, und erst dann kommt Loup ins Spiel. Sie wird in diesen Passagen nicht unnötig ausufernd und für mich ist es einer der positiven Punkte des ersten Buches. Man bekommt ein Gefühl für den Ort, die Charaktere, erfährt, warum Loup leben muss, wie sie lebt, warum sie ist, wie sie ist, ohne dass diese in der Gegenwart zu ellenlangen Erklärungen ansetzen muss. Es ist eine elegante Lösung, die anderen Lesern aber auch weniger gefallen kann.

Auch ansonsten lassen es beide Bücher sehr ruhig angehen. In Band 1 startet die „richtige“ Handlung erst nach der Hälfte des Buches, so lange dauert es, bis es zur entscheidenden Wendung kommt. Schon hier hatte ich das Gefühl, dass sich die Handlung ab einem gewissen Punkt zu sehr zieht, dennoch konnte ich das Buch gut genießen. Allerdings war meine Notiz nach dem Beenden des ersten Buches: „Aber jetzt müssen sie echt was MACHEN!“ Band 1 ließ mich mit gewissen Erwartungen zurück, die Band 2 nicht zu erfüllen vermochte.
Ja, sie machen was. Aber ehe es dazu kommt, vergeht viel, sehr viel Zeit. Einerseits ist es verständlich, denn auch mit übernatürlichen Kräften kann man nicht einfach ein ganzes System umkrempeln – Loup mag eine Superheldin sein (ja, das ist sie!), aber sie ist eine realistische Superheldin, denn trotz aller Kräfte kann man nie alles können. So weit, so gut – trotzdem wurde es irgendwann langweilig. Loup erlebt viel und viel Schönes, aber bis das einen Effekt auf den eigentlichen Plot hat, vergeht zu viel Zeit – nach einer Weile nervten mich sogar die Sexszenen, obwohl diese alles andere als ausufernd sind. Früher oder später stellt sich aber die Frage, wozu das Ganze dienen soll – da der Plot vorher schon nicht-existent war, verschlimmert jede weitere Szene, die dafür nicht signifikant ist, das Gefühl nur. Das verdirbt teilweise auch den Spaß, den man mit späteren Charakteren durchaus haben kann – den hat man erst wieder richtig, wenn die Handlung endlich weiter vorangeht. Später wird es sogar wieder spannend, es geht also auch anders.

Worüber man wenig Negatives sagen kann, sind mal wieder die Charaktere. Ich hatte Carmen kaum kennengelernt und fieberte schon mit ihr mit, dabei ist sie nicht einmal die Protagonistin. Mit der Zeit kommen immer mehr Charaktere hinzu: Da ist natürlich Loup, die auf ihre furchtlose Art und Weise inspirierend ist. In dem Zusammenhang fand ich auch eine Aussage ihres Bruders – noch ein wunderbarer Charakter, der mir mit seiner Fürsorge das Herz aufgehen ließ –, als er erfährt, dass Loup in ein Mädchen verliebt ist, wirklich klasse: „That’s just one more thing you’re not afraid of, right?“ (Seite 116). Jacqueline Carey präsentiert Homosexualität (oder zumindest Nicht-Heterosexualität – es wird nie ganz geklärt, ob es vielmehr an der Person als dem Geschlecht liegt) hier als das Normalste der Welt, was es auch ist, auch wenn viele sich sträuben – vielleicht wirklich aus Angst, immerhin ist dies ein Gefühl, das die irrationalsten Reaktionen hervorrufen kann und anders kann man die Ablehnung, die oftmals an den Tag gelegt wird, nicht bezeichnen. Allein dafür habe ich „Santa Olivia“ ein bisschen lieben müssen – andererseits habe ich von der Autorin nichts anderes erwartet.
Aber auch Menschen wie der Priester des Ortes, der gar kein Priester ist, Loups Freunde mit ihren Macken und Fehlern, all die Charaktere, denen sie mit der Zeit begegnet … nicht alle lernt man gleich gut kennen, nicht alle wird man mögen, aber trotzdem habe ich in den meisten etwas finden können, das mich interessierte.
Lediglich Loups Beziehung ging mir an einer Stelle zu schnell voran, was leider auch Auswirkungen auf die spätere Entwicklung hatte. Zunächst fand ich alles ganz wunderbar, aber dann gibt es einige Sprünge und plötzlich ist von Liebe die Rede. Ab da verlor ich ein wenig den Bezug zu der Beziehung. (Mal abgesehen davon, dass es gegen Ende echt kitschig wurde – da muss man nun einmal ein Fan von sein.)

Apropos Ende: Das wiederum hat mir richtig gut gefallen, da es weder geschlossen noch offen ist. Der Hauptkonflikt ist gelöst, trotzdem gibt es für die Zukunft zig Handlungsoptionen, die Loup in alle möglichen Richtungen führen können. Die muss man aber gar nicht weiter verfolgen, zumindest nicht in Buchform; mittlerweile haben wir Loup gut genug kennengelernt, um selbst zu wissen, wie es wohl weitergeht.
So bleibt eine Geschichte, die im zweiten Band zwar nachlässt (zumindest in Sachen Spannung), sich aber immer wieder damit beschäftigt, was uns wohl zu Menschen macht, wie ehrlich man sein muss, um ein guter Mensch zu sein. Ein Priester, der eigentlich kein Priester ist, kann immer noch Gutes tun – vielleicht sogar mehr als ein richtiger Geistlicher. „Santa Olivia“ und „Saints Astray“ beschreiben, wie gut es sein kann, man selbst zu sein, auch wenn man dafür kämpfen muss – und auch, dass man besser werden kann, erst recht wenn man es selbst am wenigsten erwartet. Die Bücher sind also alles andere als inhaltlos, nur die Handlung weist ein paar Macken auf. Deswegen läuft es auch auf vier Sterne für Band 1 und drei Sterne für Band 2 hinaus.

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„Santa Olivia“ ist ein gutes Buch, „Saints Astray“ hinkt da leider nur noch hinterher. Der Fehler der Bücher ist eigentlich nur ihre Langsamkeit, die im zweiten Band einfach zu extrem wird. Ein im Scherz vorgeschlagener Titel war damals „Loup and Pilar’s Excellent Adventure“ und das beschreibt den Inhalt eigentlich am besten. Es gibt viele Abenteuer, aber wenig, das die eigentliche Handlung voranbringt.
Ansonsten ist es ein wahres Carey-Buch, das mit einem angenehmen Stil und ausgearbeiteten Charakteren überzeugt, und sich außerdem – „trotz“ der Jugend der Charaktere – an Sexszenen heranwagt. Thank whoever for Jacqueline Carey!

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